zirpen,
vb. ,
schallnachahmendes wort; vor allem zur bezeichnung der ähnlich klingenden geräuschlaute der grillen und verwandter insekten (
vgl. zirpe,
f.),
doch neben anderen wörtern (zilken, zirren, tschirpen, schirken
usw.)
auch schon früh in der anwendung auf vogellaute. ähnliche schallwörter im romanischen bei Meyer-Lübke
roman. etym. wb. nr. 9625.
lexikalisch zuerst bei Stieler: zilken ... zirken ... zirpen ... zitschen
usw., stammb. (1691) 2649; Kramer
teutschit. 2 (1702) 1465
a.
vereinzelt mundartlich: sirpen, ssirpen
zirpen, einen schrillenden ton hören lassen Doornkaat Koolman
ostfries. 3, 188
a; zirpen
schwach singen, zwitschern, zirpen Mi
Mecklenburg 110
b;
piepen Blumer
nordwestböhm. 96
b; zörpe
zirpen Fischer
Samland 160
b.
s. auch tschirpen
teil 11, 1, 2,
sp. 1443. 11)
von grillen (
bes. heimchen),
zikaden, heuschrecken: die zirpende, schreyende, singende, springende, hüpffende grille Treuer
dt. Dädalus (1675) 1, 527; und wenn der heissre grill am feurheerdt zirpt und schwirrt Warnecke
poet. versuch (1704) 390; überall herrschte feierliche stille, nur hier und da scirpte eine grille Kortum
Jobsiade (1799) 3, 63; wie grillen, sitzend auf dem baum im hain, herunter zirpen ihren silbersang Bürger
s. w. 152
b Bohtz; das heimchen zirpte kläglich, das lange nicht gezirpt Hölty
ged. 13
Halm; und wenn dereinst, im leisen abendthale, ihr trauerlied die dunkle grille zirpt Tiedge
w. (1823) 2, 51; laut erklang durch die ruhige einsamkeit des waldes das zirpende lied des heimchens Tieck
schr. (1828) 8, 4; da waren ... die gröszern und kleinern heuschrecken, in miszfarbiges grün gekleidete heiduken, lustig und rastlos zirpend und schleifend Stifter
s. w. 1 (1904) 176; das heimchen, das ... melancholisch zirpte H. Heine
s. w. 7, 415
Elster; jede zikade, die im sommergras zirpt H. Hesse
glasperlenspiel (1943) 1, 140.
im vergleich: ich lebe still vor mich hin und zirpe wie eine grille G. Freytag
ges. w. 4 (1887) 347.
ungewöhnlich: gestehen sie es nur, der karren steckt im schlamme, und nichts ist possierlicher, als die kannengieszernden heupferde herabspringen zu sehen, in der hoffnung, ihn in bewegung zu zirpen J. G. Forster
s. schr. (1843) 6, 315. 22)
von verschiedenen kleineren vögeln, besonders singvögeln: (
der sperling zu seinem sohn:) fleuchstu in die kirchen vnnd hilffest spinnen vnnd die sumsenden fliegen auffreumen vnd zirpst zu gott ... so wirstu wol bleyben Mathesius
ausgew. w. 3, 153
Loesche; ein geheimnisz, ... von dem der sperling auf den dächern schon zirpt Cramer
Neseggab (1791) 8, 69; nur der emmerling zirpt oben im erlenstrauch Salis
ged. (1793) 39; die vöglein all im grünen wald, sie hüpften, zirpten lieder Herder 25, 210
S.; vor meiner hütte zirpt die lerche leise Gaudy
s. w. (1844) 1, 180; während ... die meisen in den nächsten bäumen zirpten Steub
wanderungen (1862) 122; drosseln huschten zirpend und krächzend durch die büsche Storm
s. w. (1898) 5, 262.
im vergleich: schüttelte die kälte ihren (
eines mädchens) körper und löste ein leises wimmern wie das zirpen eines schlafenden vögelchens E. Strausz
Hans u. Grete (1919) 122.
besonders von jungen vögeln und kücken: junge kanarienhähne verraten schon als nestlinge ihr geschlecht durch ... knurrendes zirpen Brehm
tierl. 4, 25
P.-L.; träumerisch im nest der schwalbe zirpt die brut und zwitschert leise Weber
Dreizehnlinden (1907) 64; zu hören war nichts als nur das knicken des unterholzes, das er durchschritt, auch wohl das zirpen einer eulenbrut Storm
s. w. (1898) 6, 275; in den sommermonaten ... vernimmst du keinen laut ... auszer ... dem leisen zirpen der in den mauernesseln aus- und einschlüpfenden küchlein A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 2, 370. 33)
von mäusen: laut zirpt die maus, wenn die katze nicht raschelt Düringsfeld
sprichw. (1875) 1, 472
a; mäuse zirpten hinter der wand der kammer W. Raabe
hungerpastor (1864) 1, 113. 44)
in gelegentlicher anwendung auf ungewöhnliche menschliche laute (
meist hohen, sonst aber verschiedenartigen tönen): so wenig ... die unnöthige, gewaltsame und unnatürliche hinaufschraubung des gesangs zu schrillenden und zirpenden hochtönen irgend zu entschuldigen ist Vischer
ästhetik (1846) 3, 851; auch hat ihn wirklich gott mit einer art von stimme begabt, die so die mitte hält von zirpen und blöken Bauernfeld
ges. schr. (1871) 1, 160; er ... war nur einem verständlich, ihm, ja selbst der gemeinde nicht, da er auf der kanzel nicht sprach, sondern zirpte Gutzkow
ges. w. (1872) 5, 181; ihr zirpt wie die mädchen, die zum erstenmal im reigen springen G. Freytag
ges. w. 9 (1887) 213; der dolmetscher übersetzte in das zirpen und gurgeln und zungenschlagen, daraus die sprache der wilden zwerge besteht
qu. v. j. 1926; aber du hast doch eben gesagt, dasz du heute noch geld bekommen wirst, Maura? zirpte Elfriede mit dünner stimme El. Langgässer
d. unauslöschl. siegel (1946) 117. 55)
selten von anderen lauten und geräuschen; vom ton einiger musikinstrumente: wie zirpen die heischeren flöten, quer über den mäulern voll durst! Kretschmann
s. w. (1784) 5, 68; und der Mostbartl risz in seiner begeisterung eine alte zither von der wand, die nur mehr zirpen und wimmern konnte Anzengruber
ges. w. (1890) 3, 290; kein lachen, kein singen, kein zirpen der mandoline, nicht einmal das geflüster des brunnens hörte ich Ric. Huch
triumphgasse (1902) 2.
vom geräusch fliegender geschosse: hinter dem ausgedehnten park tobt noch heftiges feuer und einzelne 'ausreiszer' summen mit zornigem zirpen über uns weg
qu. v. j. 1917.
ungewöhnlich in dichterisch freier übertragung: das wunderbar verschwiegene fragen ... hörte nicht auf im blut zu zirpen Werfel
geschw. v. Neapel (1931) 392.