butze,
butz,
m. gen. butzen,
wieder in mehrfachem sinn, 11)
terriculamentum, larva, manducus. unsicher ist noch der schlusz auf ein ahd. puzio, puzo (Graff 3, 233. 356),
da der ortsname Puziprunno
M. B. 6, 60. 62. 9, 420
auf puzi
puteus, Puzinwîlari
aber auf jenes Puzo = Purchart
zurückführbar wäre. keinen zweifel läszt mhd. butze: si sehent mich niht mêr an in butzen wîs, als si wîlent tâten. Walth. 28, 37; den putzen niht unfruote er vorht gelîch den kinden. Albr.
Tit. 1275; geloub ich daʒ, so bîʒ mich butze!
Hätzlerin s. 287, 136.
nhd. schriftsteller setzen es ganz für popanz. vogelscheuche, verlarvten, vermummten teufel (
mythol. 956): mit irem meister dem butzen.
altd. bl. 1, 55; der butz kumpt und löset dise pfant, wenn sie sint sin. Keisersb.
bilg. 32
a; einen butzen in acker stecken. 160
b; so haben es aber die bösen menschen gespart bisz zuo der fastnacht, so sie unsinnig seint, in butzen kleidern laufen.
omeis 48
a; gott musz euch folgen, und sich lassen spöttlich einen putzen machen (
einen popanz aus sich machen lassen), und ich meinet, ir soltet got folgen, und euch lassen seine kinder machen (
seine kinder aus euch m. l.). Luther 1, 372
b; die teufelslarven und putzen. 8, 208
b; darumb ist gesang, reden, pfeifen, wenn das herzlich aufsteigen nicht ist, gleich ein gebet, als die butzen (
vogelscheuchen) in der menschen garten sind. 1, 69
a; sie fürchten all am ersten den butzen. Wirsung
Cal. H 2
b; ein zunsel gespenst (
irrwisch), ein verbutzter teufel, der leibhaft butz.
Garg. 231
a; ich hab jetz ein edelen, lündischen wind (
windhund) bekommen, ich sei des leibhaften butzen (
will des teufels sein), wann ihm ein has entgeht. 244
a; die leut, so der putzen (
der popanze) wie die kinder nicht gewohnt, segnen sich. Lehmann 356; so gehets ihnen, wie den putzen, die man ins feld und garten stellet, die vögel zu schrecken; so sie sehen, dasz der putz weder schlegt noch straft.
daselbst; butz, beisz mich nicht! 2, 30,
wie bei der Hätzlerin, und auch der manducus
hiesz a manducando; sie wartet, bis das kind schrie und damit sie es desto besser geschweigte, sagte sie zu ihrem mann, ach Peter, henk doch einen tuch über dich und geschweige das kind ein wenig, damit der bankert wieder schweige. der mann folgte und als er so verstellt daher zu brumlen kame, wu wu wu! sagte das weib zu ihm, gehe hinweg du häszlicher butz, das kind ist nicht dein, sondern mein!
Simpl. 2, 248.
dies wort war ganz volksmäszig und ebenso das erschrecken der kinder, das scheuchen der vögel mit dem butzen,
das butzen gehen
oder laufen
zur fastnachtszeit. davon zeugen nicht nur die hernachfolgenden composita, deren erstes glied mit butzen,
sondern auch die, deren zweites glied mit butze
gebildet wird, wovon die wichtigsten schon hier zur erläuterung aufgeführt werden sollen: was können solche fastnachtbutzen den christen frummen oder nutzen? Waldis
päbstl. reich 2, 3; wann ohn zweifel werden mich (die kinder) fürchten als einen fasznachtbutzen. Steinhöwels
Es. (1555) 3; so hand sie mich für einen fasznachtbutzen gehabt. 4; da sprach Xantus, losa, du fasznachtbutz! 17; wanns zur prob kompt, so sicht man die fasznachtbutzen.
Petr. 90
a; erschrack und meint es weren etwan sinnverrückte fasznachtbutzen, die in der mommerei giengen.
Garg. 151
a; wer also wil under der nebelkappen under dem volk mit ehren umb gehen, wirt zu letst, so der butze herfür scheint, zu schanden drob. 81
a; der butzi, fasznachtbutzi,
vermummte person. Stalder 1, 251;
im schif der penitenz 10
c—13
d handelt Keisersberg
ausführlich von den hanfbutzen oder vogelscheuchen,
die aus hanf oder werch gebildet ins feld gestellt werden; er sahe wie ein hanfbutz (
sah aus wie ein vermummtes gespenst). Frey
garteng. cap. 1;
völlig dasselbe bedeutet kuderbutze, küderbutze
von küder
stupa. kuderbützi. Gotthelfs
sagen 4, 47;
mhd. ob er mich ungeslagen lieʒ und mich ein küderbutzen hieʒ.
Ls. 1, 617,
wo kiderbutzen
steht, was Ben. 1, 287
a falsch bessert in kinderbutze; sollten darum die Spartaner, weil sie trunkenbölz vorstelleten, trunkenbölz sein? der fürst, weil er einen hosenbutz aufstellt, ein hosenlump?
Garg. 5,
wenn eine vermummung der beinkleider gemeint ist; winterbutze
ist ein faulpelz, der vermummt in der trägen haut steckt und einem popanz gleicht: dann wird des vatters leit gemert, und friszt sich selbst (
verzehrt sich vor kummer), das er on nutz erzogen hat ein winterbutz. Brant
narr. 6, 62; ein träger mensch ist niemans nutz, dann das er si ein winterbutz und das man in losz schlofen gnuog. 97, 10.
öfter kehrt das sprichwort wieder 'eigennutz ein böser butz'.
Garg. 261
a; ungehorsamkeit und eigner nutz, das selbig ist ein böser butz, wo es regiert im lande. Soltau 212; der gitz und der eigen nutz machen manche seltzame fasznachtbutz. 252; darzuo tribt in der eigennutz der wuocheri, ein böser butz.
trag. Joh. C 3; Eugenius oder eigennutz ist der butz. sanct Commodus heiszt der heilig.
bienenk. 50
b.
man sagte butzen gehn, laufen, in butzen weis laufen,
und da butze
gleichviel mit bögge
sp. 222
oder brögi
sp. 396: antlitt und lib sie ganz verbutzen und loufen so in böucken wis. Brant 110
b, 7.
das fortleben der bedeutung larve für butze
bezeugen Stalder 1, 251. Schmeller 1, 229. Schmid 111. 22)
mucus, d. i. quidquid emungitur, it. moccio,
franz. mouche,
wofür voc. 1482 z 8
b die nach butz
gemachten ausdrücke pucus, pucio
anführt, wenn sie nicht pusio
sind, s. bützel. Schmeller 1, 229
nimmt für botzen
und 230
nochmals für butzen
die bedeutung klümpchen weicher materie an und unterscheidet davon butz
larve. folgende sich berührende vorstellungen kommen in betracht: 2@aa) rotz, putz in der nasen.
voc. 1482 z 8
b; butze der nasen. Dasyp. 311
c; butz, rotz. Maaler 83
c. Henisch 574, 51. Stieler 263; denn hat sie flixen in den augen, da butzen in der nasen. Keisersb.
has im pf. aa 7
d; heraus mit dem butzen,
emunge nares; auf erbrechen angewandt: oho das sind grob noten, sie haben lang in euch gesotten. heraus mit dem butzen! halt den kopf dem Utzen.
Garg. 98
b; ich musz den butzen frei auszer sagen. Henisch 574, 55; hierüber weinte er rotz und butzen.
Simpl. 1, 68; bei dem abt Fechino ist, salva venia, ein butzen aus der nasen eines aussätzigen zu gold worden. Abrah. a
s. Clara 2, 11.
wiederum aber drückt auch bögge
gleich butze
mucus (
sp. 321)
aus, wodurch sich deutlich ein zusammenhang dieser zweiten bedeutung mit der ersten ergibt. auszer rotzbotzen
hat Schmeller leimbotzen, teigbotzen, mehlbotzen,
vgl.batz und schnudelbutze. 2@bb) butze in den augen,
gramiae. Dasyp. 311
c; butzen der augen, augenziger, augenkotzen,
gramiae. Serranus k 5
a; gramiosus, der butzen in augen hat. Alberus. 2@cc)
propf, scirrhus, tumor in geschwüren, die nicht eher heilen, bis der butze
heraus ist: wan der butz usz dem eiszen (
ulcere) kumt. Keisersb.
omeis 50
c; es steckt ein butz im geschwer (
geschwür).
bilger 61
a; aber wenn einer ein eiszen hat, solang der butz darin ist, so lang eitert er immermeder, züchst du aber den butzen heraus, so höret er uf eitern.
s. d. m. 29
b; wan die butzen herauskummen, so eitert der eisz nümme und schwert nit heraus. 43
a; das ist der butz, das ist der recht grund und butz.
post. 3, 19; ist ein andrer butz oder maus darhinder.
sch. der pen. 14
a; ich förcht es steck darhinder frei ein andrer putz. Wolfh. Spangenberg
fangbr. H 7
b; er hat einen butzen im leib,
ein verborgnes übel; wann nun der butz vom brand herauszen, so nimb reinen ungeleschten kalch wol gebeutelt und wirf den in die wunden. Seuter 68; wann man ein eisz zuo heilt, so bricht es an einem andern ort auf, der butz und franzos muosz heraus. Frank
baum des wissens 128; es hilft nit, das man auszen ein franzosen zuoheil, das sie an einem andern ort ausbreche, der putz muosz heraus.
paradoxa 89
a; were das herz geändert, gewendt, der butz und wurzel heraus, so were es alles heil. 168
a; mit arznei den butzen, ursprung und grundsuppen derselben aus dem leib purgiert.
kriegsb. des fr. 158; die materia peccans musz mit butz und stiel ausgerottet werden. Lehmann 59; weil ich mir nicht einbildete, dasz ein solcher butzen in ihm steckte.
Perus 316.
bei Schmeller 1, 229
erscheint aeterbotzen
d. i. eiterbutze,
wobei man sich an auterbutz 1, 1044
erinnern wird, welchem leicht dieselbe bedeutung zusteht, mehr unter diesem wort und unter grindbutze.
bergmännisch ist butze
ein klumpe zusammengesinterten, unzerflossenen erzes. figürlich, zuckt den butzen der trurigkeit. Keisersb.
bilger 61
a; alleweil der butz hochfart, begird, uppiger ere in dir stecket, .. zuck den butzen dannen.
siben schw. cc 5
b; da kam man erst hernach auf den rechten butzen.
Garg. 174
a,
traf den rechten fleck der sache; die weil wir warn am wünschen eben, wünscht ich so mehr den rechten butz, weil mir eins wie das ander nutzt.
groszmutter 143.
es hiesz auch 'bei einem butzen',
auf einmal: verklagt die bawren alle mit einander bei éinem butzen.
Katziporus J 8
a.
gehört hierher auch eine unsichere bedeutung von butz,
noch bei Göthe: verlogene leute stecken dahinter, misgönner, mit butz, neid und practica. 42, 333,
mit bösem vorsatz, bosheit? Schm. 1, 303
hat putz
für anbringer, delator. 2@dd) butze des lichts,
lucernarum mucus, fungus candelae, schnuppe: butzen abbrechen,
emungere. Dasyp. 311
c,
vgl.abbreche,
lichtputze; so ist fleisch und blut faul und lasz und leszt das liecht einen butzen und kolbe kriegen. Luther 4, 264
b; brich an dem licht, vertilg den butzen.
altd. bl. 1, 112; und wann man nun ein liecht aufzünd, acht nit, ob es schon finster brint, noch ob der butz zu lang möcht sein, dasz von dem liecht nit geh vil schein, so brich der kerzen nimmer ab, bis mans zwei, dreimal gheiszen hab. Scheit
grob. G 2
b; und dasz ich die abbrech brauch, der butzen wird mir schier zu lang. Fischart
groszm. 68; ein liecht voller butzen. Abr. a
s. Cl. 1, 309; vom docht den rothen butzen streifet. Mörike
ged. vom alten thurmhahn. 33)
umbilicus pomorum, der griebs, was am obst von der blüte dürr zurückgeblieben ist, auch kerngehäus und mittelpunct des obstes, fruchtknote: butz am obst, darauf die blühe gestanden. Henisch 574, 46; putz an obsz, pucio.
voc. 1482 z 8
b; anthera ist ein ieglicher butz, der inwendig stehet in der blumen. Paracelsus 1, 447
a; granatbutzen und magsamenköpf.
Garg. 219
b; würdest ihne nicht einer lorischen zwibelschelf oder knoblauchsbutzen werd gehalten haben. 19
b; sihe, hagenbutz, du machst dich disen morgen mechtig batzig. 198
a; wiltu die äpfel lang gut behalten, soltu sie auf den käumen (
keimen) oder putzen und nit auf die stile legen. Sebiz 378; die äpfel bleiben lang, wann man sie auf den butzen und nicht auf den stengel legt. Hohberg 1, 444
b; die äpfel schälen, in vier stücke schneiden und die butzen oder grübs herauszer thun. Pols
jahrb. 4, 64.
an granaten und hiefen (
der frucht des weiszdorns)
ist ein solcher butz
besonders sichtbar, hagenbutz
klingt hochdeutscher, als das eingeführte hagenbutte, hainbutte, hambutte.
man sagt einen apfel, eine birne mit butzen und stiel verzehren,
völlig aufessen, überträgt es aber nachher auf andere speisen oder selbst uneszbare sachen und braucht es wie haut und haar, kopf und schwanz
allgemein: der herr wird von Israel ausreuten häupt und schwänz, butzen und stil. Reiszner
Jerus. 2, 123; butzen und stiel getödtet. Paracelsus
chir. schr. 66
c; zeigt dem könig stil und butzen (
die ganze sache)
an. Garg. 208
a; aber demnach er sich verloren und weder butz noch stil (
nicht das geringste) von im zu erfahren. 269
b; hat solche auf butzen und stil hinein gefressen. Messerschmid
des esels adel. Straszb. 1617
s. 56; nichts desto minder aber hat Würzburg beede dörfer mit butzen und stil ganz hinweg genommen. Reinhard
werth. ded. summ. inhalt 5
a; damit dem grausamen feind begegnet werde, sonst gehe butz und stil in seinen rachen. Phil.
lugd. 3, 31; dasz dem vatter die statt mit butz und stil in die hände kam. 3, 37; du wirst derhalben die ganze welt mit butzen und stiel ausrotten müssen.
Simpl. 1, 261. Tieck 15, 344. einem nicht einen butzen machen,
nicht das geringste anthun, machen können: gott treugt niemand und wird nicht betrogen, es hat noch kein witz und spitz gott einen butzen gemacht, wiewol das gottlos wesen sich des vilfeltig understehet. Frank
spr. 2, 54
a.
vgl. unter butze 1
die stelle aus Luther 1, 372
b. 44)
hieran grenzt unmittelbar die bedeutung von iulus, amentum, kätzchen, lämmchen, auch knospen der sträuche und bäume: im anfang des glenzen tregt er (
der wallnuszbaum) lange zaslechte butzen, welche, wann die bletter herfur kriechen, abfallen, alsdann so kreucht anstatt des abgefallenen butzen ein aug oder blume herfür, aus welcher die nusz wächst. Ad. Lonicerus
kreuterb. 45
b; die frucht ist anzusehen wie ein wurm oder wie ein butzen an den haselstauden. Tabernaem. 1320; die blumen (
der syrischen pappel) haben inwendig gelbe zäserlein mit weiszen putzen. Hohberg 1, 599
a.
in dieser bedeutung mahnt butze
an das franz. bouton,
sp. boton,
it. bottone,
knospe, die sich aber sonst unserm brosz (
sp. 399),
mit ausgefallnem R,
vergleichen. 55) butze,
fasciculus kann leicht aus busch (
sp. 559)
oder bosze (
sp. 268)
entsprungen sein: ein butze haar,
ein büschel haare, vgl. bützel.