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wüsten

nhd. bis sprichw. · 8 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

wüsten vb.

Bd. 30, Sp. 2454
wüsten, vb. , faktitivum zu 2wüst A 'öde, verheert' ahd. wuosten, as. wôstian (vuarð giuuostid ahd. gl. 4, 287, 17 St.-S.), mnd. wôsten, wusten, mnl. woesten. auszer den unten angegebenen bedeutungen begegnet landschaftl. wüsten 'beschmutzen' (zu 2wüst B 1, wie gleichbed. verwüsten A 4 a, teil 12, 1, sp. 2400), z. b. bei Frisius dictionariolum germ.-lat. (1556) 292b; Fischer schwäb. 6, 1013. ferner 'häszlich werden' (zu 2wüst B 2) in Schweizer maa. 11) 'wüst legen, verheeren, zunichte machen oder beschädigen', wie verwüsten A 1 (teil 12, 1, sp. 2394) und meistens gerichtet auf landgebiete, feldfrüchte, gebäude, zweckeinrichtungen, das eigentum jmds usw.; bis ins 16. jh. gebräuchlich, danach selten und in jüngerer sprache nur ganz vereinzelt als poet. ausdruck. öfters in den ahd. glossen (für vastare 1, 294, 32; 2, 21, 31; 618, 16; 733, 31; 4, 23, 7 St.-S.; vgl. u. Murb. hymnen; für devastare 1, 383, 15) und in frühnhd. glossaren (s. Diefenbach s. v. vastare gl. 607c; devastare nov. gl. 132b; demoliri gl. 173a; desolare gl. 176b; populare gl. 447b). in humanistischen wbb. fehlt das wort bereits, so bei Dasypodius dict. (1537) 461b; Frisius dictionariolum germ.-lat. (1556) 292b; Hulsius t.-frz.-it. (1616) 423b (Stieler, Kramer, Steinbach, Adelung u. Campe führen es als ungebräuchliches grundwort von verwüsten an): fona uuuastantemu engile (a deuastante angelo) Murbacher hymnen 21, 3, 2 Sievers; mit roube und ouch mit brandewuosten si daz lant Nibelungenlied 176, 3 Bartsch; (sie) wusten uf dem velde gar ir korn unde fuortens dan mit in do es riffen began Rudolf v. Ems weltchron. 18 165 Ehrism.; wüesten und zebrechen sîn burc er im hiez Ottokar österr. reimchron. 74 212 Seem.; wurde ok orlich, dar man ere ghud mede wüsten mochte (1357) in: brem.-ndsächs. wb. 5, 308; Münstertal hat er verbrant, Münster hat er gewstet. er vand vil schier uf der wal die toten ane zal (1368) hist. volkslieder 1, 67 Liliencron; haben die seynen meinem closter sandt Ruprechtsberg ... sein mäle (grenzzeichen) zuslagen vnnd gewust (1494) urk. z. gesch. Maximilians I. 31 lit. ver.; wäre ouch dasz die von Zürich jeman wellten anritten an ir statt, an ir räben, ald an ir bömen und die wellte wüsten, dasz sün wir von Uri und von Schwitz weren Tschudi chron. Helvet. (1734) 1, 148; grosze herren lieben jagen; besser, wann sie liebten hegen; wüsten länder, jagen leute, blosz von ihrer lüste wegen Logau sinnged. 372 lit. ver.; dasz er (d. strom) mit schwellendem grimm ausbricht in die fluren und wüstet thäler und hügel umher Pyrker s. w. (1855) 1, 17. übertragen 'zunichte machen' schlechthin: biz manic künc do sich unminnenclichen grust, der stich mit slage wust Johann v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 8124 Regel; übermâsz wüstet alle spil Düringsfeld sprichwörter (1875) 1, 17b. 22) bei objektlosem gebrauch ist die bedeutung an sich dieselbe ('verheerung anrichten'), aber es wird durch die konzentration auf das subjekt häufig eine sinnverschiebung zu 'wüten' nahegelegt (s. namentlich b und c). 2@aa) absolut: dat di kint dar in waren komen ende hadden der winberen vele genomen, ... si braken ende si aten, si wusten uter maten Heinrich v. Veldeke sente Servas 4924 Frings-Schieb; unde zog in daz Klibsche lant mit funfhondert rittern unde knechten, die branten, wusten unde herscheten gar sere Tilemann v. Wolfhagen Limburger chron. 94, 18 Wyss; da sach man wuchsten, prennen, slahen, schiezzen, und rennen Suchenwirt 4, 363 Primisser. 2@bb) öfters partizipial als beiwort von wilden tieren und ungeheuern: uwir geslechte ist als eyn wuystindir lewe (quasi leo vastator Jerem. 2, 30; wie ein wütiger lewe Luther) Claus Cranc prophetenübers. 83 Ziesemer; kan er (d. wolf) doch nichts anders, dann wüsten vnd würgen Gretter erkl. d. ep. S. Pauls a. d. Römer (1566) 446; hat der allmächtig ... den ein wüstenden basilisken vnd tracken, nemlich der ketzerey, solliche ritterliche Heymones und Hercules ... fürgesetzt Guarinonius grewel d. verwüstung (1610) (b) 1a. vgl. noch: krieger sind zwölffe zum rauben und wüsten Logau sinnged. 314 lit. ver. auch: die so zu schiff reisen, wenn sie ein wüstend vngestüm wetter ergreifft Lehmann floril. polit. (1662) 2, 719. 2@cc) vor allem mit lokalen bestimmungen (wüsten in einem gebiet, einem gebäude, unter menschen usw.); so bis zur gegenwart gebräuchlich: ein kunic tugende ler ... er wustet in der geschicht me wan man gelouben mac, hin unde her (supra quam credi potest, universa vastabit Dan. 8, 24) buch Daniel 6164 Hübner; da hat er (Pompeius) gwuostet im tempel, vnd Aristobulum, der ... ir künig vnd bischoff was, ... gefangen gnuomen Hedio chron. Germ. (1530) 4c; als zu diser zeit die ketzer vberall vast wüsteten vnd ir giftige ler an allen orten ausgossen ebda 31c; denn im schrack wird der bittere stachel erboren, der wüstet und tobet in der harten, erschrockenen herbigkeit ... des erstickten geblütes J. Böhme s. w. 3, 131 Schiebler; auch er tödtete und wüstete den 2. mai 1808 in der empörten hauptstadt Göthe I 41, 2, 123 W.; das feindliche feuergewehr wüstete sodann fürchterlich unter ihnen Seume s. w. (1835) 408b; (er) stand bald vor den trümmern der alten ehrwürdigen veste. die zeit hatte arg hier gewüstet und nur wenig aus der vergangenheit übrig gelassen A. v. Tromlitz s. schr. (1849) 36, 8; im jahre 1432 sind die Hussiten in die mark Brandenburg eingefallen und haben daselbst greulich gewüstet Grässe sagenb. d. pr. staates 1, 86; (Frankreich) hat bei der verbrennung der Pfalz in Speyer gewüstet Pinder d. kunst d. dt. kaiserzeit (1935) 1, 228. 33) jemanden wüsten ist in zweierlei sinne üblich. 3@aa) vorwiegend mhd. 'jmdn schädigen, ruinieren' durch verheerung seines eigentums, besonders des landbesitzes: die heiden huben selbe den brant, selbe si sich wuosten ... si herten also witen unz an die Gerund Rolandslied 277 Wesle; mir hât gemachet ein rise mîne huobe zeiner wise und hât mich âne getân alles des ich solde hân unz an die burc eine; ... daz ich ime die (tochter) hân versagt, dar umbe wüestet er mich Hartmann v. Aue Iwein 4473; ist, das er an farenden gute unpfandbar ist, so sol man in wsten an allem dem gute, das er us und inne hat richtebrief d. bürger v. Zürich in: helvet. biblioth. 2 (1735) 14 (vgl. hierzu mnl. woesten 2 Verwijs-Verdam 9, 2, 2751); die Pehem tzuogen auf sein guot, davon so ward er ungemuot: se wchsten im sein arm lewt Suchenwirt 18, 441 Pr. 3@bb) mhd. und frühnhd. 'übel zurichten, verwunden': alse werdent die übelen (in der hölle) mit michelme gruwele gewuostet (zuvor: gemartilt von den tivelen) Lucidarius 77, 7 Heidlauf; und wurdent ira in dem sturm wol uf XI gewundet und gewuost; der sturben zwen (mitte d. 15. jhs.) H. Fründ chronik 227 Kind; das menig biderman umbkam und an sinem libe geletzt und gewüst wart (1476) bei Frauenholz entwicklungsgesch. d. dt. heerwesens 2, 1, 94; (dasz die brücke einbrach) und vil volkes in das wasser viel; der ertrankend 8, und wuostend sich ire vil vast übel Brennwald Schweizerchron. 1, 386, 4 Luginbühl; sunst starb der wonden uf der herscheft siten kainer, und warend doch ob 40 man gwüest J. v. Watt 2, 176 Götzinger.hierzu sich mit jmdm wüsten 'raufen': (1511) Reuchlin augenspiegel 123 M. 44) 'mit einem vorrat vergeudung oder raubbau treiben', entsprechend auch trans. oder mit genitivobjekt; die auffassung ist nicht überall gleich, sicherlich ist von der bed. 'zugrunde richten' (1) auszugehen, s. u. die beiden ersten belege; teiche wüsten 'durch raubbau zur verödung bringen' im nd. (s. u.) hängt anscheinend enger mit 2wüst A 'öde, verödet' zusammen (vgl. auch verwüsten A 2, teil 12, 1, sp. 2397), während wüsten mit etw. offenbar durch bed. 2 ('wüten') beeinfluszt ist. vgl. noch wüstlich 3, das zum vorliegenden gebrauch gebildet ist. die bedeutung ist umgangssprachlich bis zur gegenwart geläufig und erscheint lexikalisch u. a. bei Adelung 5 (1786) 316 und Campe 5 (1811) 802a, mundartl. bei Fischer schwäb. 6, 1012; Lexer Kärnten 261a; Müller-Fraureuth obersächs. 2, 686a; Knothe Nordböhmen 548; Block Eilsdorf 101a: ob du niht durch tumben muot wilt ane ere swenden din guot, wuoestende des guotes Rudolf v. Ems Willehalm v. Orleans 3343 Junk; der noch wuest leib und gt in hochfart und in ber mt und wirt den arm nymmer holt Heinrich der Teichner 353, 47 Niewöhner; (die pächter verpflichten sich) de dijke nicht to wostende sunder sodane vissche to vangende, alse vppe deme markede ginge vnde gheue zint (1463) Lübecker urkundenb. 10, 289; soll sich ein jeder meister befleissen, dasz mit dem zeug (kalk), der dann zuvor köstlich genug ist, nicht gewüstet ... werde Würtemb. revid. bawordn. (1654) 123; mit ... ströb machen in denen wäldern (ist) recht unverantwortlich gewistet (1748) österr. weist. 5, 539; das land, auf dem (entwaldend) gewüstet wird bei Sanders erg.-wb. (1885) 661c (s. d. weitere belege); so wurde mit unsrer zeit gewüstet. es war nicht alles reine arbeitszeit, nein, es war verwüstete zeit, die wir nutzlos vergeuden muszten Traven baumwollpflücker (1956) 153.
9143 Zeichen · 220 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Wüsten

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Wüsten , verb. regul. neutr. mit dem Hülfsworte haben, auf eine verderbende, verschwenderische Art mit einer Sache umgeh…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    wüsten

    Goethe-Wörterbuch

    wüsten [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    wuesten

    Elsässisches Wb. · +2 Parallelbelege

    wueste n [wỳətə Lutterb. Ruf. Su. Logelnh. Horbg. K. Z. ; wǿtə Han. ; hŷtə Str. ; hûtə Betschd. u. nö. davon; Part. …

  4. Sprichwörter
    Wüsten

    Wander (Sprichwörter)

    Wüsten Ohne Wüsten, ohne Sünd. ( Luzern. ) – Schweiz, II, 243, 12.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit wuesten

119 Bildungen · 115 Erstglied · 1 Zweitglied · 3 Ableitungen

Zerlegung von wuesten 2 Komponenten

wus+ten

wuesten setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

wuesten‑ als Erstglied (30 von 115)

wüstenaraber

DWB

wuesten·araber

wüstenaraber , m. 1) bewohner der arabischen wüste: die berg- und jagdvölker, die wüstenaraber Jean Paul w. 59/60, 109 Hempel. 2) arabisches…

Wüstenberg

RhWB

wuesten·berg

Wüsten-berg -ī:də- Prüm-Dackschd m.: FlN, in der RA.: der Überschlaue hört de Kribs op W. niesten.

wüstenbewohner

DWB

wuesten·bewohner

wüstenbewohner , m. : Saracenen hieszen die wüstenbewohner bei den Syrern J. v. Müller s. w. (1810) 2, 47 . auch für das in der wüste beheim…

wüstenbild

DWB

wuesten·bild

wüstenbild , n. 1) fata morgana: was ist das? ists ein wüstenbild, das hier uns äfft? doch hier ist keine wüste O. Ludwig ges. schr. (1891) …

Wüstendürre

Campe

wuesten·duerre

○ Die Wüstendürre , o. Mz . eine Dürre, wie sie in Sandwüsten ist, eine sehr große Dürre. »Er warf seine Larve weg, und eine seltsame heiße …

wüstenei

DWB

wueste·nei

wüstenei , f. wie mnl. woestenie Verwijs-Verdam 9, 2752 ableitung mit dem frz. suffix -îe, zu mhd. wüesten(e). seit dem 13. jh. in mnd. ( s.…

Wüsteney

Adelung

wueste·ney

Die Wüsteney , plur. die -en, eine wüste, d. i. unbewohnte, oder ungebauete Gegend. Nord-Amerika enthält viele und große Wüsteneyen. Einen G…

Wüstenfauna

Meyers

wuesten·fauna

Wüstenfauna , die Gesamtheit der die großen Wüsten bewohnenden und für sie charakteristischen Tierwelt. Ein charakteristischer Wüstenbewohne…

Wüstenfeld

Meyers

wuesten·feld

Wüstenfeld , Ferdinand , verdienter Arabist, geb. 31. Juli 1808 zu Münden in Hannover, gest. daselbst 8. Febr. 1899, studierte in Göttingen …

wuesten als Zweitglied (1 von 1)

verwüsten

DWB

ver·wuesten

verwüsten , vb. , mhd. verwüesten; mnd. verwôsten, verwästen, verwusten ; mnl., nl. verwoesten. im österr. sprachgebiet bisweilen mit entrun…

Ableitungen von wuesten (3 von 3)

entwüsten

DWB

entwüsten , solum incultum subigere.

verwüsten

DWB

verwüsten , vb. , mhd. verwüesten; mnd. verwôsten, verwästen, verwusten ; mnl., nl. verwoesten. im österr. sprachgebiet bisweilen mit entrun…

zerwüsten

DWB

zerwüsten , verb. , verwüsten: sie ... zerwestent ..., was sie ankumen mochten Th. Lirer chron. F 2 a ; die hölzer gar übel zerwiestet, abg…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „wuesten". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 18. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/wuesten/dwb?formid=W29925
MLA
Cotta, Marcel. „wuesten". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/wuesten/dwb?formid=W29925. Abgerufen 18. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „wuesten". lautwandel.de. Zugegriffen 18. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/wuesten/dwb?formid=W29925.
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