lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

geifer

mhd. bis spez. · 13 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
14 in 13 Wb.
Sprachstufen
5 von 16
Verweise rein
26
Verweise raus
22

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

geifer m.

Bd. 5, Sp. 2564
geifer, m. ausflieszender speichel, nur hd. (oberd. und md.), mhd. geifer, s. unter 1, a; nebenformen sind geifel (s. d.), wie -er und -el oft wechseln, wetterauisch geiber (gespr. gâwer) Weigand, besonders aber im vocal bemerkenswert gefer, gever (s. 1, a, wie sever neben seiver das.), nicht mit nd. ê, sondern mit gebrochnem e wie es scheint, da auch gifer zu vermuten ist nach gifferer für geiferer (s. d.); daher auch gäfer neben geifer Stieler 938, wol thür., jenem gëver entsprechend. Dasz es von geifen gebildet ist in dessen ursprünglicher bedeutung vom offenstehen des mundes (s. dort 2), dafür spricht auch der mlat. name oscedo, eigentlich gähnsucht (s. 1, a), der von den ärzten herrühren wird; auch in der form vergl. das westmd. geiber mit geiben für geifen 3, c. 11) 1@aa) mhd. im 14. jh. geifer saliva (neben spaichel sputum) Wack. voc. opt. 1, 66, dann oft im 15. jh.: oscedo, gaifer, geyfer neben saifer, seifer Dief. 402a, nov. gl. 274b (das lat. wort auch mit gehnesucht, mundstank, gestank von mund erklärt), sputamen geyver, geyffer (auch seyver, sever), sputum gaiffer, gefer 549b, gever nov. gl. 346b, gaiffer oder spaichel, saliva voc. 1482 k 1a. im 16. jh.: der geiffer, oris excrementum, saliva Maaler 164b; geifer oder seifer. Helber syll. 35. 1@bb) besonders bei kindern, denen der speichel von selbst aus dem munde sickert (vgl. geiferlätzchen u. ähnl.): da das kind ein halbes jahr alt war, bemerkte ich, dasz ihm immer viel geifer aus dem munde flosz. Salzmann C. Kiefer 29; als sprichwort im 16. 17. jh.: dem kindlein war nie basz, denn da es rotz und geifer asz (in der wiege). Henisch 1441. aber auch in gewissen krankheiten, bei tobsucht, wütendem gebaren, daher von David, als er sich vor könig Achis toll stellt: und verstellet sein geberde fur inen und kollert unter iren henden .. und sein geiffer flos im in den bart. 1 Sam. 21, 13 (vergl. geiferbart). doch wol auch für speichel überhaupt, wie schon die angaben der vocc. u. a andeuten: geiffer im munde, den man ausspürtzet. Luther hauspost., wint. 26a (Dietz 2, 49a). 1@cc) bei thieren, z. b. rossen: sie rennen scheu davon .. sie röthen mit blutgem geifer das gebisz. Schiller Phädra 5, 6. weidmännisch: geifer heiszet der zähe, klare speichel, der den leithunden, englischen docken und bullenbeiszern gar oft zu beiden seiten der waffel wie lange faden herab hänget und endlich abfället, denn diese racen der hunde geifern mehr als alle andern. Heppe leithund 282. daher vom Cerberus, bildlich (vgl. 2): grausamer wüterich, verfluchter ketzer-eifer! dich zeugte nicht (etwa) die höll' aus Cerbers gelbem geifer, nein, heil' ge zeugten dich u. s. w. Haller 91 (falschh. menschl. tugenden); vergl. bei Keisersberg unter geifermaul vom geifer der sünden, den der teufel einem einspeuwet. 22) bildlich von reden eines wütenden oder albernen, die ihm gleichsam wie der unrat aus dem munde gehen, im 16. jh. als kraftwort im federgefecht beliebt (vergl. geifermaul, geifern 2): noch wollen sie allein recht und macht haben ... verstehen weder schrift, so viel sie ir füren, noch iren eigenen geifer. Luther 2, 496a; der thut er keines (was sich als beweis seiner behauptung gebürte), geifert nur seinen eigenen geifer daher, und das sollen wir denn als für artikel des glaubens halten. 3, 51b; fragestu abermal, wo ist schrift? wo ist grund? wo gibt das der text? so zeigt er dir seinen geifer .. 74a; wider solche donnerschläge der schrift thut er nicht mehr, denn setzt seinen bloszen und nacketen geifer daher. 464b, wo es denn zugleich in den begriff tolle dumme einfälle, willkürliches keckes behaupten übertritt, vergl. bei Dietz 2, 49a wie du deinen geifer, deine lugen, deine trewme in die schrift tregst, auch das er die heiligen schrift mit seinem unnutzen geifer begeifert. wie sinnlich es aber noch zugleich gedacht war, zeigt z. b.: (der bapst) unvorschampt anbeutet den rotz und geifer seiner gnade. bulla cena Dom. 1522 D 4a (vergl. aus Henisch unter 1, b), zugleich als bild des verächtlichen, widerwärtigen. ein gegner Luthers, P. Amnicola schrieb ein schnoptuchlin auf Luthers geifer und unlust Dresd. 1532 (vgl. bd. I, lxix), um ihn abzuwischen (unlust, rotz). 33) endlich auch von der wut, dem zorne selber: ein eiferer sol sehen, das sein zorn und eifer nicht werde dorn und geifer. Henisch 1441; der ritter hätte mehr gesprochen, nur scham und geifer band die zung' ihm. Gökingk 3, 90; so etwas kommt alle paar wochen einmal vor, erwiederte Romeias. mäsziger geifer und zorn schafft alten einsiedlerinnen neue lebenskraft. Scheffel Ekkeh. 35 (29), es ist da wie subst. verb. zu geifern gebraucht, vergl. bei Ludwig 719 seinen geifer oder zorn gegen einen ausschäumen. sonst sagt man auch noch von schmähsüchtigen leuten z. b., dasz einer alles mit seinem geifer begeifert, mit geifer bespritzt. auch mit stabreim gift und geifer, wie gift und galle (vergl. Lessing unter geiferer). uns klingt jetzt unwillkürlich eifer darin an, wie es denn Steinbach 1, 850 aus geeifer erklären wollte.
5079 Zeichen · 120 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    geiferstm.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +3 Parallelbelege

    geifer stm. geifer Voc. 1429. Schm. Fr. 1,184 ;

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Geifer

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Der Geifer , des -s, plur. inus. ein Wort, welches ehedem einen jeden etwas zähen flüssigen Körper bedeutet zu haben sch…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Geifer

    Goethe-Wörterbuch

    Geifer einmal -ff- ausfließender (giftiger) Speichel; auch im mythol Bereich Da schoß die Schlange mit grimmigem Zischen…

  4. modern
    Dialekt
    Geifer

    Schweizerisches Idiotikon · +2 Parallelbelege

    Geifer Band 2, Spalte 129 Geifer 2,129

  5. Spezial
    Geifer

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Gei|fer m. (-s) 1 (Speichel) sbava (-ves) f. , scaia (-ies) f. 2 ‹fig› (Wut) sënn m.

Verweisungsnetz

44 Knoten, 37 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 7 Kompositum 30 Sackgasse 7

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit geifer

59 Bildungen · 57 Erstglied · 0 Zweitglied · 2 Ableitungen

Ableitung von geifer 2 Analysen

ge- + ifer

geifer leitet sich vom Lemma ifer ab mit Präfix ge-.

Alternativen: geifeln+-er

Zerlegung von geifer 2 Komponenten

gei+fer

geifer setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

geifer‑ als Erstglied (30 von 57)

Geifer I

SHW

Geifer I Band 2, Spalte 1183-1184

Geifer II

SHW

Geifer II Band 2, Spalte 1183-1184

Geiferlatz

SHW

Geifer-latz Band 2, Spalte 1183-1184

Geiferliese

SHW

Geifer-liese Band 2, Spalte 1183-1184

Geifermaul

SHW

Geifer-maul Band 2, Spalte 1183-1184

geiferbart

DWB

geifer·bart

geiferbart , m. gleich geiferer, dem der geifer in den bart rinnt, im scherze wol auch von geifernden kindern, nd. severbart, sabbelbart. Ad…

Geiferblëtz

Idiotikon

Geiferblëtz Band 5, Spalte 276 Geiferblëtz 5,276

geiferei

DWB

geife·rei

geiferei , f. geiferndes gerede: das er ( Emser ) nicht aber zornig werde und klage, sein ding sei ein geucherey und geiferey, als denn war …

geiferen

KöblerMhd

geife·ren

geiferen , sw. V. nhd. geifern Q.: Boppe (4. Viertel 13. Jh.) E.: s. geifer W.: nhd. geifern, sw. V., geifern, DW 5, 2566 L.: LexerHW 1, 795…

geiferer

DWB

geife·rer

geiferer , m. sputator, spyher vel gifferer. Dief. 549 b aus einem voc. des 15. jh., s. geifern 1; dann zu geifern 2: lasz nu dieselbigen ge…

geifereⁿ

Idiotikon

geifereⁿ Band 2, Spalte 129 geifereⁿ 2,129

Geifericht

Adelung

geife·richt

Geifericht , adj. et adv. dem Geifer ähnlich. Geiferig, mit Geifer beschmutzt, Geifer enthaltend.

geiferig

DWB

geife·rig

geiferig , adj. zu geifer, geifern, salivosus Maaler 164 b ( auch alem. geiferachtig), qui bave et jette de la salive de sa bouche comme un …

geiferlätzchen

DWB

geifer·laetzchen

geiferlätzchen , n. lätzchen für geifernde kinder Adelung, auch bei ihrem trinken und essen gebraucht, kinderserviette ( J. Paul unter geife…

Geiferlappen

PfWB

geifer·lappen

Geifer-lappen m. : ' Brustlätzchen der kleinen Kinder ', Dim. Gääfeʳläppel [verbr. südl. VPf]; vgl. Seiferlappen . Südhess. II 1183 ; Rhein.…

geiferlich

PfWB

geifer·lich

geiferlich Adj. : ' widerlich, grauenerregend ', gääfeʳlich [vereinzelt südl. VPf]. Des isch g. aaⁿsegucke [Spey]; vgl. Geifer 2, eisterlich…

Geiferliⁿg

Idiotikon

Geiferliⁿg Band 2, Spalte 129 Geiferliⁿg 2,129

Geiferlätzli

Idiotikon

Geiferlätzli Band 3, Spalte 1547 Geiferlätzli 3,1547

Ableitungen von geifer (2 von 2)

vergeiferen

ElsWB

vergeifere n 1. anzeigen, verraten, verleumden Su. 2. küssen ( verächtlich ) M.

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „geifer". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 14. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/geifer/dwb?formid=G05214
MLA
Cotta, Marcel. „geifer". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/geifer/dwb?formid=G05214. Abgerufen 14. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „geifer". lautwandel.de. Zugegriffen 14. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/geifer/dwb?formid=G05214.
BibTeX
@misc{lautwandel_geifer_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„geifer"},
  year         = {2026},
  howpublished = {lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern},
  url          = {https://lautwandel.de/lemma/geifer/dwb?formid=G05214},
  urldate      = {2026-05-14},
}