fotze,
f. cunnus, vulva, ein unhübsches, gemiedenes wort, bei dem die sprachforschung doch manches zu erwägen hat. für die vorstellungen des zeugens und entleerens gibt es auszer den natürlichen, derben namen zahlreiche euphemismen und umschreibungen, die den ausdruck verhüllen oder sogar hervorheben. welcher von diesen drei arten sie angehören, fällt bei alten, in unvordenklichem gebrauch gewesenen benennungen zu sagen schwer. den derben wörtern weicht die anständige rede aus, vom volk aber werden sie, wo es sein musz, nicht gescheut, von freien, ausgelassenen dichtern wissentlich gesucht. ein beispiel der verhüllung ist das ganz unverfängliche wort ding,
wodurch das weibliche wie das männliche glied gemeint sein kann (2, 1164),
und nicht anders stehn das lat. res,
it. cosa,
fr. chose.
auch wicht
galt wol in gleichem sinn, wie sich durch bösewicht
oder schelm
für penis bestätigt. man erinnere sich der 3, 1120
berührten verwendung von es thun,
le faire, wo der blosze artikel oder das verbum allein schon das, worauf es abgesehn ist, bezeichnet. im lateinischen und romanischen wird cunnus,
it. conno,
sp. cuño,
fr. con (
überall m.)
mit weniger zwang ausgesprochen, als eins der deutschen wörter. die unzüchtigen, oft aber witzigen und sinnreichen fabliaux der Franzosen haben con
und vit
auf allen blättern, wo die herausgeber ganz verkehrt durch puncte gerade hervorheben, was dem leser im zusammenhang und im reim ohnehin nicht entgehen kann. prov. 30, 16
heiszt es nach der vulgata: tria sunt insaturabilia et quartum, quod nunquam dicit sufficit, infernus et os vulvae et terra quae non satiatur aqua, ignis vero nunquam dicit sufficit.
wüsten wir, wie diese stelle Ulfilas
verdeutschte, so würde ein goth. ausdruck offenbar. Luther: drei ding sind nicht zu settigen und das vierde spricht nicht es ist gnug. die hell, der frawen verschlossen mutter, die erde wird nicht wassers sat und das fewr spricht nicht, es ist gnug.
statt os vulvae
geben die LXX ἔρως γυναικός,
im hebr. steht םחר רצעו לואׂ,
und ר ist verschlossenheit, ם uterus, vulva. für uterus, μήτηρ =
μήτρα setzt Ulfilas
sonst das goth. qiþus,
welchem ahd. quiti
vulva (Graff 4, 650),
ags. cviðe
matrix, altn. qviðr
venter, uterus entsprechen und warum sollte nicht prov. 30, 16 munþs qiþaus
gestanden haben? qiþuhaft
ist ἔγκυος,
ἐγκύμων,
schwanger von κύειν tragen, gebären, womit qiþus, venter
und uterus
unmittelbar verwandt scheinen. den nd. fries. und nordischen sprachen ist hier, wie den romanischen, ein gutturalisch, den hd. sl. und lit. ein labialisch anlautendes wort eigen. zunächst an cunnus
reicht die malberg. gl. quintuo, quinte
der lex. sal. 30, 1,
wenn sie nicht aus cinitus,
d. i. cinaedus,
κίναιδος selbst entsprang. noch die hennebergische mundart hegt quintipse (Reinwald 125).
aber auch qiþus
könnte zu qinþus,
wie uterus
zu venter
geworden sein. isl. begegnet kunta,
ostgötl. kute,
wahrscheinlich noch in andern scandinavischen mundarten. fries. kunte (Richth. 881
b),
ostfries. kunt (Stürenburg 129
a),
nordfries. kunte (Outzen 173),
nl. kutte (Kilian 333
b),
nd. kunne (Schambach 116
b), kunte, kute (
brem. wb. 2, 898. Schütze 2, 369), kutt (Danneil 121
b), kuttendoll
manntoll; zwei wîʒe diech zierent baʒ ein rûwe kunt, wiʒʒe daʒ.
Morolf 291; ein versmehte kunt, ein hungerger hunt gênt trûric slâfen ze maneger stunt. 381,
welches gedicht offenbar auf eine nd. fassung zurückgeht. engl. cunt
habe ich in den glossen bei Wright
verschiedentlich angetroffen: cuntte
vulva 186
b, cunte 208
a, cunt,
cunnus 246
b.
auch böhm. kunda.
für das hd. wort bieten sich erst ziemlich späte belege dar, liederb. der Hätzlerin lxxv, 74.
fastn. 225, 12. 265, 32. 1371, 114; fotzen,
vulva, janua ventris im gl. teuton. ante lat. (
um 1475) g 3
b; Henisch 1183. Stieler 523. Frisch 1, 287
a und allgemein in der heutigen volksprache, vgl. Höfer 1, 238. Schmeller 1, 581. Lexer 99
b,
auch ins nd. vorgedrungen, fotts
bei Danneil 56
b.
offenbar älter ist fud
oder fut,
fot,
wie die schon mhd. composita fudenol, Neidhart 65, 12
und XLIII, vudeslecke
s. 153
und nhd füdesel
fastn. 786, 19
darthun. das gl. teuton. ante lat. fügt dem fotzen
ein vulgariter fud
hinzu und hat g 5
b fud
vulva, caveas, mi care, caveas mulierum intrare.
der vocab. teut. 1482 15
a fud oder fotz
vulva, cunna und unter zwidorn: ein mensch der zagel und fotzen hat,
hermaphrodita. fastn. 67
preist ein vater seine tochter mit rohen worten als braut an: Geut, gee herfur und lasz dich schauen du vergest dich im wol zu einer frauen und kündst nit ebner sein sein fuog. fud, ars und tutten hastu ie gnuog, ich hab dich ie mit fleisz gezogen; potz fut!
erscheint als bloszer ausruf: potz fut, ich ward gar zeitlich wund.
fastn. 387, 14.
schon im mhd. gedicht vom rosendorn GA. 3, 21,
das mit einem fr. fabliau bei Méon 3, 409
einiges gemein hat, wird diu vut
redend eingeführt und oft genannt, vgl. futlos.
auch aus der heutigen kärntnischen sprache bringt Lexer 106
b fut
bei, 48
b putze,
was sich mehr einem sl. puzda, pizda
anschlieszt. serb. pizda, pizdina,
böhm. pjzda,
lit. pyzda, pissa (Nesselm. 299
b),
lett. pihsde.
isl. pûss
vulva equarum. schw. fud, fu, fo, fö
cunnus (Rietz 158),
wie bei Fischart 'deiner magd pfu'.
das gr. πόσθη ist penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den grundsatz in anspruch, dasz der unzüchtige sinn von einem züchtigen (
wie überhaupt das böse von dem guten)
abspringt und nicht ohne ihn zu verstehen ist, die ausdrücke bräuten, träuten, heien, beschlafen, coire
u. a. m., an sich rein und anständig, wurden euphemistisch gesetzt. fud, fotz
sind unter dem volk ein unschuldiges, leichtes schimpfwort, ohne allen gedanken an das geschlechtliche, gerade wie wir hundsfott
für einen schlechten kerl, hundsföttisch
für schlecht und übel gebrauchend ihres ursprünglichen sinnes ganz uneingedenk sind. cunnus
liesze sich nur dann auf gignere, generare
ziehen, wenn die lautverschiebung vorgeschritten, und es dem goth. kuni,
ahd. chunni
gleichzustellen wäre. das ags. gecynd
ist natura, genus, gecyndlim
uterus, gecyndlima
genitalia, doch weicht der auslaut von cunt, kunta
ab und man hat cunnus
zu cunire, inquinare, coenum, obscoenus
gehalten; die erwägung von κύω und ἔγκυος führt auf κυσός,
κύσθος,
so dasz cunnus
aus cusnus
hervorgegangen sein könnte. lit. kuszys
oder kuźys
ist vulva. ich möchte bei cunnus
sogar das skr. jôni (
geschr. yôni)
nicht übersehen, es drückt vulva, uterus, origo aus. auch qiþus, qinþus
schien in die vorstellung von uterus einzutreten. mit fôdjan,
ahd. fuotan,
altn. fœða
alere, parere fut
und fotze
zu vergleichen hätte schein, obwol der kurze vocal von dem langen absteht, gebären
und bärmutter,
μήτρα,
matrix, δελφύς lägen nahe genug. doch ist schw. dän. födsel
partus, altn. fœðsla
nutritio, ahd. fuotisal
pastio. mir leuchtet etwas anderes ein. in beinahe allen sprachen werden die zeugungsglieder beider geschlechter nach dem begrif der scheu und scham benannt und nichts ist auch natürlicher, weil man sie verbirgt und sich scheut sie zu zeigen. daher sagen wir scham
oder schande
und Graff
liefert unter skama
auszer pudor und reverentia auch die bedeutung turpitudo. ër begunde sich scamen daʒ ër nieht het ane, ër unt sîn wîb chêrten fon einanderen ir lîp, daʒ ir ne wëdereʒ ne sâhe, wie daʒ andere getân wâre. si spreiten ire hente uber ire scante, si îlten zeime fîcboume, nâmen dër loube, ze samene si siu sûten, sôsich wâne mit smëlehen, damit si sich gurten, die scante si verburgen.
fundgr. 2, 19; die scham si verburgen mit vil grôʒen sorgen. Diemer
genesis 15, 4; ër sach in vil wol blechen und wolde in doch niht dechen, ër sach sîne schande, spottunde ër sich danne wande. 31, 5; ob sich die man besniten nâch êbrêischem site vorne an dër schande. 69, 19.
ebenso ist αἰδώς und αἰδοῖον scham und schamglied, Il. 2, 262
ein edler ausdruck. dem skr. vṛi
entspricht das lat. vereri, vrîdita
ist pudibundus, veretrum
schamglied, fr. vergogne,
lat. verecundia,
sp. verguenza,
las partes pudendas, les parties honteuses; sl. sram
verecundia und membrum genitale; lit. gda
scham und schamglied; lett. kauns
scham, kaunums
schamglied, buchstäblich an cunnus
mahnend; schw. blygd
verecundia, qvinnoblygd
vulva, vom altn. bliugr
verecundus, mhd. bliuc (1, 214).
da nun auch das lat. pudor
für pudendum muliebre gesetzt wird und pudor, pudere
kurzen vocal haben, warum sollte nicht den wörtern fut
und foʒ, fozia
ursprünglich ein reiner sinn beigewohnt haben? die linguale verhalten sich wie in pes pedis, fôtus, fuoʒ,
in sedere, sitan, sizan,
in madere, nati
und netz.
aus dem abgang der urbedeutung in unsrer sprache und dem haft des worts für den unreinen, verabscheuten sinn begreift sich die eingetretne verwirrung der consonatstufen, das tz
ist richtig hochdeutsch, das t
alterthümlich auf dem früheren stand geblieben. damit wäre der verschriene name wieder ehrlich gemacht und es käme blosz darauf an, in älteren sprachdenkmälern noch ein fiutan faut futum
für pudere, vereri zu finden, denn u
lenkt auf iu
zurück. möglich schiene verwandtschaft von futikan, pfuidichan
und selbst von pfudi, pfui, fi (3, 1611). pudere
mit foetere
zu verbinden scheint bedenklich und weder an φύω noch lat. futuo
läszt bei unserm wort die lautverschiebung denken, da f
deutschem b
entspräche. nur éine schwierigkeit steigt auf aus der in oberdeutschen mundarten vortauchenden bedeutung von haar und maul, diese herscht in Baiern und Tirol, jene in der Schweiz und in Schwaben. Frisius 1381
a, Maaler 140
a, Dasypodius
u. a., ohne cunnus
und vulva
anzugeben, erklären fotz
und haarfotz
durch villus und setzen es dem zott,
ahd. zâta
gleich, villosus ist gefotzet, voll zott, ein rock mit langen fotzen
oder zotten
toga pexa, fotzechtig zu beiden seiten
ἀμφίμαλλος.
bei Henisch 1183, 59
ist fotse
villus et pudendum, fotzechtig
villosus, gefotzter mantel,
ein zottiger. Stalder 1, 392
hat fotz
für zote, gfotzet
zoticht, Tobler 197
b fotz
f. für vulva, fotza
m. für quast und flocke, z. b. chappafotza
mützenquast, schneefotza
schneeflocke. schon ahd. zâturra
drückte scortum aus und Liselotte von Orleans
nannte mit derbem pfälzischen worte die Maintenon nicht anders als die alte zott,
was also = fotz
ist und das schamhaar vermittelt diese bedeutung, man dürfte auch an fetze
faser, lump, it. pezza
denken. fotz, fotze
für das maul von thieren und (
immer verächtlich)
für den mund von menschen (Schmeller 1, 581. Lexer 100. Schöpf 148)
mag den sinn von loch oder spalte, ohne bezug auf haarwuchs ergeben, oder wiederum müste ein euphemismus eintreten und aus dem it. pezzo (
vgl. 3, 1576)
stück, fetze
zu erklären sein. hiernach sind fotzbeiszer
und fotzdudeln
zu verstehn. beide nebenbedeutungen gehen doch nicht über den alemannischen und bairischen dialect hinaus, sind auch in der älteren sprache nicht aufzuweisen. Kilian 148
b hält fotte
cunnus und fotse
villus gesondert. s. fot,
fut.