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ABSTEHLEN

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Eintrag · Grimm Neubearbeitung (1965–)

ABSTEHLEN vb.

Bd. 1, Sp. 1032
ABSTEHLEN vb.mhd. abestelen, mnd. mnl. afstelen. das wort folgt weitgehend den verwendungen von stehlen (s. 1DWB), nur herrscht bei der präfixbildung seit dem 18. jh. der übertragene gebrauch vor. 1 jmdm. etwas durch diebstahl wegnehmen, heimlich entwenden (öfters mit erspartem akk.objekt); seit dem 19. jh. selten: 1279 dhe andere .. scal sweren allene dhat it (gut) ome af gherouet ofte af ghestolen si norddt. stadtrechte 1,105 LGF. u1305 daz gewant oder daz kleinote .. wart mir abegestoln freib. stadtrecht 94 E. ⟨1406⟩ were sache, dat eynche keuffersche eyncherleye have .. gegoulden hette, des man .. gewair wurde, dat sulche have gestolen were, de sal die have .. demgeyme weder geven, dem sij affgestolen were akten gesch. verf. Köln 2,149 S. 15.jh. wie vil der jungen kindelein/ in (christen) abgestolen und getot fastnachtsp. 1,180 LV. 1556 das gelt .., welches G. dem L. heimlich abgestolen Lauterbeck regentenb. 136a. 1564 vnd ob gleich etlich gesinde jhren herrn selbs nichts abstilt, so sehen sie doch nicht fleissig auff die guͤter jhrer herrn, damit jhnen nichts gestolen wuͤrde Glaser gesind teufel (Leipz.)E8b. 1680 was diebischer weiße sich .. personen unterstanden, sowol tag als nachts dero .. nebenmenschen das ihrige auf dem feld, .. auch wol gar in häusern abzustehlen und zu entwenden württ.ndl. rechtsqu. 1,470 W. ⟨1721⟩ daß niemand .. dem andern .. etwas, dessen einer in .. besitz .. wäre, spoliiren, entziehen, nehmen, abstehlen .. oder entfrembden solle provinzialrechte preuß. staat 3,1,509 S. 1817 weil sie (geliebte) dem alten manne alles abstiehlt und den ihren zusteckt A. v. Arnim 1,269 Sch. 1901 wo mag er das geld zum landkauf her haben, der pfaff? .. dem kirchengut wird er’s abgestohlen haben! Zahn Indergand 211. ⟨1954⟩ das geld von der Mummel hast du abgestohlen Strittmatter Tinko (1958) 165.im erweiterten sinne, auf unrechtmäßige, unredliche weise jmdm. etwas nehmen: 1520 es were allis treglicher, wen sie (papst usw.) das gut allein uns alßo abstolen: die kirchen vorwusten sie damit Luther w. 6,417 W. 1548 (die Römer) syend nit .. von vychhirten entsprungen, die mit rauben vnd moͤrderey den rechten erbherren die gelaͤgenheit, da yetz Rom stande, abgestolen Stumpf chr. 1,126b. 1636 die faulesten sauffochsen .., die etliche jahre auff universiteten gelegen, .. die gelder jhrer armen geschwistern abgestolen vnd verzehret .. haben Meyfart erinn. 7. ⟨u1646⟩ ein advocat stihlet er nicht eim andern sein gut ab mit seinem verstandt? Moscherosch gesichte (1646)1,23. 1669 mit diesen schelmenbeinern (würfeln) zwackten, laureten und stalen sie einander ihr geld ab Grimmelshausen Simplicissimus 152 Sch. 1718 was .. die .. bettler durch ihre falschen briefe und vorstellungen denen gottes-kästen, bürgern und landmann abgestohlen und abgelogen Rohr staats-klugheit 1352. 1854 es sei himmelschreiend .., wenn man sich so den lohn müsse verkürzen, ja, wenn es niemand hörte, sagte er, „abstehlen“ lassen Gotthelf schuldenbauer 371. 1964 der erbschleicher, der windige .. dem Hans und den Rauch-schwestern stiehlt er alles ab! Graf Banscho 341.eine stadt, eine festung (im handstreich) nehmen: ⟨1508/16⟩ den si gabend stolze troͤw wort und understuͦndent, das schloss bi nacht dem huͦptman ab zu stelen und in zuͦ nemen Brennwald schweizerchr. 2,200 L. ⟨1533⟩ daß Fabius die statt Tarentum mit verreterei abgestollen hat? Livius (1551)1,172b. ⟨1584⟩ dieselbig (festung) .. eim lanndtsfürsten leichtlich .., reverendo zumelden, abgestolen khan werden in: Frauenholz heerwesen (1935)3,2,46. a übertr.; öfters jmdm. die ehre, das leben, das herz, einen kuß abstehlen: 1386 myn ere afstelen in: Wrede altköln. sprachschatz 47a. 15.jh. ir wolt es wol verheln,/ das ir eur frauen thut ab steln,/ .. sie enpfint wol, das ir get in ein fremde pfarr fastnachtsp. 2,660 LV. 1520 das den christen gottis wort .. vermindert oder abgestolen wurt Karlstadt heylickeit G3a. ⟨1538⟩ dz die schrifft vns also zertlet, lockt .. damit sie kain gwalt mitt vnns treybt, sonder vnsern willen abgewinn, vnnd das hertz gleychsam abstele Franck arch (1539)45b. 1556 die stund gat für und für in gleichem gang dahin, stielt unns gantz stilschweigend unser leben ab, das wir es nit gewar werden Wickram 4,138 LV. 1602 es möge ein loser, geringer knab ein starcken .. mann sein leben mit dem büchsen schießen abstelen Kirchhof wendunmuth 3,152 LV. 1605 man nennet manchen wein reinisch/ vnd ist doch kaum bambergisch/ das macht der wirt/ der jhn so schmiert/ vnd jhm abstilt/ den nahmen mild Petri weissheit Ppp3a. 1636 die seelen .. werden, wo nicht Christus Jesus verhindert, durch die beelzebuben dem himmel .. abgestolen Meyfart erinn. 120. 1645 sich .. unterstähen, ihr einen kus ab zu stählen Zesen Rosemund 136 HND. 1669 so wiltu ihn so höflich tractiren und ihm dardurch das hertz dermassen abstehlen, daß es dir künfftig dein lebtag wol bekommen soll Grimmelshausen Simplicissimus 208 Sch. ⟨1699⟩ wer dem prediger die absolution abstiehlet oder abnöthiget, .. bleibe .. in seinen sünden ungelöset Spener bedencken (1712)1,1,708. 1700 er hat mir meine ehre recht abgestohlen Reuter Ehrenfried (1911)65. 1788 um nun den ständen ihre bewilligung abzugewinnen, oder vielmehr abzustehlen, bediente sich die regentin des kunstgriffs, eine landschaft nach der andern einzeln .. zu befragen Schiller 7,203 G. 1800 daß die unterschrift von neulich,/ die abgestohlne, sie zu nichts verbinde ders., 8,215 nat. 1852 ein götterspaß, ein solches weib für sich schmachten lassen ..; um einen freundlichen blick abzustehlen, in schleier und enveloppe auf unsre stube schleichen Alexis ruhe 2,263. 1889 nun mußte er (maler) aber .. mich .. abgestohlen (heimlich fotografiert) haben ..; denn diese gestohlene aufnahme radierte er Keller leben 23,534 E. ⟨1907⟩ also belauscht hast du mich, mein gebieter? wolltest mir wohl mein geheimnis abstehlen, so ich eins besitze? Halbe [1917]4,128. 1928 einförmig verlief der zöglingstag und stahl mir das gastrecht in der höheren welt wieder ab Carossa verwandlungen 34. 1931 was für wunderschöne briefe du mir schreibst – und wie ärmlich sind meine verhetzten, abgestohlenen zeilen! Langgässer vergänglichkeit [1954]40.(jmdm.) unerlaubt etwas absehen, ablernen, etwas (zur weiterverwendung) übernehmen, sich durch nachahmung aneignen: ⟨u1525⟩ als wenig wir mögen .. ir (natur) iren proceß abstelen .., also wenig mögen wir auch der natur ire kunst abstelen Paracelsus I 2,301 S. 1534 die maler, wenn sie eyn kunst stuck abstelen woͤllen, so legen sie etwas darunder vnnd stechen es mit nadeln ab, strewen ruͦst darein vnd machen ein gleichnuß darnach Agricola sprichw. v4b. ⟨v1565⟩ oder wird ja nichts geschrieben vnnd gesagt, das nicht zuuor auch geschrieben, gesagt vnd auff der bahne gewesen waͤre oder andern abgestolen Mathesius Syrach (1586)2,142a. 1616 damit ime (alchimisten) .. ein anderer sein theure prottlose kunst nit ablerne oder abstele Krafft reisen 337 LV. 1624 zue versuchen, wie man die epitheta; .. sonderlich von den Griechen vnd lateinischen abstehlen, vnd vns zue nutze machen möge Opitz poeterei 32 HND. 1669 daß die nachtigal durch ihre lieblichkeit andere vögel banne still zu schweigen und ihnen zuzuhören, entweder auß scham oder ihr etwas von solchem anmuthigen klang abzustehlen Grimmelshausen Simplicissimus 395 Sch. ⟨1697⟩ Boileau .. verschweiget gantze oerter die er hauffenweise in seinen gedichten den alten poeten abgestohlen Wernicke epigr. 268 P. 1699 so gar hat man der .. morgenröthe schon die farb abgestohlen, darum wird solche genennt die aurora-farb Abraham a s. Clara etwas 1,464. ⟨1807/9⟩ der hölle hat er martern abgestohlen,/ um mich mit teufelslust zu peinigen! Grillparzer 510,132 S. 1856 (dieser gedanke ist nicht s. eigen) er hat ihn einem schriftsteller abgestohlen Mozin wb. 3,33c. 1928 dieser schreckliche Scurra, er hat den sirenen/ abgestohlen ihr lied G. Hauptmann Eulenspiegel 110. b (sich) die zeit u. ä. (zu etwas) abstehlen: 1526 ich hab mir selbs so vil zyt abgestolen und in einer yl etliche underwysungen .. zuͦsamen gläsen Zwingli 5,431 E./F. 1716 habe kaum ahn mein dochter andtwortten können, habe nur diß halbstündtgen vor eüch abgestollen Elisabeth Ch. v. Orleans br. 3,1 LV. 1759 einige zeit müssen sie sich .. noch von ihren geschäften abstehlen, worinn sie eine lebensbeschreibung unseres Kleists machen können Ramler brw. (1906) 2,413 LV. 1846 das geistige wohl eures volkes zu bewachen .., weiß ich nur einen, der fähig ist, und jeder augenblick, den er zu andern beschäftigungen abstiehlt, ist ein raub Alexis hosen 1,2,33. 1960 sie stickte in abgestohlenen stunden ein kittelchen .. aus Miethe möwe 86. — jmdm. die zeit u. ä. abstehlen: ⟨1531⟩ ich mag dir die zeit, mein leser, mit diser losen thaͤding nicht abstelen Franck zeitb. (1536)2,106a. ⟨u1640⟩ ein commœdiant, stihlt er einem nicht sein gelt vnd gute zeit ab? Moscherosch gesichte (1646)1,23. 1801 zwey monden hat der mensch von meinem leben/ mir abgestohlen Kotzebue Bayard 99. 1878 doch ich stehle ihnen die zeit ab, ich will nicht schuld sein, daß sie selbe wieder durch verdoppelte anstrengung einbringen müssen Anzengruber ergbd. 32,34 B. – (dem lieben) gott die zeit, den tag abstehlen die zeit unnütz vertun: 1700 einen wanckelmüthigen mimum (der komödie), der denen leuten die arbeit, gott dem herrn aber die edle zeit abstielet Ettner apotecker 13. 1786 liederliche bursche, die .. nichts thun als dem lieben gott den tag abstehlen, in ihrem müßiggange und ausschweifungen zu stärken J. G. Müller Emmerich 1/2,490. 1844 darin liegt doch wahrlich noch kein privilegium, dem lieben herrgott den tag abzustehlen Nestroy 12,329 B./R. 1950 da lief ein knecht mit leeren händen wiederholt von stadel zu stadel und stahl dem lieben gott den tag ab, da machten die heuer zu lange brotzeit L. Curtius welt 26. c jmdm. jmdn. abwendig, abspenstig machen: 1530 das ein iglicher bube .. macht .. hette, mir die selbigen (tochter) heimlich abzustelen und hinder meinem wissen und willen dahin nemen? Luther w. 30,3,208 W. ⟨1555⟩ soll auch kein hauptman dem anderen seine knecht abstelen Fronsperger kriegsregiment (1558)72b. 1556 da wird man vater vnd mutter jre kinder abstelen durch heimliche verloͤbnis vnd kopplerey Sarcerius disciplin 109a. 1846 hast du schon wieder zu wenig lohn, oder hat dich der Johannes mir abgestohlen? Gotthelf Uli, d. knecht 299. 2 refl., sich heimlich, unauffällig davonmachen (heute geläufig sich davon-, fort-, wegstehlen): ⟨1301/19⟩ swaz dâ phaffen wâren,/ die sach man gebâren,/ daz si der tiuvel noch darumb hab:/ beinzigen (einzeln) stulen si sich ab/ hinder im ûf der strâzen Ottokar öst. reimchr. 88391 MGH. A15.jh. umb dodes not wolde er nit/ sich wenden odir abestelen icht pilgerfahrt d. mönchs 3915 DTM. 2.h15.jh. welicher (arbeiter) sich aber abstele und abgieng on erlaubung ee es zeit were, den sullen die andern rugen Tucher baumeisterb. 62 LV. 1531 die kriegßknecht aber haben .. die weg fleissig verhuͤttet, damit sich nyemans abstelette Hedio Josephus 1,167b. 1601 es hatten sich einsmals drey leibeigne mann .. von einem schiff abgestolen Mayr epitome 2331b. 1626 wardt beschlossen, daß .. sie sich heimlich abstelen .. vnnd von dannen .. segeln wolten theatrum amoris 182. 1693 wenn ein bergmann unter der schicht sich von seiner arbeit abstiehlet und davon fähret Schönberg berginformation 2,99. ⟨v1709⟩ diese .. dame .. sagte zu den(!) schuler, daß er sich von seinen gesellen abstehlen und heimlich in den camin .. steigen sollte Abraham a s. Clara etwas (1699)2,218. 1832 etliche von der rott, .. stahlen sich ab aus der gemein Regis Gargantua 1,111. ⟨1883⟩ (Sela) hätte sich am liebsten abstehlen und davonschleichen mögen Rosegger ges. w. 8(1914)408. ⟨1909⟩ ganz begossen stahl er (der bauernjunge) sich ab Löns Hansbur (Hann. o.j.)50.auch: 1494 schonheit des libes man vyl acht/ wert ettwann doch kum vbernacht,/ glich wie gesuntheit ist vast liep/ vnd stielt sich ab doch wie ein diep Brant narrenschiff 10a Z. 1626 die einmahl vber das ander von jhrem hertzen sich abstelende seufftzen theatrum amoris 380.weidmänn.: 1763 abschrauben oder abstehlen heißet, wenn ein fuchs in dem treiben den treibern und hunden entgehet und sich gar aus dem treiben hinweg begiebt Heppe jäger 16b. 1904 obwohl sich mancher alte bock auch gleich beim ersten geräusch, ähnlich wie der fuchs, .. abstiehlt Dombrowski treibjagd 103. 1960 Ludwig wb. weidmannsspr. 12b.Braun
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Abstèhlen

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Abstèhlen verb. irreg. act. S. Adelung Stehlen . 1) Eigentlich, verstohlner Weise entwenden. Dem lieben Gott die Tage ab…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    abstehlen

    Goethe-Wörterbuch

    abstehlen bin ich in einer Stimmung daß ich fürchtete die Musen niemals wieder zu sehen .. ich will sehen was ich jedem …

  3. modern
    Dialekt
    abstehlenst.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    ab-stehlen st. : ' wegstehlen ' in der RA.: Der stehlt unserm liewe Herrgott die Daae ab [ KU-Kaulb , allg.].

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit abstehlen

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