Zerstreuen, v. I) trs. aus einander streuen, und dadurch die Vereinigung, in der es war, ganz aufheben. Die Körner, den Samen zerstreuen. Der Wind hat die Wolken zerstreuet, er hat sie aus einander getrieben und vertrieben. I weiterer und uneigentlicher Bedeutung. 1) Ohne die gehörige Ordnung austheilen, vertheilen, anbringen. Der Mahler zerstreuet die Lichter, wenn er sie an mehrern Orten ungehörig anbringet, anstatt daß sie sich von einem Punkte aus gehörig verbreiten sollen. I der Pflanzenlehre stehen die Äste zerstreut (sparsi), wenn sie ohne Ordnung bald hier bald dort stehen; ein Moosstengel ist zerstreut, wenn er ästig ist, die Äste aber ohne alle Ordnung weitläufig stehen. Eben so heißen Blätter zerstreut, wenn sie ohne Ordnung am Stengel sitzen. 2) Theilen und dadurch unwirksam oder auch unmerklich machen. Die zerstreuten Lichtstrahlen sind nicht vermögend das zu bewirken, was die durch einen Brennspiegel auf einen Punkt vereinigten bewirken. Die zerstreuten Kräfte sammeln. »Wir müssen den Verstand anwenden, durch sein Licht den falschen Glanz des Lasters zu zerstreuen.« Gellert. Jemandes Furcht, Besorgniß zerstreuen. Seine Aufmerksamkeit zerstreuen, sie dadurch, daß man sie zugleich auf eine andere Sache richtet, als auf die, welche man vorhat, oder auf welche man sie richten soll, schwächen, und dann keins ganz und auf die rechte Art bemerken und thun. Zerstreuet sein, seine Gedanken, seine Aufmerksamkeit nicht auf den Gegenstand gerichtet haben, auf welchen sie gerichtet sein sollen. Sich zerstreuen lassen, seine Gedanken, seine Aufmerksamkeit durch Eindrücke von außen und damit verbundene fremde Gedanken von einem Gegenstande abziehen lassen. Dies zerstreuet mich zu sehr. »Ein Kunstwerk ist einfach, wenn es den Kunstliebhaber nicht durch Verschiedenheit der Gegenstände zerstreuet.« Ungen. (R.) »Wer in einer Gesellschaft, der er Achtung schuldig ist, in Gedanken ist, und wenn er sich auch mit den erhabensten Gedanken beschäftigt, der ist zerstreut; denn er zerstreut seine Aufmerksamkeit, indem er sie auf einen Gegenstand richtet, auf den er sie jetzt nicht richten soll, und von solchen Gegenständen abzieht, von denen (auf die) er sie jetzt richten soll. — — Wer aber, wenn er allein ist, und sich mit einem Gegenstande beschäftigt, der alles sein Nachdenken erfodert, der muß in Gedanken sein, und wenn er es nicht ist, so ist er zerstreut.« Eberhard. I engerer Bedeutung, die Gedanken, die Aufmerksamkeit absichtlich auf etwas Anderes lenken, sie dadurch theilen, um die Wirkung der ausschließlich auf eine Sache gerichteten Aufmerksamkeit zu schwächen oder aufzuheben. Einen Betrübten, Bekümmerten zerstreuen, seine Gedanken von dem Gegenstande seiner Betrübniß, Bekümmerniß ablenken, und sie dadurch theilen und in der Wirkung schwächen. Sich ein wenig zerstreuen. »Es ko= stete Mühe ihn zu zerstreuen.« Meißner. (R.) So auch in weiterer Bedeutung. Das Auge zerstreuet sich, wenn es durch zu viele Gegenstände gereizt wird, und keinen recht betrachtet, erkennt und unterscheidet. »Das Auge zerstreuet und verwirrt sich an Farben, Dingen, Gestalten « Herder. II) rec. Sich zerstreuen. 1) Aus einander gehen, indem der eine hier= der andere dorthin gehet. Das Heer zerstreuete sich. »Die Gesellschaft zerstreute sich.« Seume. (R.) 2) Uneigentlich, seine Gedanken von einem unangenehmen Gegenstande ab und auf angenehme oder gleichgültige Dinge zu richten suchen. I Gefühl des Kummers muß man sich zu zerstreuen suchen. — D. Zerstreuen. D. — ung. S.
d.