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willfahren

nhd. bis sprichw. · 6 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

willfahren schw. v.

Bd. 30, Sp. 175
willfahren, schw. v., mit haben; erst spätmhd. *willenvâren (belegt nur willenvarn, st. v., neben willevarer, m., Lexer; dagegen aus späterer zeit: aufzuwarten und zu willenfahren acta publ. 3, 306), das sich frühnhd. weiter entwickelt zu willfahren, hauptsächlich wohl entsprechend der in dieser zeit vorherrschenden form will, m., für mhd. wille, m. (oben sp. 138). — zuerst wohl obd., gebucht von Frisius (1556) 95a und Maaler (1561) 500c, beidesmal in Zürich. den zweiten theil der zusammensetzung erkannte schon J. Grimm (s. oben th. 3, 1256-58) als mhd. vâren, schw. v., nachstreben, nachstellen, ahd. fârên, das meist mit dem genetiv, manchmal auch mit dem dativ verbunden wurde; daher: ichn vâr sîns willen als ich sol Gregorius 2239; man sol ir willen vâren Frauendienst 857, 1; got wolte ir willen vâren Lohengrin 32; ähnlich: triuwe, rehtes vâren mhd. wb. 3, 271; noch später: foren fremdes willen, sines willens ze foren Keisersberg; näheres zeitschr. d. allg. d. sprachv. 1908, 370. die ältere zeit behandelt willfahren noch als lose zusammensetzung; daher finden sich vereinzelt willzufahren (willig, der keiserlichen majestat hierin willzefaren Blaurer an H. Bullinger [1548], briefw. 2, 689) und willgefahrt (also ward der burgerschaft .. alles, wie gehört, willgefart und zugelassen Sleidanus reden [1557] 76b); doch ist zu willfahren schon bei Luther die regel. der ton bleibt mindestens bis ins ausgehende 18. jh. auf der ersen silbe, also wíllfahren, weshalb das ältere part. perf. gewillfahrt lautet (gwillfahrt Freiburger passionsspiele 63 Martin; gewillfaret Montanus 167 Bolte; gewillfahrt Moscherosch gesichte 383; so noch bei Campe, Göthe und späteren; namentlich obd., vgl. zeitschr. f. d. wortforsch. 1, 314 und offenbaren). der neuere sprachgebrauch hat sich für willfáhren und willfáhrt entschieden. doch ist letzteres auch schon im 17. jh. zu belegen, s. unten die stelle aus Harsdörffer. schon im mhd. ist anschlusz zu beobachten an varn, fahren, st. v., vgl. willenvarn Lexer; daher vereinzelt im prät. willfuhr Schiller 1, 59, im part. perf. willfahren (wöltest du ihme in söllichem gehaisz wilfaren haben Schwarzenberg Cicero 71; also hat man ihnen hierinnen willfahren engl. comedien u. traged. a 3b), in 2. 3. sing. praes. willfährst, willfährt, was im neueren sprachgebrauch ganz durchgedrungen ist (wann er in diesem der oberkeit wilfert Clemen flugschr. 2, 440; willfährt ihm und vergibt Ayrenhoff 2, 47; aber: dann neigt er vor sich und willfahrt [:bart] Rückert werke 12, 303.) ganz vereinzelt bleibt anbildung an mhd. vüeren; so willfrn als variante für willfaren und gehorsament erste dt. bibel 7, 67; denen bösen ratgeben in solchem nit wilfuoren Murner an den adel 5 neudr. die person, der man willfährt, steht ursprünglich, soweit sie nicht durch ein pron. possess. ausgedrückt ist, in einem von willen abhängigen genetiv: eines willen vâren; mit eingetretener verschmelzung des substantivs mit dem verbum folgt aber willfahren bald dem vorgang von sinnverwandten verben wie gehorchen, folgen und verlangt den dativ der person; so schon bei mhd. willenvarn, bei Maaler und als regel bei Luther; vgl. die ähnliche entwicklung von in (nach, zu) eines willen fahren, oben sp. 154f.; der kreis der objecte erweitert sich dann im 17. und 18. jh. von personenbezeichnungen auf ausdrücke des wünschens und begehrens: einem wunsche willfahren; auch wird gebrauch ohne erläuternden zusatz möglich.vereinzelt bleiben fälle transitiven gebrauchs, wohl nach dem muster von befriedigen u. ä.: sie sint im gram und suochent nit, wie sie in wilfaren, sunder in rechen Terenz deutsch 69b glosse; als er aber ... nochmals bittete, ihn in das gefängnis zu legen, .. hat ihn der bannrichter willfahrt Harsdörffer schaupl. jämerl. mordgesch. 334; oder von bewilligen, also mit sächlichem object: aber der bapst wollte .. nichts willfahren Rätel Curaei chronica (1607) 109; wenn sie dieses begehren willfahren bibl. ält. schr. der Schweiz II 1, 65; auch mit gleichzeitigem dativobject: die Stettinischen wuszten anfänglich hierinnen dem herzogen nichtes zu willfahren Micrälius altes Pommerland III 468; besonders passivisch, s. oben den beleg aus Sleidanus: ihnen war von den teuflen etwas mehr gewillfahrt als andern Moscherosch gesichte 1, 383; welches ihm auch willfahret worden ist Arnim trösteins. 205; vereinzelt mit vermengung zweier vorstellungen und gebrauchsarten: die versammlung willfahrte (genehmigte) dem eintritte bewaffneter männer Dahlmann gesch. d. frz. revol. 438. im allgemeinen bleiben bedeutung und gebrauch durch die jahrhunderte hindurch gleich: also hat Christus ... gelernt, ... unsern widersachern zewilfaren B. v. Chiemsee theol. 542 (hier im sinne von nachgeben; ebenso dem feind wilfaren, ein vertrag mit im annemmen, sich mit im vereinbaren Frisius dict. 16b); denn die liebe ist yderman schuldig zu dienen und zu wilfaren, auch den feinden Luther 26, 581 Weim.; so wolle er ihm einen geist zuschicken, der ihme bis an sein ende dienen werde, und nicht von ihm weichen, ja in allem und jedem willfahren, was nur seinem herzen würde belieben zu wünschen Widmann Fausts leben 107; (es) resolvirte der feldmarschalk .. einen zug in die ober Pfalz vorzunehmen, und hiedurch .. der stadt Nürnberg mit verwehrung des streifens zu willfahren Chemnitz schwedischer krieg 2, 157; welches er nechsten tags zu thun sich erbotten, mit vermeldung, dasz er wol leiden möge, dasz uns ... gewillfahret werde Harsdörffer secretarius 1, xx 8a; als er (der könig) dem pabst misztruwet, er hätte die botten im mer zum nachtheil gesant, wolt er inen nit willfaren Tschudi chronicon Helveticum 1, 29; aber er willfahrte uns auf die verbindlichste art Wieland 3, 254 acad.-ausg.; er thut das, weniger um der neigung seines bruders zu willfahren, als um einem gröszern übel vorzubauen Lessing 10, 197; nachdem wir nun insoweit unsrer neugier gewillfahrt Göthe 46, 217 Weim.; was den zweiten punct betrifft, ..., so ist man auch hierin zu willfahren auszer stande IV 22, 264 Weim.; da sie ihm willfahrt und gerne lächeln mögte J. J. Engel schriften 7, 337; die politik des Wiener kabinets wollte diesem ansinnen nur bis auf einen gewissen grad willfahren Gentz schriften 1, 262; dasz .. ich ihrem gesuche um eine unterstützung der von ihnen unternommenen litterarischen werke nicht willfahren kann Hoffmann von Fallersleben 8, 143; ohne ergänzung: ich gebe ihnen mein wort, dasz der herzog willfahren wird Schiller 3, 442 (kabale u. liebe 3, 6).
6541 Zeichen · 133 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Wḯllfahren

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Wḯllfahren , verb. regul. act. ich willfahre, gewillfahret, eines Willen, dessen Verlangen erfüllen, mit dem Dative der …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    willfahren

    Goethe-Wörterbuch

    willfahren [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. Sprichwörter
    Willfahren

    Wander (Sprichwörter)

    Willfahren Willfahren macht Freunde, Wahrsagen Feinde. – Simrock, 11148; Eiselein, 626. Frz. : Beau service fait amis et…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit willfahren

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Zerlegung von willfahren 2 Komponenten

will+fahren

willfahren setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

Ableitungen von willfahren (1 von 1)

gewillfahren

DWB

gewillfahren , verb. mittelhochd. vereinzelt neben dem ebenso spärlichen willenvaren ( Lexer 3, 892 , vgl. auch willevarer) belegt, s. willf…

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Cotta, M. (2026). „willfahren". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/willfahren/dwb?formid=W21592
MLA
Cotta, Marcel. „willfahren". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/willfahren/dwb?formid=W21592. Abgerufen 9. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „willfahren". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/willfahren/dwb?formid=W21592.
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