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würzen

mhd. bis spez. · 10 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

würzen vb.

Bd. 30, Sp. 2386
würzen, vb. , ursprünglich eine seit dem 11. jh. nachweisbare, aber nur selten bezeugte jan-bildung zu wurz(e), f. in dessen bedeutung 1 'kraut, pflanze, blume'. in frühnhd. zeit wird das wort auf würze, f. 'gewürz' bezogen; es wird seitdem in der schriftsprache häufig gebraucht, dringt aber kaum in die mundarten ein. 11) etwas mit wohlschmeckenden oder -riechenden kräutern versehen. von wurz(e), f. her, auf das mhd. beschränkt: ich scenkon dir gepîmenteten uuîn unte most ... so mir dîn corporalis praesentia per ascensionem uuirdit ablata, so uuil ih dir skeinan fortissimum feruorum amoris, mit demo ich dich minnon ex toto corde meo et ex omnibus uiribus meis, unte uuil des flîzan, daz der amor nîene sî otiosus, sunter mit guoten uuerchon conditus, alse der geuuurzeto uuîn Williram paraphr. d. hohen liedes 60, 8 Seemüller; swaz du (der herbst) uns gîst (an nahrungsmitteln), daz würze uns wol baz dan man ze mâze sol, daz in uns werde ein hitze daz gegen dem trunke gange ein dunst, alse rouch von einer brunst und daz der man erswitze Steinmar in: dt. liederdichter d. 12.—14. jhs. 301, 31 Bartsch-Golther. einen leichnam einbalsamieren: des (toten) küniges lîp gewürzet was, daz man vor gesmacke dâ wol genas Hugo von Trimberg d. renner 24 277 Ehrismann; also wolte sie (Maria) den begraben (Christus) in dem grabe gesalbt haben, gebalsempt und gewortzet Heinrich v. Neustadt gottes zukunft 3763 Singer; und (Joseph) wart gewrczet mit wurczen und gelegt in einen sarch (14. jh., Prager bibel, Gen. 50, 26) Jelinek mhd. wb. 973. 22) von würze, f. her, im eigentlichen gebrauch: 2@aa) eine speise oder ein getränk durch gewürzzutat anreichern, schmackhaft machen; vgl. condire wurtzen (15. jh.) Diefenbach nov. gl. 107a; gemma gemm. (1508) f 3b: der einen fladen machen wölle von fleische, der nem fleisch ... und hackez cleyne ... und mengez mit eyern, daz ez dicke werde und würtzez mit pfeffer (14. jh.) buch von guter speise 26 lit. ver.; die basteten waren ettlich mit hüner und flaisch gemacht und wol gewürzt Ulrich von Richental chron. d. Constanzer conzils 39 lit. ver.; das soll man auch allwegen acht nemmen, dasz man kein wein wrtze, er sej dann vor still worden, vnnd hab verjoren M. Herr feldbau (1551) 104b; wann ich ... von denen gewrtzten pfeffer-kuchen, er sey welcherley arth er wolle, reden soll Ettner v. Eiteritz mediz. maulaffe (1719) 33; überall dampften schon die kleinen, thönernen öfchen, auf deren kohlen ein mit knoblauch und zwiebeln gewürzter pilau, oder das brünette getränk des kaffees bereitet ward Schubert reise i. d. Morgenland (1838) 1, 391; das richtige würzen der speisen ist eine grosze kunst. selbst einfache gerichte munden vortrefflich, wenn es gelungen ist, sie gut abzuschmecken P. E. Fuchs unser kochbuch (1955) 9. ähnlich: aber wahrhaftig, ihr habt zu viel kanariensekt getrunken, und das ist ein verzweifelt durchschlagender wein, der würzt euch das blut, ehe man eine hand umdreht Shakespeare 6 (1800) 249; das beste zur vergeistigung des traubensaftes thut zwar die sonne, ihr licht ... würzt und versüszt die beere J. G. Forster s. schr. (1843) 3, 6. 2@bb) jünger auch in der beziehung auf aromatischen duft: die nelcke, die vorher den garten so geziehret, und unsre brust erquickt durch ein gewrtztes riechen Hoffmannswaldau u. a. Deutschen ged. 4, 65 Neukirch; die staude würzt die luft mit nektardüften Schiller 11, 49 G.; und am gewürzten meergestade du palmengarten Indias Rückert ges. ged. (1834) 4, 249; die unendliche flut des grün ... die wohlig warme, gewürzte luft P. Dörfler um d. kommende geschlecht (1932) 51. 2@cc) das attributive part. perf. kann die bedeutung '(von natur aus) würzig' annehmen: der berge gipfel schmückt gewürzter kräuter mänge Drollinger ged. (1743) 83. 2@dd) die eigentliche bedeutung kann eine verschiebung zum uneigentlichen hin erfahren, wenn ein anderer faktor als eine wirkliche gewürzzutat, etwa eine seelische gegebenheit, hunger, mangel, ein gespräch o. dgl., unmittelbar auf die aufnehmende person einwirkt und dieser die betreffende speise so schmackhaft erscheinen läszt, als ob sie besonders gut gewürzt wäre: der hunger der guot koch wrtzt jn alles Seb. Franck sprichw. (1541) 1, 189a; mangel vnd noth wrtzen vnnd machen schmackhafftig Petri d. Teutschen weiszheit (1605) Nn 2b; ber tische sol man allen sorgenlast abbrden, und die speisen gleichsam mit frOelichem gesprAeche wrtzen Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. (1641) 8, 45; die liebe würtze dir (dem ehepaar) die kost J. Chr. Günther ged. (1735) 225; die stunde der tafel war seine einzige feierstunde ... hier verklärte sich seine stirne beym wein, den ihm fröhlicher muth und enthaltsamkeit würzten Schiller 7, 83 G.; gewürzt war dies köstliche mahl durch die auszerordentlichen tischreden von Hühnchen H. Seidel Leberecht Hühnchen (1899) 72. 33) übertragener gebrauch zu 2 steht von anfang an neben dem eigentlichen, er begegnet vor allem seit der mitte des 18. jhs. überaus häufig. 3@aa) eine sache, einen vorgang oder sonstige gegebenheiten wertvoll, interessant, delikat, pikant machen, ihnen eine besondere note geben. die in älterer sprache meist mitgegebene bildvorstellung vom eigentlichen gebrauch her verflüchtigt sich seit dem 18. jh. weitgehend: nâch den tugenden wirt aller lôn in himele gemezzen, wan got lônet deheiner guoten werke niwan alsô vil sie mit tugende gewurzet sint David v. Augsburg in: dt. mystiker 1, 351 Pf.; wen der trost und die sterckung nicht werh, werh allein gebotten: wer wurde hineyn (in die anfechtung) gahen? wann mans uns also wrtzet und suesz macht, szo geth es ein und schmeckt woll Luther 9, 589 W.; man muss die arbeit kürzen, und je mit frOelichkeit die sauren sorgen wrzen S. v. Birken ostländ. lorbeerhayn (1657) 121; ich ... kriegte meinen Euripides hervor und würzte diese unschmackhaffte viertelstunde Göthe IV 4, 288 W.; diese etwas von eifersucht gewürzte anspielung verstand Wendelgard nicht, da sie gutmütigen herzens war G. Keller ges. w. (1889) 6, 204; man freute sich über die bemerkung mit der ganzen bosheit, die unsre unterhaltung würzte Renn adel im untergang (1947) 233. mit intensivierender funktion: sie (eine ehemalige souffleuse) sei ein dreimal gewürztes frauenzimmer, versicherte er (der alte puppenspieler) stets nach solcher probe; nicht einmal die Lisei hab es (das puppenspielen) so schnell capirt Storm s. w. (1899) 4, 90. 3@bb) von der übertragenen bedeutung her kann die beziehung auf den eigentlichen gebrauch wiederhergestellt werden, so dasz würzen in bildlichen zusammenhang tritt. dabei steht für das eine sache oder einen vorgang interessant oder reizvoll machende die bildlich gemeinte bezeichnung einer gewürzzutat: ewer rede sey allezeit lieblich, vnd mit saltz gewrtzet, das jr wisset, wie jr einem jglichen antworten sollet Kol. 4, 6; darumb hat uns gott auch disen sussen lieblichen schatz (das evangelium) ein wenig gewuortzt und mit essig und myrrhen scharpffschmackich gemacht das wyr seyn nicht uberdrussig werden (1523) Luther 12, 226 W.; Salambo, streue den verliebten beyden auf bett und tisch das schAerfste saltz der freuden, das unser leben uns, wie saltz die speisen, wrtzt Lohenstein Sophonisbe (1680) 42; du hast mir, es ist nicht zu leugnen, einen stark gewürzten brief geschrieben, muskatennusz, englischgewürz, pfeffer und ingwer war drinn Hippel lebensläufe (1778) 3, 1, 374; mit ausnahme einiger weniger heuchlerischer schmarotzer hatten sonst alle ein aufrichtiges bedürfnis, sich durch gespräche und belehrungen über das, was ihnen nicht alltäglich war, zu erwärmen und besonders in betreff des religiösen und wunderbaren eine gewürztere nahrung zu suchen, als die öffentlichen kulturzustände ihnen darboten G. Keller ges. w. (1889) 1, 64.
7806 Zeichen · 134 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    würzenswv.

    Findebuch (Mhd. Wortschatz)

    würzen swv. HvNst.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Würzen

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Würzen , verb. regul. act. 1. Mit Würze, oder Gewürz schmackhaft machen. Eine Speise würzen. 2. Figürlich, eine angenehm…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    würzen

    Goethe-Wörterbuch

    würzen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Würzen

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Würzen , s. Genußmittel und Gewürze .

  5. modern
    Dialekt
    würzenschw.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    würzen schw. : 1. 'einer Speise Würzmittel zusetzen', weʳze (węʳdsə) [verbr., Christmann Kaulb 85 Mang 113 Krämer Gal 24…

  6. Sprichwörter
    Würzen

    Wander (Sprichwörter)

    Würzen Was soll würzen, muss (soll) man kürzen.

  7. Spezial
    würzen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    wür|zen vb.tr. saré (ite), dé les saus.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit wuerzen

5 Bildungen · 1 Erstglied · 1 Zweitglied · 3 Ableitungen

Zerlegung von wuerzen 2 Komponenten

wur+zen

wuerzen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

wuerzen‑ als Erstglied (1 von 1)

würzenei

DWB

wuerze·nei

würzenei , f. , gewürz: ingber und allerhand kostbare würzeneien Alexis Roland (1840) 2, 81 .

wuerzen als Zweitglied (1 von 1)

abwürzen

DWB

abwürzen , detruncare, jugulare, entweder für würgesen, einer frequentativform von würgen, die sonst ohne beweis ist, oder für abwurzeln, od…

Ableitungen von wuerzen (3 von 3)

bewürzen

DWB

bewürzen , condire, würzen: alles was an Taubmanno war, das lebte; an manchem lebt nur die zunge, die zwar scherzet und spielet und wol bewü…

gewürzen

DWB

gewürzen , verstärktes würzen ( s. d. ); vgl. angels. gewyrtian, to season with herbs Bosworth-Toller 473 a ; vgl. gewürzt ; die bestecken u…

verwürzen

DWB

verwürzen , vb. 1) spätmhd. und im älteren nhd. vereinzelt im sinne von ' würzen ' ; übertragen: nút geschehe uns, daz die sumerlichen bluom…