ABNEIGUNG f. 1
selten zu abneigen 2: ⟨M14.jh.⟩ dy undirste wonunge
(der seitengebäude) was kein dem tempil undir der erdin durch
(infolge) der abneygunge des bergis Cranc
269,28 Z. 1753 abneigung
abwärtsneigung devergentia Nieremberger
wb. C1c. 1807 die stadt liegt auf einer sanften abneigung Campe
wb. 1,38b. —
für lat. declinatio,
in der astronomie: ⟨M14.jh.⟩ seit .. deu grost abnaigung der sunnen hat drei und zwainzig grad und .. ain nu Konrad v. Megenberg
sphaera 24,12 DTM (u. ö.). –
in der grammatik: 1739 die aussprache (
des k) in der abneigung, z. e. ‘die critiken’
beytr. z. krit. hist. 6,56 G. 2
zu abneigen 1
und 3
meist im sinne ‘antipathie; (gefühlsmäßig) ablehnende haltung gegen personen oder gegen etwas, das man nicht mag oder nicht tun möchte’
; überwiegend abneigung gegen,
seltener abneigung vor (für)
und (im 18. jh.) abneigung zu etwas: 1641 das hülffwort ‘ich bin’ nimt an sich die geschlechtsendung
(genitivendung) deß nennwortes, wenn eine zu oder abneigung, beschaffenheit, eigenschafft .. dadurch angezeiget wird, als: .. ‘wir sind deß gnädigen erbietens gegen euch’ Schottel
sprachkunst 610. 1644 die augen von etwas wenden bedeutet mißgunst und abneigung Harsdörffer
gesprächsp. (1641)4,286. ⟨v1683⟩
(seine) abneigung gegen der in ihren augen allzu liebenswürdigen Antonia Lohenstein
Arminius (1689)1,395b. eine abneigung für ihr ebd. 1,392a. 1702 eine natürliche abneigung zu etwas haben Kramer
dict. 2,128c. 1749 abneigung vor dem christenthume
Barre, Dtld. 1,421. 1750 seine unüberwindliche abneigung, auf keine weise ein sonderling zu seyn Klopstock
br. 65 L. 1750 so mildert sie doch ihre abneigung für die arme verführte Hamann
4,26 N. 1778 er fühlt abneigung zu seiner vorigen bestimmung Lessing
3,485 L./ M. ⟨1781⟩ eifersucht und abneigung zwischen den beiden fürsten Wieland
I 10,191 ak. 1791 persönliche abneigung oder zuneigung Ehlers
staatswiss. aufs. 87. ⟨1826⟩ gegenseitige abneigung Hauff
1,203 F. 1870 da L. asthmatische abneigung gegen bergsteigen hat Engels
in: Marx/E.
(1956)32,506. 1898
(der sich) die abneigung seiner collegen .. zuzog Bismarck
gedanken (1920)1,327 va. ⟨1903⟩ seine sympathien und abneigungen kundzugeben Th. Mann
(1965)9,212. 1919 die Römer wunderten sich über die zähe abneigung der Deutschen, hinter mauern zu wohnen Dehio
kunst 1,13. 1950 zärtlichkeit zu zeigen .., davor hatte er eine unüberwindliche abneigung Graf
mitmenschen 54. 1965 die abneigung gegen uns Schuder
Tartuffe 6. —
der mehr lokalen auffassung zunächst nahe bleibend abneigung von: 1669 der haß ist eine entpfindende abneigung in unserer begier von demselben, so wir .. uns schimpflich achten Schottel
ethica 152 (vgl. 172). 1724
(abscheu, der) durch eine zurückziehung, abneigung oder reclination von der sache sich vorstellen lässet Ch. Wolff
gott, anm. 205. 1767
(Dions) abneigung von allen arten der sinnlichen ergötzungen, seine mässigung Wieland
Agathon (1766)2,94. 1782 von der Diede hab ich eine abneigung, die ich nicht überwinden kan Goethe
IV 5,292 W. u1810
(Priestleys) anmerkungen zeigen viel kenntniß, sorgfalt und abneigung von hypothetischen vorstellungen
ebd. II 4,481. H. Schmidt