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fanz

mnd. bis Dial. · 5 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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5 in 5 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

fanz

Bd. 3, Sp. 1320
fanz, fenz, fanze, fenze, m. nebulo, nequam, ein schwieriger ausdruck, von dem schon 1, 203 unter alefanz gehan delt ist und auf welchen die betrachtung nochmals unter firlefanz zurücklenken wird. lautverschoben stimmt das altn. fantr nebulo, fatuus, norw. fant erro, nequam (fremder, landstreicher, schelm), n. fante, fjante, schw. fant und daneben fänta f. dirne, norw. fenta, fahrende dirne, nnl. vent, nd. vent, doch diese beiden mit dem milderen sinn von junger bursche, kerl, der gleichwol in einen verächtlichen übergeht. das nl. v weist auf ein heimisches wort, denn nie wird fent geschrieben. in form und bedeutung entsprechen ahd. elibenzo, elivenzo, alfanz. bemerkenswerth sind die beiden folgenden stellen für das einfache wort: als die geiselbrüder a. 1349 im Elsasz herum zogen, liefen die leute hinaus die 'schönen fanzen' zu sehen. Wurstisen Basler chronik zu 1349; Königshofen, als er von den geiseiern redet, bedient sich des ausdrucks nicht, offenbar werden die schönen fremdlinge bezeichnet, die das land durchzogen, die elibenzon fremidê. im Eulenspiegel von 1519 heiszt es cap. 42: eines andern tags da was ein schuochmacher, der gieng vil lieber uf dem markte schleichen, wenn daʒ er arbeit, und hiesz Ulenspiegeln zuo schneiden. Ulenspiegel fragte, waʒ 'fanzen' er haben wolt? der schuochmacher sagt, schneid zuo grosz und klein, wie der schweinhirt usz dem dorf treibt. Ulenspiegel sagt, ja meister gern. der schuohmacher gieng usz und Ulenspiegel schneid zuo und machte von dem leder schwein, ochsen, kelber, schaf, böck und allerlei vihes. man möchte wissen, wie die nächsten ausgaben lesen, die neuen setzen: er fragte den meister, was form er haben wolte. eine nl. von 1575: meester, wat fatsoen sal ik snijden? die späteren: meester wat fatzoen zal ik dan sneiden? form und façon treffen die meinung ganz gut, doch das ursprüngliche fanzen entspringt nicht aus fantasien (fancies), es will sagen 'kerle, burschen' oder etwa 'fratzen'. Waldis 3, 41 läszt den schwanzlosen fuchs zu den andern füchsen sagen: ir wiszt wie uns die langen schwenzen (l. schwenze) nachzoten wie die gippen fenzen (l. fenze), werden uns oft vom regen schwer, ziehen wie nassen fliegen her. zu gippen halte man gippen gappen (Neidh. xlv, 27), gippenfanz ist dunkel, es könnte schleppträger, gestator syrmatis sein, oder auch eine sächliche vorstellung enthalten, in welche wir alefanz häufig übergehen sahen. Klopstock in der gelehrtenrep. 12, 95 äuszert sich von den modewörtern: da werden sie dann in den büchern allerwärts hingestellt des endes, dasz sie darthun sollen allerhand theoreien, die, weil sie fanzen und fratzen sind, nichts kann darthun, am mindesten aber wörtlein. wie fratz oder fratze auf etwas persönliches zurückgeht, könnte es auch fanz, oder lag ihm jenes engl. fancy im sinn? dasz fanz ein altdeutsches wort ist und nicht aus it. fante entspringen kann, obwol dieses in fanciullo zischend wird, leuchtet ein. wäre fant schon ahd. mhd., so liesze sich allerdings eine fortschiebung in fanz, wie bei falten in falzen annehmen.
3071 Zeichen · 39 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    fanzM.

    Köbler Mnd. Wörterbuch

    fanz , M. Vw.: s. vanz

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    fanz

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    fanz , fenz , fanze , fenze , m. nebulo, nequam, ein schwieriger ausdruck, von dem schon 1, 203 unter alefanz gehan delt…

  3. modern
    Dialekt
    Fanz

    Schweizerisches Idiotikon · +2 Parallelbelege

    Fanz Band 1, Spalte 877 Fanz 1,877

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit fanz

25 Bildungen · 11 Erstglied · 12 Zweitglied · 2 Ableitungen

fanz‑ als Erstglied (11 von 11)

Fanzel

MeckWB

Fanzel m. (?), f. Schelte auf Männer und Frauen mit albernem Benehmen Ha Belsch ; Red; s. Gefanzel .

Fanzeli

MeckWB

fanz·eli

Fanzeli f. unnützes Tun wie Schwänkeerzählen während der Arbeit (1890) Wa.

fanzelig

MeckWB

fanzelig albern, schwatzhaft (1887) Ha Red .

fanzeln

DWB

fanz·eln

fanzeln , nugari. Reinwald henneb. id. 1, 30 .

fanzeln II

RhWBN

fanzeln II Altk-Flammersf schw.: schmeicheln.

Fanzeriⁿ

Idiotikon

Fanzeriⁿ N. Band 1, Spalte 877 Fanzeriⁿ N. 1,877

fanzig

RhWBN

fan·zig

fanzig Altk-Wissen Adj.: schmerzempfindl., wehleidig [nicht kindisch!].

fanz als Zweitglied (12 von 12)

Firlefanz

RDWB1

Firlefanz m дурачество, глупость, дурацкие шутки

Affenfanz

DRW

affen·fanz

Affenfanz Betrügerei vgl. Alfanz Franke,LutherSchriftspr. II 26

alfanz

DWB

alfanz , m. fallacia, nequitia, nugae, cavillatio, oft aber auch persönlich nequam, nugator, früher alefanz alifanz alafanz, ein merkwürdige…

Alifanz

Idiotikon

ali·fanz

Alifanz Band 1, Spalte 171 Alifanz 1,171

anfanz

DWB

anfanz , m. fraus, dolus. Oberlin s. 44 zieht aus einer hs. von fabeln, aber nicht den bonerschen, sondern späteren: nun hetter ein gesellen…

Fierlifanz

Idiotikon

Fierlifanz Band 1, Spalte 1014 Fierlifanz 1,1014

firlefanz

DWB

firlefanz , m. , von fanz wurde oben sp. 1320 und 1, 203 unter alefanz geredet, es musz einen frischen, lustigen kerl oder schalk, scurra, n…

firlifanz

Lexer

firli-fanz stm. BMZ dasselbe Wolk. , vgl. Dwb. 3,1672.

Ableitungen von fanz (2 von 2)

Fanze

Adelung

Die Fanze , plur. -n, S. Firlefanz.

unfanz

DWB

unfanz , m. unartiger mensch. unfanzig ungezogen Schmeller 1, 735 . th. 3, 1321. Unger-Khull 609 b .

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „fanz". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/fanz/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „fanz". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/fanz/dwb. Abgerufen 12. May 2026.
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Cotta, Marcel. „fanz". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/fanz/dwb.
BibTeX
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