weisat,
weiset,
n., m., f. , '
das geschenk, die abgabe bei besonderen anlässen'.
mhd. wîsôt (wîsôde, wîsœde), wîsât, wîset;
vgl. mhd. wb. 3, 763
b, Lexer 3, 944;
ahd. wîsôd, wîsôdi,
vgl. Graff 1, 1112.
verbalabstraktum zu 3weisen '
besuchen, geschenk machen' (
ahd. wîsôn),
mit einer ableitungssilbe -ôd, -ôt,
die zur bildung von verbalableitungen (
m. u. n.)
dient (
vgl. etwa arnôd '
ernte'
zu arnôn);
vor allem alemannisch, selten bairisch und md. (
daher das fehlen von weiset
in heutiger schriftsprache).
die formen ahd. wîsôdi,
mhd. wîsôde, wîsœde
und das gelegentliche femin. geschlecht erklären sich als einwirkungen der verwandten denominativen bildungen mit dem suffix -ôdi, -ôti (
wie -ôd, -ôt
zu germ. -ōþus, -ōdus),
vgl. z. b. ahd. armôti, einôti, heimôti
u. a. Wilmanns 2 § 261; K. v. Bahder
verbalabstracta 109; Kluge
nom. stammbildgsl. 134, 135; Weinhold
mhd. gr. 263.
heute nur obd. geläufig; man sagt das weisat geben, ins weisat gehen, kommen,
vgl. Schmeller-Fr. 2, 1027
f., Fischer
schwäb. 6, 1, 641, Unger-Khull
steir. 628
b, Lexer
kärnt. 254. 11)
fast nur in älterer sprache '
die abgabe' (
zins usw.),
die der untergebene dem grundherrn an geld oder naturalien zu erstatten hat: 'weisat
die gabe oder opffer, so die unterthanen ihren herrn an hohen festen thäten. kleine weisat
seynd die hüner, eyer' Besold
thes. pract. (1697) 1, 1019
b; 'weissath, weissung
heiszen an etlichen orten mit einem worte die kleinen zinsen als hähne, hüner, kaphähne, butter, käse, eyer und dergleichen'
Noel Chomels öcon. lex. (1750) 8, 2315; 'weisat
anfangs freiwillige, dann gezwungene abgabe an die herrschaft in früchten; in vielen fällen wurde zuletzt der kucheldienst
daraus' Unger-Khull
steir. 628
a: dient iuwern herren wol mit triuwen als man dienen sol mit zinse und mit wîsât
buch d. rügen 1459
in zfda. 2, 86; grôz wîset er niht verbirt, unz er des guotes âne wirt
Seifrit Helbling 8, 865
Seemüller; dô ih daz wîsœde ze phingsten sînem vater liez 15, 296; daz wîsôde laist er mit michelin nôten
kaiserchronik 11 951
Schröder; item so ist recht, dasz jedes freilehen soll geben drei weiset und ein fastnachtshennen, alle weiset vier pfennig landswehrung
weisth. 3, 626; darzu sol der (pawman) von Huntzpüchel geben ein erlich weysat, das eins pfunt Pernär wert sey 3, 678; mer haben si daselbs gehabt zu
den weinnachten von ainem lehen zwai huener, und zu dem obristn 12 zu ainem weisat dem brobst von Abtsperg (
v. j. 1450)
österr. weist. 11, 356; et pro weisOed solvunt eadem beneficia et aree caseos 116, ovorum 1 tal., 66 pullos
österr. urbare I 1, 16, 39; ain ewige hennen oder weck und was dergleichen weisat in diser stattgefunden werden
Nürnberger reform. (1564) 132
a; deszgleichen werden für farende hab geschätzt und gehalten visch in beschlossen wassern oder weihern, auch verfallen zinsz, rent, gült, weisat, und ander abnutzungen
d. neu laienspiegel (1518) 35
b; ez schol ain ieclich burger verlosungen sweingelt, vischgelt, kummost, rübengelt, holtzgelt und alle gulte und weizöde, ez sei swelcherlaie gülte oder weisode daz sei, für herren gelt, an gense ...
Nürnberg. polizeiordn. 16
Baader. 22)
auch heute obd. bekannt '
das geschenk, das bei besonderen gelegenheiten, zur hochzeit, vor allem aber der kindbetterin, gebracht wird'
; weiter die handlung selbst, der besuch (
dafür auch weisung,
s. d.): ins weisat gehen;
auch feste und mahlzeiten, zu denen man ein weisat
mitzubringen hat (
vgl. den auch nd. bekannten gebrauch der geld-
oder gebehochzeiten: item an dem guldein tag (
tag nach d. hochzeit) mag man zemorgens und zu dem nachtmal leüt zu zwayen tischen, nämlich sechczehen person, und nit mer, laden und haben, darinn preütgam und prawt, auch schweher und schwiger auszerhalb der gesst begriffen sein söllen, das weysat und annder der hochzeyt notturft auszzurichten (
vorschriften d. stadt München f. d. hochzeitsmahle, um 1508)
bei Schottenloher
d. Münchner buchdrucker Hans Schobser (1925) 105; doch sollt ir im (
dem bettler) all auf dy hoeczet kumen, und im ein erbers weisat geben, damit er das klain tochterlein mug neren
Sterzinger spiele 18, 659
Zingerle; nachdem in unserm hertzogthumb mit den groszen hochzeitn, weysaten, vereerungen, schanckungen, kirchtägen, kindlmaln und der todten besincknusz mercklich und überflüssig zerung und costung beschehen
bair. landsordnung (1516) 33
b; darumb die weisen ausz orient ... ires landes beste frücht dem neugebornen kindlein schenken: gold, weyrauch und mirrhen, von welchem geschenke, die ehrliche und hochzeitliche verehrung, zumal auff hochzeiten, in etlichen landen noch heutigs tags, das weiset genennet werden Mathesius
Sarepta (1578) 5
b; nach einer schönen sitte ... werden den brautleiten im Möllthale ... vor der hochzeit allerhand aus cerealien, butter, käse bestehende geschenke (weissat) gebracht Frz. Franziszi
culturstudien (1879) 10; das sogenannte weisat (
abliefern der hochzeitsgeschenke) unterbrach die verhandlung Herm. Schmid
alte u. neue gesch. a. Bayern (1861) 258. — 'das weisad
ist die gabe, welche die gevatterin der kindsmutter an lebensmitteln für die zeit der kindbett bringen musz' Schönwerth
a. d. Oberpfalz 1, 174; '
der erste besuch, den die verwandten, freunde oder nachbarn bei der wöchnerin erstatten, und das geschenk, das sie bei dieser gelegenheit mitbringen, heiszt das weisat' K. Stieler
kulturbilder a. Bayern 128; wo das hochzeitsmahl ganz frei ist, wird es beim 'weisat',
d. i. das taufgeschenk bei der geburt des ersten kindes, vergolten L. v. Hörmann
Tiroler volksleben 366; 'weisat
das geschenk an weiszem brod, das die gevatterin der kindbetterin giebt' J. H. Gottl. Schlegel
reise durch d. mittägl. Deutschl. (1807) 402; die drîe wîsen von ôsterlande die dir ir wîsât brâhten
zfda. 9, 45; nehmts an opfar a mit eng, wolln da mueda s weisat bringa, und dem kind was göbn zum gscheng W. Pailler
weihnachtlieder u. krippenspiele 1, 259. in der Altaussner gegend bekommt eine kuh, die eben gekalbt hat, ein an ihrem rechten horn aufgeschlagenes ei, ein eigroszes stück rindsschmalz, ein stück zucker, einen schnitt brot mit meisterwurz und weihwasser. das ganze nannte man das 'weisat' Marzell
unsere heilpflanzen (1922) 116. 'weiset,
das taufmahl' Loritza
id. Vienn. (1847) 142. —