gefährlichkeit,
f. subst. zum vorigen, noch nicht mhd., im 16.
jh. auch noch gefärlichheit Dasyp. 55
a. 337
a (
s. u. keit), gevarligkeit 178
b u. a. auch älter nl. gevaarlykheit.
s. auch fährlichkeit. 11) gefährlichkeit
die man übt, zu gefährlich
in der ursprünglichen bedeutung, hinterlist, unredlichkeit, eigentlich feindliche nachstellung, im 15. 16
jh., z. b.: wann sich nohen die letzten tog (
das jüngste gericht), wirt vil gevärlicheit uf stan, all tiranny wirt fohen an und halten nüt (
nichts) uf gottes gbot
u. s. w. Gengenbach 55,
fastn. sp. 1027. 1@aa)
zugleich noch von feindseligkeit (
sieh gefährlich II, 1): H. Langenmantel
u. s. w., die sich der regierung ... zu irm aigen nutz geprauchen und damit die löblichen stat in verderblichen schaden pringen, die ich alle benennen und ir gevärlichait .. anzeigen, will, umb dasz ich in irs willens nit wolt zulegen wider den gemainen nutz .. mir groszen gevärlichen unwillen (
feindselige stimmung) täglichen erzaigt haben. Zink
Augsb. chron. 298, 17;
vergl. eigen geferlicher nutz
unter gefährlich 2,
e. 1@bb)
betrug, z. b. im handelsleben (
s. gefährlich 2,
d);
in einer ratsverordnung wider fälschung von waaren: was also darinn (
in den negelein) erfunden wirdet, es sei zuvil fusti, stile oder ander geverlichalt, das sol man nimant wider geben (
wird confisciert).
Nürnb. pol. 139,
vorher aber mehrmals vil verlichait gebraucht und geübt
u. ä., s. gefährlich 2,
d. 1@cc)
im rechtsleben (
s. gefährlich 2,
b. c): soll .. der ältest .. von im einen eid empfahen, dasz er in solcher sachen nach .. seiner besten verstentnus recht sprechen, darinn keinerlei geferlicheit gebrauchen ... wöl.
reichsordn. 1539 103
a (
cammergerichtsordn. 1521 33 § 10),
zugleich unparteilichkeit; geferlicheit in volfürung der appellation. 99
a. 22) gefährlichkeit
die einen trifft, die man erleidet, besteht u. a., jetzt durch gefährliche lage, gefährde, gefahr
u. ähnl. vertreten. 2@aa)
von lebensgefahr u. dgl.: die (
wege) mir zuogeferlickait durch dich sein worden berait.
Teuerd. 24, 13,
zugleich noch nach 1,
a, '
als tückische falle'; ir habt geferlichait bestanden. 98, 179; all geferlicheit, so Max. mit dem groszen geschütz an vil orten erstanden hat. S. Franks
clav. zum Teuerd. § 50,
vergl. seine gefahr stehn
u. ä. sp. 2065;
aleam subire, in gefärlicheit gon. Dasyp. 7
a; meins bedunkens aber ziehen wir in grosze geferlichkeit.
Aimon n 1; mag ich dieser geferlichkeit entgeen. o ij; so also von wegen groszer liebe (
minne) sich in grosze gefehrlichkeit begeben haben.
Galmy 21; als ob der feind mit macht verhanden und sie in gefährlichkeit ihres lebens weren. Fronsp.
kriegsb. 3, 143
b,
wie jetzt in gefahr des lebens; nicht schewen hiz, schweis, gfärligkeit. Fischart
glückh. sch. 33; hette .. dardurch die kirch in grosze gefährlichkeit mit zwispalt und trennungen gesetzt.
bienenk. 1588 229
b; hab ich mehrmals .. meinen leib gewagt und der gefährligkeit vorgeworfen. Kirchhof
disc. mil., vorrede; so ist auch das ganz hofleben mit groszer gfehrligkeit umbgeben. Ayrer 96
d (488, 12),
vgl. gefahrumgeben; kleine vögelein haben grosze gefährligkeit auszustehen. Schupp. 837,
sprichwörtlich. 2@bb)
auch im plur., wie jetzt gefahren: dasz der allmächtig .. gott wunderbarlich .. bei und mit mir in allen meinen kriegen, vehden und gefährlichkeiten gewesen. Götz v. Berl. 81; er (
gott) werd mich vor allen geferligkeiten bewaren.
Aimon F 1; daher ihnen (
bei feuersbrunst) nicht geringe gefährligkeiten auf dem hals ligen. Kirchhof
mil. disc. 178; uns allein allen gefährlichkeiten unterwerfen.
Felsenburg 4, 297.
in neuerer zeit selten: wer sich, uns zu belehren, in das leere, übersinnliche, unbegreifliche versteiget, um da einen punkt zum feststehen .. zu suchen, und dem, wenn er endlich nach tausend und tausend gefährlichkeiten diesen punkt erobert zu haben glaubt
u. s. w. Klinger 11, 216.
anders: der general .. deutete mir die personen meiner ankläger an .. und zeigte mir die angerötheten gefährlichkeiten. Arndt
erinn. 95,
die angestrichenen gefährlichen stellen. 2@cc)
jetzt sonst nur noch abstract, für gefährliche art und eigenschaft, z. b. ich übersah die gefährlichkeit meiner lage,
doch sagt man lieber das gefährliche meiner lage;
dagegen ist im vorigen sinne fährlichkeit
noch gebräuchlich, alterthümelnd. 33)
im gemeinen leben aber: 'das ist eine gefährlichkeit!
wenn jemand über eine unbedeutende sache viel lärmens macht' (
aus Göttingen),
auch thür., sächs.; s. gefährlich II, 5,
auch 4,
d a. e. zu dem volksmäszigen gefährlich 4,
e aber musz wol folg. sonst rätselhafte gefährlichkeit
bei Günther
gehören, in dem letzten versuche, seinen vater zu versöhnen: sonder hochmuth sag ich noch: was ich ja noch auf der erde an verdienst, gefährlichkeit und am glück erhalten (
mir erwerben) werde, das verdank ich deinem segen und der sorgfalt im erziehn, die mir zu dergleichen früchten vollen samen dargeliehn.
ged. 866 (
Tittm. 221);
nach gefährlich schön, gefährliche
obsternde u. ä. ist denkbar: grosze bedeutung (
im leben, bei den leuten),
gleich gr. δεινότης; vielleicht ward ein bedeutender mensch auch ein gefährlicher
kerl genannt, eigentlich vielleicht zugleich wie blitzkerl
u. ä. gemeint (
s.kerl 8,
d),
eigentlich zauberer.