fummeln ,
transitiv oder intransitiv, was nicht immer genau zu scheiden ist. von fummel. II.
transitiv: I@11)
mit der fummel reiben und glätten. bei Schmeller 1, 532 »
mit der lederfeile hin und her fahren«,
aber ob richtig? s. fummel 1).
hennebergisch: durch reiben glätten. Frommann 3, 132.
in anderer gegend: durch reiben glänzend machen, durch reiben putzen: der soldat fummelte seinen tschako. Auerbach
dorfgeschichten 1, 23.
in der Wetterau, am Mittelrhein: durch starkes reiben reinigen: schmutzige stiefel müssen gefummelt werden.
überhaupt: durch reiben reinigen. eine stube fummeln,
den boden derselben mit dem schrubber reinigen. ein kind fummeln,
es durch waschen und reiben gründlich von schmuz reinigen. kinder, die sich nicht sauber waschen, werden gefummelt.
vgl. II 1). I@22)
futuere. eine fummeln,
sich in unzüchtiger weise mit ihr fleischlich vermischen. auch eine abfummeln.
kärnt. fumbln,
coire. Lexer 104.
eben so schles., ostfries. fummeln. Weinhold 24
a Stürenburg 63
b.
diese auch durch Mitteldeutschland nach dem Rheine hin, überhaupt weit verbreitete obscene bedeutung geht hervor aus der dritten von fummel,
an welche sich die vierte dieses wortes anschlieszt. aber der hier bei fummel
und fummeln
zu grunde liegende begrif ist, wie bei ficken
in seiner obscenen bedeutung (
s. 3, 1618), »
reiben«. I@33)
betasten, befühlen. diese bedeutung zeigt aachenisch fomele (Müller
u. Weitz 56),
eben so in und um Fallersleben fummeln, fimmeln (Frommann 5, 57),
auch engl. fumble.
ostfries. fummeln
erklärt Stürenburg 63
b durch befühlen, ausgreifen. damit hängt zusammen, wenn göttingisch-grubenhagenisch fummeln, fammeln, fimmeln (
s.fummel)
für betasten, befühlen zumeist in obscenem sinne (Schambach 256
b)
gebraucht wird. I@44)
unordentlich zusammen raffen. so namentlich osnabrückisch fommeln (Strodtmann 59),
aber auch sonst nd. in to hope fummeln,
unordentlich zusammengreifen. brem. wb. 1, 467. to hope
zu haufe =
zusammen. I@55)
unordentlich durcheinander legen, zerknittern. ostfriesisch, s. Stürenburg
a. a. o. IIII.
intransitiv. II@11)
an etwas reiben. in der Wetterau; auch in Baiern, wo aber das wort in diesem sinne sowie in dem daraus hervorgehenden: an etwas nagen, langsam essen, nur verächtlich gebraucht wird. Schmeller 1, 532. II@22)
tasten. brem. wb. 1, 467.
göttingisch-grubenhagenisch meist obscen. Schambach 256
b.
vgl. I 3).
in und um Fallersleben fummeln, fimmeln, =
im finstern tappen. Frommann 5, 57.
überhaupt: tastende, fühlende handbewegungen machen. nd. in der tasken fummeln (
brem. wb. a. a. o.),
die hand tastend oder fühlend in der tasche bald dahin bald dorthin bewegen. gewöhnlich aber wird fummeln
in diesem sinne mit herum
verbunden. kurhessisch herum fummeln =
unsicher an etwas herum tasten. Vilmar 112. wenn dieses (
siegelwachs) auf den brief geträufelt worden und Trienchen zu lange in der tasche herum fummelt, dasz das wachs darüber kalt wird: so nimmt es von ihrem fingerhute das gewöhnliche merkmal nicht mehr
an. Bode
Tristram Sh. thl. 2
cap. 2
s. 16.
so auch mecklenburgisch: »na, täuw (
warte), dit geit«, un fängt in hast an ehre bein an rüm tau fummeln un sik de strumpbänn los tau binnen un binnt am klock un rock irst fast. Fritz Reuter
Hanne Nüte 56 = (1865) 49.
engl. fumble,
tappen. schw. famla,
mit der flachen hand umher fühlen oder greifen, tappen, ist wol aus dem deutschen aufgenommen. mit dieser bedeutung hängt dann die folgende eng zusammen. II@33)
eine handarbeit nur obenhin oder flüchtig und so stümperhaft verrichten. kurhessisch, s. Vilmar 112.
altmärkisch fummeln, fümmeln,
sich nicht die erforderliche mühe bei verrichtung einer handarbeit geben. Danneil 58
b.
auch, aus dem deutschen aufgenommen, dän. fumle,
nachlässig arbeiten. II@44)
die kleidung los und nachlässig an sich tragen, doch nur von frauenzimmern gebraucht. pommerisch, s. Dähnert 108
b. II@55)
müszig bald dahin bald dorthin gehn, müszig umherstreichen, müszig umherschwänzen. besonders von frauenzimmern in hinsicht ihrer langen, den boden kehrenden röcke gebraucht. hamburg., holstein., s. Richey 67
und Schütze 1, 339.