lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

diel

mhd. bis Dial. · 10 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

MNWB
Anchors
10 in 10 Wb.
Sprachstufen
5 von 16
Verweise rein
30
Verweise raus
29

Eintrag · Mittelniederdeutsches Wb.

diel n.

Bd. 2-2, Sp. 1157
ōrdêⁱl (-deel, oer-), ȫr- (oͤr-), ōrdê(i)le, ōrtê(i)l, °ōrdiͤl (-diel [vgl. Bischoff Elbostf. Studien 57]), ōrtîl (our-), n., °f. (SL: Paternoster) (Gen. Sg. -s -es; Pl. -e ōrdê[i]l): Urteil, „examen” (Nd. Jb. 1, 26: Hamb. mnd. Gl.), „sententia, diffinitiva, diffinicio” (SL: Hamb. dt.-lat. Gl.). 1. Sammelbegriff für die Grundlagen, Verfahren, Inhalte, Resultate und Folgen von []verfahrenGerichtsverfahren, (in Paarformeln:) beschê(i)t oft ō., ō. unde recht, ō. unde (rechtes)ûtsprâke; (in Präp.- Vbdgg.:) dörch/mit/nâ ō. unde recht rechtmäßig, dem Recht folgend, mit ordentlichem gerichtlichen Verfahren; mit ō.en/dem ō.e mit rechtmäßigen Urteilen, mit Hilfe vor Gericht gefundener verbindlicher Rechtsauskünfte, mit vȫrsprâken unde mit ō.e unde mit allem rechte, mit achten ō.en unde vȫrsprâken in einem rechtmäßigen Gerichtsverfahren mit Worthaltern, (bei der Hegung des Gerichts:) mit stāve mit lāve mit wedde mit recht mit ban unde mit ō. mit ênem vullenkāmen lantrecht (Seestern-Pauly 6), geklê(i)det mit ō.en unde rechte mit richterlicher Gewalt ausgestattet (Ub. Bielefeld 607). — 1.1. Bezeugung des geltenden Rechts in einem Streitfall. — 1.1.1. von der Gerichtsversammlung eingeholte und erteilte Auskunft über bestehendes Recht. — 1.1.2. Rechtsauskunft über Tätigkeit und Befugnisse des Richters, über Befugnisse einer Partei vor Gericht. — 1.1.3. Inhalt des Urteils in einem Rechtsstreit. — 1.1.4. Rechtsauskunft über zukünftige wirksame Rechte und Pflichten bezügl. des Streitobjekts, über Folgen von Ungehorsam. — 1.2. (Rechtsgang:) In der Gerichtsversammlung, die tôm ō. (ver)bannet ist, in der die Beteiligten an dēme ō. sitten, erscheinen die Parteien, kōmen tô ō. unde tô rechte, und wollen sik mit ō.en recht underwinden. Der Kläger bringt sein Anliegen in Form einer Urteilbitte vor, ō. unde recht/ênes ō.es begēren, ênes ō.es bidden, mit ō.en vrâgen, im ō.e vö̂ren. Der Richter soll die Erteilung eines Urteils, ên ō. gēven, in die Wege leiten, tô ênem ō. helpen. Er gibt die Urteilfrage an den Urteilfinder weiter, dat ō./ênes ō.es/ümme ên ō. vrâgen, dat ō. bestāden/bestāven/stellen an. „So welic man oc enes ordeles van eme begheret, thes ordeles scal the voghet vraghen” (Brem. Rqu. ed. Eckhardt 75), „De richtere vraget ok ordele vmme alle sake wene he wil” (Ub. Brschwg. 1, 28). Der Urteilfinder stellt die Rechtslage fest, dat ō. vinden (ȫver), mit ō.en vinden, ên ō. erkennen. „Svelkes ordeles man irst bedet, dat sal man irst vinden” (Ssp. 1, I 62 § 8), „Sittene sal man ordele vinden” (Ssp. 1, II 12 § 13). Ebenso bittet der Richter die Urteilfinder um Bestätigung seiner richterlichen Befugnisse. „So vraghe de gogreve en ordel, wo he mit rechte en vort richten scole” (Herf. Rechtsb. 54). Kann die Rechtslage nicht festgestellt werden, wird Rechtsauskunft beim Rat, vom Urteilbuch, bei den Schöffen oder beim übergeordneten Gericht eingeholt, de ō.e hōlen, dat ō. vȫr den rât/an dat bôk tên, dat ō. up dat hûs/vȫr den rât bringen, die ihre Rechtsauskunft dem Gericht mitteilen, ên ō. van dem hûse vȫr gerichte senden. „Welk ordel men vor gherichte nicht vinden ne kan, dat schal men vor den rat ten” (Gosl. StR 86). Die Urteilfinder erteilen das Urteil, indem sie eine Rechtsauskunft geben, dat ō. afseggen/ (af)sprēken/dê(i)len/inbringen/ûtgēven, °dat ō. []wîsen (westfäl. Belege). Nach Abgabe des Urteilspruchs fragt der Richter die Mitglieder des Gerichts, ob sie dem Urteil zustimmen, dat ō. beslûten, dem ō.e volgen/volge dôn, dat ō./ dê(i)leder ō.e vulbōrden, dat ō. tü̂gen. „Ghefunden ordel moghen rathmanne vnde anders nemand tughen” (Hamb. StR ed. Reincke 70), „swelker die merren volge hevet, die behalt sin ordel” (Ssp. 1, II 12 § 10), „Wor de radmanne nicht auereyn dragen, dar ys de erst an se dingede negher dat ordel to beholdende alse ienich man aftowinnende” (Hamb. StR ed. Reincke 70). Glaubt jemand, daß ein ungerechtes Urteil ergangen ist, im ō. beswêrt tô sîn, kann er Widerspruch einlegen, sik ênes ō.s beswêren, dat ō. (be)schelden vȫr den rât/up dat hûs, ō. straffen „sententiam increpare” (ZRG G. 44, 313). „Stande sal man ordel scelden” (Ssp. 1, II 12 § 13), „svelk ordel die man vinden hort, ne weder redet he des tohant nicht, dar na mach he's nicht weder reden” (Ssp. 1, II 6 § 4), „Welck man dre ordel schelt, unde em dar wedder wort, dat he dat also nicht beschulden en hebbe, also ydt em helpende ys, syn ordel moth he nicht mer schelden, he en hebbe gebetert, dar he anne missdan hefft” (Rig. StR ed. Oelrichs 149), „De Richter schal gelick dem Richte syn, unde he en schal allen lüden ordel noch finden, edder schelden” (Rig. StR ed. Oelrichs 140). Dann wird ebenfalls bei einer übergeordneten Instanz eine Rechtsauskunft eingeholt, wodurch der Prozeß verzögert werden kann, dat ō. hangen lāten. „Welikerhande ordel, dat men nicht kan vinden in gherichte, unde wolde men deleder ordele nicht volghen eder vuͦlborden eder ordele schelden, desses scal men alles komen vor den rat” (Herf. Rechtsb. 48), „unde tie dar mede, dar he durch recht tien sole, unde behalde't oder late't mit rechte” (Ssp. 1, III 69 § 3). Das Appellationsgericht kann den Spruch revidieren, dat ō. wandelen, mildern, ên ō. lichten, oder verschärfen, ên ō. swâren. „De ghemene radt ys des weldich er enes mannes clage van ordelen de hir schreuen stan, dat se en ordel lichten mogen ysset to swar, vnde dat se yd swaren moghen ysset to licht” (Hamb. StR ed. Reincke 85). Aufgrund des gefundenen und bestätigten Urteils, dat ō. vellen (J. Brandis 89), gebietet der Richter, was Recht ist, mit ō.en bêden, dat ō. (ût)gēven, °dat ō. (er)ōpenen (Bamberg. 28 u. a.). Eine Partei gewinnt den Prozeß, dat ō. gewinnen, mit rechten ō.en winnen, der Beklagte wird von einer Schuld freigesprochen, van der schult edder klāge leddich unde lôs gedê(i)let mit rechten ō.en, mit ō. unde rechte lôs vinden. Über die Partei, die den Prozeß verliert, ō.e vorlêsen, wird eine Strafe verhängt, mit samptem ō. vorōrdê(i)len; die Strafe wird mit (rechten) ō.en vollzogen. — (Attribuiert:) recht/unrecht ō., unbeschulden ō. nicht angefochtenes Urteil, entlĩk ō. rechtskräftiges Urteil, (ge)mê(i)n ō. allgemeinverbindliches Urteil, Weistum, ō. des []bannes Kirchenbann, Exkommunikation, ‚sententia excommunicationis', in dat ō. des bannes vallen, dat ō. des bannes gēven ȫver. — 1.3. (auch übertr. auf Entscheidungen außerhalb eines förmlichen Gerichtsverfahrens:) Bestätigung, Zustimmung, dãrût mākede de keyser ên hertochdôm mit willen der vörsten unde mit ō.en (Sächs. Wchr. 251); — Urteil Gottes über das Schicksal der Menschen, des hêren/gōdes/götlĩk ō., „Dat was godes ordel, dat he van in vorbrant wart, de he an deme geloven vorkart hadde” (Sächs. Wchr. 129); — das Urteil des jüngsten Tages, das jüngste Gericht, dat jüngeste/leste/ü̂terste ō., dat erschreklĩke/scharpe unde êwige/strenge ō., mîn sêle wart vȫr gerichte bracht und in dem strengen ō. was ik behaft alsô dat alle mîne werken worden gerēket (Elisabeth 102); Verdammung, ‚damnatio', dat ō. der grôten hôren (Bugenhagen-Bibel I Tim. 5, 12; vorreformatorische Bibeln: de vordö̂menisse des grôten gemê(i)nen wîves); — (übertr.:) in dat ō. des dü̂vels vallen dem Teufel anheimfallen (vorreformatorische Bibeln I Tim. 3,6; Vulg.: ‚in judicium incidere diaboli'). 2. (selten:) Streit, tätliche Auseinandersetzung, Kampf, ō. unde krîch (Köker ed. Cordes V. 21), krîch ō. unde strît (Nd. Jb. 16, 29 u. a.: Radbuch), krîch ō. unde vê(e)de (Oldecop 6 u. a.), de barke mit der ûtrê(i)dinge unde tôbehö̂runge sô tô den ō.en dênt (Hanserec. III 8, 143). 3. Meinung, Ansicht, ‚iudicium', ‚sententia', ên ō. van sik gēven, dat ō. vellen seine Meinung sagen, ein Urteil abgeben, gār swâr ist op der menschen ō. tô trachten (Hedberg 117), Beurteilung, up ō. nach Beurteilung, der Prüfung zufolge, mîne wâre is up ō. guͦt und rêin gemāket (Tönnies Fenne 2, 264); Rechenschaft, dû salst dôn recht ō. ȫver dî selven alsô dattû dîns selves quât kennest (Veghe ? Wyng. 408); Beurteilungskriterium, van Johannis unde Jacobi dāgen hebben sê ēre ō.e van der eckermast unde bôkmast eft sê gedîen schȫlen edder nicht (Meigerius K 1v), Entscheidungsmöglichkeit, wil hê dan dat nicht dôn sô hebbe wî twê ō. (Troye 130); Entscheidung, ik hebbe ênen brêf geschrēven dâr mēde hebbe ik ên ō. gēven eine Entscheidung treffen (Geeraedts 257: Theophelus).
8373 Zeichen · 211 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    diel

    Nachträge (Lexer)

    diel s. tille 2,1438.

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    dieln.

    Mittelniederdeutsches Wb.

    ōrdêⁱl (-deel , oer-) , ȫr- (oͤr-) , ōrdê(i)le , ōrtê(i)l , °ō rdiͤl (-diel [vgl. Bischoff Elbostf. Studien 57] ), ōrtîl…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    DIELm.

    Grimm Neubearbeitung (1965–)

    DIEL m. s. diele. H. Albrand

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Diel

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Diel , A. F. A., Dr ., geb. 1756 zu Gladenbach, gest. 1833, herzogl. nassauischer Geheimerath, ein sehr verdienstlicher …

  5. modern
    Dialekt
    diel

    Bayerisches Wörterbuch · +4 Parallelbelege

    diel Band 3, Spalte 3,1588

Verweisungsnetz

44 Knoten, 42 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 1 Hub 1 Kompositum 34 Sackgasse 8

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit diel

116 Bildungen · 109 Erstglied · 4 Zweitglied · 3 Ableitungen

diel‑ als Erstglied (30 von 109)

Dieleisen

SHW

Diel-eisen Band 1, Spalte 1517-1518

Dielgerüst

SHW

Diel-gerüst Band 1, Spalte 1517-1518

Dielhalter

SHW

Diel-halter Band 1, Spalte 1517-1518

Dielleiter

SHW

Diel-leiter Band 1, Spalte 1517-1518

Dielschemel

SHW

Diel-schemel Band 1, Spalte 1517-1518

Dielträger

SHW

Diel-träger Band 1, Spalte 1517-1518

Dielwagen

SHW

Diel-wagen Band 1, Spalte 1517-1518

Dielwand

SHW

Diel-wand Band 1, Spalte 1517-1518

dielbaum

DWB

diel·baum

dielbaum , m. tylpawm oder groszbret oder himlitz oder getafelt ding, tabulatum Voc. theut. 1482 gg 3 a . tilböume pl. trabes in quibus tabu…

Dielbodem

RhWB

diel·bodem

Diel-bodem -r- innerh. einschl. Saarl-Fürw , Merz-Bietzen Riml , Saarl-Betting Derlen , Saarbr-Heusw OVölkl m.: Fussboden.

Dielbosch

RhWBN

diel·bosch

Diel-bosch, Dielposs Nahe m.: Storchschnabel, Erodium cicutarium.

dielbret

DWB

diel·bret

dielbret , n. schreibbret, pluteolus. delebret oder pulpret, pluteus Voc. theut. 1482 e 7 a .

diele

FWB

1. ›starkes Brett, Bohle, Planke (für bauliche Zwecke)‹, auch: ›aus dielen gefügtes Floß (für den Transport)‹.; 2. ›Zaun aus dielen; Bretter…

Diëlektrische Körper

Meyers

Diëlektrische Körper ( Dielektrika ), die Nichtleiter der Elektrizität, weil elektrische Wirkungen durch sie hindurchgehen, folglich elektri…

Diëlektrische Polarisation

Meyers

Diëlektrische Polarisation , der Zustand, in den ein Nichtleiter (Dielektrikum) bei Annäherung eines elektrisierten Körpers versetzt wird, i…

Diëlektrizitätskonstante

Meyers

Diëlektrizitätskonstante einer nichtleitenden Substanz (eines Diëlektrikums) oder deren spezifisches Verteilungsvermögen ( spezifische induk…

dielen

DWB

die·len

dielen , n. contabulatio Frisch 1, 195 b . Steinbach 1, 269 .

diel als Zweitglied (4 von 4)

gladiel

KöblerAn

glad·iel

gladiel , st. M. (a), st. N. (a) Hw.: s. gladel

nādiel

KöblerMnd

nādiel , M. Vw.: s. nādēl

pardiêl

MNWB

pard·iel

+° pardiêl , subst. : Bordell, dî gebōren sint in ênen ōpenbar p. of hôrdôm (Ostfries. Rqu. ed. Richthofen 326; vgl. Brinckmeier 2, 414); — …

Ableitungen von diel (3 von 3)

bedielen

DWB

bedielen , contabulare: das zimmer ist neu bedielt worden.

diele

DWB

diele , f. ahd. dil, dili, dilo, tille Graff 5, 133 . mhd. dil schwaches m., starkes und schwaches f. dile, dille starkes und schwaches f. B…

verdielen

DWB

verdielen , verb. mit dielen versehen. Jacobsson 4, 505 : einen fuszboden verdielen. Adelung versuch 4, 2, 1399 .

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „diel". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/diel/mnwb
MLA
Cotta, Marcel. „diel". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/diel/mnwb. Abgerufen 9. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „diel". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/diel/mnwb.
BibTeX
@misc{lautwandel_diel_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„diel"},
  year         = {2026},
  howpublished = {lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern},
  url          = {https://lautwandel.de/lemma/diel/mnwb},
  urldate      = {2026-05-09},
}