zerflammen,
verb.,
nur partic. perf., in der art flackernder, flatternder flammen geschlitzt, vgl. geflammt (
th. 3, 1715)
und zerfetzen 1
a, zerfitzen 1
und zerflattern 1;
von der geschlitzten kleidertracht des 16./17.
jahrh.s, bei welcher das andersfarbige futter hervorleuchtete: sich kleiden nach des fürwitz sitten, also zerflammet und zerschnitten H. Sachs 7, 187
K.; Ayrer
dram. 5, 2965
K.; wie die hosen zuflammet sein Musculus
hosenteufel 13
ndr.; danach aber auch im sinne von zerfetzt, zerrissen, zerschlissen: in altem klaid, zerrissen, zerflamet und zerschlissen H. Sachs 22, 254
G.; von der zerrissenen, zerfetzten haut von schlangen: nach dem sach er erst bey der wiegen die ungeheuren schlangen liegen erwürgt, zerflammet und zerfressen 2, 277
K.; die deutung bei Schmeller-Fr. 1, 791
greift fehl. die verletzung der körperhaut ist deutlich: do von ruten und geyseln gar sein leib zuflampt wart und zuzert H. Folz
meisterlied. 27, 74. —
zerflattern, älter und norddeutsch landschaftlich zerfladdern,
verb., 1)
trans. zerfetzen wie die ränder einer flackernden flamme; zu mhd. vladern,
welches wie nhd. flattern (
s. th. 3, 1731)
in erster linie das flackern der flamme bezeichnet; vgl. mhd. vlader,
nhd. flader,
m. (
th. 3, 1708),
das geäderte, gemaserte, '
geflammte'
holz, bes. des ahorns; zunächst von der geschlitzten tracht: (deine) unzchtigen, unmenschlichen, zerfladerten lumpenhosen
theatr. diab. 505
a; so sich jemands wider seinen gebrlichen stand so scheinbarlichen kleidet, zuhacket, zufladdert, zerschnitten und bunt hergehet Lehmann
flor. pol. (1662) 4, 167;
sodann vom zerreiszen der kleidung beim zank: da zuo wart ich zerhadert, zerzerret und zerfladert
quelle bei Lexer 3, 1092;
schlieszlich vom zerfetzen der wolken durch den wind: die schnellen wolcken werden zerflattert durch den nort S.
Dach 124
Ö.; erst spät und schon in der bedeutung von 2 (
durch flattern verbrauchen)
wieder auftauchend: durch die geistigen flügelschläge werden viele kräfte zerflattert E.
M. Arndt
schr. f. u. an s. l. Deutsch. 4, 119;
s. 3; 2)
intrans., auseinander flattern, sich flatternd zerstreuen, davon flattern, a)
von sinnlich greif- und fühlbaren dingen; zuerst bildlich: unser rede ist ein fncklin, das sich aus unserm hertzen regt. wenn dasselbige verloschen ist, so ist der leib dahin wie ein loderassche, und der geist zufladdert wie ein dnne lufft
weish. 2, 3; H. Sachs 19, 423
G.; so, seelchen, so zerflatterst du einst auch! J. D. Falck
sat. 3, 81;
so von luftgebilden: der nebel ... zerflattert ... in der ... luft Laistner
nebelsag. 167; wie streife steigt, sich ballt, zerflattert, fällt, erinnre dankbar deiner sich die welt Göthe 3, 98
W.; flamme: ihre flamme zerflattert Jean Paul 7/10, 268
H.; töne: Schubart
ästh. d. tonk. 231;
haar: im winde zerflattert ihr loses haar Bürger 277
b Bohtz; wohl hundertarmig ein wasserstrahl springt, zerflatternd in fAechelnden lften Fr. Kind
ged. 5, 107; Adelung; Campe; b)
begünstigt durch die bildkräftige bibelstelle weish. 2, 3 (
s. a),
vielfach auf abstractes angewendet: der ... gedanke ... zerflattert in rauch und dunst J. A. Ebert
Youngs nachtgedank. 2, 29; es zerflattern die gestalten (
der phantasie) in der trAeume dunkles land Tieck
schr. 11, 231; 3)
refl., sich durch flattern abmatten: Kramer
teutsch-it. 1, 377
a; mich zerflatternd an dem schein und truge E.
M. Arndt 5, 189
R.-M. —
zerfledern, verb., zu mhd. vlëdern
flattern, ablautend mit mhd. vladern,
nhd. flattern;
wie zerflattern 1
soviel wie auseinanderreiszen: in einem jahr ... werden sie (
die bücher) ganz häszlich sein und schäbig und zerfledert (
aus dem leim gegangen) W. v. Polenz
ges. w. 9, 405; Müller-Fr. 1, 341
b;
ostmd. und brandenb. als trans. wort in dieser bedeutung verbreitet; thür. zerfledderen
auseinanderfahren Hertel
Thür. 96. —