windstille,
f.,
tranquillitas Frisius
dict. (1556) 1323
a;
bes. auf dem meer: auf der se wahr eine ... lihbliche windstille Zesen
Rosemund 11
ndr.; hingegen wurden die segel der cimbrischen schiffe wie bey der grösten windstille schlaff Lohenstein
Arminius (1689) 2, 889
a; es herrschte eben eine grosze windstille und das meer war so glatt wie ein spiegel Wieland
Lucian 4 (1789) 173; wir ... haben windstille, das schiff will nicht vor- noch rückwärts Caroline 2, 140
Waitz; aber auch sonst: es war windstille, wodurch die flammen verhindert wurden, sich weiter zu verbreiten Eschenburg
beispielsammlg. (1788) 8, 485; wenn es bei herrschender windstille dicht und unablässig schneite J. Rank
erinnerg. (1896) 73; eine vollkommene windstille der luft, in der kein blättchen an den bäumen sich bewegte H. v. Kahlenberg
Eva Sehring (1901) 21;
öfter erwähnt als vorbote des sturms: hat er auch gleich eine zeit lang guttes weter oder windstille, so folget doch bald darauf ein sturmwind Butschky
Pathmos (1677) 349; je länger die windstille dauert, je stärker wüthet der auf sie folgende sturm H. L. Wagner
Voltaire 5
Seuffert; so sei die windstille ... das furchtbare und der sturm ... die erlösung gewesen Stifter
sämtl. w. (1901) 2, 239.
vergleichsweise und bildlich, ausgehend von dem gegensatz zum sturm, als dessen vorbote: eine solche ruhe (
würde,) gleich einer windstille auf dem meer, der gewisse vorbote des sturms ... seyn Wieland
Agathon (1766) 2, 178; madame Klotz verlor vor schrecken die sprache und zog sich stumm zurück, doch dieser windstille folgte bald ein heftiger sturm Langbein
schr. 5 (1841) 224;
bes. in der wendung: die windstille vor dem sturm Gutzkow
ritter vom geiste2 3, 164; die windstille vor dem sturm hat mich getäuscht Hebbel
werke 10, 228
W.; Mommsen
röm. gesch.7 1, 827;
unter hervorhebung des verdächtigen momentes: den sinnen (
ist) so wenig als der windstille des meeres zu trauen Harsdörffer
gesprächsp. (1641) 4, 75; die alte trügerische windstille Gutzkow
ritter vom geiste (1850) 1, 220;
auch soviel wie tatenlosigkeit, ereignislosigkeit: die Deutschen werden ... in schlafsucht wie das meer nach hefftigem sturme in eine windstille gesetzet Lohenstein
Arminius (1689) 1, 728;
so auch in meist latentem gegensatz zu erfrischendem oder in bewegung setzendem wind, seltener von einem einzelnen: der parasit (
lebt) in ... windstille Wieland
Lucian 1 (1788) 252;
gewöhnlich mit attributiver bestimmung des geltungsbereiches: wo etwa einmal eine zeitlang akademische windstille ist, da zieht sich dieses comment unter die mittelmäszigsten köpfe zurück; wo aber frischer wind ... des lebens weht, da sind auch die besten und kühnsten eifrige pfleger derselben E.
M. Arndt
schr. f. u. an s. lieben Deutschen (1845) 2, 260; in den jahren der europäischen windstille Gervinus
gesch. des 19.
jh. (1855) 4, 135; in der zeit der politischen windstille Scherer
kl. schr. 2, 122;
von pausen in der unterhaltung: eine in windstille versetzte gesellschaft (
sucht nach) einer redensart, um sie in die segel der conversation zu hauchen Immermann
Münchhausen2 1, 38;
von unschöpferischen perioden: wochen der windstille, da keine strophe, kein vers gelang Carossa
verwandl. einer jugend (1928) 201;
seltener in positiver wertung: also genosz unter Maximiliano dem ersten die gantze welt einer solchen windstille und fridsamkeit v. Brandis
ehrenkräntzel (1678) 193; die windstille seines gewissens Lohenstein
George Wilhelms lobschrifft in Ibrahim Sultan u. a. ged. (1679) e 4
a; eine innere windstille, die nirgends so grosz und so magisch ist als in seelen, an denen wirbelorkane hin- und hergerissen haben, überdeckte sein ganzes wesen mit einer sehnsüchtigen wonne Jean Paul
w. 7/10, 557
Hempel.