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wolkenbruch

mhd. bis spez. · 12 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

wolkenbruch m.

Bd. 30, Sp. 1296
wolkenbruch, m. , heftiger regengusz, platzregen; jüngere form für ursprüngliches wolkenbrust, f. (nd. wolkenborst, f.), das nach dem rückgang der hochdeutschen verbalform bresten in der bedeutung 'brechen' im 15. jh. (s. v. Bahder wortwahl 50) nicht mehr in der bisherigen bedeutung verstanden wurde. nd. -borst setzte sich nicht in der schriftsprache wie das seit Luther übliche bersten durch, sondern das nach dem vb. brechen gebildete -bruch. die alten formen halten sich bis ins 18. jh. und sind heute noch mundartlich belegt. das 15. u. 16. jh. zeigen eine auffallende unsicherheit im gebrauch der formen des wortes. zusammensetzungen mit der einsilbigen form wolck- (s. o. wolke sp. 1283) bei Luther: wolckbrüche 30, 2, 544 W.; wolckborst dt. bibel 1, 499 W. die form -brust erscheint mit anlautendem p bei Diefenbach gl. 106b; Schmeller-Fr. 1, 367a; mhd. erz. 2, 285, 31 Eul., -brost verzeichnen Diefenbach gl. 314b; lat.-dt. voc. v. 1420, nr. 392 Schröer; Luther 41, 234 W.; (Wetterau) Crecelius 921; -brast, dialektisch noch in jüngerer zeit gebräuchlich, ist in anlehnung an mhd. brasten 'prasseln' gebildet, s. Kehrein Nassau 448; Schmid westerw. id. 332. die nd. formen mit metathese des r zeigen wechselnden stammvokal: -borst Theutonista 505 V.; s. auch Schiller-Lübben 5, 763a; Diefenbach gl. 106b; Luther dt. bibel 1, 499 W.; -barst bei Diefenbach gl. 106b und n. gl. 79b; -bürst bei Woeste 328. eine mischform -prucht bei Joh. Hartlieb dialog. mirac. 296, 20 Dr.; varianten der form -bruch finden sich nur vereinzelt als -broch, s. voc. inc. teut. ante lat. (1485) oo 7b; wb. d. lux. ma. 489; Heinzerling-Reuter Siegerl. wb. 329; formen mit anlautendem p bei Diefenbach gl. 106b und n. gl. 386a; Lori bergrecht 209. vereinzelt steht neutr. wolkenbrust bei Joh. v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 17640; wolkenbruch zeigt bisweilen feminine verwendung, wohl in anlehnung an das fem. wolkenbrust, s. Luther 30, 2, 295 W.; Gombert bem. u. erg. (1879) 18. 11) die mhd. belege lassen die von bresten im sinne von 'hervorbrechen' herzuleitende grundbedeutung des wortes erkennen: wolkenbrust (-bruch) bezeichnet das plötzliche losbrechen, das niederstürzen des regens, der als herabstürzende wolkenmasse aufgefaszt wird (vgl. mhd. niderbrüstic niederstürzend mhd. wb. 1, 257). das wort findet in der mhd. poetischen sprache mit vorliebe im vergleich verwendung, wobei stärke und geschwindigkeit des niederstürzenden regens als tertium comparationis dienen. in eigentlicher bedeutung: cathaclismus wolchenbrust ahd. gl. 3, 324, 28 (aus dem summarium Heinrici, junge fassung, hs. des 14. jh.); irdranc Isleve van ener wolkenborst unde vele lûdes dar inne Eike v. Repgow zeitbuch 466 lit. ver.; wan got hat also vertzwicket di wolken und geschicket, daz sy cleynlich zu lazen sich und by trophen sunderlich dyz wazzer vellet tropphelecht uz den wolken, daz ist slecht, durch die sache daz iz icht gantz valle nyder in der schicht, als ofte die wolkenbrust vallen durch den sunden just Hiob 10141 Karsten; nach hageln so kümen solch gusregen. mich hilffet weder tag noch schregen vor diser groszen wollckenprust mhd. erzählungen 2, 285, 31 Euling; grosze erschröckliche wasserflüte oder wolkenbruste Trautenauer chron. 192 Schl.; von ainer wolckenprwcht, die in Saxen viel und vil lewtt ertrenckt Joh. Hartlieb dial. mirac. 296 Dr.; im vergleich: reht als ain wildes wolkenbrust brast in gebirge hol, sus grüsenlich sin hant gab zol, swenne er den hufen durchbrach Joh. v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 17640 R.; dagegen: als ein wildiu wolkenbrust ebda 14953; ez mac vor im niht enwern: er sleht lewen unde bern ..., er bristet in die stürme als ein starkiu wolkenbrust Reinbot v. Durne hl. Georg 469 Kr.; ein fewr aisleich und groz wuetund aus dem perge schoz und als ein wolkenbrust ez floz (var. wolkerbruch) märterbuch 2559 Gierach. 22) im 15. jh. taucht die form wolkenbruch auf, die schlieszlich die bisher üblichen -brust, -borst und -brunst (s. d.) verdrängt und sich in der schriftsprache durchsetzt. mit wolkenbruch verbindet sich vom simplex bruch her die bedeutung 'scissura nubis', die sich jedoch sekundär gebildet haben kann und bald wieder verblaszt. die ursprüngliche bedeutung dagegen zeigt sich in der häufigen verwendung mit den verben fallen, stürzen, niedergehen u. ä. labrocera wolgkenbrost (md.) Diefenbach gl. 314b; catarrhacta wolckenbarst (nd.) n. gl. 79b; -bruch, -pruch, -prust (hd.), -borst, -berst, -barst (nd.) gl. 106b; nubifragium wolckenbruch oder platzregen gl. 384a; vorago wokchenprüch (sic!) n. gl. 386a; catharacta wulkinbrost lat.-dt. voc. (1420) 392 Schr.; wolkenborst Theutonista 505 V.; nubifragium, nimbus wolckenbroch voc. inc. teut. ante lat. (1485) oo 7b; ein platzschregen ... ut quasi nubes se aperirent wolkenbruch vocab. predic. (1486) d 3b; nimbus ein schlegrägen oder platzrägen, wulchenbruch Frisius dict. (1556) 868b; cataracta eine wolckenbrust oder wolckenbruch Bas. Faber thes. (1587) 146b. das wort cataracta der vulgata 1. Mos. 8, 2 überträgt die erste dt. bibel durch venster (ebenso Luther): die brunnen des abgrundes wurden beschlossen und die venster dez hymels, s. Kurrelmeyer 3, 66, 1; die bibeldrucke 1475 bis 1485 setzen: venster oder wolkenbruszt, Schönsperger 1487: wolkenbrüche, Schönsperger 1490: wolkenbruszt, Otmar 1507: wolkenbrüche. ähnlich 4.n. 7, 2 (Kurrelmeyer 5, 375, 17), ferner ps. 41, 8 (Kurrelmeyer 7, 303, 19), wo Luther handschr. 1524 wolckborst durch wasserwoge ersetzt, s. Luther dt. bibel 1, 499 W. und vgl. Franke schriftspr. Luthers 2, 123. 2@aa) die älteren formen wolkenbrust usw. halten sich noch im 16. und 17. jh. in der schriftsprache, schwinden dann aber im 18. jh. ganz (letzter beleg bei Hamann schr. [1821] 4, 274 Roth). Luther verwendet noch verschiedene formen nebeneinander. in eigentlicher bedeutung: a. d. 1203 ist bei ... Rhoda eine wolckenbrust nidergeschossen Chr. Irenäus wasserspiegel (1566) e 2b; von ... wulckenbursten und wasserfluten (ist) viel getreidigs im felde verdorben Cyr. Spangenberg mansf. chron. (1572) 96a; ein wolckenborst sey gefallen, das wetter hab angezündet Pape bettel- u. garteteuffel (1586) L 4b; zu Sachsen ist eine wolckenbrust gefallen Rivander düring. chron. (1596) 91; und läst bei solchen schweren gewitter und regen nicht wolckenbrüste fallen Herberger Jesus Sirach (1698) 605a; (es ist) eine wolkenbrust niedergegangen Chr. Lehmann hist. schaupl. (1699) 257. im wortspiel mit brust 'pectus': führst du mich in die kreutzeswüsten, ich folg und lehne mich auff dich. du nährest aus den wolckenbrüsten und labest aus den felsen mich W. Chr. Deszler bei Fischer-Tümpel ev. kirchenl. 5, 350. in der zwillingsformel wolkenbrust und sündflut bei Luther: da ist denn der papst mit seinen schädlichsten traditionen ... herein gefallen, wie eine wolkenbrust und sündfluth tischr. 4, 57 W.; dann es ist (layder) nu gar mit wolckenbrust unnd sindflut eingerissen und alles uberschwemmet w. 47, 759 W. metaphorisch für grosze menge: ein iglicher hirt treibet teglich ein gantze grosze wolckenbrust von milch, buter und kese yn die stad tischr. 1, 590 W.; wolckenburst mit ... lügen und bescheisserey w. 30, 3, 315 W.; wolckenburst und syndflusz des unseglichen ablas w. 8, 692 W.; unvorsehens eröffnete sich ein fenster, woraus eine grosze wolckenbrust mit allerhand materialien angefüllet, den armen geschminckten wegweiser über den kopf fiele Riemer pol. guckguck (1684) 157. 2@bb) seit dem 16. jh. gewinnt die jüngere form wolkenbruch gröszere verbreitung. vereinzelt in der bedeutung ruptura, scissura nubis: elisi nubibus ignes gond ausz einem wulchenbruch Frisius dict. (1556) 467b; gantz wolckenbrüch thun sich auff Seb. Franck Germ. chron. (1538) 170; wann schier ein wolckenbruch geschicht, und das gewässer weit auszbricht Spreng Äneis (1610) 188b; dann solchs begibt sich vil, das ein platz (platzen einer wunde) geschicht wie ein wolckenbruch Paracelsus chirurg. 118b Huser; es thäten sich die wolckenbrüche auf le cataratte del cielo si apersero Kramer teutsch-it. dict. 2 (1702) 1384c. konkret gefaszt als stürzende regenmasse, meist in verbindung mit verben wie fallen, niedergehen u. ä.; 'die plötzliche verwandlung einer groszen wolke in wasser, das plötzliche herunterstürzen der in einer groszen wolke befindlichen dünste, welches durch sturmwinde, oft auch durch das zusammenstoszen mehrerer regenwolken entstehet. es ist ein wolkenbruch gefallen. im oberdeutschen sagt man er ist niedergegangen' Adelung 4 (1801) 1606: darnach im andern jar, anno 1384 gieng ein wolckenpruch zu Giengen ernieder, dasz sich meniglich sterbens het verwegen Seb. Franck Germ. chron. (1538) 239b; wie er (gott) zu Noah zeiten gantze wolckenbrüch niedergehen lies Mathesius Jesus Syrach (1586) 3, 63a; anno 1560 ... fiel ein wolckenbruch Hennenberger ercl. d. preusz. landtaffel (1595) 96; wann aber grosze wolckenbrüche ... jähling einfallen Fleming d. vollk. teutsche jäger (1719) 75; der wolkenbruch, der auf die fluren stürzt und thäler überschwemmt Hölty ged. 119 H.; als eine schon seit langer zeit über unserem haupte hängende wolke sich plötzlich in einem wolkenbruche auf uns herniederstürzte Pückler briefw. (1873) 2, 251; in der Schindelau ging ein wolkenbruch auf uns nieder Stifter s. w. 21 (1928) 268. als atmosphärischer vorgang aufgefaszt, in ähnlicher verwendung wie gewitter, schauer, regengusz u. ä.: wer hat doch vor gehört von allen von wolckenbrüch und regengüss so überlauff der wasserflüss, das sie auch landt und leut hin nemen? Hans Sachs 11, 405 K.; begäb sich aber, dasz bey einer gruben ain schad geschäche durch wolckenpruch ..., so (a. 1531) Lori bergrecht 209; (jetzt sucht er) durch ungestümm platzregen oder wolckenbrüch der erden nutz zu ertrencken Seb. Franck sprichw. (1541) 1, 120b; viel gehet ... im regen hin, viel im wulkenbruch, viel im schawer und groszem hagel Paracelsus opera (1590) 8, 246; zu Stutgart hat ... ein wolckenbruch ein stuck von der stattmauren gerissen Stumpf Schweizerchron. (1606) 113a; mitten in der nacht, wenn die wolkenbrüche rissen und der luft geschüzz erkracht Stieler geharnschte Venus 12 ndr.; seine ... heimat ist in gebürgigten ... gegenden ... wo oft ... wolkenbrüche toben Hirschfeld gartenkunst (1779) 2, 119; der ganze himmel scheint im wolkenbruch herabgeflossen Schiller 6, 390 G.; alle blätter waren eben davon voll gewesen, dasz Merseburg an einem so fürchterlichen wolkenbruche gelitten hätte, von welchem ganze straszen zerstört worden Gutzkow ges. w. (1872) 11, 49; ich sah auf den ... wald, der mit seinen zacken an dem himmel dahingeht, an dem die gewitter und wolkenbrüche hinabziehen Stifter s. w. 5, 1 (1908) 20. im vergleich menge, überfülle, plötzlichkeit bezeichnend: was ist ewr kirchen stand fur unserm evangelio gewesen denn eitel tegliche newigkeit ... dazu mit hauffen, wie eine wolckenbruch herein gerissen Luther 30, 2, 295 W.; wie wolkenbrüche ströhmten die geister der todten herzu Klopstock Messias (1780) 582; die freude fällt auf mich wie ein wolkenbruch Fr. L. Schröder dram. w. (1831) 2, 95; hat man nichts zu hause, so kommen die gäste wie wolkenbruch und hagelschlag Hebbel w. 5, 283 W. in metaphorischer verwendung in bewegt-hyperbolischer sprache: ob dich hie nicht uberfallen werden plötzlich nicht allein tropffen, sondern eitel wolckbrüche mit sunden Luther 30, 2, 544 W.; ob nun wol unsers doctors platzregen und wolckenbrüch den münchen ... den weg zurreiszen Mathesius ausgew. w. 3, 365 L.; ihr wolkenbrüch der thränengüsse Stieler geharnschte Venus 52 ndr.; ach, welchen wolckenbruch wird nicht dein auge schütten J. Chr. Günther s. w. 3, 26 Krämer; ein wolkenbruch von steinen E. v. Kleist w. 1, 256 S.; jede scholle mit deutschem blut überschwemmt, als hätte es wolckenbrüche von blut geregnet Kürnberger siegelringe (1874) 154; Beethoven ... stürzt ... einen wolkenbruch von juwelen über das volk Stifter s. w. 1 (1904) 80. im fluch: wolkenbruch und hagel! Göthe I 9, 113 W.; wetter und wolkenbruch! quelle v. 1936. —
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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    wolkenbruchstm.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +2 Parallelbelege

    wolken-bruch stm. s. unter dem folgd.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Wólkenbrúch

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Der Wólkenbrúch , des -es, plur. die -brǘche, die plötzliche Verwandlung einer großen Wolke in Wasser, das plötzliche He…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Wolkenbruch

    Goethe-Wörterbuch

    Wolkenbruch [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Wolkenbruch

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Wolkenbruch , das plötzliche Herunterstürzen von bedeutenden Regenmassen, die oft in Begleitung von Gewittern auftreten …

  5. modern
    Dialekt
    Wolkenbruch

    Bayerisches Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    Wolkenbruch Band 3, Spalte 3,521

  6. Spezial
    Wolkenbruch

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Wol|ken|bruch m. (-[e]s, ...brüche) sdramada (-des) f. , jutada (-des) f. , ploiüda (-des) f. ▬ es findet ein Wolkenbruc…

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Zerlegung von wolkenbruch 2 Komponenten

wolken+bruch

wolkenbruch setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

wolkenbruch‑ als Erstglied (3 von 3)

wolkenbruchähnlich

DWB

wolkenbruch·aehnlich

wolkenbruchähnlich , adj. : wolkenbruchähnliche regen stürzten herab Mor. Wagner Kaukasus (1848) 1, 3 ; Varnhagen v. Ense tageb. (1861) 3, 1…

wolkenbruchartig

DWB

wolkenbruch·artig

wolkenbruchartig , adj. : ein wolkenbruchartiger regen Spielhagen s. w. (1872) 7, 182 ; A. v. Humboldt kosmos (1845) 4, 330 ; der regen scho…

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Cotta, M. (2026). „wolkenbruch". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 16. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/wolkenbruch/dwb
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Cotta, Marcel. „wolkenbruch". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/wolkenbruch/dwb. Abgerufen 16. May 2026.
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Cotta, Marcel. „wolkenbruch". lautwandel.de. Zugegriffen 16. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/wolkenbruch/dwb.
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