zerhauen,
verb. ,
entzwei, in stücke hauen; mhd. ze(r)houwen,
mnd. tohouwen,
mnld. tehouwen;
zur flexion vgl. die angaben th. 4, 2, 1, 574,
die inbezug auf -g-
allerdings dessen jungen dialektischen ursprung verkennen; die schwachen formen (
prät.: zerhauten
chron. d. st. Eger 25;
partic. perf.: zerhaut
hl. Birgitte 1, 134; J. Nas
antipap. 2,
g 5
b [
neben zerhauen 5, 150
a];
u. a.)
gehn auf mhd. houwen (
mhd. wb. 1, 722
b; Lexer 1, 1358),
ahd. houwôn, houwen (Graff 4, 707)
zurück; sonstige auffällige formen: prät.: zerhügent (
els.)
text des passions u. lidens Christi (1513) B 3
a;
part. prät.: zerhaît Melissus
psalm. 179
ndr.; zerheiben J. Herold
chron. 120
K. 11)
körper von menschen oder thieren, a)
eig. von menschen, α)
gewöhnlich mit dem zusatz zu stücken, in stücke(n), auf stücken: Nabuchodonosers sun zerhiewe sinen vatter in 300 stucke (
Straszburg)
chron. d. st. 8, 282; alsobald zerhüwe Samuel den Agag zuo stücken Wickram 3, 211
B.; das der Türcke ... yhre (
der Christen) kindlin zuhewet, zusticht Luther 30, 2, 177
W.; concido zerstücklen, zerhauwen, zerschneyden, zerhacken Frisius 277
a; 303
b; 327
b; 429
a; 724
a;
öft.; in stcke z. Schütz
hist. rer. pruss. 1, G 4
b; auf stcken zurhauwen Rätel
Curäi chron. d. herz. Schles. 97; sollen ... den leib in kleine stcken zerhauet haben Chr. Hartknoch
preusz. kirchenhist. (1684) 18; in stücke z.: Chr. Weise
erzn. 89
ndr.; in stücken z. Göthe 7, 26
W.; vielfach bezeugt; recht häufig als betheuerung: ich wolde mich zersnîden ê lâzen und zerhouwen
Reinfried v. Braunschweig 7669
B.; Holtei
erz. schr. 7, 114;
β)
gemeinhin ohne dasz erkennbar ist, ob zerstücklung vorliegt; tiefe wunden schlagen, dasz das fleisch in fetzen hängt, zusammenhauen, töten: Konrad v. Würzburg
troj. krieg 13 192; der herr ... wirdt in zerhauwen (zerscheitern Luther)
Luk. 12, 46
Zürch. bib. (1531); H. Sachs 20, 336; 18, 453
G.; khm. 1, 200;
ferner: er ligt in gruner aue, sein leyb ist im zerhauen Forster
frische liedl. 140
ndr.; C.
F. Meyer
Jürg Jenatsch 94;
bildl.: dieses in tausend wunden z-e ... Preuszen E.
M. Arndt 1, 167
R.-M.; γ)
noch weiter gemildert die haut durch schläge zertheilen, zerfetzen, übel verletzen: die haut mit peitschen z. Moscherosch
ges. 622; Heinse 3, 423
Sch.; mit dem ganz z-en gesicht eines alten korpsburschen Fontane
ges. w. I 4, 160;
verprügeln: was gehts dich an, wenn ich mein weib zerhaue? Storm
w. 5, 169;
übertr.: Petrum ... z. sie (
die evangelisten) so schendlich, das sie von seinen fall nicht wort gnug machen können Luther 28, 273
W.; b)
von thieren: es (
das brandopfer) sol in stck zuhawen werden
3. Mose 1, 6; H. Sachs 2, 277
K.; kein wildes schwein zerhauet das ander Schupp
schr. (1663) 390; die fúsze lege auf das z. flaisch
2. Mose 29, 17
erste bib. 3, 319; zerhaue den rcken (
beim vorschneiden) Marperger
küch.-dict. 1262
b; 22)
gegenstände und abstractes, a)
gegenstände, α)
rüstung und waffen im streite: si zehiwen ain ander di schilte
Rolandslied 8923
W.; Amadis 1, 82
K.; waffen ..., die z. und blutig waren Heinse 3, 322
Sch.; β)
allerhand geräthschaften, holz: das ... zuhawen (werde) das ... zimmer Tucher
baumeisterb. d. st. Nürnberg 79
L.; vgl.: darzu werden auch bAeum ... zerhauwen (
zugehauen) oder deren schwarten ... aufgelegt (
beim schachtbau) Ph. Bech
Agricolas bergwerkb. 89; haben ... 300 Türckenschiff z. und verbrent Stumpf
Schweizerchron. 48
b; H. Sachs 18, 290
G.; zerhüwe ... stül und benck entzwei
Eulensp. (1515) 88
ndr.; γ)
sonstiges: z. heist auf den eisenhAemmern, wenn ein teul vermittelst des setzeisens und groszen schmiedehammers in der mitten von einander gehauen und zertheilet wird J. Hübner
cur. u. real. lex. (1714) 1731;
bergm. den gang gänzlich aushauen: der ganc der ist zehouwen, den wir heten bestochen (14.
jahrh.)
Germ. 1, 348
b;
kräuter: J. Ruoff
hebammenb. 174;
tuchstoffe zerschneiden: ich raten nit, das wir in (
den mantel) zerhowen
schausp. d. ma.s 2, 319
Mone; seile, stricke: zerhüwe oder zerhackte den strick mit ainem schwert Albr. v. Eyb
spieg. V 4
b;
bes. taue, die schiffe halten: J. H. Vosz
Od. 175
B.; Schiller 6, 413
G.; als geflügeltes wort den (gordischen) knoten z.
sehr geläufig: er (
Alexander d. grosze) zerhieb den gordischen knoten Hippel
kreuz- u. querzüge 1, 294; nur ein ... europäischer krieg wird ... den gordischen knoten z. können Moltke
ges. schr. 4, 51; Lessing 10, 94
M.; den knoten der fehde z. Klopstock
od. 2, 93
M.-P.; Schiller 12, 303
G.; u. v. a.; δ)
die kleider schlitzen, so dasz das bunte futter sichtbar ist, vgl. zerflammen, zerflattern, zerhacken;
schon in der mhd. blüte: kleit mit wunderlîcher rîcheit zersnitten und zerhouwen
Tristan 673;
mhd. wb. 1, 722
b; Lexer 3, 1071; Ch. Schmidt
els. wb. 437
a (
reichlich); H. Fischer 6, 1135;
schweiz. id. 2, 1810; der ... het ... ain zuhawen röklein an, kostet mer denn 100 000 gld. (
Nürnberg)
chron. d. st. 10, 337; Schiller-L. 4, 566
a; es war auch in den selbin jaren, das mane und frowen grosze cleidunge von kostliche gewande mit gar vil zuhawen loden darane trugen H. Cammermeister
chron. 22; Scheit
Grob. 4666; alle in rot gekleidet, mit einem strich, schwarz und weisz, z., umb den arm gewunden Hertzog
chron. Als. 2, 136; b)
bildl. und übertr.: Luther 10, 3, 174
W.; was sich nicht in ihre neue terminologie fügt, ... wird z. und verachtet Herder 18, 323
S.; 33)
andere zss.: ab- (
th. 1, 55), an- (370), auf- (663), aus- (882), be- (1330), durch- (2, 1626), ein- (3, 196), los-, nach- (7, 71), nieder- (764), um-, ver- (12, 1, 539). —