widerteil,
m., n. ,
gegner; feind; streit; gegenteil. mhd. widerteil,
mnd. wedderdêl,
mnl. wederdeel Verwijs-Verdam 9, 1911.
mhd. u. frühnhd. (
bis mitte 16.
jhs.)
etwa gleich häufig und in ähnlichen bedeutungen u. verwendungen wie widerpart
u. (
im ganzen späteres) gegenteil
bezeugt, tritt jenes an die stelle von widerteil 1,
dieses für 3;
das wort ist in bed. 1
mask., 2
vereinzelt auch neutr. und in bed. 3
durchweg neutr. lexikalisch selten in frühen wbb., dann aber weit über die bis ins 17.
jh. reichende literar. bezeugung hinaus noch gebucht: contrauersia widertail
voc. rer. (
o. j.) Diefenbach
nov. gl. 111
b;
adversarius widerwertiger, widersacher, widertheil Schöpper
synon. (1550) g 1
b;
pars diuersa uel aduersa die widerpart, der widerteil Frisius
dict. (1556) 951
a; gegen-
sive wiederteil
pars adversa Stieler
stammb. (1691) 2268; gegentheil, widertheil
parte contraria Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1066
c; '
im hd. ungewöhnliches wort für gegentheil, gegner' Adelung 4 (1801) 1526;
als veraltet bei Campe 5 (1811) 703
b.
vereinzelt widerteil halten,
vgl. widerpart halten: in der maynung, das sy allen andern nacionen und zungen widertail haltn wellen mit ritterlicher tat
Weiszkunig 13, 11
Schultz. 11)
gegner, feind, widerpart. 1@aa)
gegner in kriegerischer auseinandersetzung und im ritterlichen zweikampf: der keiser mit der diutschen maht sînem widerteil den sig er abe ervaht
Lohengrin 7492
Rückert; der edel ritter ... het trost und hoffnung mit krafft des sacraments angesygen seinem widertail; in dem trost gieng er in den kraysz Joh. Hartlieb
dial. mirac. 252
Drescher; dem Teurdank dem beschach das heil, das er rannt seinen widerteil zur linken seit ins gsäss hinein
Teuerdank 207
G.; als schrei der knecht seinen widertail an, er solt im doch sagen, wer er doch wer, zucht alsbald nach einem andern pfeil in dem köcher (1507)
Wilwolt v. Schaumburg 67
lit. ver.; (
ritter, ihr habt) den preisz behalten, dieweil ewer widertheyl vor der zeit hat mssen abston (1539) Wickram
w. 1, 66
lit. ver.; (
der marschall) auff der erden lag, sein haupt ein wenig von der erden erhub, seinen widertheil zu rossz wider gegen jhm kommen sahe
buch d. liebe (1587) 138
a. 1@bb)
am ausgeprägtesten rechtssprachlich für den gegner (
bzw. die gegenpartei)
vor gericht oder allgemeiner in rechts- und streitfällen jeder art, vgl. gleichbedeutendes gegenteil 1 (
teil 4, 1, 2,
sp. 2271): (
der advokat zum kläger:) han wir denn von got das hail, das wir die sach da gewinnen, so wil ich dich bringen innen, das dir der schad och muos werden. din widertail hab denn nüt uf erden
des teufels netz 3710
Barack; darz sey den von Bamberg von dem heiligen concilium geboten worden, das sie den obgenanten iren widerteile wider in ir gewere der muntaten setzen solten (1438)
chron. d. st. Bamberg 1, 343
Chroust; Muffel ... stet noch im rechten mit eim graven von Hennenberg ..., der ist sein widerteyl (1468
Nürnberg)
städtechron. 11, 749; der richter minem widerteil zeuil gnstig ist Riederer
spiegel d. waren rhetoric (1493) a 6
b; sein widerpart ward es gewar, das sein widerteil dem richter geschenckt hat Pauli
schimpf u. ernst 91
lit. ver.; uff sein oder desz widertheils begern, darwider zuhandlen ..., (
soll) zeit unnd termin ad proximam angesetzt werden
houe gerichts ordn. Friderichen pfalntzgrauen bey Rhein (1579) 83; wer gefährlich marchstein ibersezt ..., (
soll) seim widertheil seinen schaden abthuen (1673)
österr. weist. 1, 236; ein procurator frsetzlicher gefAehrlicher weise seiner parthey in brgerlichen und peinlichen sachen zum nachtheil und dem widertheil zu gut handelte Döpler
theatrum poenarum (1693) 837. 1@cc)
gegner im meinungsstreit (
häufig bei Luther): ich wil euch eynen mund und weyszheyt geben, dem nit sollen widderstreben noch widdersprechen mugen alle eyr widderteyl (1521) 7, 280
W. (
bibel: widerwertigen); also kam ich gen Augspurg zum cardinal, der selb stellet sich freundlich, aber nach vielen hendeln, erbot ich mich hinfort zu schweigen, sofern mein widerteil (
Tetzel) auch schweigen müste (1541)
ebda 51, 544; eh ich des widerthails fürwurf angreife, will mich vonnOeten sein beduncken beforderst zu antworten auf des volcks geschrai (1577) Fischart
w. 3, 68
Hauffen. 1@dd)
in verschiedenen verwendungen im sinne '
persönlicher feind, widersacher': wer gen seinem nächsten neyd und hasz treyt oder veintschafft hat, der tar auch nicht in die kirchen ..., pisz das er wirt verricht mit seinem widertayl (15.
jh.) Schiltberger
reisebuch 105
lit. ver.; er ubirweldigt alle seine widderteyl und spricht: es wirt mir kein ubilsz begegnen (
ps. 10, 5) (1521) Luther 7, 579
W.; so haben vns ... Christi, vnsers widertails, diener gar manchen ... wider abgespAennet Johann v. Schwarzenberg
büchl. v. zutrinken 17
ndr.; sintemal mein widertheil, o edle jungfraw, dich mir mit allen andern seligkeit vnd hoffnung genommen hat
buch d. liebe (1587) 144
c; mein (
Cupidos) gewehr ist schlecht, ein kOecher, bog' und pfeil musz meine rüstung seyn für meinem widertheil Treuer
dt. Dädalus (1675) 1, 356. 1@ee)
in fast allen vorausgehenden verwendungen, jedoch nicht immer deutlich davon zu scheiden (
s. bes. a und b),
pluralisch '
gegenpartei': noch denne rfften die von dem widertail (
adversariis) den kaiser so hartleich an das er sprach zw des unschuldigen ritters vorsprechen Johann Hartlieb
dial. mirac. 251
Drescher; eyn teyle der herrnwald ine alleyn zustendig, damit der widderteyl nichts zu tun (1487)
d. dt. bauernkrieg, aktenbd. 18
Franz; si westen aus dem lant nit mer zu komen, hetten auch kein speis noch trank, solten sie verziehen, würden die knecht hungerig und mat, so gieng dem widerteil ie mer volks zue (1507)
Wilwolt v. Schaumburg 169
lit. ver.; (
ich) hab dem widder teyll yhr maul tzu gestopfft, das sie nichts da widder sagen (1521) Luther 8, 506
W.; unser widder teil sagt, das eitel brod und wein da sey, nicht der leib und blut des herrn. gleuben sie und leren darynn unrecht (1527)
ebda 23, 83; als nun die heer gegen einander lagen vnd handelten, ... war desz keysers anhang durch den widertheyl dahin bracht, das sie inn der gehorsam kalt S. Franck
Germ. chron. (1538) 103
a; unser widertheyl, die papisten, sind tausent mal ellender denn diser stumme hie, denn sie haben taube ohren (1544)
bei Luther 52, 452
W.; irem widertheil dem orden Schütz
hist. rer. Pruss. (1592)
buch 5, B 4
b.
spät in enger anlehnung an Luther
s. oben: dasz der widertheil vorgebe, es sei eben nur brod und wein Ranke
s. w. (1867) 3, 126. 22)
aus der bed. '
gegner, gegenseite im kampf'
entwickelt sich der in zeugnissen des 13. bis 15. jhs. (
bes. in obd. bibelübersetzg.)
belegte wortsinn '
zwiespalt, streit, aufruhr': (
sie) macheton under dem volcke von Israel grozen widertail und grôze missehellunge und macheton de volk widerhellich und widerspêrre
dt. pred. d. 13.
jhs. 1, 75
Grieshaber; nâch keiser Fridrichs tôt: dâ wart angst und nôt sô gar lîhte veil, sich huop widerteil in steten und in kasteln Ottokar
österr. reimchron. 118
Seemüller; rauben, prennen, morden, steln, chain poshait chan sich mir verheln, verraten ist mein maistew chunst, gen vreunten mach ich grozzew ungunst, daz sew gewinnen widertail Suchenwirt 29, 95
Primisser; u. öfter; im 1397 jar ... was grozzer widertail und irrung in der stat Auspurg
städtechron. 4, 109; di lantherren in Peheym (
hatten) vil widertail mit dem kng (
Wenzel), daz er in allen sachen las waz (1400
Nürnberg)
städtechron. 1, 50;
als übersetzung von seditio: (
sie) funden das die statt von den allten tagen strait wider die kúnig: vnd die widerteil vnd die krieg wurden bewegt in ir (
seditiones et prœlia) (
Esra 4, 19)
erste dt. bibel 6, 270
Kurr.; (
Barrabas) waz mit den widerteiln in dem widerteil hett er gethan ein manschlacht (
qui in seditione fecerat homicidium)
Mark. 15, 7 (in dem aufflauf
Augsb. 1475
u. 1518)
erste dt. bibel 1, 183
Kurr.; (
Barrabas) der vmb das widerteil (
propter seditionem), das etwenn was gethan in der stat ..., was gelegt in den karcker
Luk. 23, 19 (Luther: vmb einer auffrhur)
ebda 1, 320
u. ö. von einem streitgespräch zwischen minne und beständigkeit: die red haist der widertayl Suchenwirt 28, 364
Primisser. 33)
gegenteil, gegenteiliger sachverhalt. auf abstrakte gegenstände bezogen; so schon mhd., häufig frühnhd. (
bes. 1.
hälfte 16.
jhs.)
neben aufkommendem und seit dem 17.
jh. allein herrschendem gegenteil 5 (
teil 4, 1, 2,
sp. 2273): wil ein wîp mich twingen mit unminne, minne, sich, daz ist fürwâr dîn widerteil Konrad v. Kilchberg
in: Kraus
dt. liederdichter d. 13. jhs. 238; andâht geloube und êre: keine mâze ich lêre ze disen tugenden; wizzet, zwâr, swer die mizzet sêre, daz zil trit ûf ein widerteil: daz lâzet ungemâzet Heinrich v. Meiszen 111, 6
Ettmüller; (
Eulenspiegel liegt im hospital zum '
heiligen geist') ich hab ... got alle zeit gebetten, das der heilig geist solt in mich kumen, so sendt er mir das widerteil, daz ich nun in den heiligen geist kum (1515)
Eulenspiegel 139
ndr.; darumb trostet vns der prophet nicht allein, sondern klagt auch fast das widder teil ÿnn diesen zween versen, das so arme elende leute sind vnd haben keinen gott (1530) Luther 31, 1, 109
W.; es haben aber ihrer viel das widertheil an sich sehen lassen (1662)
mitt. d. ver. f. gesch. v. Erfurt 4, 125.
der gegenüberliegende teil: sein tail auff der wag fúrslúeg und gar úberwag den widertail seiner sünden Joh. Hartlieb
dial. mirac. 175
Drescher; das du das wider tail wol reybest, also wenn dir die rechte handt pluottet, das du den lincken arm vonn oben herab recht wol reybest H. Braunschweig
chirurgia (1539) 17
b. '
entgegengesetzte richtung' (
vgl. inuertere widertail keren [1516] Diefenbach
gl. 306
c): das die andere schaufflen, von gewalt der wassern daran geschlagen, das rad ins widertheil treiben Bech
Agricolas bergwerckb. (1621) 162.