alfanz,
m. fallacia, nequitia, nugae, cavillatio, oft aber auch persönlich nequam, nugator, früher alefanz alifanz alafanz,
ein merkwürdiges, bisher unverstandnes, in hohes alterthum zurückweichendes wort: ir spil ist ganz und slachent den alafanz.
Ls. 3, 394; dô ich dich sach bî eime tanz und dir bôt ân alefanz (
al. ân allen fanz) vier gulden an ein rock ze stiure.
die grasmagt, in mehrern hss., cod. pal. 355.
bl. 138
b; erst merk ich den alefanz.
lied des 15 jh. bei Wackernagel 972, 6; den selben keisern drî wonent vil diener bî, die allenfenz (
l. alefenze) sint genant, die selben uns hânt verbrant und unser lant verderbt.
spiegel s. 143; ein mechtig stat, heiszt falsch untrew, die ist gebawen fest und new von einem könig, heiszt Alefanz. H. von Sachsenheim
Mörin. Worms 1539.
bl. 35; got schend denselben allefanz! Murners
luth. narr 1360; auf arglist, renk und alafanz. H. Sachs I, 224
b; mit schinderei und alifanz. I, 288
a; wie nimt uber hand die finanz, wie spitzig ist der alefanz; auf alle practic und finanz ist er ein rechter alafanz. I, 445
b; finanzer, alifanzer und trügner. I, 469
b; wer vorteilhaftig ist, brauchet vil dück und hinderlist, durch seltzam practik und finanz, richt all ding auf sein alifanz, das die wag hengt auf seinen teil. V, 327
d; nun wellen wir zu des künigs von Engeland lügen und allefanzen antworten. Murners
könig aus E.; als der alt schlang immer ein fischlein am angel gefangen hat, ... nam immer ein spruch usz der geschrift, den salbet er mit sim alefanz, mit der philosophy. Oberlin 26; wie von anfang der welt all sin alefanz dahin gerichtet, das gott nit gloubt noch vertruwet würd.
daselbst; alefanz macht die schuch ganz. Frank 2, 155
a. Agricola 213
a. Henisch 40. Simrock 127; ir ieglichem war tausend gulden worden zu alafanz. Öfele 1, 255; die münz ward ie langer ie böser, dan iederman suchet sein alafanz und sein vortheil. 1, 277; die von Constanz wolten an des königs Friedrichs leuten einen vorteil in den herbergen suchen, aber er zeigt inen, dasz im dieser ufsatz und aalenfanz nicht gefiele. Tschudi 2, 351
a; ie mer und mer freiheiten mit liebkosen und alefanz überkummen. Frank
chron. 508
b; list, verräterei, leckerwort, krieg, alefanz. Frank
parad. 25; so sind alle kunst, geschrauft grif, verschlagen alefanz, arglistigkeit, bosheit aufs höchste komen. Frank
laster K 3; wer sich in alle finanz und alefenz legt, der kan finanz mit alefanz ableinen und in summa ein fuchs sein wider ein fuchs und so viel ränk suchen als ein ander. Henisch 40; alfanz astutia, cavillatio. Stieler 443; lust und liebe zur nachahmerei, zur nachpinselei, zur nachschwätzerei, zur nachsophisterei, zur .. doch wer vermag solchen alefanz und firlfanz weiter fort nennen? Klopst. 12, 406; die philosophie ist gegen alfanz und aberglauben vortreflich. Claudius 3, 59; kein frommer alfanz der Briten oder Deutschen. Herder 18, 160; und dennoch reden sie von toleranz und dünkt sich duldend jeder alefanz. Tieck 2, 344.
Den anscheinend undeutschen, auch oft neben dem fremden finanz
auftretenden ausdruck hat man, wie alarm
auf all arme,
verkehrt auf ein it. all avanzo,
franz. à l'avance
zurückführen wollen; gewöhnlich bedeutet er nicht einmal gewinn oder gewinnsucht, sondern schalkheit, ja oft einen schalk, trügner, gaukler, bei Tobler 20
a ist alafanz
ein verschmitzter kerl, phantast; das abgeleitete verbum alfenzen
ist triegen und narren, ganz wie affenfenzen
äffen und betriegen. Nun aber hebt schon ein ahd. ganavenzôn,
d. i. gianafenzôn
cavillari, ganavenzôd
cavillum, cavillatio (Graff 3, 548)
jeden zweifel an des wortes voller deutschheit, dies ahd. fenzôn
musz einerlei sein mit dem nhd. fenzen
in alfenzen, affenfenzen, Schmeller 1, 546
kennt noch fenzeln
spotten, gefenz
spott, H. Sachs I, 451
b hat mit kleidung hurtig und fenzig. fenzôn
aber entspringt aus fanziôn,
setzt folglich ahd. fanz
voraus, dem das altn. fantr
nequam, schw. fant
servus, famulus, cacula, fänta
ancilla, dän. fante
narr, norweg. fant
landstreicher und schalk aufs haar gleichen. älteste bedeutung war wol die von famulus, servus, sie trat über in die von nequam, wie auch schalk
eigentlich den diener, dann den schalkhaften betrieger bezeichnet. Schon im buch der rügen (Haupt 2, 82)
wird gesagt: ir vart hin gên Indiâ und belîbet lange dâ, swenn ir her wider kêret und habt daʒ guot gemêret, ir vindet jungiu vänzelîn, die mugen lîhte eins andern sîn;
gemeint werden junge gauche (göuchelîn),
affen, schälke, nemlich in diesem zusammenhang bastarde, fremde vögel im nest, advenae. in einem, sowol dem Neidhart,
als Wolkensteiner
beigelegten liede MSH. 3, 308
a ist eine liederliche dirne angeredet mîn alefenzlîn!,
was ans schwed. fänta
mahnt. (
die lesart alefrenzlin
verwerflich, obgleich auch Fischart
im spielverzeichnis n° 110 alefrenzlin
schreibt, aus dem alten druck des Neidhart schöpfend.)
das nnl. vant
bedeutet einen jungen kerl, mit verächtlichem nebenklang. fanz
und alefanz
ist also schalk, betrieger, dann auch schalkheit, trug, fenzen, alfenzen
schalkheit treiben, triegen. Übrig wäre das vorstehende al
zu deuten schon Wachter
sah recht, indem er Otfrieds III. 18, 14 elibenzo fremider
heran zog, wobei man bisher an ein örtliches banz = bant
pagus dachte; allein die strenger als Otfried
hochdeutsche glosse Diut. 2, 341
schreibt eleuenz
d. i. elefenz
advena, das reicht hin volles licht zu streuen über alle diese wörter. man könnte das als
in alefanz (
wie in Aleman Alaman)
für blosz verstärkend nehmen und alafanz, alafenzo
deuten durch ausgemachter schalk, erzschalk. besser jedoch ist ale, ele
das alte ali
fremd und alifanz, alifenzo (
goth. müste es lauten aljafants, aljafantja)
bezeichnet den fremden schalk, einen Geta und Davus, hernach einen schalk, landstreicher, spitzbuben, schelm, und alifenzôn
schalksnarr sein, possen reiszen, betriegen. die guten mhd. denkmale überliefern uns kein alevanz, elevanz, elevenzen,
blosz jenes venzelîn
für schelkelîn
und alefenzlîn
tauchten allmälich vor, und erst in gedichten des 14
jh. erschienen alefanz,
im spiegel (
des 15
jh.) alefenze
als schalkhafte diener, im 16. 17
wachen die von der volkssprache warmgehaltnen alefanz
und alefanzen
kräftig auf und reichen noch ins 18
hinein, beachtenswerth, dasz Stieler 443
auch das einfache fanz, fanzen
und fanzer
aufstellt. mehr davon noch unter fanz
und firlefanz.
nur die redensart den alefanz schlagen
ist nicht ganz aufgeklärt, Frisch 1, 17
b führt, ohne belegstellen ein alfanz slahen, brechen oder lesen,
ja faren, sampnen, lernen, überlaufen,
alles mit der bedeutung von legere an.