BEILIEGEN vb. mhd. bîligen,
mnd. bîliggen.
vgl. beilegen. 1 ‘
dabei liegen’. a
(von adeligen personen) ‘
(jmdn.) heiraten, sich (mit jmdm.) vermählen’
; geschlechtsverkehr (mit jmdm.) haben auch substantiviert ‘
hochzeit, geschlechtsverkehr’.
vgl. beilegen 1 a: ⟨n1180⟩ ich hân sorgen vil gepflegen / und den vrouwen selten bî gelegen Heinrich v. Morungen
38 128,30 MF. ⟨u1200/10⟩ si heten beidiu cranken sin, / er unt diu küneginne, / an bî ligender minne Wolfram
Parzival 7193,4 L./H. u1300 dez andern morgens, als si
(das brautpaar) dez nahtes bei gelegen sint
nürnb. polizeiordn. 61 LV. ⟨1394/5⟩ darnach ward im ain tochter fraw Elizabeth, die ward dem chünig von Peheim verhaissen und ward mit dem tode vervangen, ee si pei lag
öst. chr. 196 MGH. ⟨1446/7⟩ darnach .. nam herczog Hainrich aine von Österreich umb sant Michels tag und lag bei
(Augsb.) chr. dt. städte 4,116. 1479 unnd lassen dich wissen, das das elich beiligen sein wuͦrdt uff sonntag Valentini
privatbr d. ma. 1,198 S. 1528 ob gleich ain kind aus verdambten beyligen geporen wirt, als yetzmals laider beschiecht zwischen moͤnichen vnd nunnen Berthold v. Chiemsee
theol. 195 R. 1533/4 die praut starb .. vor dem beiligen Turmair
5,1,369 ak. 1650 die nacht bricht an, sie liegen bey, / gott spreche seinen segen Dach
ged. 1,254 Z. 1673 Albertum III. .. hat der hertzogin zu Mechelburg tochter beygelegen Weingarten
fürstenspiegel 1,15. ⟨v1688⟩ da die braut mit ihm beyliegen solte, seine ungestalt gesehen und gefühlet, entlaufft sie aus der kammer Lehmann
schauplatz (1699)755. 1722 wie solte denn das eheliche beyliegen eines ehemanns so schädlich seyn, daß die abschneidung des so genannten wundholtzes unkräfftig machte? J. G. Schmidt
rocken-philos. 5/6,46. 1722 sie .. wird durch die trauung an ihrer jungferschafft keines weges geschwächt, biß sie ihrem angetraueten manne beylieget
ebd. 345. ⟨1936⟩ ich habe ein gelübde getan, daß ich mich enthalten und dir erst dann beiliegen werde, wenn ich Antiochien erobert habe Feuchtwanger
Nero (1947)265. 1977 Agnes war die erste, die ihm regelmäßig beilag Grass
butt 349. b ‘
in der nähe von, neben jmdm., etwas liegen’
; übertr. ‘teil von jmdm., etwas sein; jmdn., etwas erfüllen’.
part.adj. beiliegend
u. beigelegen ‘
(geogr.) angrenzend, benachbart’,
vgl. beilegen 1 b: ⟨n1190⟩ sine hende er zv samne sluc / vn̄ hette sulcher gebere gnvc / als man zv habende phlit / swēne im die sorge bi lit Herbort
15462 F. ⟨1235/40⟩ ‘do ligent ir minem herzen bi’ – / ‘soͤlicher rede gehort ich nie. / du bist doch da, so bin ich hie, / wie moͤht ich in das herze komen?’ Rudolf v. Ems
Willehalm 4234 DTM. ⟨1301⟩ als der furste sprach, / alsô daz leger dâ geschach. / doch den keiser er bat / um sînen brûder Cunrât, / daz im der mûste ligen bi
(‘in der nähe lagern’
), kreuzfahrt Ludwigs 3765 MGH. ⟨1338⟩ ydoch liet dem leben by / mancherhande smerzen swil
Hiob 3662 DTM. ⟨1389⟩ das gancz land Litovia mit allen bylegenden landen
cod. dipl. pruss. 4,90 V. ⟨1538⟩ das woͤllen hab ich wol, das volbringen aber find ich nit, oder wie die Griechē haben, das woͤllen ligt mir bei, aber nit das volbringen Franck
arch (1539)200b. 1548 sy thettend jr raubguͦt vnd trossz auff ein beygelegnen bühel Stumpf
chr. 1,128a. 1672 zu einem ansehnlichen closter und beyliegendem flecken Grimmelshausen
vogelnest I 90 Sch. ⟨1706⟩
(substantiviert ) ob aber die grossen nesseln sufficient sind, daß sie durch das blosse beyliegen die sulphurischen dünste des gewitters zurücke zu halten vermögen? J. G. Schmidt
rocken-philos. 3/4(1707)365. 1712 gargareon vel gargarisma, ein gurgelwasser, ist nichts anders, als ein fliessend artzney-mittel, den schlund und die beyliegende theile auszuspielen Marperger
natur-lex. 553. c ‘
einer sache, einem schriftstück, einem brief, einer sendung beigelegt, dazu gelegt, hinzugefügt, beigefügt sein’
; häufig part.adj. beiliegend,
oft amtssprl. ‘anbei, in der anlage’.
vgl. beilegen 1 d: 1534 hat mir .. Hans Mair die beiligendt schrift mit dem bevelhe .. uberantwurt Peutinger
brw. 469 K. 1639 wann sich dann dieselbe, wie beyligendt zuersehen, dergestalt allergnedigist resolviert, daß ..
rechtsqu. Rust 50 B. 1697 beyliegendes schlechtes andencken nehme meine schöne mit günstigen händen an Ettner
doctor 493. 1759 ich habe sie
(anrede) durch beyliegendes schreiben der mühe überhoben, selbst zu schreiben Winckelmann
br. 2,15 R. 1857 beiliegend erhalten sie auch das manuskript ihres vorworts zurück Hess
brw. 325 S. 1865 diesem einladungsschreiben lag ein prospektus bei
1. internationale (1964)46. ⟨1996⟩ wir schrieben mit beiliegender rückantwortkarte an stadtverwaltungen und dorfbürgermeister de Bruyn
jahre (1998)67. 2006 eine bunte mischung von lebensäußerungen des menschheitsgeschlechts, auf rillen geprägt und nur mit beiliegender plattennadel .. abspielbar
nat. geographic Dtld. 2,188a. 2
landschaftl., bes. omd. u. ond. ‘jmdm. beistehen, jmdn. unterstützen jmdm. zustimmen’.
vgl. beilegen 3: ⟨14.jh.⟩ nemandes schal .. sick ock an rathmannen .. nicht vorgripen, sunder dem rade allewege getrulichen byliggen
brand. schöppenstuhlsakten 1,1 S. ⟨1416⟩ umme des bischopes wyllen, den de pawes deme stichte gegeven, deme herlich Hinrik bylede hadde
lüb. chr. 2,489 G. ⟨1430⟩ als her den ketczern uff Meristaw wieder die heilige kirche und diesen landen beygelegin und gehulffen hat
script. rer. siles. 6,98. ⟨1510/30⟩ wie ein ander furst mit namen Girdo genant den brudern seer beylag und hette ynen alle seyne gütter geben Grunau
preuss. chr. 1,233 P. 3
seemannssprl., von einem schiff ‘
(bei einem sturm) mit kleinen segeln (u. festgemachtem ruder) so nah am wind liegen, daß das schiff möglichst wenig fahrt macht oder auf der stelle bleibt’.
vgl. beilegen 6: 1720 unsere schuldigkeit ware zwar, dem verlassenen schiffs-volck zu helffen, aber nicht ihrentwegen lange beyzuliegen und zu zaudern Vischer
in: Kluge
seemannsspr (1911)82. 1858 beiliegen, bei einem sturme mit so wenig segeln als möglich nah beim winde liegen Rüstow
militär hdwb. 1,94. 1897 als der tag anbrach, kam der kleine Frauenlob in sicht, wie er mit gerefftem großsegel beilag
in: Kluge
seemannsspr. (1911)82. 1904 beiliegen .. mit zum teil back gebraßten segeln stilliegen Stenzel
seemänn. wb. 42b. Gehweiler