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1DÄMMERN

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DWB2
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18 in 12 Wb.
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Eintrag · Grimm Neubearbeitung (1965–)

1DÄMMERN vb.

Bd. 6, Sp. 156
1DÄMMERN vb. ohne nachweisbaren zusammenhang mit ahd. demar m., n., mhd. demere f. (s. 1dämmer m., n.), aber früher als das erst um 1775 spontan neugebildete 2dämmer m., n. gebildet, so daß sich nur dämmerung f. als ausgangspunkt anbietet. im 17. jh. aufkommend, s. 1 und 1663 Schottel haubtsprache 1301, 1691 Stieler stammbaum 290. literarisch gängig seit etwa 1750 bei und um Klopstock. 1 für die halbe helligkeit kurz vor sonnenaufgang oder das halbdunkel kurz nach sonnenuntergang, als vorgang oder als zustand gesehen. meist es dämmert, der morgen, der abend dämmert, aber auch in der beziehung auf in der dämmerung wahrzunehmende gegenstände: u1632 biß es demmert vnd tag vnd nacht sich schier scheiden wöllen Aitinger vogelstellen (1653)105. 1755 durch dämmernde schimmer des tages enthüllt Klopstock messias 2,31. 1756 nach und nach enthüllet sich nun die dämmernde gegend (am morgen) Zachariä schr. (1772)2,5. 1827 ich bin der letzte gast im haus,/ und eh’ es dämmert, wandr’ ich aus W. Müller ged. 296 DLD. 1859 schon dämmerte der abend Gutzkow zauberer (1863)5,90. 1905 die nacht entweicht, im osten dämmert die morgenröte Ruederer morgenröte 31. 1956 es dämmerte schon .. die ersten lichter sammelten die kommende dunkelheit um sich Doderer dämonen 169. im zusammenhang eines bildes: 1844 alle länder und orte .. über denen noch eine schwache abendröthe allmählig versinkender cultur dämmerte Heideloff bauhütte (1844)122. 2 (nur) halbhelles, gedämpftes licht verbreiten, schimmern (dies besonders in der anfangs häufigen beziehung auf lichtquellen) oder halbdunkel, undeutlich sein, ins unscharfe umrißlose verschwimmen; oft ohne erkennbare grenze zwischen beiden aspekten. in der zweiten hälfte des 18. jhs. mit vorliebe in dieser anwendung, dann hinter 1 etwas zurücktretend: 1751 um die mitternachtzeit, bey dämmernden traurigen lampen Klopstock messias 1,135. 1800 der spiegel des Boden-sees mit seinen dämmernden ufern athenaeum 3,36 Sch. 1829 das zimmer war dunkel, nur eine kerze dämmerte hinter dem grünen schirm, man sah wenig Goethe I 24,318 W. 1834 von gärten, die überm gestein/ in dämmernden lauben verwildern Eichendorff gesamtausg. 1,35 B./G. 1913 weihrauch duftet süß und birne/ und es dämmern glas und truh Trakl dicht. [121965]14. 1960 oben (im treppenhaus) fiel ja noch licht ein, der treppenschacht tauchte ab ins dämmern Gaiser pass 243. bildlich: 1775 ach! wie so geschwinde/ dämmert und blicket (glänzt)/ und schwindet die lust Goethe jugendw. 2,118 ak. dabei vereinzelt mit abhängigem akk. objekt (s. 3): 1796 sie wußte noch jetzt so manchen schimmer von freude in seine finstere seele zu dämmern F. H. Jacobi w. (1812)5,362. 3 vom späten 18. bis tief ins 19. jh. hinein gelegentlich in der bedeutung verdunkeln, trans. oder (vereinzelt) refl.: 1769 und ach! meine thräne dämmert/ und bricht mir die sonnenblicke Herder 29,315 S. v1803 bis zu einer fernen wolke/ sich sein rettungssegel dämmert ders. 25,630 S. 1863 wie der schatten/ der dämmernd mir den blick umwebt Halm ausgew. w. 3,271 Sch. 4 übertragene bedeutungen, mit möglichem ansatz in 1 wie in 2, in den siebziger jahren des 18. jhs. vielfältig aufkommend bezeichnen unbestimmte zustände oder vorgänge verschiedenster art. a in der sprache der empfindsamkeit und des sturm und drang zur kennzeichnung aufsteigender oder andauernder gefühle und leidenschaften (auch sofern sie äußerlich wahrnehmbar sind) im sinne des webenden, geisternden, auch des brütenden, lastenden: 1770 ich seh es, sie zürnt!/ das wölkchen laune/ dämmert schon auf ihrer stirn Klopstock oden 1,215 M./P. 1777 was ist das, das mir so oft in der seele dämmert, als wenn ich nicht mehr wäre? ich schwanke im schatten Goethe I 12,57 W. 1788 mit der dunkeln stirne, auf welcher die gluth der liebe so furchtbar dämmert Klinger w. (1809)2,354. 1790 ebd. 2,247. noch vergleichbar: 1954 was ist’s, mein herz, das dich wie nacht umschwebt?/ ach, alles leben scheint schon überlebt,/ der toten nähe dämmert im geblüt Schneider sonette 139. b am häufigsten im bereich des bewußtseins, des erkennens oder der erkennbarkeit, für das, was ins gestaltlose, undeutliche sinkt oder (noch) darin verharrt: 1774 das ist ein gefühl ohne gleichen, und doch kommt’s dem dämmernden traume am nächsten, zu sich zu sagen: das ist der lezte morgen Goethe Werther 1,146 ak. 1847 ach! wo hab ich solche nasen/ schon gesehn? ../ qualvoll dämmernd die erinnrung Heine s. w. 2,234 W. 1943 den kindheitserinnerungen eignet eine besonders starke magie. sie sind die fernsten, dämmerndsten Staiger meisterw. 51. namentlich, und besonders jünger, für die tatsache, daß etwas nur geahntes zur bewußtheit und klarheit drängt, dies gelegentlich deutlich zu 1 in der beziehung auf die morgenröte: 1752 doch ist ihr bild der welt schon dämmernd aufgehellet,/ so fühlen sie doch schwach und ohne deutlichkeit Wieland natur 93. 1808 vielleicht dämmert auch hier, in der natur des sterbenden thieres der erste strahl eines bewußtseyns Schubert ansichten 291. 1926 nebenher dämmern andere große erkenntnisse Moser musik 1,24. 1946 nachdem er dem dickhäuter etwa eine viertelstunde lang zugeredet hatte, schien diesem plötzlich eine erinnerung zu dämmern Gerlach vierfüssler 60. c von b her (auch umgangssprachlich) fest geworden es dämmert mir ich beginne mich zu erinnern, ich fange an zu begreifen: 1773 der kennt nicht meinen ganzen dank,/ dem es da noch dämmert,/ daß, wenn in ihrer vollen empfindung/ die seele sich ergeußt, nur stammeln die sprache kann Klopstock oden 2,2 M./P. 1817 als ob er sich an etwas erinnert fühle, .. endlich sprach er, als ob es ihm dämmerte A. v. Arnim 3,226 G. 1875 die ausstellungen, die sie an meinem buche machen, nehme ich willig und dankbar an. es dämmerte mir selbst manchmal, daß diese methode nichts weniger als das ideal literarhistorischer forschung sei E. Schmidt brw. 52 R./L. 1926 es gibt nur ein (vulgäres) wort, das wirklich gut zu seinem verhalten in dieser periode paßt: ‘bei ihm dämmert’s’ B. Schmid seelenleben 205. 1949 der redner hatte in seinem geschwätz etwas ausgesprochen, was Geschke schon lange dämmerte, aber jetzt erst klar war Seghers d. toten (1950)548. d nicht selten in prägnanter beziehung auf sachliche gegebenheiten oder vorgänge, die im aufstieg oder im niedergang begriffen sind; auch hier eher von 1 als von 2 her: 1787 jezt schlug sie laut die heißerflehte schäferstunde,/ jezt dämmerte mein glük Schiller 1,164 nat. 1841 wären wir nur erst in ordnung, aber sie dämmert erst ein wenig, und erst zwei zimmer sind in bewohnbarem zustande W. Grimm unbekannte br. 313 Sch. 1868 wann .. das ende dämmert der götter und dinge Jordan Nibelunge 1,200. 1949 es ist charakteristisch, daß in den totalitären staaten auch die kunst dämmert. die ursache ist, daß sie unmittelbare erlebnisse verlangt, die aber gerade dort am wenigstens möglich sind Grabowsky demokratie 201. 5 in anwendungen auf bestimmte (sehr verschiedenartige) menschliche zustände oder verhaltensweisen dem bildlichen ausgangspunkt gegenüber weitgehend verselbständigt aber mit dem für die ganze wortsippe bezeichnenden merkmal eines zwischenzustands; in gewissen anwendungen zu umgangssprachlichem oder sonstwie begrenztem gebrauch neigend und z. t. neben kompositionsbildungen wie vor sich hin-, in sich hineindämmern. a nach innen gewandt sein, für einen aus den sinnlichen und rationalen bezügen gelösten zustand: 1777 ist das leben?/ ists traum?/ .. ich dämmre! ich schwanke!/ komm, süßer gedanke,/ tod! bereite mein grab Goethe I 12,58 W. 1924 Hans Castorps gedanken verwirrten sich .. aber die stille im saal, die tiefe aufmerksamkeit, die ringsumher alles in bann hielt, wirkte auf ihn, sie weckte ihn förmlich aus seinem dämmern Th. Mann ges. w. [1960]3,177. v1956 ein fluidum von vertiefung und lautlosigkeit ist um ihn (den dichter) .. sie (die andern) stören ihn nicht .. er dämmert, er hat streifen um sein haupt, regenbogen, ihm ist wohl Benn 1,590 W. b dumpf, energielos, ziellos dahinleben. als modewort im goetheschen zeitalter, vgl. Goethe-jb. 10,82 G.: 1810 arbeit schändet nicht, nur das unthätige dämmern, die verderbliche seuche des zeitalters Jahn w. 1,257 E. 1817 merkwürdig wie man sich zusammen nehmen kann wenn man muß. ich habe in meinem leben viel zu viel gedämmert Goethe IV 28,129 W. 1934 eines tages wurde dann auch Wega Elisa jäh, .. aus dem dämmern ihres geistes und ihrer seele gerissen Tügel Blehk 12. c im anschluß an a oder b für eine entsprechende fortbewegung, aus der studentensprache, im frühen und mittleren 19. jh.: 1813 dämmern heißt: ohne bestimmten zweck, und ohne vorgesetztes ziel spazieren gehen; was man wohl ‘schlendern’ nennt. vorzüglich geschieht es in der dämmerung gött. student 154. 1826 so dämmr’ ich auf und ab im hellen saal,/ und kreuze muntrer tänzer bunte reihn Immermann Cardenio 4. 1854 wir wollen eine stunde und darüber dämmern und dann zurückkommen .. er (der kellner) wußte, was das dämmern .. zu bedeuten hatte; da strichen sie über die straßen und verfolgten die mädchen Klencke parnass 1,47. vgl. daneben mdal. weit verbreitetes dammern und dämmern im sinne von schlendern, müßig herumlaufen, das wohl erst über nd. dammeln und dämeln hier anschluß an dämmern findet, s. dämeln und dammeln. d im halbschlaf sein: 1808 das magst du/ wohl der mutter erzählen, die früh im bette noch dämmert Voss Theokrit 103. 1851 eben wollten sich Mullrich und Kümmerlein wieder .. in die sessel strecken .. und ein bischen ‘dämmern’, wie sie den diensterlaubten halbschlaf nannten Gutzkow ritter (1850)4,372. 1960 während Giulietta mit geschlossenen augen im bett lag, dämmernd Andersch d. rote 86. auch für narkotische oder sonstige zustände der benommenheit: 1919 wir sind wie trinker,/ gelassen über unsern mord gebeugt./ in schattiger ausflucht/ wanken wir dämmernd Werfel ged. (1927)258. Th. Kochs
9887 Zeichen · 170 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Dämmern

    Adelung (1793–1801) · +9 Parallelbelege

    Dämmern , verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, dämmerig seyn, welches nur als ein unpersönliches Verbum üblich is…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    dämmern

    Goethe-Wörterbuch

    dämmern etwa die Hälfte der 73 Belege in der Frühzeit, bevorzugter Gebrauch in den 70er Jahren als komplexer, ambivalent…

  3. modern
    Dialekt
    dämmerntr. v.

    Lothringisches Wb. · +4 Parallelbelege

    dämmern [dèmərən Si. ] tr. v. zertreten. — hess. 69 demmeln, verdemmeln; els. 2, 682 dëmmere, verdëmmere; schwäb. 2, 45 …

  4. Spezial
    dämmern

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    däm|mern I vb.intr. 1 (Morgen werden) gní de, gní la doman, albié (-iëia) 2 (Abend werden) gní scür, arsí jö la sëra, se…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit daemmern

9 Bildungen · 3 Erstglied · 1 Zweitglied · 5 Ableitungen

Zerlegung von daemmern 2 Komponenten

daem+mern

daemmern setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

daemmern‑ als Erstglied (3 von 3)

DÄMMERNACHT

DWB2

daemmer·nacht

DÄMMERNACHT f. zu 1 dämmern. 1 finstere nacht, entsprechend der bei 1 dämmern zwar nicht, wohl aber bei dämmerung 3 bezeugten bedeutung fins…

dämmern II

RhWB

dämmern II Rhfrk, Hunsr schw.: es dämmert es wird Tag, Abend; auch übertr. es d. ihm er kommt allmählich zur Erkenntnis. — Doch ist d. auch …

DÄMMERNIS

DWB2

daemmer·nis

DÄMMERNIS f. abl. zu 2 dämmer oder 1 dämmern. seit dem 19. jh. in eigentlichen und übertragenen bedeutungen von dämmerung vereinzelt belegba…

daemmern als Zweitglied (1 von 1)

aufdämmern

DWB

auf·daemmern

aufdämmern , lucescere, dämmernd aufsteigen, anbrechen, ein schönes, vor noch nicht hundert jahren gebildetes wort, das Adelung erst in die …

Ableitungen von daemmern (5 von 5)

bedämmern

DWB

bedämmern , tenebras obducere: als die gäste des mahls von dannen geschieden, weil Luna halb die bedämmerte bahn der sonn erschritten. Bürge…

entdämmern

DWB

entdämmern , lucescere, aufdämmern: meine kindheit entdämmert golden aus dem dichten schatten. Tieck 10, 80 .

erdämmern

DWB

erdämmern , illucescere, aufdämmern: der tag erdämmert, graut.

verdämmern

DWB

verdämmern , verb. allmälich dunkel werden, machen. die zusammensetzung nur in dieser bedeutung, während dämmern auch hell werden heiszt. 1 …

zerdämmern

RhWB

zer-dämmern: Gras udgl. z., niedertreten Mosfrk.

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „daemmern". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/daemmern/dwb2
MLA
Cotta, Marcel. „daemmern". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/daemmern/dwb2. Abgerufen 9. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „daemmern". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/daemmern/dwb2.
BibTeX
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