gätter,
getter,
n. nebenform des vorigen, doch in der bedeutung nicht ganz überein. 11)
form und bildung. 1@aa)
mhd. zur zeit nur einmal geter
n., seit dem 15.
jh. oberd. sehr entwickelt zu finden, während es im md. nicht fusz gefaszt hat (
vgl. Trochus
unter 2,
a),
dem nd. ganz abgeht. ein rhein. geder
m. s. 2,
a, es ist wie rhein. gader
für gater,
gatter.
auch hd. noch im 16.
jahrh. zuweilen geter,
z. b. Zimmer. chron. 4, 275,
vgl. unter gätterisch. 1@bb)
entstehung vermutete Schmeller 2, 80
für gätter
wie für gitter
durch abstumpfung aus gegätter (
s. d.),
was dann Weigand
als thatsache angab und ausführte. aber der abfall des ge-
von dem ohnehin seltenen gegätter
ist nicht bewiesen und dessen collectivische bed. stimmt nicht; das gätter
ist vielmehr wesentlich ein kleineres, mehr zierliches gatter, es mag also ein altes deminutivum einfachster art mittelst -i
sein, ahd. zu denken getiri
n. neben gataro
m., wie z. b. fuli
n. neben folo
m. (
s. unter fül
n.),
vgl. küchlein 2,
b V, 2515;
s. auch über göt
unter gatte III, 3. 1@cc)
dazu stimmt auch eine alem. form gättri, in Wackernagels
voc. opt. 21
a gättry
cancellus (15.
jh.);
auch das gettry
cancellus Dief.
nov. gl. 70
b ist alem., wie z. b. kilchof
in demselben voc. 90
b zeigt. das ist wie alem. füli
neben mhd. fül,
später alem. fülly (
s. sp. 480. 510),
wie eni
neben ahd. ano (
s. u.ahn und eni),
in dem auch nach der ältesten art das geschlecht des mutterwortes bewahrt ist, wie in dem geder
unter 2,
a, falls es richtig ist. die alem. mundart hat das alte verkleinernde -i
nie abgeworfen, s. Grimm gramm. 3, 684, Weinhold
al. gr. s. 232.
s. übrigens auch das fem. unter 3. 22)
bedeutung und verbindung. 2@aa)
zuweilen zwar mit gatter
einerlei, wie in dem md. schoszgetter
gleich schuszgatter
bei Trochus O 5
b (
s. u.gatter II, 4,
c),
während Henisch 1371
beide unterscheidet: schutzgatter
als fallthor und schoszgätter, ziechport, das eisen gätter unter einem thor,
cataracta, porta pensilis aquae emittendae vel remittendae parata. rhein. geder gleich gader: die gaderhaber soll ein jeder nit weiter denn über den geder zu liefern schuldig sein.
weisth. 2, 197,
vom Hundsrück (
zum m. s. unter 1,
c),
zur sache s. gatter II, 3,
b. manche oberd. wbb. geben nur diese form, mit der allgemeinen bedeutung von gatter:
clatrum, ein holz oder eisen damit man ein geschrenkt getter macht. Dasypod. 34
d; gätter,
clathri, cancelli. Schönsleder S 4
c. 2@bb)
genauer aber ist dem gatter
gegenüber, das '
mehr kunstlos, aus gröbern holzstäben, ja selbst stangen bestehend'
ist, gätter '
ein gatter künstlicherer und feinerer art' Schmeller 2, 80,
und vorzugsweis von eisen (
doch vergl. Calepinus
unter c),
während das gatter
vorzugsweis von holz ist, gätter
also wie jetzt gitter.
So z. b. als gatterthür in einem klosterhofe: dem volgt Wilwolt mit stichen und schlegen bis durch das tor zu dem getter da man in das gasthaus get (
zu Heilsbronn).
Wilw. v. Schaumburg 69.
in einer kirche, wie gatter II, 6,
c: ehe dann er zum gätter kompt, gehn drei jüngste priester cardinäl entgegen. Link v. Colditz
bapsts gepreng C 3;
im 15.
jh. gerra, ein ysen getter ante chorum Dief. 261
b.
vom j. 1632
wird aus München berichtet, wie Gustav Adolf in der Frauenkirche der auffahrt Christi zwischen dem getter scti Bennonis altar beigewohnt,
s. Schm. 2, 81,
kunstvolle einhegung eines seitenaltars. 2@cc)
besonders auch als fenstergitter (
vgl.gatter II, 4,
e),
sei es vor dem eigentlichen fenster oder statt des fensters: cancellus, ein getter,
fit in fenestris. Melber c 3
b; ein getter oder getterfenster,
transenna, cancelli lignei, ferrei sive viminei qui fenestris aut etiam mercibus appositi visui pervii sunt. Calepinus (1570) 1564,
vgl. aus dem 15.
jh. bei Dief. 94
b getter
fenestra reticulata; der schneider het sein schuch und den rock gern gehabt (
die ins haus geholte waare), den wolt im der pfaff nit widergeben, sonder lag in ainem eisenen getter im haus (
im gitterfenster) und spottet des schneiders.
Zimmer. chr. 3, 563; zu dem mogte es (
das fenster) mit einem ansehenlichen starken getter versorgt werden, das des orts (
an dieser stelle) kain untrew zu befaren. 4, 246,
was Henisch 1588 getter für gewalt
nennt. 2@dd)
auch sonst zum halben verschlusz von maueröffnungen. so bei kaufleuten zum schutze ausgelegter waaren, wie sie Calepinus
vorhin mit beschreibt: si (
betrügerische maurer) hetten den burgern und kawflewten die gewelber gemacht und gepauen das man die eysen getter mocht herausz ziechen, und geschach den leuten groszer schade mit diebstal.
Augsb. chron. 1, 221
anm. 2 (
vgl. h).
die würt. bauordn. vom j. 1654
schreibt vor: da aber noch alte, aufgerichte luftlöcher auf die straszen und gassen gericht (
wie kellerhälse) .. sonder nachtheil des innhabers .. nicht abgebrochen .. mögen werden, so soll der innhaber solche luftlöcher für einfallen .. der fürgehenden mit eisinen gättern versehen.
s. 56.
vor einem fensterlein am hauseingange, um nachzusehen wer klopft: wie er vernommen das klopfen oder anleuten, ist er an ain getter gangen, zu erlernen wer also zu unzeiten zum herrn doctor beger.
Zimm. chron. 4, 176;
vgl. im 15.
jh. getter
in pariete Dief. 94
b. 2@ee)
aber auch noch kleiner z. b. getter
am turnierhelm: dise zwen .. lagen under den rossen, das in von den andern die getter an (
d. i. an'n) turnirhelmen und sie allenthalben so hart getrett wurden, das sie sich des lebens nahen verwegen hetten.
Wilw. v. Schaumb. 53.
ähnlich ein gemaltes getter
im gesichte, bei einer mummerei: dem ainen hat man ain vergults getter uf ain schwarz geferbts angesicht .. gemacht.
Zimm. chron. 2, 431, 35.
bair. fliegengätter
z. b. vor speiseschränken. auch gätter
als netzartiges gestrick ist in gätterhaube,
als netzartiger besatz in gätterisch
bezeugt, s. schon mhd. unter gatter II, 1;
eingenäht z. b. in modekragen der männer um 1520: lange kragen .. mit schwarzen siden bendlen, zwifelstricken (
vgl. u. gatter 4,
d), getteren, mit herzen durchseget (
durchsäet) .. Murners
geuchm. 925
Sch.; s. auch das gadderken
unter gätterlein. 2@ff)
anderseits aber auch als kerkergitter oder vor käfigen: er ligt in einem gätter eingeschlossen,
circumdati cancelli homini improbo. Maaler 155
c; nun war der herzog dem lewen wol bekannt, das im der herzog getrawte und mit der hand zum getter hinein griff den lewen straichlen.
Zimmer. chr. 4, 413; hat er die (
der graf von Mansfeld vil narren und nerrin) in der durnitz in eim erker zusamen beschlossen .. darvor ein eisin getter gewesen. 2, 361. 2@gg)
die erweiterung des begriffes über den der thür hinaus (
sieh gatter II, 6)
erscheint bei gätter
besonders früh; s. z. b. das gerichtsgätter,
clathri, cancelli, die canzellei, vom j. 1376
bei Schm. 2, 81;
s. auch gätterschiff;
auch das gätter
in kirchen unter b ist mehr eine umhegung als nur thüre. auch von dem eingehegten raume selber, s. das gätter
in der dürnitz, ein erhöhter, durch gitterwerk abgesonderter raum für die höheren hofdiener Schm.
2 1, 957. 2@hh)
bildlich ans getter setzen,
an den rand in büchern: die (
bücher) haben gmeinlich solche glossen ... die setzen sie dann an das getter ad marginem, das füllt die bletter. Fischart 1, 9
Kurz (
nachtrab 221); und will sie (
die belegstellen) an das getter auch nach dem jesuwidrischen brauch ad marginem hieraus fein setzen. 1, 17 (
nachtr. 553).
nach der letzten stelle ist es zugleich ein aussetzen,
entnommen von dem getter
der kaufleute unter d, wo waarenproben, gleichsam die belege und wegweiser für den inhalt des ladens, augenfällig ausgelegt wurden. 2@ii)
die form ist ins neuere schriftdeutsch nicht aufgenommen worden; noch Henisch
zwar nennt sie, nach Maaler gätter 1371,
auch getter 1588,
aber bei Stieler, Rädlein, Ludwig, Kirsch, Steinbach, Frisch
ist es verschwunden, durch gitter
vertreten, wie in den md. mundarten. die oberd. aber führens fort: schweiz. gätter
n., schrankfenster, hölzernes oder eisernes gitter Stalder 1, 427,
bair. z. b. fenstergätter, gätter
in kirchen (
gespr. gáder) Schmeller 2, 81,
österr. gader
n. Höfer 1, 276,
kärnt. gátter
n. Lexer 110. 33)
eine dritte nebenform (
s. 1,
c)
erscheint als fem., alem.: die
gättere, reticuli e nervis Maaler 155
c, Frisius 1156
b (
nach Varro),
gestricktes gitter, s. 2,
e. aber auch als gitter überhaupt: ein gelendergettere,
clatratae fenestrae. Dasyp. 34
d,
also auch elsäss.; und schwäb.: die (
landsknechte) beflissen sich, wann sie vermainten der domherr were in der gettere und es horte, für das haus zu steen (
und seinen neubau uf die welschen manier
zu verspotten).
Zimmer. chron. 4, 140, 27,
wenn sie ihn im gitterfenster anwesend vermuten. noch schweiz. z. b. hennegättere
f., hühnergitter Fromm. 6, 120.
Es musz eine weiterbildung des fem. gatter (
s. d. 1,
d)
sein, das wol ahd. als gatara
bestand, und müszte ahd. gátaria
gewesen sein; war das i
nicht auch verkleinernd wie in gättri?