lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

dimension

nhd. bis spez. · 7 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
Anchors
9 in 7 Wb.
Sprachstufen
4 von 16
Verweise rein
6
Verweise raus
7

Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Dimension

Bd. 5, Sp. 13
Dimension (lat.), Ausdehnung, ein Grundbegriff der Geometrie. An jedem Körper unterscheidet man drei Dimensionen: Länge, Breite oder Dicke und Höhe. Läßt man eine dieser Dimensionen, etwa die Höhe, immer kleiner und kleiner werden und schließlich auf Null zusammenschrumpfen, so gelangt man zu einer Fläche, der nur noch zwei Dimensionen zukommen: Länge und Breite; läßt man hier wieder die Breite gleich Null werden, so erhält man eine Linie, die nur noch eine D. besitzt, die Länge. Wird auch die Länge der Linie gleich Null, so entsteht ein Punkt, der ganz ausdehnungslos ist, oder gar keine D. mehr hat. Umgekehrt kann man sich jede Linie aus einer zusammenhängenden Reihe von unendlich vielen Punkten zusammengesetzt denken, jede Fläche aus einer derartigen Reihe von Kurven, jeden Körper aus einer solchen Reihe von Flächen. Man drückt das so aus: jede Kurve enthält einfach unendlich viele Punkte, jede Fläche kann als die Zusammenfassung von einfach unendlich vielen Kurven betrachtet werden und enthält daher zweifach unendlich viele Punkte, jeder Körper kann als die Zusammenfassung von einfach unendlich vielen Flächen betrachtet werden und enthält daher dreifach unendlich viele Punkte. Die Zahl der Dimensionen eines geometrischen Gebildes (Linie, Fläche, Körper) gibt daher an, eine wievielfache Unendlichkeit von Punkten das Gebilde enthält. Dem ganzen Raum, als dem Inbegriff aller in ihm enthaltenen Körper schreibt man ebenfalls drei Dimensionen zu oder sagt: er ist dreifach ausgedehnt, dreidimensional. Die Dimensionenzahlen treten besonders deutlich hervor, wenn man die geometrischen Gebilde mit Hilfe der Rechnung (Analysis) untersuchen will, was durch die Methode der Koordinaten (s. d.) ermöglicht wird. Um die einzelnen Punkte auf einer Linie bestimmen zu können, muß man jedem Punkte der Linie eine Zahl zuordnen, bei den Punkten einer Fläche sind zwei solche Zahlen oder Koordinaten erforderlich, bei den Punkten des Raumes drei. Nennt man daher die Zusammenstellung dreier beliebiger Zahlen x, y, z ein Wertsystem, so kann der Inbegriff aller Punkte des Raumes analytisch dargestellt werden durch den Inbegriff aller Wertsysteme x, y, z, die man erhält, wenn man jeder einzelnen der Zahlen x, y, z nach und nach alle möglichen Werte erteilt. Unsre Anschauung ist auf den Raum von drei Dimensionen beschränkt, aber die Analysis ist nicht an die Betrachtung der Wertsysteme von bloß drei Zahlen gebunden. Sie kann, wenn n eine beliebige positive ganze Zahl ist, Wertsysteme von n Zahlen: x1, x2, x3, x4, ..., xn betrachten, und der Inbegriff aller Wertsysteme, die man erhält, wenn jede dieser n Zahlen nach und nach alle möglichen Werte durchläuft, ist ein sich ganz von selbst darbietender Begriff. Indem man nun jedes solche Wertsystem kurz als einen Punkt in einem Raume von n Dimensionen (n-fach ausgedehnten Raume) bezeichnet, hat man den Vorteil, die Ausdrücke der Geometrie anwenden, von geraden Linien, von Dreiecken etc. reden zu können, was die Sprache ungemein erleichtert, während man, wollte man sich diese Redeweise nicht erlauben, entweder lauter ganz neue Ausdrücke erfinden oder sich mit höchst schwerfälligen Umschreibungen helfen müßte. Der mathematische Begriff des Raumes von beliebig vielen Dimensionen hat daher mit spiritistischen Albernheiten nichts zu tun, sondern ist nur eine Verallgemeinerung des der Erfahrung entnommenen Raumbegriffs, zu der die Analysis mit Notwendigkeit geführt hat (vgl. Mannigfaltigkeit). Ohne Zweifel ist dieser Begriff schon recht alt, z. B. muß Gauß ihn bereits sehr früh besessen haben, da einer seiner Schüler, Wachter, in einem 1816 an Gauß gerichteten Briefe von Räumen von beliebig vielen Dimensionen als etwas ganz Selbstverständlichem spricht. Trotzdem ist der Begriff erst in den letzten Jahrzehnten Allgemeingut der Mathematiker geworden, hauptsächlich durch Riemann, der in seiner 1854 gehaltenen, aber erst nach seinem Tod erschienen Probevorlesung »Über die Hypothesen, welche der Geometrie zu Grunde liegen«, n-fach ausgedehnte Größen und Mannigfaltigkeiten betrachtet, während allerdings schon vorher H. Graßmann in seiner »Ausdehnungslehre« von 1844 denselben Begriff systematisch entwickelt hatte, ohne in weitern Kreisen Beachtung zu finden. Besonders hat dann Helmholtz dazu beigetragen, daß man sich mit dem Begriff auch in nicht mathematischen, namentlich in philosophischen Kreisen beschäftigt hat. In seinem Vortrag »Über den Ursprung und die Bedeutung der geometrischen Axiome« (1870) zeigte er an dem von Fechner stammenden Beispiele der Flächenwesen, wie wenig man aus unsrer Unfähigkeit zur Anschauung von vier Dimensionen auf deren Unmöglichkeit an sich schließen kann. Ein solches Wesen, dessen Anschauung nur zwei Dimensionen hat, würde niemals im stande sein, die beiden Hälften eines gleichschenkeligen Dreiecks zur Deckung zu bringen, es würde diese beiden Hälften für ebenso voneinander verschieden ansehen, wie uns linke und rechte Hand verschieden erscheinen. Der Unterschied zwischen Kongruenz (s. d.) und Symmetrie (s. d.) würde also für ein solches Wesen schon auf der Fläche hervortreten, während umgekehrt ein vierdimensionales Wesen den Unterschied, den wir zwischen unsrer linken und rechten Hand machen, nicht machen müßte und erst bei vierdimensionalen Gebilden auf die Verschiedenheit zwischen Kongruenz und Symmetrie stoßen würde. Bei allen diesen Spekulationen darf man aber nicht vergessen, daß wir uns einen Raum von vier Dimensionen, in dem unser Raum ebenso als Teil enthalten wäre, wie die Ebene in unserm dreidimensionalen Raum als Teil enthalten ist, niemals wirklich vorstellen können, und daß unsre Berechtigung, uns einen derartigen Raum als vorhanden zu denken, einzig und allein aus der Analysis stammt, die zu einer solchen Verallgemeinerung des Raumbegriffs geradezu herausfordert.
5838 Zeichen · 39 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Dimensionf.

    Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer) · +2 Parallelbelege

    Dimension f. ‘Ausdehnung, Ausmaß’, entlehnt (15. Jh.) aus lat. dīmēnsio (Genitiv dīmēnsiōnis) ‘das Vermessen, Ausmessung…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Dimension

    Goethe-Wörterbuch

    Dimension 1 Maßstab, Größe [ mBez auf die nach dem Bedeutungsmaßstab wiedergegebenen Figuren auf dem Bild der hl Veronik…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Dimension

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +2 Parallelbelege

    Dimension , lat., Abmessung, Ausdehnung, bezeichnet die Richtung der Ausdehnung einer geometrischen Figur od. eines Körp…

  4. Spezial
    Dimension, sozialef

    Dt.-Russ. phil. Termini · +1 Parallelbeleg

    Dimension , f , soziale направленность , ж , социальная

Verweisungsnetz

21 Knoten, 13 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 2 Kompositum 12 Sackgasse 7

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit dimension

12 Bildungen · 11 Erstglied · 1 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von dimension 2 Komponenten

dimen+sion

dimension setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

dimension‑ als Erstglied (11 von 11)

DIMENSIONAL

DWB2

DWB2 DIMENSIONAL adj. DWB2 lehnwort aus lat. dimensionalis adj., einer adj.-abl. von dimensio f. vereinzelt als simplex, häufiger und bereit…

*dimensionalis

MLW

dimension·alis

* dimensionalis , -e . 1 ad dimensionem pertinens, in dimensione consistens — die Ausdehnung betreffend, räumlich, sich erstreckend : MLW Ae…

DIMENSIONALITÄT

DWB2

DWB2 DIMENSIONALITÄT f. DWB2 abl. von dimensional adj. räumlichkeit, ausgedehntsein: DWB2 1932 das auf solchen tatsachen- und wirklichkeitsg…

*dimensionaliter

MLW

dimensional·iter

adv. * dimensionaliter . dimensione — der Größe nach, in Bezug auf die Größe : MLW Albert. M. elench. 1,3,11 p. 577 b ,43 in triangulo recta…

DIMENSIONIEREN

DWB2

dimensio·nieren

DWB2 DIMENSIONIEREN vb. DWB2 abl. von dimension f. meist im zustandspassiv strukturiert, angelegt ( sein ) . DWB2 DWB2 1 von räumlichen auch…

DIMENSIONIERTHEIT

DWB2

DWB2 DIMENSIONIERTHEIT f. DWB2 abl. vom zustandspassiv von dimensionieren vb.: DWB2 1929 ein paar kurze hinweise werden genügen, von der vie…

DIMENSIONIERUNG

DWB2

DWB2 DIMENSIONIERUNG f. DWB2 abl. von dimensionieren vb. DWB2 DWB2 1 das bemessen eines ausmaßes: 1886 Sarrazin verdeutschungs-wb. 58 b . 19…

dimension als Zweitglied (1 von 1)

wertdimension

DWB

wert·dimension

-dimension , f. , die dimension zwischen wert und unwert: die polarität von wert und unwert, die zwischen ihnen sich dehnende wertdimension,…