fleiszen ,
contendere, studere. ahd. flîʒan, fleiʒ, fliʒun,
mhd. vlîʒen, vleiʒ, vliʒʒen,
nhd. fleiszen, flisz, flissen,
alts. flîtan, flêt, flitun,
ags. flîtan, flât, flitun,
doch habe ich die praeterita flêt, flât
nie gelesen. so wenig als fleit
erscheint ein goth. fleitan;
man wäre sogar versucht dafür þleitan (
nach analogie von þlaihan, þliuhan = flêhan, fliohan)
zu ahnen und im lat. stlis, stlata, stlocus
eine bestätigung zu finden, da diesen ein tlis, tlatus, tlocus
vorangegangen scheint; doch dem þleits, þleitis = tlis, tlitis
geht verschiebung des inlauts ab, so richtig der anlaut verschoben wäre. auf keinen fall war dem Ulfilas
solch ein þleitan þlait
geläufig, weil er überall usdaudjan
setzt. ferner ab läge eine vergleichung von fleisz
und fleiszig
mit dem sl. pilnost (
poln. pilność)
und pilny,
die dasselbe ausdrücken, aber wol zur wurzel pln, plenus,
goth. fulls, voll
gehören. von pil
liesze sich übergehn auf til
und wieder zu goth. fl = þl
gelangen. 11)
ahd. galt noch das intransitive verbum: dages inti nahtes fleiʒ si thar thës rëhtes. O. I. 16, 13; sie fliʒʒun thaʒ sie gîltî
n. I. 22, 2.
mhd. begegnet nur inf. und part. daʒ vlîʒen unt daʒ pînen.
Trist. 132, 22;
das part. sowol mit hân
als mit bin: hërre, ich hân gevliʒʒen an iegelîchem seitspil.
Trist. 93, 26; sît et dar an gevliʒʒen, daʒ mir kein schade iht ûf erstê. 266, 32; nu kam dër tac daʒ Flôre solt komen von Montôre wol gefliʒʒen ûf den tac.
Flore 2125.
nhd. zieht der inf. vor fleiszigen,
im part. haftet, neben bin, geflissen: bis auf die pfert geflissen!
fastn. 247, 13; dessen bis noch geflissen! Ringwald
geistl. lieder 83; ob man dir auch sei gflissen zu lieben dich von herzengrund. Ayrer 293
a; dann auf dein recht und seinen guten grund vertröst ich mich und bin darnach geflissen. Opitz
ps. 228. 22)
weit häufiger kommt vor sich fleiszen.
mhd. dar nâch ër sich mit vlîʒe vleiʒ.
Parz. 61, 20; an wëlen buochen hânt si daʒ erlësen, daʒ sich sô maneger flîʒet wâ ër ein schœneʒ wîp vervelle? Walther 34, 3; dër wirt gein sînen gesten sich sêre vlîʒen began.
Nib. 725, 4; ouch flîʒent si sich an turnei. Docen
misc. 2, 306;
mit davon abhängendem genitiv: vlîʒet iuch diemüete.
Parz. 170, 28; swaʒ ie guoter tugende an vroun Helchen lac, dër vleiʒ sich nu vrou Kriemhilt dar nâch vil manegen tac.
Nib. 1329, 2; die sich dës flîʒent, daʒ si dën munt sô sêre bîʒent. Walther 61, 17.
schwachformig: si vliʒʒete sich ir wæte. Karajan 24, 25. 25, 3,
oder vlîʒete?
nhd. solt sich ein mensch fleiszen, das er alle zeit in allen seinen werken ufgespannen wer mit seiner meinung. Keisersb.
irrig schaf 19
b; denn wie ir euch geflissen habt von gott abzuweichen, also bekeret euch nu und fleisziget euch zehnmal mehr den herrn zu suchen.
Baruch 4, 28; wiewol ich ein mechtiger könig bin, hab ich doch mich meiner gewalt nicht wöllen überheben, sondern mich geflissen gnediglich und sanft zu regieren.
stücke in Esther 1, 2; also das ich alles mit dem evangelio erfüllet habe und mich sonderlich geflissen, das evangelium zu predigen.
Röm. 15, 20; die giftigen meuler, die sich fleiszen, wo sie etwas ergröbbeln. Luther 4, 406
a; dahin flissen si sich auch ir sprach zuo leiten. Frank
weltb. 41
b; er flisz sich in alle weg, das er von menigklichen geliebt ward.
chron. 18; und also haben sie sich endlich zu fahren geflissen.
buch d. l. 10, 1; got wolt aber, ich mich in ihrer gnaden dienst nach allem iren willen fleiszen möcht. 233, 4; es begibt sich oft, dasz sich etliche fleiszen ander leut zu verspotten.
Bocc. 1, 38
b; man sol sich fleiszen, dasz die rinder nimmer aus hungers not mager werden. Forer
thierb. 118
a; wil fleiszen mich vor allen dingen, das ich errett im sein leben. H. Sachs III. 1, 217
b; man fleiszt sich jetzt den bart vom maule zu gelosen (
abzulösen). Logau 2, 60, 37; gar genug, wann fremdes gut recht zu brauchen ich mich fleisze. 2, 158, 98.
mit genitiv: und tust dich erst eins neuen fleiszen.
fastn. 56, 13; und wer der zeit kein recht tut und sich vil böser ding fleiszet. 319, 26; du tust recht sam ein saw in einer pfützen, die sich unsauber köste fleiszt. 658, 2; darümb wer wirig (
auf die dauer) herschen wil, der söll sich fleiszen tugend vil. Schwarzenberg 113, 1; drümb wie ain ieder alten wil, des fleisz er sich von jugent vil. 143, 2; der fleiszt sich warlich pöser tück. 155, 1; der sich des adels fleiszt, und doch den fuchs nicht beiszt. Uhland 365; thut sich der schäflin fleiszen, das die wolf sie nit zerreiszen. Soltau 260; was fleiszest dich vil alter schand? Murner
schelmenz. 43, 9; keiner gütigkeit er sich fleiszt. H. Sachs III. 3, 64
d; fleisz dich gepraten opfel oder gepraten pirn.
küchenmeisterei cap. 6; ein treflicher man, der sich von jugent auf aller tugent geflissen hatte. 2
Macc. 15, 12; so wir bisher und furt mehr uns desselbigen geflissen hätten. Luthers
br. 1, 436; und fleiszen sich alles des das zuo zier ires leibs und angesichts dienet. Frank
weltb. 193
a; des sich die alten weisen nach im geflissen haben. Reuchlin
augensp. 10
b;
mit praepositionen: haben sich auf ir gut bier geflissen. Mathesius 1562, 274
a; hat man sich hernach auf gleser geflissen.
daselbst; wer sich zu gutem zeitlich fleiszt und leszt sich strafen in der jugent. Waldis 2, 71
bl. 124
b; aufs gute fleisz man sich und werd zum bösen träg.
Simpl. K. 641.
heute wird sich fleiszen
selten gebraucht: welche freud an meinem kinde, die sich fleiszet ernst und still. Rückert
ges. ged. 1, 253,
die fleiszig ist, arbeitet. vgl. befleiszen.