zürnen,
v. ,
ahd. zurnen Graff 5, 694,
vereinzelt zornôn: umbe diu anderiu nezornotôst tu
de ceteris nihil movebare Notker 1, 47
Piper, mhd. zürnen, zurnen,
in md. quellen zornen
mhd. wb. 3, 908
a: Lexer 3, 1202,
mnd. tornen Sch.-L, 4, 581
a,
mnl. tornen Verwijs-Verdam 8, 586,
nl. toornen.
as. und ags. nicht belegt, wie es auch dem me. und neuengl. fehlt. auch scheint es den heutigen nd. maa. nur als refl. sik vertürnen
geläufig zu sein, das nach anlehnung ans hd. aussieht. daher ist die entstehung auf oberdeutschem gebiet zu vermuten. da das verb überall an den seelischen zustand des zornes anknüpft, und die ältere bedeutung '
kampf'
nicht mehr erkennen lässt, vgl. o. sp. 90,
so ist die bildung zu vergleichen mit ahd. angusten, goumen, mich lustit,
und zornon
mit got. luston,
ahd. hazzon, minnon, sunton
u. ä., vgl. Wilmanns
gr. 2, 59; 64.
gelegentlich erscheint entrundetes zirnen Diefenbach 294
c; S. Brant
narrenschiff 37
Z.; Murner
narrenbeschw. 76; 245
ndr. weit verbreitet ist dagegen in der literatur des 16.
u. 17.
jh. und bis ins 18.
hinein zörnen Luther 18, 497
W.: Fischart
praktik 20
ndr.; Eulenspiegel 6
Hauffen; Dedekind
christl. ritter (1590) c 7
b; Petri 2, Pp 8
b; Butschky
Pathmos (1677) 430; Triller
poet. betrachtungen 2, 544; 5, 306;
allg. dtsche bibl. 66, 255 (
citat aus einer in Wien erschienenen hauspostille, der eine stark provinzielle sprache vorgehalten wird).
s. auch die beleg hierunter. es wird auch von den wbb. seit Hulsius (1618) 2, 362
b neben zürnen
genannt, mehrfach bei Kramer 2, 1473
b und c,
zuletzt bei Steinbach 2, 1121. Stieler
aber gibt nur zürnen.
bedeutung und verwendung. 11) zürnen
ist der zustand des zorns, s. o. sp. 92
ff. die älteren wbb. geben es für irasci Diefenbach 309
a; Calepinus
XI ling. (1598) 768
b,
indignari 712
b;
stomachari Frisius 1246
a u. ä.: denn sie zürnen und streiten allein darumb, das wir inen ir gesetz abthun wollen 1.
Makk. 7, 59; guot freund, so sie mit einander uneins werden, zürnen sie hefftiger dann andere Seb. Franck
sprüchw. (1545) 1, 36
a; von stund an fieng er an zürnen Boltz
Terenz (1539) 46
a; heimlich z. Kramer 2, 1473
b; etliche tage z. 2, 1473
c; sie zürnt und droht dem frechen wichte Pfeffel
poet. versuche 8, 44; auch ich begrüsze dich, wenn ich schon zürne Göthe 10, 128
W. die christliche sittenlehre sieht im zürnen
eine sünde, vgl. zorn 5
sp. 95
f.: wöllen zürnen das ist sund meister Eckhart
reden der unterscheidung 32
Diederichs; (
prie ster) hastu also auch nit getzürnet? (
Metz) ich kan nit zürnen, so gütig bin ich (
beichte) Albrecht v. Eyb
dtsche schr. 2, 147
Herrmann; in dyser anfechtung narret man tzwey mal: zum ersten, wan man spricht 'ja ich wolt wol frum seyn und nicht tzurnen, wan ich fride hette' Luther 2, 124
W.; fressen, sauffen, zürnen, unkeuschen Guarinonius
grewel der verwüstung (1610) 52.
aber sie erkennt es auch als berechtigten eifer gegen das böse an: der prophete und
s. Paulus sprechent mit einander, das wir súllen zúrnen und nút súnden, das ist: in der zúrnender kraft súllen wir haben ein widerzemkeit zuo allem dem, das gotte wider ist Tauler
pred. 260
Vetter. ähnlich: wo liebe zorn foddert, da soll ich zörnen, wo nicht, soll ichs lassen Luther 12, 128
W. der gegensatz zu zürnen
ist vergeben
und verzeihen: ein weych gemüt zu zürnen und zu verzeyhen Maaler 524
b; ein hertz von böser lust und bitterkeit befreyet, das nicht so balde zürnt, als auf der that verzeihet Rachel
sat. ged. 83
ndr.; zürnen und vergeben sind bei einem unveränderlichen wesen doch wahrlich nichts als vorstellungsart Göthe 37, 249
W. eifern
ist im ggs. zu zürnen
das alterthümliche wort aus der Lutherbibel, vgl. th. 3, 90,
ausserdem bezeichnet es mehr den ausdruck des zorns durch worte, s. Heynatz
synonym. wb. 2, 159
a. 22)
zu dem allgemeinen begriff des zürnens treten besondere vorstellungen hinzu. 2@aa) zürnen
für in zorn geraten, selten deutlich: der leicht zürnt, sündt leicht Seb. Franck
sprüchw. (1545) 1, 28
b; wems übel geht, der zörnet bald Lehmann
florilegium (1662) 3, 469; und wie ein voller zörnt vil eh, wan man im nur tritt auf ein zeh, also zörnt bald auch der glidsüchtig, wan man in angreift nicht gar züchtig Fischart
podagr. trostbüchl. 29
Hauffen; man lässt alles in der welt gehen, bis es schädlich wird; dann zürnt man und schlägt drein Göthe 21, 149
W.; da zürnten sie und hielten rat und schickten die giftige seuche her von mitternacht Mörike 3, 105
Göschen. 2@bb) zürnen
bezieht sich auf den ausdruck des zorns im spiel der mienen und gebärden, vgl. o. sp. 92: so lass ich dan zurnen und saur sehen, ders nit lassen will Luther 33, 645
W.; wenn aber sie für ihre person getroffen werden, so hengen sie das maul und zürnen
F. Rhot
Jesus Sirach 1, 28
b; fangt auch maulhang und zürnen, hängts an ein baum dabei Hoffmann v. Fallersleben
gesellschaftslieder 2, 9 (1609); er zürnt mit geballter faust und klagt mit einem lauten gebrülle H. P. Sturz
schr. 1, 95; ... die göttin wandte sich zürnend Göthe 2, 133
W.; ich soll zurückgehn, winkt sie mit der hand; ich weisz nicht, ob sie warne oder zürne H. Heine 1, 89
E. in diesem sinn wird ihm das lachen
gegenübergesetzt: april, der zörnt zuvor, eh mai wil wieder lachen Logau 203
Eitner; wer nicht lachen wil, wen gott pfeifft, der musz zürnen, wenn gott schilt Petri 1, G 6
a. 2@cc)
es bezieht sich auf die heftige bethätigung des zorns: weget es selber, ob ich icht billichen zurne, wute und clage
ackermann aus Böhmen 3
Bernt; das gesetz, das da zörnet und würget Luther 24, 578
W.; die menschen gebürth holdselig und freundlich seyn, wilde thier mögen zürnen und wüten Petri 2, u 3
a; so werde ich nicht zürnen — ich werde rasen Lessing 2, 281
M. 2@dd)
vor allem durch laute worte, wie schelten, fluchen u. ä.: obsannare zurnen mit geschrey und bosen worten Diefenbach 389
a; der wirt fluocht und zürnt uber das gesind Pauli
schimpf u. ernst 226
lit. ver.; dann Cuno hertzog von Beiern war mit ernst, zurnet und spottet uberausz uber die wal H. Gholtz
lebendige bilder (1557) k 3
b; beyn spilern (
findet man) zürnen, hadern und schweren H. Sachs 3, 111
K.; wenn der mann zürnt und poldert, so ist schweigen einer vernünftigen frawen beste antwort Lehmann
floril. (1662) 2, 891.
so erscheint es als redeeinführung: 'und nicht mit unrecht', zürnte der herzog Gaudy 3, 133. 2@ee) zürnen
bezeichnet zugleich die unartikulierten laute, wie sie der zornige von sich gibt: mundus sie zurne und schnur wie sie wol, ich acht ir nicht Luther 17, 1, 320
W. (
vgl.das er schnurrig und zornig ist 323; schnurren und murren 33, 677
W.); der löwe zürnt und brüllt Ramler
fabellese 1, 154; dasz viele andere ... ungerecht gemurrt und gezürnt haben E.
M. Arndt 1, 211
R.-M. ähnlich: wann eicheln nicht gnug des magens zürnen stilten Treuer
dtscher Dädalus 1, 79; da stampfte kein fusz, entfuhr kein rauschend schwert der scheide, zürnte kein racheschwur Kretschmann
s. w. 1, 156; im tenor ist er äuszerst angenehm, und in der tiefe zürnt er Schubart
ästhetik d. tonkunst 162.
besonders in der schilderung unruhiger vorgänge in der natur, vgl. zorn I 12,
sp. 98: in fabeln zürnt das meer, die felsen werden schwanger Lichtwer
äsop. fabeln (1748) 133; und nur noch aus weiter ferne zürnte murmelnd der donner E. Th. A. Hoffmann 14, 30
Grisebach; die eingepreszte Salza zischt und zürnt, windet und krampft sich wie in einem gefängnis Kürnberger
siegelringe 473. 2@ff)
nach Klopstocks
beispiel tritt der begriff des vorgangs, selbst der wirksamen handlung hinzu: zürnt ihn weiser (
macht ihn durch euren zorn weiser) Klopstock
oden 1, 103
M.-P.; auf ungezähmten rossen, mit der flamme des schwerts, zürnet hinter euch ein zweyter Ferdinand aus diesem götterstamme Ramler
lyr. ged. 122; zürne dich aus diesem ton der zerknirschung Klinger
s. w. 2, 26. 33)
besondere verwendungen. 3@aa)
gott zürnt: denn der herr wird sich auffmachen wie auf dem berge Prazim und zürnen wie im tal Gibeon
Jes. 28, 21; herr wie lange wiltu so gar zürnen? und deinen eiver wie feur brennen lassen?
ps. 79, 5; besser gott zürne mit uns, denn wir mit ihm: denn er ist barmhertzig Petri 1, a 4
a,
ähnl. 1 D 3
b; G 1
a; zürnest du herr, weil nacht dein gewand ist? Klopstock
oden 1, 136
M.-P.; horch! der liebe gott zürnt, sagt man kindern, wenn es donnert Lichtenberg
verm. schr. 5, 205 (
vgl. 2 e).
in weiterer verwendung, vgl. zorn II 10,
sp. 102; zorn, wie Jesus Christus zörnte ..., zörnte mit liebe über die jünger Lavater
verm. schr. 2, 401; alles erzählt er den musen, und dasz die götter nicht zürnen, lehren die musen ihn gleich bescheiden geheimnisse sprechen Göthe 2, 128
W. ähnl.: so wird (
im kalender) ... zu lesen seyn, wie dasz die planeten uns so miszgönstig, ... bald zürnet die sonn Abr. a
s. Clara
mercks Wien (1680) 144; grosse herren sollen nicht gleich zürnen, wenn man nicht thut, was sie wollen Friedrich Wilhelm
sprichw.-reg. (1577)
u. nr. 270; der wilde sinn des königs tödtet uns, ein weib wird uns nicht retten, wenn er zürnt Göthe 10, 34
W.; (
ich) muszte noch gott danken, wenn mein schwiegervater nicht zürnte 25, 163
W.; sie ... hörten ... nicht, dasz die herrin zürnend fragte: wer denn schon feierabend geboten? W. Alexis
die hosen d. hrn. v. Bredow 1, 68. 3@bb)
liebe zürnt,
s. o. sp. 94: herr Reinmund aber soll rahten, was das seye, das da fliehet und verfolget wird, droht und bittet, ..., zürnet und erbarmet (
antw. die liebe) Harsdörfer
gesprechspiele 1, 285; wie sich das weib stellt, zurückhält, zürnt, nachgibt, wie sie löschend zündet, stillend reizt, ... das alles ... musz man hart neben einem der geisttödtenden romane lesen Gervinus
gesch. d. dtschen dichtung 2, 228. 3@cc)
das zürnen
des bösen ist machtlos, man achtet nicht darauf: lasst zürnen teufel und die hell: gotts son ist worden eur gesell Luther
bei Ph. Wackernagel
dtsches kirchenl. 3, 29: gleichwol sprach er (
Lucifer): 'nun zörn wer wöll, disz hütlein bleibt doch unser gsell' Fischart
Jesuiterhütlein 973;
sprichwörtlich vom machtlosen zürnen: es sind zwo welt, eine zürnt, die ander gibt nichts darauf
schöne weise klugreden (1548) 79
b (
ähnl. Göthe
gespr. 3, 259
Biedermann); du must lang zürnen, bisz du einem ein bein abzürnest Petri 2, S 1
a; ohne macht und starke hand ist mit zürnen nichts bewandt Spanutius (1720) 634. 3@dd)
einen besondern klang hat die bitte zürne nicht!: zürne nicht, herr, das ich noch mehr rede
1. Mos. 18, 30; zürn nicht, mein man, bedenck dich basz H. Sachs 6, 139
K.; zürne nicht deinem unschuldigen weibe O. Ludwig 2, 444
E. Schm. unter liebenden: ach, Doris, zörne nicht, ich habe mich vergangen Rost
verm. ged. (1769) 4; sag an, geliebter, und zürne nicht, was macht das herz dir schwer?
M. graf v. Strachwitz
ged. (1850) 203.
sie wird zu einer formel der entschuldigung, überhaupt des höflichen ausdrucks: sy söllend nit zürnen, das ich sag
pace horum dixisse liceat Maaler 524
b; und zürnent nit, das ich euch frag
Fortunatus 123
ndr.; zürnt nicht, ich nahm ihn leise weg Göthe 8, 9
W.; sie müssen mir daher nicht zürnen, wenn Humboldt
an Welcker 67.
mundartlich, im Elsasz und der Schweiz als abschiedsgrusz: zürnet nit Martin-Lienhart 2, 914
b; Schmeller-Fr. 2, 1151; Seiler 329
b: alde, lieben nachpuren und zürnend nüt Nikl. Manuel 519
Bächtold; behüt euch gott wohl und zürnet nicht! G. Keller 5, 163. 3@ee)
sprichwörtliches: die langsam zürnen, zürnen lang
sch. weise klugr. (1548) 126
a (
mehrfach belegt); bald zürnen ist halb angetast Eyering
prov. copia 1, 14; die leichtlich zürnen, die reiten auch, aber nicht fern
sch. weise klugr. 92
a; kleine leuth zürnen bald 93
b; ein schaaf zürnet auch Spanutius 529; nit zürnen und vil hören macht ain guoten obersten G. Mayr
sprüchw. (1567) E 7
a.
weiteres bei Wander 5, 647. 44)
syntaktische verbindungen. 4@aa)
die person, gegen die der zorn sich richtet, steht im dativ: so zürnte ich für war dir nit klain Nikl. v. Wyle
translat. 73
K.; dem wohlmeinenden minister zürnten beide parteien Treitschke
dtsche gesch. 3, 417.
ebenso der persönlich gedachte anlasz: sein stolzer geist zürnte der schwäche seines herzens Klinger
w. 3, 14; nicht der trügerischen gestalt, sich selbst zürnt er und seiner thörichten leichtgläubigkeit fürst Pückler
briefw. u. tageb. 1, 435.
oder sie schlieszt sich an die präp. auf: der alwegen in sorgen ist, das sein freunt auf in nit zürne Tauler
serm. (1508) 118
b; was hab ich verbrochen, dasz sie auf mich zürnen? Göthe 38, 81
W.; zürne nicht auf einen vater, der sich in seinen besten planen betrogen findet Schiller 2, 19
G. seltener ist gegen und das veraltete wider: ir söllend nit zürnen gegen einander Zwingli
dtsche schr. 1, 209; gegentheils zürnt er gegen die tyrannen Herder 12, 11
S.; zoren peinigt mer den menschen der da zürnet, dann den da wider man zürnet Albr. v. Eyb
spiegel der sitten (1511) E 6
b; wider einen zürnen, uber einen erzürnt werden
succensere Maaler 524
b; dass er wider einen ungerechten mänschen zörne Moscherosch
insomnis cura 32
ndr. 4@bb)
das persönliche verhältnis als einen gemeinsamen zustand drückt die präp. mit aus, vgl. mit einem streiten, zanken,
s. th. 6, 2327: du ensolt mit keinem menschen zrnen, unz er welle din rehtes oge us brechen Seuse
dtsche schr. 105
Bihlm.; liebs weib, warumb zürnestu mit mir? Albr. v. Eyb
dtsche schr. 2, 90
Herrmann; wer mit seinem bruder zörnet, der ist des gerichts schuldig
Matth. 5, 22; an seine Marilis, als er mit ihr zürnen muste (
überschrift) Chr. Weise
der grünenden jugend überfl. gedanken 25
ndr.; zürnen könnt ich nicht mit ihnen, böse könnt ich nicht auf sie werden Heinse 9, 113
Sch. besonders mit gott, dem schicksal: hat er auch mit got gezürnet? Wickram 2, 132
B.; .. beyher mit gott auch wohl gerechtet, gezürnt, getobt, mich und die welt verwünscht Lessing 3, 139
M.; sieh, ich zürnte mit dem schicksal Schiller 12, 101
G. mit sich selber: er seufzt, er stöhnt, er quält sich nur, und zürnt mit sich und der natur Lichtwer
äsop. fabeln (1748) 46; ich habe wider Nathan nichts.ich zürn allein mit mir Lessing 3, 124
M. in demselben sinne an, wie im mhd., veraltet und nur auf alemann. gebiet: muoter, zürnend nüt an mich! Nikl. Manuel 137
Bächtold; do nun der vatter des innen ward, zürnt er gar vast an des suns frow Tschudi
chron. helvet. (1734) 1, 121; aber sie soll es einmal auch an der Gertrud nicht zürnen und es ihr nicht nachtragen, dasz sie seinethalben an sie gedacht Pestalozzi
Lienhart u. Gertrud 3, 130. 4@cc)
der anlasz des zornes wird heute allgemein durch über angeknüpft: das deshalben ein ehweib nicht so leichtlich darüber zörnen noch unwillig werden solt Fischart
ehzuchtbüchl. 138
H.; über diese meine kranken worte zürnte der herr mit mir Göthe 43, 116
W.; die weichliche erziehung ..., über die Fichte ... zürnt Immermann 18, 106
H. in derselben bedeutung von personen: das ist der gröszeste zorn, wenn sich gott lest ansehen, als zürnte er nicht mehr uber die gottlosen Petri 1, A 5 b; er siehet diesen verrähter und bösewicht kommen, und zürnet nicht über ihn Schupp
schr. (1663) 65; wie sehr ich über mich selbst zürnte Pfeffel
pros. schr. 5, 89.
seltener sind verbindungen mit wegen: ob er ihr wegen ihrer dazwischenkunft zürne G. Keller 6, 206.
veraltet sind ab, ob, um: ich zürnen ab keinem ding mer, es gibt mir nichts mer ze schaffen Maaler 524
d; das under denselben eins riters tochter was, die zörnet ab dem pretspil mit eim heiszköpffigem edelman Marquard vom Stein
ritter vom turn (1489) b 2
b; darob Haincz Unru zürnen thet H. Sachs
fabeln 2, 399
ndr.; so ergrimme und zörne ich ob meinem unvermögen G. Harsdörfer
teutsche secretarius 2, 80; alsdenn soldestu gegen deiner hausfrauen umb ir miszhandlung auch nit zürnen Berthold v. Chiemsee 289; das man sein billich lachen und darumb nit zürnen soll Jac. Frey
gartengesellsch. 7
lit. ver. vereinzelt halb: niemandt sol diser worten halb zürnen
venia sit dicto Maaler 524
d. 4@dd)
der anlasz wird durch abhängige sätze ausgedrückt: du solt nit zürnen, was ich reden wirdt
pace tua dixerim Maaler; du wirst doch nicht zürnen, ... dasz ich ihm ... deine briefe zu lesen gab? Pfeffel
pros. schr. 9, 56; aber er zürnte, wenn jemand anders sie bemerkte A. G. Meiszner
Alcibiades (1781) 1, 108. 4@ee)
bis ins 14.
jh. brauchte man dafür den acc. gr. 4, 613; Wilmanns
dtsche gr. 3, 488: ... er theso dáti zurnta Otfrid IV 35, 2; ob du hettist gewünschet unt ouch bettist, das allú ding von gottes unt in gottes willen beschehen, unt ob es beschicht, das enzúrne nit meister Eckhart
buch der göttl. tröstung 13
Strauch. das hat sich in der verbindung es zürnen
in der Schweiz gehalten Sachs-Villatte
dtsch-fr. wb. 2097: ich zürne dir es nicht C.
F. Meyer
nov. 2, 146
; zschr. f. dtsche wortforsch. 2, 330.
ältere belege: das ers an üch nit zürnen wett H. R. Manuel
weinspiel v. 741
ndr.; keiner zürne es Ulr. Bräker
s. schr. 1, 273.
damit steht nicht im zusammenhang der gelegentliche acc. bei Klopstock: ... nur Philo vermag, unüberwältigt vom schrecken, diese worte zu zürnen
Messias 6, 133. 4@ff)
die im mhd. mehrfach belegte verbindung mit dem genetiv wurde von dichtern des 18.
jh. erneut: desz zürnet Apollon Bürger 219
a Bohtz; zürne des jünglings nicht Hölty 90
Halm; 55)
refl. sich zürnen,
im ahd. vereinzelt belegt gr. 4, 35,
ist nicht selten im mhd., mhd. wb. 3, 908
a, Lexer 3, 1202,
sowie mnd., mnl. sik tornen Schiller-L. 4, 581
a, Verwijs-Verdam 587.
in neuerer zeit nur aus Österreich belegt: ich wünsche, dasz ... du dich mit deinen dienstboten nicht zürnst Mozart (
an seine frau) bei O. Jahn
Mozart 3, 171; zürnen sie sich nicht Ph. Hafner
ges. lustsp. 1, 192.
belege aus F. Raimund
zschr. f. dtsche wortf. 12, 69.
dafür sich erzürnen, verzürnen.
s. auch Schmeller-Fr. 2, 1151. 66)
trans. zürnen
wie erzürnen,
gelegentlich mhd.: er zürne in (
den freund) dâ (
insgeheim) vil sêre und halte in vor den liuten wert Spervogel
minnes. frühl. 24, 2; sêre daz zurnet in Ottokar
österr. reimchr. 75124
S. lexicalisch angemerkt: concitare reiszen, czornen Diefenbach 139
a;
incitare 242
a;
exacerbare 213
b;
accuorare zürnen, ungeduldig machen Catelli
it.-teutsch wb. 1, 13
b.
später noch: ir wöllt aber mich zürnen nit H. Sachs
fastnachtsp. 452
ndr. mundartl. Schmeller-Fr. 2, 1151: mich zürnt es, dasz dieser einzige Mozart noch nicht bey einem ... hofe engagirt ist Haydn
bei O. Jahn
Mozart 3, 313. 77)
das part. zürnend
als adj. wie zornig: doch sol man do kein zancken machen, kein hader, krieg, zürnend gebrecht Seb. Brant
narrenschiff 29
Z.; die zürnende see Schiller 3, 136
G.; zürnende blicke Fouqué
altsächs. bildersaal 2, 28; eingehüllt in schwere rauchwolken, aus denen von zeit zu zeit ein fluch, ein zürnender ausruf ... sich vernehmen liesz Ebner-Eschenbach
ges. schr. 3, 8; mit zürnendem blick Tieck
schr. 19, 11; Herder 26, 348
S.; mit zürnendem abscheu Wieland
Agathon (1766) 1, 37
u. ä. als subst. der, die zürnende. 88)
der inf. zürnen als subst. verwandt, früher in rein verbaler vorstellung: aus groszen und langen zürnen entspringet ein leibliche schiedung Barth
weiberspiegel (1565) K 8
a; ouch nempt üch zürnens zuo mir an, als ich üch unrecht hab gethan Murner
narrenbeschwörung 130
ndr. in neuerer zeit von zorn
kaum zu unterscheiden, meist in der dichtung: stürmet die liebste mit heftigem zürnen
Venusgärtlein 16
ndr.; doch der väter feindlich zürnen trennte das verbundne paar Schiller 11, 338
G.; mit gerunzelt düstren stirnen schaun die götter auf dich nieder, dich bedroht das höchste zürnen H. Heine 1, 314
E. —