gefährden ,
zeitwort zu gefährde,
wie gefähren, gefahren
zu gefähr, gefahr. 11)
mhd. geværden,
doch selten (
nicht in den wbb.);
reflexivisch sich geværden: ein îclich man ist geleites vrî (
von der verpflichtung geleite zu nehmen), ab er sich sînes gûtes gevêrden wil.
Kulmisches recht 5, 21
in A (erwegen
B),
nach dem Ssp. II, 27, 2,
wo aber genenden
steht, doch in lat. übers. committere periculo;
ebenso im Schwabensp. 167 genenden, ernenden,
aber auch geværden,
wie Leman
zum Kulm. recht anführt. 22)
auch nhd. anfangs sehr selten; im reg. zur Zimm. chron. 4, 608
b ist zum part. gefert
ein geferden
angesetzt, doch nur in folge der heutigen gewöhnung (
s.gefähren 1,
b).
ich finde es zuerst bei Stieler 402, ich bin nicht gefärdet,
sine periculo sum, auch sich selbsten gefärden;
dann bei Rädlein 331
b,
aber als veraltet, gefährden,
in gefahr bringen, hintergehen, tromper, user de fraude ou de finesse envers quelcun, also nicht ganz mit dem heutigen gebrauch stimmend, wol aber mit gefährde 1,
a. b, es würde so im alten amtsstil zu suchen sein; vergl. ich bin bei dieser vertheilung sehr gefährdet worden. Heynatz
antib. 1, 399 (
doch zu fährden
gestellt).
bei Ludwig, Aler, Steinbach, Frisch
fehlt es wieder, sie haben nur gefähren.
dann aber bei Adelung
als »
im gemeinen leben (?)
und in den rechten, in gefahr stürzen, wie das einfache fährden«,
mit beispielen, welche aber nur die Stielers
sind (
das sich gefährden
als '
oberd.'). 33)
im 18.,
hauptsächlich aber in unserm jahrh. taucht es bei schriftstellern wieder empor, zuerst nur wie man alterthümelnd gefährde
brauchte, wird aber gebrauchter als dieses, ja beliebt und hat nun auch schon den klang des alterthümlichen wieder abgestreift, als willkommenes zeitwort zu gefahr,
während man das wirklich dazu gehörende gefähren
fallen liesz. danach bei Chamisso
auch befährden, verfährden
für befahren, verfähren. 3@aa)
in gefahr setzen: die zeugungskraft wird .. nicht gefährdet. Klinger 11, 334,
vielleicht ist auch da fährden
gemeint; die freiheit des denkens gefährden. Savigny
system 1, x; der charakter des christenthums, der durch gnostische tendenzen gefährdet wurde. Winer
bibl. realwb. 2.
aufl. 1, 84 (
diese beispiele in den 40
er jahren als ungewöhnlich ausgezogen);
auch bei Göthe
später: der glimmer besonders ballt sich in kugeln und man sieht dasz die dreieinheit gefährdet sei. 51, 103; doch sind wir auch mit diesem (
jüngling) nicht gefährdet .. wenn sich der most auch ganz absurd gebärdet
u. s. w. 40, 103 (
Faust 2.
th., 2.
act); im garten hier auch leise horcher schreiten, die frohen zecher lauernd zu gefährden. Lenau (1874) 2, 277; um den übergang, welchen Kleists anzug gefährden könnte, zu beobachten. Droysen
York 1, 321.
jetzt ist es im täglichen gebrauch der zeitungen, redner u. a. 3@bb)
etwas anders gewendet gefährdete zeit
u. ähnl., wie sonst gefährliche,
zeit der gefahr: wie der indische seefahrer endlich auf den Rhein kommt, um zur gefährdeten stunde den bösen raubvögeln mein liebes kind abzujagen. Bettine
br. 1, 229; die Lübecker hatten klüglich in so gefährdeter zeit ... die grafen von Holstein zu ihren schirmvögten ernannt. Dahlmann
dän. gesch. 1, 400. 3@cc)
aber auch in gefahr kommen, gefahr laufen: der graf stellte ihm vor, er möge lieber mit ihm .. zurückfahren. er gefährde, wenn er auch .. den pestcordon durchschleichen sollte, jenseits an der pest zu sterben. Brentano 4, 218.
selbst mit acc., wie eben auch gefahr laufen (
sp. 2065): das soll eine gelehrtenschule nicht (
auszergewöhnliches leisten), denn sie kann es nicht, ohne .. durchungemessene anstrengung für den augenblick eine erschlaffung für die folgezeit (
beim jugendl. geiste) zu gefährden. Döderlein
reden u. aufsätze, 2.
samml. s. 33.
man hätte auch das pflegen sollen, da zumal das trans. gefahr laufen,
ohnehin schwerfällig, nicht in gang kam und sonst dafür nur das franz. riskieren
besteht mit zu alltäglichem klange; s. auch das zweite gefahren 3.