Wossidia begripen begreifen I. trans. 1. mit den Händen begreifen, befühlen, betasten; nur in der doppelsinnigen Rda.: alles kann ick begripen, œwer nich de Frugenslüd', wenn ick 't do, haugen se mi ant Mul, oder ick vertüürn mi mit min Fru StaStargard@GrünowGrün. 2. ergreifen, fassen; von Personen: (Ro 1373) UB. 18, 321; 'worde jement darmede begrepen' (15. Jahrh.) Beitr. Rost. 4, 2, 50; von einer Sache, einem Zustand: 'disse begrepen dat standt' (faßten festen Fuß) Rost. Veide 2; he hett dat Liggent begräpen er ist bettlägerig geworden Wa. 3. mit den Gedanken ergreifen, sich besinnen: 'wat der luden syn nicht begrypen kan' (im Gedächtnis behalten; 1379) UB. 19, 429; dat kann ick nich begripen auf die Sage kann ich mich nicht genau besinnen Wa Waren@LapitzLap; ick kann nich mihr begripen an mehr Reime kann ich mich im Augenblick nicht erinnern Wa; mit dem Verstande, mit den Sinnen fassen: 'der vornunft ein vorborgenes werck, welckes men nicht mit den Ogen des lives, sondern geloven des Hertens sehen, vorstan und begripen kan' Gry. Paw. Z z 3
a auch mit refl. Dat.: dat kann 'n sick nich begripen sich daran erinnern PaParchim@SpornitzSporn. 4. umgreifen, einbegreifen: 'de dat closter tu Ribbenitze ersten stichtet unde begrepen hebben' (abgegrenzt; 1399) UB. 23, 556; 'alze dat begrepen is unde light bynnen allen zinen scheden' (Gü 1375) 589; (Gü 1489) Jb. 23, 251; 'do men schreff 1170, do wart Dobbran begräpen' (in seinen Grenzen festgelegt, gegründet) Rost. Etw. 1740, S. 681; in de Wisch is sonn runden Grantbarg begräpen MaMalchin@Behren-LübchinBLübch; vom Inhalt: 'Men wat in disses Mans sin Höved is begrepen, Dat schold wol lading sin van velen Orlogs Schepen' Laur. Schg. Beschluht 121; 'scholde wy ... uppe nenen vrede myt em begrypen' (Frieden schließen; Schw. 1373) UB. 18, 276; von der Gestalt: dee is so begräpen, as de Dik rund is StaStargard@RollenhagenRoll; dat Hünengraff is so begräpen SchwSchwerin@CrivitzCriv; so as ne Graffstell wir dat begräpen Wa;
so grot un so begräpen LuLudwigslust@Alt JabelAJab.; von der Reichweite eines Vertrages: 'obwohl der Punkt der Lehne die Städte nicht begriffe, sie dennoch darüber gleichfalls gehöret werden mögten' (1590) Spald. Land. 1, 209; von der Zeit: hadden ehre Tid in Kardinal begräpen (mit Kardinaltrinken ausgefüllt) Reut. 4, 438; von der Wertschätzung: 'du schalt nicht ringe begripen enen andern' (gering achten) Wiechm.-Hofm. 1, 4; mit Worten umgreifen, in Worte kleiden: 'begripen se desülven (die Sakramente) in dissen nafolgeden versche' Gry. Paw. Ss 2
a; 'hebben wi ... düsse ... Ordenunge, Statuta und Settunge begripen und vorvaten laten' (1516) Bär. Ges. 4, 1, 13; 'welche eine Polizeiordnung begreifen und sich angelegen sein lassen sollen' Spald. Land 2, 244. II. refl. sich begreifen, sich an etwas festhalten: hei möt sick an den Ledderbom begripen Reut. 5, 56; hei ward sick woll an wat begrepen hewwen 6, 359; sei müsst sick ... an dat Schapp begripen Bri. 5, 161; ick kreg mi begräpen ant Dörenfutter bei drohender Ohnmacht Ro Rostock@RibnitzRibn; in übertragenem Sinn sich fassen, sich besinnen: se begrep sick noch Wi; hei begrippt sick, will nich bang' sin SchöSchönberg@HambergeHamb;
sei begrippt sick un deit dat nich MaMalchin@NeukalenNKal; donn begrep ick mi Wa;
sick begripen. Reut. 2, 262, 282; 3, 92; 167; 6, 362; Bri. 2, 115; 3, 10; 7, 205; H. Schrö
d. Buerh. 1, 53; Stllfr. Sl. 216; 218; Schneeb. Herrg. 17. Zs.:
ümbegripen. Mnd.
begrîpen. Br. Wb. 2, 545; Da. 70
a; Dä. 30
a; Me. 1, 276.