Eintrag · Althochdeutsches Wörterbuch
frô sw. m.
sw. m.; as. frô; ae. freá; vgl. auch as. frôio, frâho; afries. frana; an. Freyr; got. frauja. — Graff III, 804 f.
fro: nom. sg. (voc.) Gl 5,517,8 (Gespr.). S 85,30 (Ludw.). O 1,5,35. 2,14,27. 89 (s. u.). 5,7,35 (s. u.). 49.
Hierher ist vielleicht auch zu stellen: frono: gen. pl. S 116,64 (Würzb. Markbeschr., 11. Jh., oder zu Artikel frôno?); fraume: nom. sg. (voc. ?) Gl 5,519,43 (Gespr., zu den Deutungsversuchen s. u.); vro: nom. sg. S 375,5 (Straßb. Blutsegen, s. auch u. b).
froon Gl 4,299,23 ist nach Wadst. S. 57 Anm. 4 als proprie zu lesen.
Herr: a) in der (zur Formel erstarrten) Verbindung frô mîn: als Anrede: fro min domnus Gl 5,517,8 (vermutl. allgemeine Anrede für einen ‘Herren’, vgl. dazu W. Grimm, Kl. Schriften 3,487 f. u. Ehrismann a. a. O. 1,143. 7,188 ff.); für den König: quadhun al „fro min, so lango beidon uuir (!) thin“ (König Ludwig) S 85,30; für die Engel als Gottesboten: wanana ist iz, fro min, thaz ih es wirdig bin, thaz ih druhtine sinan sun souge? O 1,5,35; für Christus, den der Sprecher nicht erkannt hat: (die Samariterin:) ni habes ... fro min, fazzes wiht zi thiu herain [vgl. domine, Joh. 4,11] 2,14,27. (zu dem vermeintlichen Gärtner) fro min, ... dua mih wis, oba thu nan namis [vgl. domine, Joh. 20,15] 5,7,49; von der Anredeform ausgehend, aber wohl als Ausruf, als Ausdruck der Verwunderung (vgl. Ehrismann a. a. O. 1,145) verallgemeinert: sehet then man, ther mir thaz allaz brahta fram ... scal iz krist sin, fro min? O 2,14,89 (sonst müßte man an eine nominat. Apposition zu krist denken (vgl. Erdm., Syntax 2,53 Anm. u. ZfdPhil. 6,448); so wohl auch: fro min, so ih iu (den beiden Engeln) redinon 5,7,35; — hierher vielleicht auch: abee hu gotfraume deus (Hs. d) uos saltdom Gl 5,519,43 (zur Lesung vgl. Huisman, Rhein. Vjbll. 33, 292 f.) möglicherweise, mit Huisman, aufzulösen in: habe e hu got frau me u. frau als frô in einer Grußformel zu deuten (ähnl. Beispiele bei Huisman, so auch Ehrismann, ZfdWortf. 1,143. 7,187, anders Steinm. z. St.); b) fraglich bleibt: vro in der insgesamt unsicheren Zeile des Straßb. Blutsegens: Vro unde Lazakere keiken molt petritto S 375,5, das von J. Grimm, Kl. Schriften 2,48, als Name des germanischen Gottes (an. Freyr) gedeutet, aber von Mettke, Älteste deutsche Dichtung u. Prosa S. 95, mit ‘der Herr’ übersetzt wird, vgl. dazu Erb, Geschichte der deutschen Lit. I, 1,69 f. zum Einfluß des Christentums in Zaubersprüchen; c) der Gen. Plur. frôno wird als Adj. verwendet (s. Artikel frôno u. die dort angegebene Lit.), in einem Fall könnte aber frôno noch als Gen. Plur. gemeint sein: ioh chirihsahha sancti Kilianes, ioh frono, ioh friero Franchono erbi S 116,64 (so bes. Sonderegger, Festschr. Bader S. 426, Schützeichel, Ahd. Wb. S. 59; oder ist frôno Adj. u. auf erbi bezogen? so Graff III, 807, Ehrismann a. a. O. 7,194).
Vgl. Möller, Ahd. frôno als elliptischer Plural, ZfdWortf. 4,95—124 (zur Bedeutungsentwicklung von frô), Ehrismann, Die Wörter für ‘Herr’ im Althochdeutschen, ZfdWortf. 7,173 ff., ders., Duzen u. Ihrzen im Mittelalter, ebda. 1,117 ff., bes. 145, Urmoneit S. 159 ff.
Abl. frôno, frônisc; frouuua.