würzen,
vb. ,
ursprünglich eine seit dem 11.
jh. nachweisbare, aber nur selten bezeugte jan-
bildung zu wurz(e),
f. in dessen bedeutung 1 '
kraut, pflanze, blume'.
in frühnhd. zeit wird das wort auf würze,
f. '
gewürz'
bezogen; es wird seitdem in der schriftsprache häufig gebraucht, dringt aber kaum in die mundarten ein. 11)
etwas mit wohlschmeckenden oder -riechenden kräutern versehen. von wurz(e),
f. her, auf das mhd. beschränkt: ich scenkon dir gepîmenteten uuîn unte most ... so mir dîn corporalis praesentia per ascensionem uuirdit ablata, so uuil ih dir skeinan fortissimum feruorum amoris, mit demo ich dich minnon ex toto corde meo et ex omnibus uiribus meis, unte uuil des flîzan, daz der amor nîene sî otiosus, sunter mit guoten uuerchon conditus, alse der geuuurzeto uuîn Williram
paraphr. d. hohen liedes 60, 8
Seemüller; swaz du (
der herbst) uns gîst (
an nahrungsmitteln), daz würze uns wol baz dan man ze mâze sol, daz in uns werde ein hitze daz gegen dem trunke gange ein dunst, alse rouch von einer brunst und daz der man erswitze Steinmar
in: dt. liederdichter d. 12.—14.
jhs. 301, 31
Bartsch-Golther. einen leichnam einbalsamieren: des (
toten) küniges lîp gewürzet was, daz man vor gesmacke dâ wol genas Hugo von Trimberg
d. renner 24 277
Ehrismann; also wolte sie (
Maria) den begraben (
Christus) in dem grabe gesalbt haben, gebalsempt und gewortzet Heinrich v. Neustadt
gottes zukunft 3763
Singer; und (
Joseph) wart gewrczet mit wurczen und gelegt in einen sarch (14.
jh., Prager bibel, Gen. 50, 26) Jelinek
mhd. wb. 973. 22)
von würze,
f. her, im eigentlichen gebrauch: 2@aa)
eine speise oder ein getränk durch gewürzzutat anreichern, schmackhaft machen; vgl. condire wurtzen (15.
jh.) Diefenbach
nov. gl. 107
a;
gemma gemm. (1508) f 3
b: der einen fladen machen wölle von fleische, der nem fleisch ... und hackez cleyne ... und mengez mit eyern, daz ez dicke werde und würtzez mit pfeffer (14.
jh.)
buch von guter speise 26
lit. ver.; die basteten waren ettlich mit hüner und flaisch gemacht und wol gewürzt Ulrich von Richental
chron. d. Constanzer conzils 39
lit. ver.; das soll man auch allwegen acht nemmen, dasz man kein wein wrtze, er sej dann vor still worden, vnnd hab verjoren
M. Herr
feldbau (1551) 104
b; wann ich ... von denen gewrtzten pfeffer-kuchen, er sey welcherley arth er wolle, reden soll Ettner v. Eiteritz
mediz. maulaffe (1719) 33; überall dampften schon die kleinen, thönernen öfchen, auf deren kohlen ein mit knoblauch und zwiebeln gewürzter pilau, oder das brünette getränk des kaffees bereitet ward Schubert
reise i. d. Morgenland (1838) 1, 391; das richtige würzen der speisen ist eine grosze kunst. selbst einfache gerichte munden vortrefflich, wenn es gelungen ist, sie gut abzuschmecken P. E. Fuchs
unser kochbuch (1955) 9.
ähnlich: aber wahrhaftig, ihr habt zu viel kanariensekt getrunken, und das ist ein verzweifelt durchschlagender wein, der würzt euch das blut, ehe man eine hand umdreht
Shakespeare 6 (1800) 249; das beste zur vergeistigung des traubensaftes thut zwar die sonne, ihr licht ... würzt und versüszt die beere J. G. Forster
s. schr. (1843) 3, 6. 2@bb)
jünger auch in der beziehung auf aromatischen duft: die nelcke, die vorher den garten so geziehret, und unsre brust erquickt durch ein gewrtztes riechen
Hoffmannswaldau u. a. Deutschen ged. 4, 65
Neukirch; die staude würzt die luft mit nektardüften Schiller 11, 49
G.; und am gewürzten meergestade du palmengarten Indias Rückert
ges. ged. (1834) 4, 249; die unendliche flut des grün ... die wohlig warme, gewürzte luft P. Dörfler
um d. kommende geschlecht (1932) 51. 2@cc)
das attributive part. perf. kann die bedeutung '(
von natur aus)
würzig'
annehmen: der berge gipfel schmückt gewürzter kräuter mänge Drollinger
ged. (1743) 83. 2@dd)
die eigentliche bedeutung kann eine verschiebung zum uneigentlichen hin erfahren, wenn ein anderer faktor als eine wirkliche gewürzzutat, etwa eine seelische gegebenheit, hunger, mangel, ein gespräch o. dgl., unmittelbar auf die aufnehmende person einwirkt und dieser die betreffende speise so schmackhaft erscheinen läszt, als ob sie besonders gut gewürzt wäre: der hunger der guot koch wrtzt jn alles Seb. Franck
sprichw. (1541) 1, 189
a; mangel vnd noth wrtzen vnnd machen schmackhafftig Petri
d. Teutschen weiszheit (1605) Nn 2
b; ber tische sol man allen sorgenlast abbrden, und die speisen gleichsam mit frOelichem gesprAeche wrtzen Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. (1641) 8, 45; die liebe würtze dir (
dem ehepaar) die kost J. Chr. Günther
ged. (1735) 225; die stunde der tafel war seine einzige feierstunde ... hier verklärte sich seine stirne beym wein, den ihm fröhlicher muth und enthaltsamkeit würzten Schiller 7, 83
G.; gewürzt war dies köstliche mahl durch die auszerordentlichen tischreden von Hühnchen H. Seidel
Leberecht Hühnchen (1899) 72. 33)
übertragener gebrauch zu 2
steht von anfang an neben dem eigentlichen, er begegnet vor allem seit der mitte des 18.
jhs. überaus häufig. 3@aa)
eine sache, einen vorgang oder sonstige gegebenheiten wertvoll, interessant, delikat, pikant machen, ihnen eine besondere note geben. die in älterer sprache meist mitgegebene bildvorstellung vom eigentlichen gebrauch her verflüchtigt sich seit dem 18.
jh. weitgehend: nâch den tugenden wirt aller lôn in himele gemezzen, wan got lônet deheiner guoten werke niwan alsô vil sie mit tugende gewurzet sint David v. Augsburg in:
dt. mystiker 1, 351
Pf.; wen der trost und die sterckung nicht werh, werh allein gebotten: wer wurde hineyn (
in die anfechtung) gahen? wann mans uns also wrtzet und suesz macht, szo geth es ein und schmeckt woll Luther 9, 589
W.; man muss die arbeit kürzen, und je mit frOelichkeit die sauren sorgen wrzen S. v. Birken
ostländ. lorbeerhayn (1657) 121; ich ... kriegte meinen Euripides hervor und würzte diese unschmackhaffte viertelstunde Göthe IV 4, 288
W.; diese etwas von eifersucht gewürzte anspielung verstand Wendelgard nicht, da sie gutmütigen herzens war G. Keller
ges. w. (1889) 6, 204; man freute sich über die bemerkung mit der ganzen bosheit, die unsre unterhaltung würzte Renn
adel im untergang (1947) 233.
mit intensivierender funktion: sie (
eine ehemalige souffleuse) sei ein dreimal gewürztes frauenzimmer, versicherte er (
der alte puppenspieler) stets nach solcher probe; nicht einmal die Lisei hab es (
das puppenspielen) so schnell capirt Storm
s. w. (1899) 4, 90. 3@bb)
von der übertragenen bedeutung her kann die beziehung auf den eigentlichen gebrauch wiederhergestellt werden, so dasz würzen
in bildlichen zusammenhang tritt. dabei steht für das eine sache oder einen vorgang interessant oder reizvoll machende die bildlich gemeinte bezeichnung einer gewürzzutat: ewer rede sey allezeit lieblich, vnd mit saltz gewrtzet, das jr wisset, wie jr einem jglichen antworten sollet
Kol. 4, 6; darumb hat uns gott auch disen sussen lieblichen schatz (
das evangelium) ein wenig gewuortzt und mit essig und myrrhen scharpffschmackich gemacht das wyr seyn nicht uberdrussig werden (1523) Luther 12, 226
W.; Salambo, streue den verliebten beyden auf bett und tisch das schAerfste saltz der freuden, das unser leben uns, wie saltz die speisen, wrtzt Lohenstein
Sophonisbe (1680) 42; du hast mir, es ist nicht zu leugnen, einen stark gewürzten brief geschrieben, muskatennusz, englischgewürz, pfeffer und ingwer war drinn Hippel
lebensläufe (1778) 3, 1, 374; mit ausnahme einiger weniger heuchlerischer schmarotzer hatten sonst alle ein aufrichtiges bedürfnis, sich durch gespräche und belehrungen über das, was ihnen nicht alltäglich war, zu erwärmen und besonders in betreff des religiösen und wunderbaren eine gewürztere nahrung zu suchen, als die öffentlichen kulturzustände ihnen darboten G. Keller
ges. w. (1889) 1, 64.