Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
Fratz
Fratz
Fratze f. ‘Grimasse, Larve, Posse’; im 16. Jh. (Luther 1521) wird Fratzen Plur. ‘Possen, albernes Gerede’ wohl aus ital. frasche Plur. ‘dürre Äste, dummes Zeug, unbedeutende, nichtige Dinge, Possen’ entlehnt. Für dieses Substantiv mit dem Sing. ital. frasca ‘belaubter Zweig’ fehlt eine sichere Herleitung; es läßt sich als Nominalbildung zu vlat. *fraxicāre ‘brechen’ erklären, doch setzt dieses Verb ein Part. Perf. lat. *fraxum neben lat. frāctum (von lat. frangere ‘brechen’) voraus. 3, 1708 sehen dagegen das Etymon in mlat. frasca (9. Jh., Norditalien) und halten dieses für ein Reliktwort des Mittelmeerraumes. Zur Kennzeichnung einer Schenke wird ein Laubzweig (frasca) am Hause angebracht; die Späße in der Schankstube werden mit dem Plur. frasche bezeichnet. Die Verwendung im Sinne von ‘Grimasse, verzerrtes Gesicht’ geht auf Kürzung von Fratzengesicht im 18. Jh. zurück. – Fratz m. ‘häßlicher, schlechter Mensch, ungezogenes Kind’ (16. Jh.), dann in abgeschwächtem Sinne ‘schelmisches kleines Kind, besonders Mädchen’ (19. Jh.) geht möglicherweise direkt auf ital. frasca zurück, das auch ‘leichtsinniger Mensch’ bedeutet. fratzenhaft Adj. ‘wie eine Fratze’ (18. Jh.).