fro,
froh,
laetus, hilaris, ein fast nur hd. wort. bei Ulfilas in der
einzigen stelle, wo es erscheinen könnte, 2 Cor. 9, 7
findet sich hlas.
ahd. frô
und frao
leitet auf goth. fraus
gen. fravis,
wie naus
gen. navis
νεκρός ist; dürfte aus einem solchen adj. auf ein gleichlautendes subst. geschlossen werden, oder zeigte sich dieses nur schwachformig? umgedreht besteht altn. neben dem eigennamen Freyr
gen. Freys
weder ein appellativ noch ein adj.; doch da nâr,
gen. nâs,
cadaver ausdrückt, vielleicht auch ein adj. nâr
daneben galt, darf das adj. frâr (
in einer dunklen lesart auch frôr, â
und ô
wechselnd)
celer, velox herangezogen werden, die begriffe des schnellen, freien, frohen sind verwandte, und hiernach hätte sich das adjectivische frâr
von dem substantivischen freyr
unterschieden. man dürfte dann annehmen, auch goth. sei ein adj. fraus
von einem subst. fraujis
verschieden gewesen. ags. adj. freá
nur ein einziges mal im dat. pl. freáum
cod. exon. 353, 53 = Grein 2, 138, 32,
was sich doch auch substantivisch fassen liesze. alts. frô,
gen. frâhes,
zu belegen nur der nom. pl. frâha,
laeti Hel. 144, 13. 173, 25.
das ahd. frao, frô
erhält im gen. frawes, frôwes
oder frôes,
in der schwachen form also frawo, frôwo
oder frôo;
in frewista,
laetabunda, laetissima (Graff 3, 795)
für frawista
hat i
den umlaut erregt, wie in frewî
laetitia, aber kein frewes, frewaʒ
begegnet, dessen umlaut wie in freyr
oder fraujis
genommen werden könnte. vom mhd. frô
ist der gen. frôs
statthaft, weil Walther 48, 1 dën frôn (
laetis)
und 65, 28 die frôn (
laetos)
setzt, es kann aber auch frouwes
und der frouwe
gesagt werden, wie frouwe (
femina).
nhd. bei Luther
zeigt sich nur praedicatives, unveränderliches fro,
wie er flectierte kann ich nicht sagen, wahrscheinlich frohes
und der frohe,
mit h
nach alts. weise; auch andere quellen setzen, wo flexion eintreten müste lieber das adj. frölich;
allmälich aber tritt das h
von frohes, der frohe
auch in den unflectierten nom. froh,
hingegen ist ein fraues, der fraue
nach analogie von fraue (
femina)
und freuen (
gaudere)
unerlaubt. der comp. lautete ahd. frôôro, frewiro,
der superl. frôôsto, frewisto;
nhd. comp. froher
und fröher,
superl. froheste, fröheste.
bei Merswin 105 fröwer,
laetior. nnl. steht vroo
nur als praedicat und für die flexion wird vrolijk
gebraucht. synonym sind, auszer jenem goth. hlas,
womit sich nur ein einzelnes eddisches hlæzt,
jucundissimum vergleichen läszt, vielleicht aber lat. clarus
und skr. hlad
gaudere, laetari verwandt scheint, zwei andere adjectiva, unser glatt
und blîde.
ahd. klat, glat,
mhd. glat,
limpidus, splendens würde goth. glads (
wie frat frads)
sein und ist ags. gläd
amoenus, hilaris, engl. glad,
altn. glaðr (
statt gladr),
splendens, hilaris, schw. dän. glad;
nhd. glatt,
laevis, das sich mit laetus = laevigatus
berührt. der frohe
glänzt vor freude (
vgl.freudeglänzend,
freudehell, freudenglanz).
goth. bleiþs,
blandus, comis, mitis (
wie frô
und πραΰς),
ahd. plîdi,
mhd. blîde,
laetus, nhd. erloschen, alts. blîthi,
nnl. blijd,
ags. blîðe,
altn. blîðr,
schw. dän. blid.
wie hier allenthalben das heitere, glänzende übertritt in das milde, freundliche, frohe, empfangen die bei fro
dominus und fro
laetus entfalteten begriffe dadurch bestätigung. warum sollte froh
nicht auch an frei, fraai
und frîðr
formosus reichen? die götternamen Freyr
und Freyja
gestatten oder verlangen es. bedeutungen und fügungen. 11)
attributives flectiertes froh:
ahd. frawêr tak durahfarê, laetus dies transeat,
hymn. 3, 7,
wo sich frawêr
auch praedicativisch nehmen liesze; theih ih iamer frawô lustî gilâʒê in mînô brustî. O. IV. 7, 36; odo iowiht ander suntar guat ruerêmo thaʒ blîdâ muat, leid odo smërza thaʒ sînaʒ frawâ hërzâ.
V. 23, 254; sih niotô frawes muates. II. 12, 70; aber dîn scalch frewet sih ze dînero zësewûn, frewet sih ouh an sînên frowên liden, servus autem tuus laetabitur.
N. ps. 108, 28,
er freut sich an seinen frohen gliedern, am ganzen leib, ein merkwürdiger ausdruck. nhd. frohe zeit, frohe nachricht, ein froher sinn, ein frohes herz, frohe gefühle; froher jubel; der fröest man. Steinhöwel
dec. 649, 20; unüberwundnes heer, um das der frohe sieg die goldnen flügel schwingt. E. von Kleist 1, 6; ich werde mit meinen geliebten nun nicht mehr das gewächs der frohen rebe genieszen.
Messias 4, 1117; frohe lieder. Gotter 1, 14; frohe tage und frohe nächte. 1, 178; eilt in froher harmonie! Bürger 2
a; in der hütt ein frohes stübchen, grosz genug für weib und mann. 83
b; so drück ich meinen vollen frohen kranz dem meister Ludwig auf die hohe stirne. Göthe 9, 102; in einem frohen, an beiden seiten in der ferne von hügeln eingefaszten thale. 27, 184; nun als ich heut am wagen dich sah in froher gewandtheit. 40, 308; sinds etwa frohe dinge, die ich leide? Schiller 242
b; und der vater mit frohem blick von des hauses weitschauendem giebel überzählet sein blühend glück. 78
a; eben so gut könnte gott einen winter wie einen eisberg in diesen frohen sommer stürzen. J. P.
Tit. 3, 48. 22)
praedicatives frô
kann ahd. mhd. noch flectiert sein, z. b. giu strôe frawê arstâmês, jam strato laeti surgimus.
hymn. 4, 3;
mhd. dër junge minnet sêre, biʒ sîn lîp frôer stât.
Kolm. ml. 36, 25;
nhd. unterbleibt die flexion, wir stân vrô ûf,
wir stehn froh auf; die vielen pflanzen stehen hier froh und frisch unter freiem himmel. Göthe 28, 150. 2@aa)
froh sein, gaudere: mhd. die burger wâren âne strît mit dën gesten ofte vrô.
tr. kr. 37865; ab ich bin niht dëst frôer nuo.
Kolm. ml. 54, 35.
und in vielen andern stellen. nhd. Zion hörets und ist fro.
ps. 97, 8; und meine nieren sind fro, wenn deine lippen reden was recht ist.
spr. Sal. 23, 16; o wie fro wolten wir sein, wenn er gleich alle bewme zu ruten machet uber die bösen kinder.
Ez. 21, 10; und ist wunderfro, das die furcht nichts ist gewesen.
Sir. 40, 7; ib bin fro umb ewren willen, das ich nicht da gewesen bin.
Joh. 11, 15; er ist froh, wie ein kind; seid nun froh, ihr frommen bürger. Fleming 294; du kannst froh sein, dasz du dich zur rechten stunde auf den weg machtest; ich bin froh, wenn ich einmal allein sein kann.
gewöhnlich steht der gegenstand der freude im gen.: mhd. dër Wunsch ist ir ze kinde vrô.
minne lêre 1344; sie wâren sîn ze hërren vrô.
tr. kr.; nhd. ich bins froh (
wie bins zufrieden); des bin ich fro.
ps. 60, 8; wir sind unsers lebens froh; der könig war der antwort von herzen fro.
buch der liebe 268, 1; du hast deine absicht erreicht, nun gut! des sollst du ja froh sein. Wagner
kindermörderin 44; o wie froh ist die zeit, wenn mit der braut sich der bräutgam schwinget im tanze. Göthe 40, 291; bin geweiht zum priester des Apoll mit des gottes kranz und goldnem stabe, seines geistes bin ich froh und voll, warum nicht auch frommer wundergabe? Bürger 60
a.
doch folgen auch praepositionen: dein herz sei nicht fro uber seinem unglück.
spr. Sal. 24, 17; ich bin recht froh darüber; die edlen abgesandten die waren froh auf dich. Fleming 86; auf dies sei froh! 286,
wie stolz auf dich, darauf sei stolz, darauf freue dich.
auffallend an,
wie sich freuen an, mit éinem freund, an éiner liebsten froh. Göthe 4, 35,
der sich mit éinem freund begnügt, dem es an éiner liebsten genügt. wenn es bei Rollenhagen
heiszt: für gfahr bin ich wedr sichr noch froh.
froschm. Aa 6
b,
so ist wol das für
auf sicher
einzuschränken, nicht auf froh
zu ziehen. der gen. der gfahr
schickte sich zu beiden adjectiven. bei frage oder ausruf mit dem comparativ kann zwar das verbum substantivum ausgedrückt sein: wër was dô vrewer dan die rote?
pass. K. 198, 94; wër vrôer denne dër grâve was!
GA. 1, 436, 1757;
nhd. wer war dazumal fröher als ich?
fr. Simpl. 1, 16; wer war froher, als die jüngere fräulein und ich, dasz wir so für biederleute erkannt wurden?
ungr. Simpl. 41; wer war froher als ich?
unw. doct. 376; wer war froher als sie?
med. maulaffe 169; wer war froher als ich? 704;
Leipz. avant. 1, 161;
Pierot 4, 179; Gellert 4, 105;
unterbleibt aber zierlich: mhd. wër danne frœer danne dër tiuvel? Berthold 1, 34, 3; wer dâ frôwer danne dër tiuvel? 225, 13; wër dâ frôer danne sie? Heinr.
Trist. 3216; wër vrôer wen dër kristenman?
GA. 1, 423, 1298;
nhd. wer froer dan ich?
fastn. 333, 2; wer froer dan er? Wilw. von Schaumburg 122; wer fröer dan sie? Steinhöwel
dec. 84, 22; wer fröer dan Andreuczo? 89, 37; wer fröer dan frau Gretel? 260, 20,
in welchen drei letzten stellen der druck des dec. von 1580
immer ein 'war'
hinzusetzt, der it. text keinen anlasz zu der echtdeutschen redeweise bot. die auslassung des verbums tritt geradeso ein nach wer trauriger, wer bänger, wer frölicher, wer basz gemut?
und noch bei andern comparativen, hört aber mit dem 16
jh. auf. sobald man die alte syntax besser beachten wird, können auch noch späterhin einzelne beispiele der ellipse von ist
und war
nach wer
oder was
und comparativen überhaupt aufstoszen. es ist sich nicht gut froh, wann man schon was musz scheuen. Fleming 91,
man kann dann nicht recht froh sein. 2@bb)
froh werden, laetari, eigentlich anheben sich zu freuen, unterschieden vom vorigen froh sein,
sich schon länger freuen: da in aber der dirnen vater sahe, ward er fro und empfieng in.
richt. 19, 3; Egypten ward fro, das sie auszogen.
ps. 105, 38; und stillet das ungewitter, das die wellen sich legeten, und sie fro wurden, das stille worden war. 107, 30; wenn die gottlosen umbkomen, wird man fro.
spr. Sal. 11, 10; da nun das volk sahe den Johanan und alle die heubtleute, wurden sie fro.
Jer. 41, 13; da ward der könig seer fro und hiesz Daniel aus dem graben ziehen.
Dan. 6, 23; und dein vater wird wider sehende und seer fro werden.
Tob. 11, 8; da sie das höreten, wurden sie fro.
Marc. 14, 11; und sie wurden fro und gelobten im geld zu geben.
Luc. 22, 5; da aber Herodes Jhesum sahe, ward er seer fro. 23, 8; Abraham ward fro, das er meinen tag sehen solt.
Joh. 8, 56; da wurden die jünger fro, das sie den herrn sahen. 20, 20; ich kann nicht wieder froh werden.
auch hier steht der gen.: seine güter werden andern, das er der nicht fro wird.
Hiob 20, 18; wird der sonnen nicht fro (
vulg. non vidit solem).
pred. Sal. 6, 5;
in der Zürcher bibel: er hat den tag und sonnen nicht gesehen; sie werden ires einkommens nicht fro werden.
Jer. 12, 13; wer im selber nichts guts thut, was solt der andern guts thun, er wird seins guts nimer fro.
Sir. 14, 5; des lebens nicht froh werden. Kant 4, 236; das beste ist, dasz sie dieser gewaltthätigkeit nicht einmal froh werden. 5, 434; man wird auf unsrer trift der jugend fast nicht froh. Rost
schäferg. 61; unser herr gott spricht aber 'mir nit so, es sollens andere auch werden froh'. Göthe 13, 78; wenn ich meines sohnes einmal froh werden will. Schiller 186
b; ehe die Baiern recht anfangen seiner froh zu werden (
kaum sahen sie ihn), ist er schon nach Böhmen verschwunden. 974
a; des schönsten anblicks wird mein auge froh. 494
a.
die belege zeigen, dasz eines froh werden
gern heiszt, sich seines anblicks freuen, ihn erblicken, sehen; wir sind deiner wenig froh geworden,
haben dich wenig gesehen; er ward seines lebens nicht mehr froh; der sonne froh werden
ist die sonne sehen. Sunnenfrô
war ein alter eigenname, der z. b. in Mohrs
regesten von Fraubrunnen no 381 (
a. 1429)
und bei Anshelm (
mythol. 703)
erscheint. 2@cc)
froh machen: mich hât ein halm gemachet frô. Walther 66, 5; ich hân zër wërlte manegen lîp gemachet frô, man unde wîp. 67, 21; der leichten welt ihr gut sein oder pochen sol mich forthin nicht, weder krank noch froh mehr machen so. Fleming 283; uns macht die jugend froh, wir sind den klagen feind. Rost
schäferg. 48. 33)
der berührung zwischen froh
und frau
wurde sp. 74
und vorhin sp. 221
gedacht, manche äuszerungen der alten dichter lassen sich darauf beziehen, z. b. die wîsen hôrt ich sprëchen sô, daʒ niemen wære rëhte frô noch in dër wërlte wol gemuot, wan dër ein reine vrowen guot, die wol von tugenden hieʒ ein wîp (
ehweib), hete liep als sîn sëlbes lîp.
frauendienst 3, 14; dër frowen was ër vil frô.
Erec 6307,
er war froh, die frau in seinen händen zu haben; nun was gehört weiter zu einer frommen Sara und Susanna? sie sol freundlich und leutselig sein, und ein recht frou sein, das der man ir frou sei und sie sein herz erfrew.
prov. 5, 11. Frank
sprichw. 2, 205
b.
hier ist, um des wortspiels willen, frou
für fro
geschrieben. vrouwe vil gemeit.
minne lêre 1342
drückt aus frohe, stolze, schöne frau. 44)
den vorhin genannten synonymen darf auszer mhd. gemeit
auch noch geil
beigefügt werden, dessen bedeutung sich heute geändert hat. fro
und gemeit
stehn fastn. 923, 30
vereint. sodann knüpfen sich die alliterierenden: si vuoren frœlich unde vrô.
tr. kr. 22990; vrœlîch und vrisch. Otto
bart 668; fro und frölich. Steinhöwel
dec. 666, 28; fro frölich und wol zemuot. 497, 22; hier treiben wirs, wie froh und frei, uns fesselt kein verwünschter dritter. Bürger 19
a; so kann doch keinem gegenstande, wenn er froh und frisch in die augen fällt, das recht versagt werden dargestellt zu sein. Göthe 39, 231.
s. kindfroh (
altn. barnteitr), schadenfroh, siegfroh, unfroh.