windmühle,
f.; mhd. wintmül;
ebenso Alberus d dj
a; wintmole Trochus o 5
b; wintmyli
gemma gemmarum (1512) d 2 c;
plur. windmüllen Rollenhagen
froschm. z i
b;
älter windmülinen Fronsperger
kriegsb. 1, n 2
a und windmühl Schottel
haubtspr. 811. 11)
im eigentlichen sinn '
eine vom winde getriebene mühle', 1@aa)
zum unterschied von wasser-, rosz-
und handmühlen Fleming
vollk. t. sold. 404;
von dem block oder bock, auf dem sie steht (
th. 2, 204),
auch blockmühle
genannt Jacobsson 4, 656
a;
und geschieden in bockwindmühle
und holländische w. Mothes
baulex. 4, 482;
auszer zum mahlen des getreides auch verwendet zum pumpen Jung-Stilling
schr. 4, 670,
als gebetmühle Ritter
erdk. 3, 143,
als altweibermühle maler Müller 1, 312. 1@bb)
sie gibt anlasz zu mancherlei bildlichen redensarten, vor allem durch 1@b@aα)
das leichte umherdrehen: allermaszen .. der lauft aber sogleich nicht herum gedrehet werden kann, als eine windmühle Döbel
jägerpract. 2 3, 174; Göthe IV 28, 249
Weim.; eine windmühle und eines frauenzimmers herz sind so unbeweglich wie felsen in vergleichung ihrer
sammlung v. schausp. (
Wien 1764/69) 8, 56; 1@b@bβ)
die raschen bewegungen ihrer flügel: einer salzsäule ähnlicher als einer windmühle C. Weise
comödienprobe 37; dasz sie sich ... zweimal im rade überschlugen, im schleunigsten wirbel, einer windmühle zu vergleichen Tieck
schr. 5, 559; Voigt malte schneller als eine windmühle, in die der sturmwind bläst B. v. Arnim
Günderode 1, 132;
oder der räder des mühlwerks: sein maul also gänge zu machen wie eine windmühle Agyrtas
[] grillenvertreiber II 128; Scheit
grob. v. 2808
neudr.; sein maul geht wie eine windmühle Schellhorn
sprichw. 61;
oder beider gleichzeitig: es saust mir im gehirne, als ob eine windmühle drinnen wäre Schröder
dram. werke 3, 129; Kotzebue
dram. werke 18, 42; 1@b@gγ)
den grotesken anblick der sich bewegenden flügel: deswegen sprang er in seinem mantel herum, dasz man ihn von ferne gar leichtlich vor eine windmühl hätte halten .. können
Z. a Zendoriis
winternächte 635; Eichendorff
werke (1864) 2, 63;
schon frühe gern als beispiel einer besonders tollen verwechslung: (
die kirche) macht ausz einer kue ein windmüle, ausz eim esel ein sackpfeife Fischart
binenkorb 150
b; ihn zu bereden, dasz er ja dasjenige, was ihm als ein baum vorkömmt, für eine windmühle ansehen möchte J. E. Schlegel
werke 5, 138; 1@b@dδ)
die einförmigkeit ihrer bewegungen und ihres klapperns: die windmühl des gebrauchs läszt sich nicht leicht vernichten Harsdörffer
secret. 1, ll ii
b; eure hochtrabende worte gehn immer bei der windmühle: weg weg Stoppe
Parnasz 487; 1@b@eε)
das laute klappern: die fragen, die er mit der beweglichkeit einer lustig klappernden windmühle .. ausführte Holtei
schr. 5, 130;
namentlich beim leergehen: sind wir menschen doch windmühlen, die nur dann klappert, wenn es dem stein an mehl gebricht Hebbel
briefe 1, 96; ein soldätchen, das im frieden mit dem langen säbel klirrt, gleicht der windmühl, deren flügel ohne korn im steine schwirrt W. Müller
ged. 335
Hatfield; 1@b@zζ)
die abhängigkeit von äuszeren umständen: die windmühl ohne wind nicht geht Schottel
friedenssieg 35
neudr.; weitere redensarten s. bei Wander 5, 265. 1@cc)
daher bildlich für mancherlei sinnliches und unsinnliches: 1@c@aα) '
leichtfertiger, unwissender mensch',
vgl. windmüller, windbeutel
u. ä.: der sohn und das jüngere mädchen sind ordentliche windmühlen und können nichts Gottsched
dt. schaub. 5, 104. 1@c@bβ)
drehungen oder bewegungen, die denen der windmühlenflügel gleichen: besonders verschmähte (
beim ballet) eine ... Engländerin die schlechten sprünge, windmühlen
u. dgl. Solger
schr. 1, 498;
ein turnerischer beinsprung F. L. Jahn
werke 2, 53; mit einem stocke windmühle schlagend Rank
aus dorf u. stadt 1, 12. 1@c@gγ)
sonderbare, rasch wechselnde gedankengänge: demnach er so schöne grillen und poetische windmühlen im kopfe hat, sol er ... bestalter hofnarr sein Rist
d. friedejauchz. Teutschl. 249. 1@c@dδ)
unter dem einflusz von Cervantes
besonders '
eingebildete gegner, vermeintliche schwierigkeiten'
; anfänglich mit genauem anschlusz an den ursprünglichen vorgang: so haben die herren gut streiten; ihre einbildung verwandelt windmühlen in riesen Lessing 10, 113; seine aufgestoszene windmühlen, riesen und narren Schubart
briefe 1, 92
Strausz; bald aber als feste redensart: mit windmühlen kämpfen Sonnenfels
schriften 6, 228; fechten Bode
Montaigne 6, 13; kampf mit den windmühlen Iffland
theatr. werke 8, 96;
vereinzelt auch im singular: bin ich nun gleich gegen eine windmühle losgezogen Pückler
briefw. 3, 140. —
mit wegfall der vorstellung des kampfes '
wahngebilde, phantom'
überhaupt: es ward von der Donquichotterie und den windmühlen ... gesprochen Hippel
lebensl. 2, 69; das (
Rousseaus wiederholte vertreibungen) waren also doch keine windmühlen, und Rousseau war also kein Don Quichotte Zimmermann
einsamk. 2, 189; die windmühle einer universalmonarchie J. v. Müller
werke 9, 9. 22)
ein '
windrad oder -rädchen',
meist in der verkleinerungsform; als kinderspielzeug (
giraculum) Diefenbach
gl. 263
b. sich, nimm ouch hin das röszlin min und dises hübsch wintmülelin
schweiz. schausp. d. 16. jhs. 2, 71
Bächtold; [] oder auf einer stange, auf dem dache u. dgl. Wickram
werke 4, 63; B. Goltz
jugendleben 3, 295. 33) '
scheunengeräth zum reinigen des gedroschenen getreides durch luftzug',
vannus Schmeller 2, 1589;
machina spiritalis Emmelius
ncl. 376;
els. Martin-Lienhart 1, 675;
steir. Rosegger
schr. 4, 24;
auch windstaubmühle Dentzler 354
a. 44)
nicht näher zu bestimmender meerfisch, eine art thunfisch: rota bellua marina est cetarii generis, ein radwald oder windmülen Faber
thes. 698
a.
windmühlenflügel, m. Gutzkow
werke 8, 287. —