fürtrefflich gelegentl -efl-, subst auch Kleinschr. Mit ca 250 Belegen zwar seltener belegt als die jüngere Form ‘vortrefflich’ (über 800 Stellen), aber bei G keine von dieser verdrängte Nebenform; vielmehr zeigt sich, neben durchgehendem Gebrauch von ‘vortrefflich’, eine bemerkenswerte Neigung für die ältere Wortform in allen Schaffensperioden — vom Frühwerk (zB in den frühen Fassungen des ‘Götz’ (1771/73) u ‘Werther’ (1774) ausschließlich ‘fürtrefflich’) bis in die Spätzeit (Div, Wj)1).
Dabei besitzt ‘fürtrefflich’ eigenen stilistischen Wert einerseits als Träger eines gehobenen, (feierl-)getragenen Sprachtons (aktiviert ua im konzentrierten Gebrauch als sittliche u ästhet Wertungskategorie in Punkt 1 b u 2 a), andererseits durch das (wohl) im altertüml-archaischen, leicht gravitätischen Eigenklang dieser Wortform - iUz ‘vortrefflich’ - angelegte (scherzhaft- )ironische Potential, das bei G auf allen Verwendungsebenen zum Tragen kommt. — Mehrf Einführung der “modernen” Form ‘vortrefflich’ in späteren Drucken des gleichen Textes aufgrund glättender Eingriffe u normierender “Berichtigungen” (entsprechend Adelung) durch Revisoren, Bearbeiter od Herausgeber, wiederholt (auch posthum!) gegen die von G eigenhändig ergänzte od korrigierte u überwachte (Druck-)Handschrift bzw die von ihm autorisierten Erstdrucke - vgl zB folgende Änderungen: von GWBB12,278,12 u 279,4 Schiller 30.8.97
bei Aufnahme in GWB34
1,287,22 u 288,14 ReiseSchweiz
(posthum durch Eckermann2)), von GWB47,414 Var
in GWB47,124,8 Samml 1,
von GWB41
1,421 u 423 Var
in GWB41
1,56,19 u 64,16 Shakesp u kein Ende
(mit Erläuterung S420!) sowie besonders gravierend von GWB42
2,323 Var in GWB42
2,134,20 MuR
(nach Riemer/Eckermanns Bearbeitung im Nachlaß-Bd 1833) u von GWB47,434 [Var]
in GWB47,265,12 Üb Wahrh .. dKunstwerke
(gegen G-s eigenhändigen Zusatz3)).
Eine eigenhändige Korrektur G-s von ‘für-’ in ‘vortrefflich’ findet sich dagegen zB in der Druckhandschrift H zu Werth2 ( GWB19,361 zu 19,21, 14.)
Ob insgesamt die ‘Götz’- u ‘Werther’-Fassungen in G-s “Schriften” von 1787, in denen nur die Form ‘vortrefflich’ vorkommt, evtl von der Tendenz zur Normierung nach Adelung erfaßt sind, muß offenbleiben — in der nach einer Hs von 1806 gedruckten Bühnenfassung des ‘Götz’ überwiegt jedenfalls wieder ‘fürtrefflich’4) 1
von Personen: aus einer (durchschnittl) Menge herausragend bzw sich durch best Vorzüge hervorhebend; vereinzelt subst (neutr) in begriffl Verfestigung a
zur Qualifizierung bes Fähigkeiten, Talente, Verdienste uä; in der (im Br an Schiller geäußerten) Polemik gegen die ‘f-en Kenner’ der zeitgenöss Poesie5) mit spöttisch-iron Unterton stimme ich mit Ew. Durchl. darin ganz ein, daß er [
Tischbein] ein f-er Portraitmaler sein werde. Und welch’ ein .. seltnes Talent ist auch dieses! GWBB6,266,1 Ernst II 19.4.84 wenn dieser f-e Künstler [
Zelter] einige neue Melodien dazu stiften wollte GWBB14,144,26 Unger 5.8.99 Hofrath Rehbein, ein f-er Arzt, welchem unser Fürst das verdienteste Vertrauen zugewendet GWBB40,205,18 Beust 28.12.25 GWBB12,361,25 Schiller 25.11.97 GWB22,84,1 Lj IV 15 [vortrefflich GWB52,242,26 ThS VI 10] GWBB41,73,16 Boisserée 27.6.26
uö b
in der Charakterisierung der Gesamtpersönlichkeit iS geistig-sittl Größe, mBez auf Gesinnung, Denk- u Handlungsweise zT mit dem Nebensinn von tüchtig bzw ehrlich, anständig; (bes iVbdg mit einem Eigennamen) auch abgeschwächter als Ausdruck allg Anerkennung u Wertschätzung, zT leicht iron gefärbt im Plato gelesen .. Gastmal, Phädrus und die Apologie. Wie sonderbar mir dieser f-e Mann vorkommt
6) GWBB10,47,27 Jacobi 1.2.93 das zu veranstaltende Werk [
eine Medaille] zu Ehren eines f-en deutschen Mannes [
CThDalbg] GWBB17,104,22 RLanger 24.3.04 [
Gottfr üb Elisab:] Ein edles f-es Weib GWB39,13,28 Götz
1 I unser theurer Gefährte, der f-e Wolf [
Philologe in Halle] GWB35,227,15 TuJ GWB27,298,23 DuW 10 GWBB14,143,1 Schiller 3.8.99 GWB13
1,205,24 Götz
3 I GWB3,307 ZXen IV 1110
uö iVbdg mit Standesbezeichnungen zusätzl die herausragende soziale Stellung einbeziehend; vereinzelt iron akzentuiert bey dem bevorstehenden Geburtsfeste unsres f-en Fürsten [
CarlAug] GWBB16,281,2 Hendrich 31.8.03 K Ich weiß das Glück zu schätzen einer so erhabnen und f-en Herrscherinn [
Kaiserin Maria Ludovica vÖsterreich] nicht unbekannt geblieben zu seyn GWBB30,146,12 Lichnowsky [7.7.10] K GWBB6,255,15 ChStein 18.3.84
uö 2
auf Nichtpersönliches bezogen: auserlesen in seiner Art, ausgezeichnet, vorzüglich a
als Bewertungskriterium literar, bildkünstlerischer (vereinzelt auch musikal) Werke, Gegenstände, Motive, Entwürfe uä, mBez auf die Vollkommenheit der Form bzw des Gehalts, die Qualität künstlerischer Behandlungs- u Darstellungsweise sowie (vereinzelt) der ästhet Wirkung, mehrf als Steigerung von ‘bedeutend, gut’; mBez auf das unzutreffende Werturteil der zeitgenöss Presse polemisch-ironisch akzentuiert; einmal in Beschreibung morphol Gestalt Vom Wallenstein habe ich nun drey Acte gehört, er ist
f. GWBB13,101,25 Meyer 23.3.98 sein [
Schillers] Tell ist
f. angelegt und was ich davon gesehen habe, meisterhaft ausgeführt GWBB17,31,26 CHumboldt [25.1.04] K [
betr bronzene Grabmal-Statuen im Magdeburger Dom] Monumente .. von Erz, deren drey, aus dem funfzehnten Jahrhundert, theils bedeutende theils f-e Wercke sind
7) GWBB19,48,9 CarlAug 28.8.05 Byzantinische Bilder [
niederländ Kunst] .. Gute, ja f-e Composition GWB34
2,21,16 KuARheinMain Plp f-ste GWBB25,178,4 CarlAug 29.1.15 [< vortrefflichste
K] GWBB17,12,14 Schiller 13.1.04 GWBB12,278,12u17 u 279,4u7 Schiller 30.8.97
8) GWBB2,147,6 Sophie La Roche [Mitte Feb 74] GWB6,102 Vs 11 DivUnmut LA II 9A,194 M124,11 Morph Plp
uö(häufig) 25 mal in G-s (eigenhändig notierter) Klassifizierung von Gemälden der Dresdner Galerie, neben vereinzelt ‘exzellent, vorzüglich, herrlich’ als höchste Stufe in einer sich steigernden Bewertungsskala ‘angenehm, brav, artig, gut, schön, trefflich’ [
Tabellar Übersicht] 462. Der heilige Hieronymus vor einem Crucifix | Rubens |
F. GWB47,386,12 DresdnGalerie GWB47,380,30u32 u 382,13u14u22 ebd
uö begriffl verfestigt u generalisiert: ‘das F-e’ als ethisch-ästhetische Kategorie in Koordination mit dem ‘Wahren, Schönen, Echten’, zT die Vorstellung des vollkommenen Kunstwerks evozierend; einmal in ambivalenter Bewertung für das zugleich Gefährdende im poet Talent Das F-e ist unergründlich, man mag damit anfangen, was man will SchrGG21,39 MuR(227) Ein vollkommenes Kunstwerk .. will durch einen Geist, der harmonisch entsprungen und gebildet ist, aufgefaßt sein, und dieser findet das F-e, das in sich Vollendete auch seiner Natur gemäß HA
812,72,13 ÜbWahrh uWahrscheinlichk dKunstwerke
9) sie [
die Meister in jeder Kunst] bilden auch nur meist ihren Vorgängern und .. der Natur nach .. Wie selten tritt einer auf, der aus eigner innrer Kraft das Wahre verherrlicht und das F-e hervorbringt GWB51,118,24 ThS II 3 [
aus Rom] wenn man die besten [
Gips-] Sachen neben einander setzen kann und sich dann das f-e vom Guten so sehr, ja unendlich absondert GWBB8,323,23 ChStein 19.1.[88] Tasso 1840 [
Zit u inhaltl Bezug s v Flamme 2 a] GWB32,216,6 ItR
uö b
allgemeiner zur Kennzeichnung materieller u immaterieller Qualitäten von Gegenständen, Einrichtungen, Situationen, Zuständen uä: erstklassig, hervorragend, einwandfrei; leicht iron iSv famos; ellipt als anerkennender Ausruf reformirte Kirche [
in Lpz] .. ist sehr eifach [
Korr B50,203] .. sehr schön .. darinne ist eine f-e Orgel GWBB1,80,18 Cornelia 13./18.10.66 [
aus Böhmen] Waldwiesen bethaut. Klarer Himmel. Wege
f. GWBB32,2,19 August 28.8.19 meine Gesundheit ist ganz
f., es fehlt mir nicht das mindeste GWBB10,30,5 Christiane 10.10.92 GWBB7,84,1 ChStein 1.9.85 GWBB11,183,15 Voigt [5.od 6.9.96] GWB21,186,27 Lj II 9
uö von Speisen u Getränken speziell iSv erlesen, köstlich, delikat f-e Krebse .. köstliche Weine GWBB15,91,26 Schiller 29.7.00 GWBB19,49,24 CarlAug 28.8.05
uö 3
als Adv auch Gradbezeichnung mit intensivierender Funktion: iSv besonders gut, bestens GWB52,256,24 ThS VI 11 GWBB51,54 Bechtolsheim 14.9.80
uö → GWB
hochfürtrefflich GWB
allerfürtrefflichst Syn GWB
auserlesen GWB
außerordentlich GWB
auszeichnen(ausgezeichnet) GWB
bedeutend GWB
edel GWB
eminent GWB
exzellent GWB
famos GWB
herrlich GWB
hervorragen(h-d) vollkommen (vor)GWB
trefflich GWB
vorzüglich zu 2 a
GWB
meisterhaft zu 2 b
GWB
delikat GWB
erlesen GWB
köstlich zu 3
GWB
bestens 1) zur histor Entwicklung der beiden Wortformen sowie zur eigenständigen Verwendung von ‘fürtrefflich’ in der Schriftsprache der G-Zeit s DWb4,915ff 2) Im gleichen Prosatext ist ‘fürtrefflich’ nicht nur in ‘vortrefflich’, sondern darüberhinaus noch zweimal in ‘vollkommen’ bzw ‘vorzüglich’ “verbessert”: GWBB12,278,17 u 279,7
in GWB34
1,287,27 u 288,16
3) laut Auskunft des G- u Schiller-Archivs Weim; dieser unzuverlässige Textabdruck in WA gegen die “authentische Fassung” (Hecker) erforderte in Punkt 2 a zT Umzitierung der Belegquellen 4) zum wechselnden Gebrauch in den versch ‘Götz’-Fassungen vgl Götz-Wb Sp 258f 5) vgl hierzu den Komm NA372,234f 6) zu G-s Platon-Bild vgl seine enthusiast Verehrung des ‘großen Menschen’ Sokrates in Platons ‘Apologie’ u ‘Symposion’, der ihm seine eigene ‘Unwürdigkeit’ bewußt werden läßt GWBB2,12f u 16 Herder Anf 72 u etwa 10.7.72
7) vgl die ausführl Beschreibung GWB35,207 TuJ 1805
u GWB48,242f MagdebKunstsachen
8) im gleichen Brief einmal (adv) ‘vortrefflich’ ( 278,24)
9) nach dem Erstdruck in Propyl I 1Dorothea Weiss-Schäfer D. W.-S.