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alfanz

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

alfanz

Bd. 1, Sp. 203
alfanz, m. fallacia, nequitia, nugae, cavillatio, oft aber auch persönlich nequam, nugator, früher alefanz alifanz alafanz, ein merkwürdiges, bisher unverstandnes, in hohes alterthum zurückweichendes wort: ir spil ist ganz und slachent den alafanz. Ls. 3, 394; dô ich dich sach bî eime tanz und dir bôt ân alefanz (al. ân allen fanz) vier gulden an ein rock ze stiure. die grasmagt, in mehrern hss., cod. pal. 355. bl. 138b; erst merk ich den alefanz. lied des 15 jh. bei Wackernagel 972, 6; den selben keisern drî wonent vil diener bî, die allenfenz (l. alefenze) sint genant, die selben uns hânt verbrant und unser lant verderbt. spiegel s. 143; ein mechtig stat, heiszt falsch untrew, die ist gebawen fest und new von einem könig, heiszt Alefanz. H. von Sachsenheim Mörin. Worms 1539. bl. 35; got schend denselben allefanz! Murners luth. narr 1360; auf arglist, renk und alafanz. H. Sachs I, 224b; mit schinderei und alifanz. I, 288a; wie nimt uber hand die finanz, wie spitzig ist der alefanz; auf alle practic und finanz ist er ein rechter alafanz. I, 445b; finanzer, alifanzer und trügner. I, 469b; wer vorteilhaftig ist, brauchet vil dück und hinderlist, durch seltzam practik und finanz, richt all ding auf sein alifanz, das die wag hengt auf seinen teil. V, 327d; nun wellen wir zu des künigs von Engeland lügen und allefanzen antworten. Murners könig aus E.; als der alt schlang immer ein fischlein am angel gefangen hat, ... nam immer ein spruch usz der geschrift, den salbet er mit sim alefanz, mit der philosophy. Oberlin 26; wie von anfang der welt all sin alefanz dahin gerichtet, das gott nit gloubt noch vertruwet würd. daselbst; alefanz macht die schuch ganz. Frank 2, 155a. Agricola 213a. Henisch 40. Simrock 127; ir ieglichem war tausend gulden worden zu alafanz. Öfele 1, 255; die münz ward ie langer ie böser, dan iederman suchet sein alafanz und sein vortheil. 1, 277; die von Constanz wolten an des königs Friedrichs leuten einen vorteil in den herbergen suchen, aber er zeigt inen, dasz im dieser ufsatz und aalenfanz nicht gefiele. Tschudi 2, 351a; ie mer und mer freiheiten mit liebkosen und alefanz überkummen. Frank chron. 508b; list, verräterei, leckerwort, krieg, alefanz. Frank parad. 25; so sind alle kunst, geschrauft grif, verschlagen alefanz, arglistigkeit, bosheit aufs höchste komen. Frank laster K 3; wer sich in alle finanz und alefenz legt, der kan finanz mit alefanz ableinen und in summa ein fuchs sein wider ein fuchs und so viel ränk suchen als ein ander. Henisch 40; alfanz astutia, cavillatio. Stieler 443; lust und liebe zur nachahmerei, zur nachpinselei, zur nachschwätzerei, zur nachsophisterei, zur .. doch wer vermag solchen alefanz und firlfanz weiter fort nennen? Klopst. 12, 406; die philosophie ist gegen alfanz und aberglauben vortreflich. Claudius 3, 59; kein frommer alfanz der Briten oder Deutschen. Herder 18, 160; und dennoch reden sie von toleranz und dünkt sich duldend jeder alefanz. Tieck 2, 344. Den anscheinend undeutschen, auch oft neben dem fremden finanz auftretenden ausdruck hat man, wie alarm auf all arme, verkehrt auf ein it. all avanzo, franz. à l'avance zurückführen wollen; gewöhnlich bedeutet er nicht einmal gewinn oder gewinnsucht, sondern schalkheit, ja oft einen schalk, trügner, gaukler, bei Tobler 20a ist alafanz ein verschmitzter kerl, phantast; das abgeleitete verbum alfenzen ist triegen und narren, ganz wie affenfenzen äffen und betriegen. Nun aber hebt schon ein ahd. ganavenzôn, d. i. gianafenzôn cavillari, ganavenzôd cavillum, cavillatio (Graff 3, 548) jeden zweifel an des wortes voller deutschheit, dies ahd. fenzôn musz einerlei sein mit dem nhd. fenzen in alfenzen, affenfenzen, Schmeller 1, 546 kennt noch fenzeln spotten, gefenz spott, H. Sachs I, 451b hat mit kleidung hurtig und fenzig. fenzôn aber entspringt aus fanziôn, setzt folglich ahd. fanz voraus, dem das altn. fantr nequam, schw. fant servus, famulus, cacula, fänta ancilla,n. fante narr, norweg. fant landstreicher und schalk aufs haar gleichen. älteste bedeutung war wol die von famulus, servus, sie trat über in die von nequam, wie auch schalk eigentlich den diener, dann den schalkhaften betrieger bezeichnet. Schon im buch der rügen (Haupt 2, 82) wird gesagt: ir vart hin gên Indiâ und belîbet lange dâ, swenn ir her wider kêret und habt daʒ guot gemêret, ir vindet jungiu vänzelîn, die mugen lîhte eins andern sîn; gemeint werden junge gauche (göuchelîn), affen, schälke, nemlich in diesem zusammenhang bastarde, fremde vögel im nest, advenae. in einem, sowol dem Neidhart, als Wolkensteiner beigelegten liede MSH. 3, 308a ist eine liederliche dirne angeredet mîn alefenzlîn!, was ans schwed. fänta mahnt. (die lesart alefrenzlin verwerflich, obgleich auch Fischart im spielverzeichnis n° 110 alefrenzlin schreibt, aus dem alten druck des Neidhart schöpfend.) das nnl. vant bedeutet einen jungen kerl, mit verächtlichem nebenklang. fanz und alefanz ist also schalk, betrieger, dann auch schalkheit, trug, fenzen, alfenzen schalkheit treiben, triegen. Übrig wäre das vorstehende al zu deuten schon Wachter sah recht, indem er Otfrieds III. 18, 14 elibenzo fremider heran zog, wobei man bisher an ein örtliches banz = bant pagus dachte; allein die strenger als Otfried hochdeutsche glosse Diut. 2, 341 schreibt eleuenz d. i. elefenz advena, das reicht hin volles licht zu streuen über alle diese wörter. man könnte das als in alefanz (wie in Aleman Alaman) für blosz verstärkend nehmen und alafanz, alafenzo deuten durch ausgemachter schalk, erzschalk. besser jedoch ist ale, ele das alte ali fremd und alifanz, alifenzo (goth. müste es lauten aljafants, aljafantja) bezeichnet den fremden schalk, einen Geta und Davus, hernach einen schalk, landstreicher, spitzbuben, schelm, und alifenzôn schalksnarr sein, possen reiszen, betriegen. die guten mhd. denkmale überliefern uns kein alevanz, elevanz, elevenzen, blosz jenes venzelîn für schelkelîn und alefenzlîn tauchten allmälich vor, und erst in gedichten des 14 jh. erschienen alefanz, im spiegel (des 15 jh.) alefenze als schalkhafte diener, im 16. 17 wachen die von der volkssprache warmgehaltnen alefanz und alefanzen kräftig auf und reichen noch ins 18 hinein, beachtenswerth, dasz Stieler 443 auch das einfache fanz, fanzen und fanzer aufstellt. mehr davon noch unter fanz und firlefanz. nur die redensart den alefanz schlagen ist nicht ganz aufgeklärt, Frisch 1, 17b führt, ohne belegstellen ein alfanz slahen, brechen oder lesen, ja faren, sampnen, lernen, überlaufen, alles mit der bedeutung von legere an.
6594 Zeichen · 95 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    AlfanzDer

    Campe (1807–1813) · +3 Parallelbelege

    ✱ Der Alfanz , des — es, d. Mz. ungew. im O. D. ehemahls so viel wie List, Verschlagenheit, besonders um zu gewinnen ang…

  2. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Alfanz

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Alfanz ( Alefanz ), altes deutsches Wort, soviel wie Possenreißerei, Gaukelei, Hinterlist, Übervorteilung, Betrug ( Alfa…

  3. modern
    Dialekt
    Alfanz

    Bayerisches Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    Alfanz Band 1, Spalte 1,261f.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit alfanz

7 Bildungen · 6 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

alfanz‑ als Erstglied (6 von 6)

Alfanzen

Campe

alf·anzen

✱ Alfanzen , v. intrs. eigentlich fremdartig sprechen (von dem veralteten al, fremd, und fanzen, reden), daher man das Einmischen fremder Wö…

alfanzer

DWB

alf·anzer

alfanzer , m. nequam, nugator. nachdem alfanz mehr sächliche bedeutung angenommen, die persönliche verloren hatte, muste diese durch die abl…

alfanzerei

DWB

alfanz·e·rei

alfanzerei , f. nequitia, vaframentum: entgröbung, studierung, verenderung, langweil und desgleichen teufels alfanzerei. Luther 3, 49 b ; da…

Alfanzeri

MeckWB

alfanz·eri

Alfanzeri f. Narrheit, Posse, meist im Pl.: Mi 2 b ; Lars. 34; sonn Alfanzeri albernes Geschwätz, dummes Zeug Ma Granz . Br. Wb. 1, 11; Dä. …

alfanzig

DWB

alfa·n·zig

alfanzig , nugax, vafer: ob die armseligen tempelknecht mit iren nuwen alefanzigen göttern zum tüfel faren. Oberlin 26 ; ein so einzigs lied…

ALFANZISCH

DWB2

alfanz·isch

ALFANZISCH adj. auch alfänzisch u. ä. 1 zu alfanz 1 : 1486 merck wie das wort genieß nit uff ytel erbers lautet. als spraͤch man sold oder l…

Ableitungen von alfanz (1 von 1)

Veralfanzen

Campe

Х Veralfanzen , v. trs . 1) Mit Alfanzereien verbringen. 2) Zum Alfanz machen. D. Veralfanzen .

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „alfanz". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 19. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/alfanz/dwb?formid=A02359
MLA
Cotta, Marcel. „alfanz". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/alfanz/dwb?formid=A02359. Abgerufen 19. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „alfanz". lautwandel.de. Zugegriffen 19. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/alfanz/dwb?formid=A02359.
BibTeX
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