ABDINGEN vb. mhd. abedingen,
mnd. afdingen.
DRW 1,32 ff. 1
ein vertragliches übereinkommen (insbesondere über zahlungsverpflichtungen) treffen: 1312 so sol er abdingen vmb pfenning mit dem herren .. nach des weins wert
font. rer. austr. II 18,140. ⟨1347⟩ chain hantwerch sol sich abdingen mit dem gericht umb die stat gesetzt; ez sol iederman sein puezz nach der schuld geben
stadtrecht München 164 A. ⟨16.jh.⟩ daz auch dieselben leut, als oft ir ainer o. meniger wandelvellig werden, mit ainem jeden pharrer .. darumb abdingen und abkömen sullen
öst. weist. 6,23. –
seltener trans.: ⟨16.jh.⟩ das .. alle schult, die man abtingt mit gelt allein dem gotthauß gevallen sein
öst. weist. 6,55. 1623 eine scheide von eines Frantzosenhaut, welcher .. von einem Deutschen (mit dem er solche scheide machen zu laßen abgedinget) entleibet worden Christian
d. j. zu Anhalt
tgb. 122 K. 2
etwas abhandeln, durch vereinbarung erlangen. a
schon früh im bereich der ordensliteratur sich (
auch leib und gut) abdingen ‘
sich durch unterhandlung freien abzug verschaffen’: ⟨A14.jh.⟩hs.2.h14.jh. do sie so haten gestriten/ .., das volc sich allez do irgab/ dingetin lib unde gut ab
Maccabäer 12326 LV. M14.jh. Nicolaus v. Jeroschin
kronike 17840 S. ⟨z.j.1454⟩ also rietten sy
(freunde) im
(hochmeister) .., kunde er sich mit yn allen abdingen, das er möchte ziehen̄ uff Marienburg
script. rer. pruss. 4,115 H./T. ⟨1492⟩ dut behemische her dat toch vor Embeke, de dungen sick aff vor eyne margklike summe geldes Bote
in: script. brunsv. 3,406 L. 1595 die Polen .. hatten .. keine entsatzung, derhalben dingten sie sich ab vnd zogen daruon Hennenberger
landtaffel 66. b
jmdm. etwas abhandeln, abkaufen oder -mieten: 1466 wy sy haben eyn orgelwerg abegedingit dem genantin Valtyn Fabian nemelichen vor XIX schogk
urkb. Freib. 3,381 E. 1619 man hat einen zimmerman, so vber der schule gebawet, darum .. ein stadtrecht vber ihn halten laßen, auch bedrewet dergleichen vber denjenigen zu halten, welcher dem zimmerman den baw abgedinget
acta publica 2,248 P. 1669 dingte ich dem wirth ein sonderlich stüblein ab Grimmelshausen
Simplicissimus 367 Sch. 1772 daß .. der fürst aus dem getreide ein monopolion macht, es seinen unterthanen wolfeil abdingt Haller
brw. 35 LV. jünger noch bildlich: ⟨1854⟩ benöthigt, dem uebermuth der verhaßten .. die unentgehrliche gnadenfrist abzudingen Mommsen
röm. gesch. 1(1856)540. c
von einer summe einen teil herunterhandeln, seit dem 18. jh. vielfach bildlich gebraucht: ⟨1577⟩ 45 ℔ bergscher karpen .. das ℔ 3 albus, abgedingt 29 heller
in: Wrede
altköln. 9b. 1665 die Armenier .. wolten jhnen auch von 30000. kronen keinen pfennig abdingen lassen Bucholtz
Herkuliskus 509a. 1800 daß ein fremder käufer auch immer markten und abdingen wird
(vom preis) Goethe
IV 15,47 W. 1842
(ein) handelsmann, der aufschlägt und abdingt Alexis
Woldemar 2,397. ⟨1934⟩ er hat nicht gehandelt mit mir und mich nicht abdingen lassen, was mir zuviel ist Th. Mann
ges. w. (1955)3,638. –sprichwörtlich: wat man afding’t, is verdeent
hamb. wb. 1,49. —
bildlich: ⟨1765⟩ an deiner eifrigsten dankbarkeit ihm
(wohltäter) .. etwas abzudingen Abbt
v. verdienste (1766)211. 1805
(die lobrede) ist durchaus wahr. kein wort ist abzudingen Goethe
I 45,24 W. 1956 vom wesentlichen aber läßt sich nichts abdingen Neubert
geschlechterfrage 119. 3
jmdm. (durch günstigere lohnvereinbarung) gesinde abspenstig machen: ⟨1362⟩ es ensol ouch nieman dem andern sin kneht .. abedingen
straßb. tucherzunft 9 Sch. ⟨n1443⟩ das niemant ainer dem anderen weder knecht noch diern .. sol abdingen
öst. weist. 6,18. 1574 es soll auch kein meister dem andern sein gesind .. one desselben .. willen abdingen
straßb. tucherzunft 222 Sch. ⟨v1605⟩ ich .. heiß Fritz Dölla,/ hab lang gedient bey dem Cuntz Rölla/ vnd sein nachbaur, der Hensse Zölla,/ hat mich jm nur abdingen wölla Ayrer
d. ä.
4,2838 LV. 4
zunftsprachlich, aus einem vertragsverhältnis entlassen: 1778
(es) werden auch gebühren für das auf- und abdingen .. den zutritt zu dem berufe kostbar machen
ephemeriden d. menschheit 7,96. 1796 daß .. nicht leicht einer von den auf- und abgedungenen meistern .. der
(lebens-) kunst sich neben ihnen
(pfuschern) sehen lassen darf Wieland
I 14,193 ak.Richter