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windbeutel

nhd. bis sprichw. · 9 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

windbeutel m.

Bd. 30, Sp. 269
windbeutel, m. , ein mit luft gefüllter beutel, ndl. windbuil; vgl. windsack und engl. windbag; erst im 18. jh. nachweisbar, über das ganze sprachgebiet verbreitet, namentlich auch in der volkssprache; fast nur übertragen angewandt; 11) auf sachen und thiere; 1@aa) ein leichtes, aus eiern, mehl und milch bestehendes backwerk Jacobsson technol. wb. 8, 204b; Seidel vorstadtgesch. 24. 1@bb) eine art frösche, rana boans Nemnich 3, 649. 22) auf menschen: 2@aa) grundbedeutung 'ein falsche vorstellungen erweckender, werth- und gehaltloser mensch'; nach Adelung stärker als windmacher, nach Campe schwächer als windsack; mehr oder minder gleichbedeutend mit windball, -brecher, -büchse, -bursche, -commissär, -flasche, -flügel, -hauer, -hund, windicus, windkerl, -müller, -wachel, sowie mit engl. windbag. mundartlich belegt z. b. aus Wien Loritza 143; els. Martin-Lienhart 2, 121; bair. Hartmann volksschausp. 216; waldeck. Bauer-Collitz 114a; leipz. Albrecht 237a. 2@bb) die besonders hervortretende vorstellung kann je nach dem einzelnen fall sehr verschieden sein, vor allem 'lügner, unzuverlässiger mensch': hurtige versprecher sind immer windbeutel K. G. Lessing die mätresse 20, 17 (i 11) neudr.; 'prahler': der character eines windbeutels und bramarbas Lessing 6, 267; was man ... im gemeinen leben einen windbeutel oder aufschneider und prahler nennt Knigge umgang 1, 175; 'leerer schwätzer, hohler kopf': windbeutel, die mit groszen worten nichts sagen Sulzer theorie d. sch. künste 1, 699; du magst mir wohl selbst ein leerer kopf und ein groszer windbeutel sein Wieland Lucian 1, 379; 'taugenichts': ein saubres früchtchen; ein windbeutel Iffland werke 1, 123; 'überspannter projectenmacher': ein windbeutel, ein obenaus Tieck schr. 3, 32; 'laffe, geck, stutzer': ein reicher junger laffe, ein rechter windbeutel Bauernfeld schr. 1, 101; die ringe an den fingern, so tragen sich hier zu lande die windbeutel Droste-Hülshoff werke 2, 324; 'hungerleider, landstreicher': ihr hungrige windbeutel, müszt überall frech stolziern und puren dreck für golde in eurem maul thut führn Ditfurth volksl. d. preusz. heeres 20; ihr seid ein windbeutel, ein landstreicher! Bauernfeld schr. 5, 15; 'pfuscher, schwindler': für das paar alte weiber und lendenlahme, das die windbeutel (die ärzte) .. hinhalten, bringen sie tausend junge gesunde leute .. unter die erde Heinse werke 9, 410. 2@cc) der gefühlston wechselt entsprechend und kann von nachsichtigem tadel (es war doch ein schlechter streich von den jungen windbeuteln Arnim werke 1, 161) und mitleidigem spott (ein armer lächerlicher windbeutel Brentano schr. 7, 465) bis zur tiefsten verachtung sinken: wie? diesem windbeutel? diesem nichtswürdigen? Löwen schr. 4, 265. 2@dd) fast nur von männern, namentlich jüngeren, selten von frauen oder mädchen: er aufrichtig und offenherzig, sie ein falscher artiger windbeutel C. F. Weisze lustsp. 1, 251; sogar der bediente .. verhöhnte mich. 'doch, jgfr. windbeutelchen', sagte er zuletzt Hermes Sophiens reise 5, 65. 2@ee) besonders gerne von gewissen (gelehrten) berufsarten, wie ärzten, philosophen, schriftstellern u. ä.: eine sammlung theologischer und artistischer windbeutel Thümmel reise 10, 255; das benehmen dieser politischen windbeutel Ruge briefw. 2, 81; und von gewissen völkern oder volksstämmen: du kleiner französischer windbeutel! Gottsched schaub. 5, 103; preuszische w. Holtei erz. schr. 22, 51. 2@ff) in verbindungen wie luftige (Hegner schr. 5, 309), übertünchte (Göthe 38, 95 Weim.), durchtriebenste (Schumann schr. 1, 154), adeliche w. (Schiller 3, 363); ein w. von schneider Holtei schr. 18, 100; tagdieb, schmarotzer und windbeutel Schubart leben u. ges. 2, 7; plusmacher und w. Knigge umgang 1, 37; die klatscher und w. Klinger werke 12, 82; windbeutel, narr, luftspringer Arndt schr. f. u. an s. l. Dt. 1, 372; windbeutel! luftfechter! Immermann 14, 167. —
3961 Zeichen · 76 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Windbeutel

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Der Windbeutel , des -s, plur. ut nom. sing. 1. Ein windiger Mensch, welcher vieles Geräusch ohne Gründlichkeit, viele u…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Windbeutel

    Goethe-Wörterbuch

    Windbeutel [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    Windbeutel

    Bayerisches Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    Windbeutel Band 2, Spalte 2,435f.

  4. Sprichwörter
    Windbeutel

    Wander (Sprichwörter)

    Windbeutel Es ist ein Windbeutel. Dem Wortlaute nach hauptsächlich ein Mensch, der nur so thut, als ob er Geld im Beutel…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit windbeutel

4 Bildungen · 3 Erstglied · 1 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von windbeutel 2 Komponenten

wind+beutel

windbeutel setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

windbeutel‑ als Erstglied (3 von 3)

windbeutelei

DWB

windbeutelei , f. , wesen und thun eines windbeutels. 1) schwächer ' geflunker, schlaue redegewandtheit ': hier half mir ein wenig windbeute…

windbeutelig

DWB

wind·beutelig

windbeutelig , adj. , auch -beutelich, -lisch; leichtfertig, ohne festen grund, unzuverlässig, prahlerisch, lügenhaft: Frankreichs windbeutl…

windbeutel als Zweitglied (1 von 1)

schwindbeutel

DWB

schwind·beutel

schwindbeutel , m. ' lederner beutel, mit allerlei kräutern, kirchhof-erde, ackermaus-ohren u. s. w. angefüllt, um kühen, die die schwindsuc…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „windbeutel". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/windbeutel/dwb
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Cotta, Marcel. „windbeutel". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/windbeutel/dwb. Abgerufen 12. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „windbeutel". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/windbeutel/dwb.
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