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wib(b)el

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

wib(b)el m.

Bd. 29, Sp. 804
wib(b)el, wiebel, m. , (korn-, mist-)käfer. ahd. wibil, mhd. wibel; as. -wivil; mnd. mnl. wevel; ags. wifel, engl. weevil; an. vifill als beiname, (torð) -yfill 'mistkäfer'; norw. -ivel, schwed. -yvel, vivel. zugrunde liegt germ. *webila-, eine ableitung von der idg. wurzel *ebh- 'sich hin und herbewegen, wabern, kribbeln, wimmeln', s. Walde-Pokorny 1, 258; Pokorny 1115; Schwentner PBB 51, 21. auszergerm. entsprechen lett. vabuolis, vabule, lit. vãbalas (ins dt. entlehnt als wabbel, s. teil 13, sp. 5, dt. wortatlas I karte 24). das germanische wort ist ins afrz. entlehnt als guibet, bibot und begegnet in mannigfachen lautformen noch in frz. dialekten, s. Meyer-Lübke nr. 9527. — auch im dt. tritt das wort in verschiedenen lautvarianten auf. schon früh ist die verdunklung des stammvokals nachweisbar (dazu vgl. 3wicht, m., wucht, f.): wupil (13. jh.) ahd. gl. 3, 55, 31; wubbel (15. jh.) Diefenbach gl. 163c; 209c; wupl 516c; wüpel nov. gl. 329b; wübel Alberus (1540) y 1a; vor allem westmd. und nrh. tritt senkung zu o ein: wobel Diefenbach gl. 516c; 209c; wobbel ebda 516c; auch woubel ebda 154c (sämtl. 15. jh.). andererseits reicht die nd. senkung zu e (wevel) ebenfalls bis ins md.: webel Diefenbach gl. 516c; webil 58a; nov. gl. 40a. vereinzeltes weibel voc. ex quo (um 1480) d 8a weist auf frühe dehnung des stammvokals, doch tritt diese in der schreibung ie allgemein [] erst im 18. jh. in erscheinung: wibel, wiebel Kramer t.-it. 2 (1702) 1340b. daneben gilt (wie bei wibbeln, s. d.) vokalkürze bis in die gegenwärtigen mundarten: wibbel Alberus (1540) y 1a; wippel Hohberg georg. cur. (1682) 1, 126; Adelung 5 (1786) 249; wiwwel Crecelius oberhess. 912; wiwl Lenz Handschuhsheim 77. das wort bezeichnetsofern es näher spezifiziert isteine reihe verschiedener käferarten, vor allem den kornkäfer und den mistkäfer. die verbale grundbedeutung wirkt insofern nach, als die meisten bezeichneten käferarten in getreide, früchten, mist u. dgl. leben und darin herumkrabbeln bzw. wimmeln. die unbestimmtheit der bezeichnung hat früh zu verdeutlichenden kompositionsbildungen geführt, vgl. ags. tordwifel Bosworth-Toller 1002, an. tordȳfill Fritzner 3, 712 (d und ȳ durch anlehnung an dufa 'sich in den kot einsenken' Falk-Torp 1273), ags. scearnwifel Bosworth-Toller 825, mnd. scharnewevel Schiller-Lübben 4, 52 in der bedeutung 'mistkäfer'; treckwibel cicada, voc. ex quo (um 1480) d 8a; as. goldwivil cicencela (glühwürmchen, s. u. 3) Wadstein 107; mhd. bonwibil aigilia (13. jh.) ahd. gl. 3, 89, 44; erts-, cornwevel Teuthon. 496 Verdam; kornwibel teil 5, sp. 1832. neben diesen kompositionsbildungen hat das simplex wibel vermutlich schon früh die allgemeinere bedeutung 'käfer' (4) erhalten; sie wird auch dt. wortatlas I karte 24 für teile des westfäl. u. rheinfränk. nachgewiesen. das ursprünglich wohl gemeingerm. wort ist im deutschen schriftsprachlich nicht mehr geläufig.in mittelalterlichen glossen und wbb. reich bezeugt, zufrühest im ags.: cantarus wibil (anf. d. 8. jhs.) Wright ags. voc. 21, 11, 28; panpila wibl ebda 37, 22. im ahd. übersetzt es meist scarabeus, z. b. scarpeus uuipil (9. jh.) ahd. gl. 4, 225, 13 St.-S.; 26, 34; entsprechend 3, 15, 47; 48, 16; 89, 45 u. ö. (10.—- 14. jh.); weiterhin: cantarus (12.—14. jh.) 3, 271, 26; gurgulio (13.—14. jh.) 3, 55, 31; 324, 61. in spätmittelalterlichen u. frühnhd. vokabularien weiter differenziert, vgl. Diefenbach gl. s. v. attacus 58a; crabro 154c; curculio 163c; erugo 209c; siro 341a; scarabeus 516c; nov. gl. s. v. cottenus 116b. 11) meist für käferarten, die im getreide und in hülsenfrüchten leben, insbes. für den kornwurm, calandra granaria; 'curculio wibel, ein würmle so das korn, bonen, linse etc. friszt vnd zergnagt' Frisius dict. (1556) 357a; Hulsius t.-frz.-it. (1616) 408a; kornwurm Ludwig t.-engl. (1716) 2467; Adelung 5 (1786) 209: des ahtent manige liute niht, die man noch ir getreide siht sô lange behalten, biz daz die wibel oben ûz fliegent ze dem gibel Hugo v. Trimberg d. renner 5211 Ehrismann; die fürkouffer und beken (bäcker) kan nieman mer erschreken, bis die wibel das korn tuond fressen, erst gend das die beken zuo essen des teufels netz 9339 Barack; so man holderblüeth auf einen haufen korn herumb zettelt und uberstreuet, wehret es den wibeln, das sie nicht in das korn kommen haushaltung in vorwerken 45 Ermisch-Wuttke; die behaltnen frúcht beschiermen die schäden der wibel (gurgulionum) und der gelichen tierer, die das korn abfressend Österreicher Columella 1, 40 lit. ver.; auch mein kornschütt hat wibeln nit Fischart Garg. 133 ndr.; nimb holderblüth ab im vollmonden desz brachmonats und stecks in die frucht, so kompt kein wibel darein, und wenn sie darinnen seyn, so vergehen sie Schnurr v. Lendsidel kunst- u. wunderbüchl. (1631) 689; der schnitt (in der ernte) soll im abnehmenden monden geschehen, was im vollmond geschnitten wird, wird von den wippeln und kornwürmern eher angegriffen Hohberg georg. cur. (1682) 1, 126; nich zu gedenken ... was die kornwürm und wibel fressen Regis Rabelais (1832) 1, 355. in diesem sinne mundartlich oft bezeugt, vgl. u. a. Müller-Fraureuth obersächs. 2, 664; Martin-Lienbart elsäss. 2, 781; Höfer Österr. 2, 240; Unger-Khull steir. 631. [] 22) früh bezeugt auch als bezeichnung des mistkäfers, geotrupes, und ähnlicher, in unrat und abfällen lebender arten: swer des wibels volger ist, der wirt gefüert in rosse mist Hugo v. Trimberg der renner 8471 Ehrismann sein hant gibt paucken und trommen, aus seim mist die wibel kommen, die mit jrn flgeln schnurren sehr Nigrinus von J. Nasen esel (1571) A 4b; fleugt vor in auff der schwartzen würmlin eins, die im roszdreck sitzen und an etlichen enden wibbel heissen Kirchhof wendunmuth 1, 298 Öst. in diesem sinne meist in kompositionsbildungen (s. ob.); vgl. noch: wiəwelte blauer käfer Woeste westf. 324a; perrewiəbel mistkäfer, ebda 322b. nach Vilmar Kurhessen 451 u. Crecelius Oberhessen 2, 912 ist das simplex wibel für 'mistkäfer' nicht mehr geläufig. 33) vereinzelt für 'glühwürmchen' (nordbair.) bei Th. Schumacher stud. z. bedeutungsgeogr. deutschmundartl. insektennamen (1955) 32; dazu vgl. as. goldwivil (s. o.) und: art van wevelen cicendela, lucula die des nachts luchten noctiluca G. v. d. Schueren Teuth. 496 Verdam.weiterhin: 'ohrwurm' Th. Schumacher a. a. o.; für 'cecidomyia tritici' weizen-gallmücke, der rothe wibel Brehm tierl. 6, 388 P.-L.; dermestes lardarius, 'speckkäfer' Martin-Lienhart elsäss. 2, 782; die in menge auftretenden blattläuse auf bohnen Reiser Allgäu 2, 743. 44) ohne nähere spezifizierung ('käfer', allg.) u. a. verzeichnet bei Strodtmann Osnabrück (1756) 46; Lenz Handschuhsheim 77b; so schon im 16. jh.: desgleichen soll man der kleinen runden wybeln mit den flecklin, die man unsers herrn oder unser frauen keeblin nennet (coccinella, hergotts-kühlein) brauchen, ja aller wibbel pulver ist darzu (gegen den stein) starkt Dryander steinweethun (1538) B 2a.
7076 Zeichen · 210 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    wib(b)elm.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    wib(b)el , wiebel , m. , ( korn-, mist- ) käfer. ahd. wibil, mhd. wibel; as. -wivil; mnd. mnl. wevel; ags. wifel, engl. …

  2. modern
    Dialekt
    Wibbel

    Pfälzisches Wb. · +4 Parallelbelege

    Wibbel- , wibbeln s. Wiebel-, PfWB wiebeln .

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit wibbel

46 Bildungen · 37 Erstglied · 9 Zweitglied · 0 Ableitungen

wibbel‑ als Erstglied (30 von 37)

wibbelblau

SHW

wibbel-blau Band 6, Spalte 501-502

wibbelärschig

RhWB

wibbel-ärschig -E:ršĭχ May-Andernach Adj.: unruhig, nervös.

Wibbelbart

RhWB

wibbel·bart

Wibbel-bart Simm m.: die hot en W. krampfartiges Zucken des Kinns beim Weinen, bei Aufregung.

Wibbelbohne

RhWB

wibbel·bohne

Wibbel-bohne (s. S.) wibəl- Mettm , Ess ; -īb- Heidhsn ; -īw- Duisb ; wibəlbø·n.tšə Kref-Bockum f.: Saubohne, Vicia faba.

Wibbelbō²ne

WWB

wibbel·bone

Wibbel-bō²ne f. [ Kr. Büren Bür Isl] Acker-, Saubohne. ¶ Vgl.→ WWB Wiᵉwel .

Wibbelditzchen

RhWB

Wibbel-ditzchen Jül-Linnich n.: der kleine Finger, im Fingermärchen.

wibbelen

LothWB

ElsWB PfWB RhWB wibbelen [wibələn D. Si. ] intr. v. unruhig hin- u. herrennen, sich lebhaft regen, in beständiger Unruhe sein, wimmeln: wibb…

Wibbeler

SHW

Wibbeler Band 6, Spalte 501-502

Wibbelgewinds

RhWB

Wibbel-gewinds -we·ŋ.ks Jül n.: Wirbelwind.

wibbelich

LothWB

wibbel·ich

wibbelich adj. u. adv. D. Si. unruhig, sich beständig hin- u. herbewegend, zappelnd: e w. Kand ( Kind). — ElsWB els. 2, 782 ; baier. 2, 832;…

wib(b)elig

DWB

wib(b)elig , wib(b)elicht, wiebelicht , adj. 1 1) von käfern zerfressen: wiblig von wibeln angefressen ( beleg 1540) Fischer schwäb. 6, 749 …

Wibbelknochen

RhWB

wibbel·knochen

Wibbel-knochen , Wibbel-knöchelchen (s. S.) Gummb m. (n.): Gelenkknöchelchen, beim Fangsteinsp., mit den 4 Seiten Löchelchen, Plättchen, Züp…

Wibbelling

RhWB

wibbel·ling

Wibbel-ling m.: 1. kleiner Finger, im Fingermärchen Ahrw-Sinzig . — 2. wibəliŋkχə n. Bachstelze Eusk-Liblar .

Wibbelmännchen

RhWB

wibbel·maennchen

Wibbel-männchen n.: 1. Wiedehopf Bitb-Geichl . — 2. Kurbelstange zwischen Trittbrett u. Rad am Spinnrad Saarbg-Eft .

Wibbelpfannkuchen

RhWB

wibbel·pfannkuchen

Wibbel-pfannkuchen wiwəl(ts)pankəχ Prüm-Habschd m.: der W. wird nach beendigter Kartoffelernte abends für alle, die mitgearbeitet haben, ger…

Wibbelschinder

RhWB

wibbel·schinder

Wibbel-schinder wīwəlše·n.ər Bitb , Prüm m.: verächtl. der Bauer des Ortes, der zuletzt mit dem Kornschnitt fertig wird.

Wibbelsteªrt

WWB

Wibbel-steªrt m. kribbelige, unruhige Person ( die krfr. Städte Bochum, Herne u. Wattenscheid Bch Ld).

Wibbelstein

RhWB

wibbel·stein

Wibbel-stein -ē- Waldbr-Bladersb Dickhsn Eckenhg , Gummb-Marienbghsn m.: -knochen.

Wibbelsterz

RhWB

wibbel·sterz

Wibbel-sterz (s. S.) m.: 1. weisse Bachstelze, auch –sterzchen Verbr. in Schleid , Eusk , Rheinb , Bo , Köln , Bergh , Dür , Eup , Erk , Hei…

wibbelsterzig

RhWB

wibbel-sterzig Monsch-Rötgen , Kref Adj.: unruhig, lebhaft.

wibbel als Zweitglied (9 von 9)

Brotwibbel

PfWB

brot·wibbel

Brot-wibbel , Brot-wubbel m. : 'kleiner Käfer in alter Frucht', Brotwuwwel [ KU-Frankb ], -wiwwel [ KU-Adb ]; vgl. PfWB Brotkäfer . SHW Südh…

Dreckwibbel

PfWB

dreck·wibbel

Dreck-wibbel m. : 'Mistkäfer', -wiwwel [ Kühn Schnitze I]; vgl. PfWB Pferdskäfer 1. Das Grundw. zu PfWB wibbeln 'wimmeln'. SHW Südhess. I 16…

Flattenwibbel

RhWB

Flatten-wibbel -wevəl Malm-Bütgenb m.: Abart des Karpfenstechers oder Kolbenwasserkäfers, hydrophilus aterimus.

Goldwibbel

RhWB

gold·wibbel

Gold-wibbel -iw-, –ī- Nahe, Goar-Bacherach, Zell-Trarb , Bernk-Cues m.: -käfer.

Horwibbel

RhWB

hor·wibbel

Hor-wibbel hărwiwəl, Pl. -ələ m.: 1. Mistkäfer (zu mhd. Lexer hor Schmutz) Kobl , Altk-Horhsn . — 2. Hornisse Koch-Laub . — 3. Hirschkäfer …

Mühnenwibbel

RhWB

Mühnen-wibbel Rip, Heinsb-Breberen , MGladb-Neersen m.: 1. ein veralt. Tanz, eine eigenartig, mit grotesken Sprüngen, in langsamen -Takt au…

Pferdswibbel

RhWB

pferds·wibbel

Pferds-wibbel -wīwəl Verbr. Trier , Wittl , Bitb , Bernk (Mos); -iw- Prüm , Malm , Koch-Düngenh , Neuw-Rengsd ; -īb- Bitb-Herforst SThomas U…