wüstenei,
f. wie mnl. woestenie Verwijs-Verdam 9, 2752
ableitung mit dem frz. suffix -îe,
zu mhd. wüesten(e).
seit dem 13.
jh. in mnd. (
s. Grunewald
d. mnd. abstraktsuffixe 116)
u. md., bes. rheinischen quellen bezeugt (
s. u. 1 f);
im ungefähren gebiet dieser quellen auch der heutigen mundart noch angehörig, s. Luxemb. ma. 488; Bauer-Collitz
Waldeck 115
a u. unten 3 a.
überhaupt ist ein vorwiegend md. und nd. gebrauch des wortes trotz allmählichen literatursprachlichen ausgleichs bis heute unverkennbar. von wüste
nicht durch den umfang, sondern durch die akzentuierung seiner bedeutungen abgehoben. sein vergleichsweise seltener gebrauch erklärt sich vor allem dadurch, dasz wüstenei
der Lutherbibel fremd ist und später die wendung zum spezialgebrauch wüste A 3
nur zögernd mitvollzieht (
s. u. 1 e).
in md. und mnd. glossaren des 15.
und frühen 16.
jhs. für desertum Diefenbach
gl. 176
a;
anachoresis ebda 32
c;
heremus 275
c;
n. gl. 202
a;
solitudo gl. 541
b;
n. gl. 342
b;
auch die wbb. von Stieler (1691)
bis Schwan (1783)
behandeln das wort als mit wüste
identisch. schw. fl. in der wstenien
lilie 30, 3
Wüst; in der schreibung wüsteni
bei Schade
sat. u. pasqu. 3, 10. 11)
in eigentlichem, wüste A
entsprechendem gebrauch. 1@aa)
wie wüste A 1
auf bestimmte landschaftsformen bezogen. für den wald: wir andere waldleut in vnsern wüsteneyen Zinkgref
apophthegm. (1628) 415.
für felsige, unzugängliche gebirgslandschaft: durch klippen vnd gebirg, ich reiste früh vnd spat, in einer wüsteney, vnd ohne spur vnd pfadt D. v.
d. Werder
ras. Roland (1636) 2.
ges., 41.
str.; soll (
meine treue) finsternisz, und einsamkeit erwehlen in diesem wald, in öder wüsteney Heraeus
ged. u. lat. inschr. (1721) 196; (
wir) hatten ... bald jede sichtbare pfadspur verloren ... mitten ins schroffe felsgehänge ... in solch unzugänglicher wüstenei Barth
Kalkalpen (1874) 553. 1@bb)
unbewohnte, einsame, öde gegend. 1@b@aα)
allgemein: (
es ist) auch besser in der wüsteney, in ödem land zu wohnen frey, denn beim zänkisch zornigen weib Hans Sachs 19, 319
lit. ver.; eine wüste, ... oder wüsteney, da weder menschen, vieh, noch etwas zu finden Harsdörffer
teutscher secretar. (1656) 1, Mmm 3
a; so nützlich nun in militärischer und allgemein administrativer hinsicht diese bahnen (
in Ruszland) sind, so scheint mir doch sehr fraglich, ob diese durch wüsteneien geführten linien jemals dividenden zahlen werden Moltke
ges. schr. (1892) 5, 88.
geradezu mit dem wort einsamkeit
austauschbar: die turtel-taube liebt nicht so die wüsteneyen als ich die einsamkeit Simon Dach 160
Ö. 1@b@bβ)
auch in der häufigen bindung an verben, die eine äuszere oder innere bewegung ausdrücken, vertritt wüstenei,
übertragenem gebrauch nahe, den begriff '
einsamkeit, menschenferne': de nummande bedreigen kan, de soke de wôstenye Tunnicius
sprichw. nr. 561
Hoffmann; ja, fromme huldin (
Magdalena)! flieh in wüsteneyn, verbirg der welt den anblick deiner schmerzen A. W. Schlegel
in: Athenäum (1798) 2, 143; jetzt will ich in die wüstenei, wo keinen ärgert mein geschrei, und still für mich verderben R. Dehmel
ges. w. (1906) 6, 15. 1@b@gγ)
als schauplatz christlichen anachoretentums und einsiedlerischen büszerlebens: do riede eme der hermite, dat hei da blêve in der woestenien (
Köln, auf. 15.
jhs.)
in: Germania 28, 411; vortzeytten ynn der wusteney hieszen die heyligen eynsidler yhr ubirsten abba pater Luther 10, 1, 1, 374
W.; denn ach! dir folgt dein gewissen in klöster und wüsteneyen! Kotzebue
s. dr. w. (1827) 2, 17. 1@cc)
unbebaute, unkultivierte gegend, manchmal mit a
sich überschneidend; sehr häufig gebraucht. 1@c@aα)
in allgemeiner verwendung. meist von der vorstellung her, dasz ein an sich anbaufähiger boden nicht, noch nicht oder nicht mehr genutzt ist: die lande Polen, die zuuor eine wüsteney weren gewesen Schütz
hist. rer. pruss. (1592)
buch 7, O 4
c; aber dar (
in Persien) sind lauter berge und wüsteneyen, und kan man kein land bauen, als welches von wasser-bächen benässet wird
staat d. königr. Persien (1696) 20
Olearius; dort (
in der Neuen Welt) hat die natur grosze weite strecken ausgebreitet, wo sie unberührt und eingewildert liegt ... und doch ist es leicht für den entschlossenen, ihr nach und nach die wüsteneien abzugewinnen Göthe I 25, 1, 216
W.; der ort war hinter endlosem gestrüpp und felsicht versteckt, und es ist kaum zu erdenken, wie ein mensch je an solcher wüstenei konnte ein gefallen finden Watzlik
d. pfarrer v. Dornloh (1930) 38.
in gegensätzlicher reihung: es wär nicht geckerey, des höchsten milde, die sonder auswahl über bös und gute und flur und wüsteney, in sonnenschein und regen sich verbreitet, — nachzuäffen Lessing 3, 24
L.-M.; der scharfe pflug, er rottet unkraut und wurzeln. dorn und disteln aus, damit die wüstenei zum garten werde Herder 23, 250
S. durchaus auch für bodenflächen mit natürlichem, nutzbarem, aber ohne menschliches zutun gewonnenem pflanzenwuchs: die vortheile warmer länder ..., in welchen die natur mit weniger mühe den menschen zwey erndten verleihet, und die wüsteneyen selber eine menge eszbarer früchte hervorbringen A. v. Haller
tageb. (1787) 1, 121; nur wenn in Rom eine so göttliche anarchie, und um Rom eine so himmlische wüstenei ist, bleibt für die schatten platz (
von der römischen Campagna) Winckelmann
bei Göthe I 46, 39
W.; vgl. W. Weigand
d. löffelstelze (1919) 304.
seltener für anbauunfähige oder völlig pflanzenleere bodenformen: du allmechtiger vnd reicher gott, du segnest vnd veredlest auch die wüsteneyen, vnd lesst gold vnd silber ausz deiner ... hand trieffen ... vnd vmbgürtest die hohen tauren vnd gebirge mit fündigen gengen Mathesius
Sarepta (1571)
vorr. 1
b; wo nehmet ihr in dieser wüstenei das bischen grün zu euern kränzen her? Raupach
dr. w. ernster gatt. (1835) 5, 150. 1@c@bβ)
ganz vereinzelt in dem spezifischen sinne von wüstung (
s. d. 2 a): de breve, de uppe dat dorp spreket to Bystouen vnde de wystenye to delende (1389)
meklenb. urk.-b. 21 (1903) 93. 1@c@gγ)
speziell das durch krieg, naturgewalt oder aus anderen gründen verwüstete angebaute land; meist in bestimmten verbalverbindungen: obgleich solche dero churfürstenthum und zugehörigen lande ... zur wüstenei worden (1641)
urk. u. aktenst. z. gesch. d. kurf. Friedr. Wilh. v. Brand. 1, 734
Erdm.; der gärtner läuft nunmehr herbey und findet graus und wüsteney Lichtwer
fabeln (1748) 43; kurz, wir verwandelten das land ... in eine wüstenei E. Jünger
in stahlgewittern (1934) 137.
analog dazu, aber über den entsprechenden gebrauch von wüste
hinausdringend, auch für verwüstete siedlungen, zerstörte orte, ruinen u. dgl.; kaum ohne einflusz von 2wüst A 2 e
her: wie dort auch, wo die pfarr-gebäu und schule damals stunden, jetzt, seht ihr, wird nur wüsteney und erde da gefunden ... das feuer, seh ich, hat den ort bisz auff den grund verzehret Simon Dach 809
Ö.; sie, die volkreich heil'ge stadt (
Jerusalem) ist zur wüstenei geworden ... dort (
auf dem berg Zion), von unkraut überwuchert, liegen nur noch graue trümmer H. Heine
s. w. 1, 447
E. schlieszlich, und besonders jünger, für das durch menschliche nachlässigkeit verwilderte, vgl. dazu auch 2wüst A 2: eben eine solche wüsteney wird man auch bey den kraut- und küchengärten antreffen ... so man guten theils ungezäunt und übel verwahret, sehen wird Hohberg
georg. cur. 3, 1 (1715) 43
a; (
er) starrte voll verwunderung in die wüstenei, die er vor sich sah ... es war keine rede mehr von einer ordentlichen bebauung (
auf Martis hof) G. Keller
ges. w. (1889) 4, 107.
vereinzelt noch freier, für die winterliche kahlheit der natur: dort, da sonst der sinne frewde bey des schönen sommers zeit sich erzeigte weit vnd breit ... ist doch jetzund nichts zu finden als ein eitle wüsteney; alle bäume stehen frey vnd ohn laub
Königsberger dichterkreis 199
ndr. 1@dd)
in den anwendungen a—c
mit attributen meist abwertenden sinnes: darnach ward er von seinem bisthumb vertrieben und kam jnn eine wilde wüsteney Luther 50, 61
W.; in einer öden wüstenei, da unlust blüht, lust zieht vorbei Zesen
helik. rosentahl (1669) 107; als ich entschlieff, oder vielmehr schlaffend wachte, däuchte mich, ich wäre in eine grausame wüsteney kommen Chr. Lehmann
hist. schaupl. (1699) 800; wie unterirdische geister ... die pflanzungen, die sie in den höllischen wüsteneien anlegten, vom nächsten sturmwind weggefegt sahen Hegel
w. (1832) 1, 390.
unter dichterischem aspekt auch positiv wertend, besonders unter dem aspekt von b: mir wolle gott verleihen mein werthes vaterland, die schönen wüsteneyen, den klaren Boberstrand Opitz
op. (1690) 2, 79;
vgl. derselbe, teutsche poemata 110
ndr.; anmuthige stanzen, die uns schöne wüsteneien samt ihren gewächsen und blumen schildern Herder 17, 224
S. 1@ee)
in spezieller anwendung auf die vegetationslosen sand- und steinwüsten auszereuropäischer länder, s. wüste A 3. 1@e@aα)
zunächst, wie bei wüste A 3 a,
trotz der anderen sachlichen beziehung wohl nicht als besondere bedeutung empfunden; vunfftzien dage reysen oeuer die woestenije van Arabijen
pilgerf. d. ritters v. Harff 78
Groote; die sandichten wüsteneyen des inneren Libyens Lohenstein
Arminius (1689) 1, 6
b; die cameel werden darum viel gebraucht, weil ... (
sie) in den wüsteneyen, da wassermangel ist, etliche tage durst leiden können Marperger
kaufmannsmagaz. (1708) 253; der ist ein thor, der das vergnügen flieht, und kämpfe sucht mit räubern oder schlangen, und durch die gluth von wüsteneyen zieht Heinse
s. w. 3, 329
Schüddek. 1@e@bβ)
die seit etwa 1800
für wüste
charakteristische wendung zu fachsprachlicher anwendung dieser bedeutung macht wüstenei
nicht mit; wohl aber bleibt, vor allem in dichterischem gebrauch, wüstenei
als bezeichnung auch der exotischen wüste noch bis tief ins 19.
jh. hinein möglich: o nur wer stand in glüher wüstenei, der weisz des grünen blattes werth zu schätzen A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 3, 165; in den wüsteneien von Asien und Afrika Hebel
w. 2, 144
Behaghel. ganz vereinzelt terminologischem gebrauch nahe: die wüstenei nördlich von Mariaba (
in Arabien) bis zur römischen grenze Mommsen
röm. gesch. 5 (1885) 613. 1@ff)
zufrühest im biblischen bereich, hier aber, da die Luther
bibel nur wüste
kennt, hinter diesem wort weit zurückbleibend. meist auf den wüstenzug Israels bezogen: so bis du hardere dan de stein, de groz wazer in der wstenien gaf, du on Moyses zuirent bit einer gerden traf
d. lilie 30, 3
Wüst; vgl. Karlmeinet 334, 13; de kynder van Israhel eten dat hemelsche broet in der wostenye Joh. Veghe 16, 33
Jostes; wie (
konnte Moses) diese (
die Israeliten) in der wüstenei so lange erhalten? Herder 12, 312
S. wohl in allegorischer auslegung von 2. Mose 3, 18
oder 15, 22: arbeydet myt wervender list spisebrot, dat unvorgenklik ys, so moghe gy myt heren scharen dor de wostenige varn, de ys drier dachvart breyt Brun v. Schonebeck
in: jahrb. d. ver. f. nd. sprachf. 30 (1904) 142
a.
für die einsamen landstriche Palästinas als schauplätze religiös gesteigerten lebens, prophetischer und messianischer tätigkeit: do pey (
am Jordan) nohent sahen wir die wüsteney, do Christus xl tag und xl nacht gefast hot (
um 1440)
bei Röhricht
pilgerreisen (1880) 71; in einsamen wüsteneien denkt er (
Johannes d. täufer) dem groszen bedürfnisse des zeitalters nach J. G. Forster
s. schr. (1843) 3, 84.
wie unter wüste A 4 e: das er (
der bock) des volckes sünde frey hintrage in die wüsteney Hans Sachs 6, 193
lit. ver. 22)
der übertragene gebrauch deckt sich mit demjenigen von wüste (
s. d. C),
erreicht aber nicht die gleiche dichte. bildhafte elemente treten bald mehr, bald weniger hervor. 2@aa)
für anders geartete räume, denen gewisse den eigentlichen wüsten zugehörige merkmale zukommen: mein vor beliebt gemach wird itzt zur einsamkeit und öder wüsteney Lohenstein
Agrippina (1685) 78;
vgl. derselbe, Arminius (1689) 1, 393
b; als ein stilles, weites land der seelen, stand das leere meer unter dem leeren himmel ... erhabene wüstenei! über dir schlägt das herz gröszer! Jean Paul
w. 19, 180
H.; da liegen wir bewegungslos im nebel und eis — ein leben, das man nur zu gut kennt. diese kalte, öde wüstenei!
Nansen, Sibirien (1914) 36. 2@bb)
für orte oder örtlich vorstellbare gegebenheiten, deren äuszere oder innere wirkungen auf den menschen, eigentlich oder bildlich, denjenigen der eigentlichen wüste vergleichbar sind. 2@b@aα)
welt, erde als wüstenei,
meist biblisch-geistlich: das on das euangelium eyttell wusteney ist auff erden, auch keyn gottis bekentniss noch dancksagung Luther 10, 1, 1, 78
W.; die rauhen wüsteneyen der mörder-vollen welt Gryphius
ged. 58
Palm. auch prägnant: treuer hirt der seelen, lasz mich hier nicht quälen in der wüsteney
bei Fischer-Tümpel
ev. kirchenl. 5, 517
b. 2@b@bβ)
von orten, an denen jemand einsam, fremd, verlassen ist: den wu ich (
Christus) nit bin, do ist eyttel wusteney (1521) Egranus
ungedr. pred. 67
Buchwald; mein haus dünkt mich eine fremde wüsteney, in die ich nicht gehöre Bürger
briefw. 3, 165
Strodtmann. soviel wie '
verbannungsort': verräterischer Eumer, rief dich darum aus deiner wüstenei (
aus der verbannung in Schottland) des königs milde Immermann
w. 16, 137
H.; vgl. 15, 201; 215. 2@cc)
ohne bindung an örtliche vorstellung. 2@c@aα)
vom menschlichen leben: da sprach er edel von der wüstenei des lebens und vom schicksal Jean Paul
w. 15/18, 291
H.; (
ich will versuchen niederzuschreiben,) was ich in der erinnerung behalten hab aus dem konfusen chaos, der wüstenei meines lebens W. Raabe
s. w. I 2, 362
Klemm. in gegensätzlicher korrespondenz: diesen grusz von milder kraft, die die wüstenei hienieden wieder neu zum eden schafft E.
M. Arndt
ged. (1860) 385. 2@c@bβ)
auch allgemeiner von zeiträumen, verhältnissen, zuständen, die leer, leblos, unfruchtbar sind; in verschiedenen formen attributiver bestimmung: er würde ... in der ein jahr langen wüstenei (
dem jahr, während dessen er die geliebte nicht sehen durfte) ... verdursten Jean Paul
leben Fibels (1812) 75; Paris gilt seit der kaiserzeit für eine wüstenei des unglaubens Holtei
erz. schr. (1861) 5, 19; wo war in der groszen wüstenei des (
über Preuszen siegreichen französischen) imperatorenreiches ein verein von denkern, wie er sich hier um die wiege der neuen stiftung (
der Berliner universität) schaarte Treitschke
dt. gesch. (1879) 1, 338. 2@dd)
in mehrgliedriger bildrede, die die unter a—c
genannten oder vergleichbare beziehungen bildhaft deutet: selbst die träume führen mich durch verwachsne wüsteneyen, wo die klippen fürchterlich, und mich zu bedecken dräuen; wo für dürren staub und sand mir kein weg noch steg bekannt (
zu ps. 87, 15) Triller
poet. betracht. (1750) 2, 464; er (
der gott vertraut) geht, wenn über ihm die wolken flammen speyen, getrost an deiner vaterhand; getrost durch dürre wüsteneyen und brennend heiszen sand Uz
w. 193
lit.-denkm.; Else von der Tanne, die reinste, heiligste blume in der grauenvollen wüstenei der erde W. Raabe
s. w. I 6, 227
Klemm. von 2 a
her: bis zu den eisigen wüsteneien, in denen differentialquotienten ... ein schemenhaft schweifendes dasein führten E. Jünger
d. abenteuerl. herz (1929) 39. 33)
gelegentlich unter dem einflusz anderer bedeutungen von 2wüst,
adj. 3@aa)
am häufigsten, und deutlicher als bei wüste (
s. d. C 2),
soviel wie '
chaos, unordnung, durcheinander',
in verschiedener sachbeziehung. eine anknüpfung an 2wüst C 2
erleichterte der bei wüstenei
stark akzentuierte gebrauch 1 c
γ: in ewger wüsteney lag annoch nacht und morgen in dem verwirrten ball des groszen nichts verborgen König
ged. (1745) 320; es mochte ihren argwöhnischen augen nicht entgangen sein, dasz bei dieser äuszerung meine blicke unwillkürlich die traurige wüstenei des zimmers überflogen hatten Storm
s. w. (1899) 8, 18; eine ziemliche wildnis und wüstenei von gemäuer, holzplanken, alten ölbäumen und weinreben G. Keller
ges. w. (1889) 6, 251.
in komplexerem gebrauch, auch von 1
her: so oft muszte von neuem angefangen werden, in unserm vaterlande die herrschaft deutscher gesittung und ordnung zu gründen; und so lange dauerte die wüstenei dazwischen (
politische gewaltherrschaft in verwüsteten landstrichen) Alexis
Woldemar (1842) 1, 5.
in dieser bedeutung von westmd. und -nd. mundarten aufgegriffen, vgl. Crecelius
oberhess. 927; Schambach
Göttingen 302
b; Rovenhagen
Aachen 165. 3@bb)
singulär von 2wüst A 5 a
her: morgens fühlte ich schon im bette die wüstenei im kopfe Leisewitz
tageb. (1916) 1, 99. 3@cc)
ebenfalls vereinzelt, soviel wie '
ausschweifung, orgie',
zu 2wüst C 8: er wolle binnen kurzer zeit die (
tugendhafte) oberjägermeisterin auch in diese mitternächtigen wüsteneien locken, und wolle machen, dasz sie unter den tollen und ausgelassenen die tollste und wildeste sein solle W. Raabe
s. w. I 3, 464
Klemm.