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werder

mhd. bis Dial. · 16 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
25 in 16 Wb.
Sprachstufen
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17

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

werder m.

Bd. 29, Sp. 271
werder, m. (seltener n.), (halb-)insel. das wort ist auf das südgermanische beschränkt; es finden sich überwiegend kurzformen: ae. waroð, wearoð, afries. werth, ahd. uuarid, uuerid, mhd. wert, mndl. wert, wart, ndl. waard, weerd. im nd. erscheinen dann langformen: as. (11. jh.) van uuartera Freckenhorster heberegister, in: kl. as. sprachdenkm. 40 Wadstein; Haslewerthere bei Stade (11. jh.) in: PBB. 56, 356; mnd. werde(r), md. werder (passional, Nicolaus v. Jeroschin [daneben einmal wert im reim] s. u.). — die langformen auf -er können als rest der idg. es/os-(germ. ir/ ar-)deklination angesehen, aber auch auf eine alte tro-bildung wie in aind. vártra-zurückgeführtwerden. W. Mitzka (PBB. 56, 354 ff.) hat an hand von ortsnamen das nordalbingisch-ostfäl. gebiet [] als kernland der langform bezeichnet; westlich und südlich davon gilt die kurzform, während sich werder über das nd. bis nach Ostpreuszen ausgedehnt hat und besonders dort auch ins md. eingedrungen ist. die im fries. herrschende kurze form fiel mit wurt 'erhöhte hausstätte' zusammen. in der schriftsprache hat sich werder seit dem 16. jh. durchgesetzt. das wort wird auf eine idg. wurzel er- in der bedeutung 'verschlieszen, bedecken, schützen, abwehren' zurückgeführt, s. Walde-Pokorny vgl. wb. d. idg. spr. 1, 280. germ. *variþa- ist eine bildung auf idg. -etos, woneben in varuþa- eine to-bildung von der u-erweiterung eru- (vgl. aind. várūtha-, n., 'schutz, schild') steht. die bedeutung ist entweder aktivisch 'das schützende' oder passivisch 'das geschützte'. sie erscheint im ae. als 'gestade, ufer', im mndl. als 'eingedeichtes land', im übrigen als 'insel' (zur ahd. bedeutung 'cautis' s. u. 1). vgl. auch aind. vártra-, n., 'schutzdamm, deich' (Walde-Pokorny 1, 281). werd(er) als appellativum ist heute durch insel fast völlig verdrängt worden, hat sich aber noch in vielen ortsnamen erhalten (Werder b. Potsdam als beispiel für Nord- und das östl. Mitteldeutschland, Kaiserswerth b. Düsseldorf und Wertheim b. Karlsruhe für das Rheingebiet, Wörth b. Regensburg und Donauwörth für das obd. Donaugebiet). 11) 'erhöhtes land im wasser': insola uuarid (8. jh.) ahd. gl. 3, 2, 62 St. -S.; insula in medio mare uuerid in mittem seuuim (8. jh.) ebda 1, 245, 24. hierher gehört wohl auch: cautis uuaredho hcnollon (ende 8. jh.) ebda 1, 69, 6, uuarido (anf. d. 9. jhs.) ebda 1, 68, 6, das bei Braune-Mitzka ahd. gramm. (Tübingen 81953) 191 im anschlusz an Baesecke (PBB. 55, 366) als femininer ō-stamm angesetzt wird; doch finden sich auch später keine belege mit eindeutig fem. genus: si (mîne man) wolden swimmen ûf einen wert. daz wart in starke bewert von den tieren in dem mere Straszburger Alexander 5505 Kinzel; er (Constantinus) hiez si in ainen wert varn kaiserchronik 10479 Schröder; uf eines werders einlant, da daz mer alumme trat passional 662, 8 Köpke; von des meris werdirn Claus Cranc prophetenübers., Jes. 11, 11 Ziesemer; dat gantze werder (die insel Rügen) (Lübeck, 15. jh.) Herm. Korner chron. 39a bei Schiller-Lübben mnd. wb. 5, 675; zu einem wehrd im meer (einen werder jm mere Lübecker bibel [1533]) Hesekiel 26, 5; polder d. i. hgel, oder ein lant mitten im wasser, oder ein wAerder Zesen rosenmând (1651) 187; ein schmales eiland, das sie dort (an der Ostsee) den 'warder' nennen ... Storm s. w. (1898) 6, 3. insbesondere 'insel oder halbinsel in einem flusz, sumpf oder see': svelk werder sik ok irhevet binnen enem vliete, svelkeme stade he nar is, to dem stade hort die werder (1221/24) Sachsenspiegel 96 Eckhardt; die Wizele (Weichsel) awer ... mit allem nucze ane werder vnd bebere (bewere) exceptis insulis et castoribus (Kulm 1251) altdt. orig. urk. 1, 36 Wilhelm; si fuoren in einen wert, der mitten in der Tuonou lac Ottokar v. Steiermark österr. reimchron. 10 361 Seemüller; den meistir, daz er mit im quam ûf einen werdir intsam in der Wîzlin gelein Nicolaus v. Jeroschin kronike v. Pruzinlant 8703 Strehlke (ebda 20504: ûf den wert); mittin in dem wazzer bi der stat Caymgui do lyt eyn werdir md. Marco Polo 43, 13 Tscharner; klaine inseln vnd wAerd desz mOeers Dreyfelder hist. d. hauses Est (1580) 13a; inseln, oder mit wasser umflossene werder mit hohen bAeumen Hohberg georg. cur. aucta (1682) 2, 343; die ... auen, diesen auffallenden reichthum der vegetation, der dem laufe des Rheins folgend, die ufer, inseln und werder bezeichnet Göthe I 27, 230 W.; [] ich fand heute blumen von dieser bläulichen rosenfarbe, als ich in die werder ging I. v. Düringsfeld in der heimath (1843) 138; die ufer, holme und werder des stromes (der Düna) qu. a. d. j. 1938; auf dem 'werder' konnte mich niemand stören ... er war zwar eine halbinsel, die jedoch mit dem festen lande nur durch ein unwegsames bruch verbunden war O. Borris der werder u. seine geheimnisse (1940) 7. 22) 'wiese, weide in wassernähe': (nd.) ene wisch, de gheheten is dat werder (1360) urkb. d. st. Lübeck 3, 388; so noch mundartlich weit verbreitet, besonders als flurname: werder marschland des Weichseldeltas Frischbier preusz. 2, 464; weerder, werel wiesen, welche ... zwischen der groszen und kleinen Weser liegen, brem.-nieders. wb. 5, 236; werth öfter als flurname erhalten Weise Altenburg 124; Wöhrden feldbezeichnung bei Gorsdorf Bruns volksw. 75b; werd rasenstrecke am flusse Vilmar Kurhessen 450; werth ein stück wiese auf einer halbinsel Reinwald Henneberg 1, 191; wèrt gelände zwischen der Zorn und einem seitenarm derselben Martin-Lienhart elsäss. 2, 847; wOerth stück land, das am wasser, einem bach etc. lieget Schmidt Westerwald 333; werd (wörd) wiese am fluszufer Fischer schwäb. 6, 690. auch in einigen sachwörterbüchern ist das wort in dieser bedeutung verzeichnet: neues rhein. convers.-lex. (1830) 12, 227; Krünitz encycl. 238 (1856) 418. 33) 'damm, wehr' (lat. agger, propugnaculum); seit Kilian etym. teut. ling. (1605) 659 (weerd/ weert/ wert/ weerder insula, insula amnica; propugnaculum, agger) und Corvinus fons lat. (1646) 386 (agger wehrder / oder weder) in dieser bedeutung mehrfach lexikalisch bezeugt, zuletzt bei Schwan nouv. dict. 2 (1784) 1036a. literarische belege finden sich vereinzelt: schob in den häusern am wehrde die eiszschollen zum fenster hinein Knauth stiffts-closters Alten-Zella vorstellung (1721/22) 1, 255 in: zs. f. dt. maa. (1909) 53; diese ... Bielebach wird ... von einem werd geschtzet Süsze hist. d. städgens Königstein (1755) 15. hierher gehört wohl auch (entgegen den angaben in den glossaren): men ne mût och nichêne burch bûwen, noch stad vesten ..., noch berch noch werder bûwen (1221/24) Sachsenspiegel 148 Eckhardt. werd(er) bezeichnet besonders 'wehr bei einer mühle': aber den werde bey der mul mugen sy abstechen (1480) Albrecht hammerfreyheiten bei Lori bair. bergr. (1764) 117; bald war ... (in einer mühle) das werth zu eng/ ... dort risz das werth aus Simplicissimus 3 (1713) 252; wie die stAerkesten lachse beim Porschdorfer ziemlich hohen mühlenwerd ... übersetzen. nicht ferne ber diesem werd ... Süsze hist. d. städgens Königstein (1755) 236.
7119 Zeichen · 206 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    werderstm.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +5 Parallelbelege

    werder stm. wert. sîn wille in treib ûf einen werder sô hin dan Pass. K. 596,55. wart versant ûf eines werders einlant d…

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    werderM.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +6 Parallelbelege

    werder , M. Vw.: s. wērdære*

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Wêrder

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Der Wêrder , des -s, plur. ut nom. sing. eine Insel in einem Flusse, ein mehr in dem gesellschaftlichen Umgange vieler P…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Werder

    Goethe-Wörterbuch

    Werder [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Werder

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +5 Parallelbelege

    Werder , oberdeutsch Werth , soviel als Flußinsel; Anschwemmung von einem Flusse, die bewohnbar oder urbar gemacht ist.

  6. modern
    Dialekt
    Werderm.

    Mecklenburgisches Wb.

    Wossidia Werder m. a. Spr. Insel, s. Wirer.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit werder

42 Bildungen · 13 Erstglied · 29 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von werder

werd + -er

werder leitet sich vom Lemma werd ab mit Suffix -er.

Zerlegung von werder 2 Komponenten

wer+der

werder setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

werder‑ als Erstglied (13 von 13)

werderbusch

DWB

werder·busch

werderbusch , m. , auf einer insel wachsendes gesträuch: Jacobsson technol. wb. (1781) 8, 190 a ; Voigt hdwb. f. d. geschäftsf. (1807) 2, 56…

werderen

KöblerMhd

werd·eren

werderen , sw. V. nhd. abschätzen, taxieren Hw.: vgl. mnd. wardēren Q.: KPN, SSp (1221-1224) E.: s. wirdic (?), wert (?) W.: nhd. DW- L.: Le…

werdergewehr

DWB

werder·gewehr

werdergewehr , n. , nach dem konstrukteur Johann Ludwig Werder: die f. ( feldsche infanteriekanone ) hatte vier ... läufe vom kaliber des ba…

werderisch

DWB

werde·risch

werderisch , adj. , ' auf einem werder gelegen ': die werderischen elbingschen dOerffer (16. jh. ) P. Himmelreich Elbinger chron. (1881) 31 …

werderuf

DWB

werde·ruf

werderuf , m. , der ruf es werde: ungescheuetem mund enttönt durch die nacht der zerstörung in das neue chaos weckender, zeugender, geburten…

werder als Zweitglied (29 von 29)

Anwerder

DRW

Anwerder angeschwemmmtes Land zoe is dit breef besiglet myt Boelswerdahemster aenwirder zighel ende mith Ymswaldahemmes aenwirder sighel 140…

Billwerder

Herder

bill·werder

Billwerder , Marschland zwischen der Bille u. Elbe, die hamburg. Vierlande.

Bodenwerder

Meyers

boden·werder

Bodenwerder , Stadt im preuß. Regbez. Hannover, Kreis Hameln, in einer Exklave im Braunschweigischen, auf einer Insel in der Weser und an de…

eichenwerder

DWB2

eichen·werder

eichenwerder m. : ⟨1379⟩ urk. Tuchel 84 P. DWB2 3 tätigkeitsbezeichnungen, das bestimmungswort überwiegend eichen-:

glāsewerder

KöblerMnd

glāsewerder , M. Vw.: s. glāsewrechtære*

grāsewerder

KöblerMnd

grāsewerder , M. Vw.: s. graswērder

rêtwērder

MNWB

ret·werder

*° rêtwērder , m. : mit Schilf bestandene Niederung (Neoc. 2, 261). Dimin.

sandwerder

DWB

sand·werder

sandwerder , m. aus sand bestehender, sandiger werder: da verweilten wir nun .. auf einem sand- und weidenwerder. Göthe 30, 105 .

têgelwerder

MNWB

tegel·werder

*° têgelwerder , m. : Örtlichkeit im Vorland eines Flusses wo Ziegel hergestellt werden, „ Den 13. Maii schoeten de fiende uth der schantze …

tēgelwerder

KöblerMnd

tēgelwerder , M. nhd. „Ziegelwerder“, Ziegelinsel, Örtlichkeit im Vorland eines Flusses wo Ziegel hergestellt werden E.: s. tēgel, werder (1…

vȫrwērder

MNWB

voer·werder

°vȫrwērder , adv. kompar., weiterhin (Eberh. v. Gandersh. V. 308). Vgl. vȫrwērt.

weidenwerder

DWB

weiden·werder

weidenwerder , m. fluszinsel, auf der weiden gedeihen Lueger lex. d. ges. technik 7, 398 . —