weinflasche ,
f. mhd. wînvlasche
mhd. wb. 3, 337
a; Lexer 3, 921,
mnl. wijnflessche Verdam 692
b,
nnl. wijnvlesch,
dän. viinflaske,
schwed. winflaska. 11) wynflasche
erscheint erstmals 1409
zwischen metallgeräth für altar und messe im Marienb. treszlerb. 511
Joachim, danach jahrhundertelang nur in wbb. als übersetzung für lat. armillum, amula
u. ä.: Diefenbach
gloss. 49
b;
n. gloss. 22;
mlat.-hd.-böhm. wb. 26;
entspr. in den gemmen und noch bei Stieler, Kramer, Steinbach, Schwan;
lit. erst 1533: wo sie kumbt über die wein-flaschen, thut sie den alten geder (
eingeweide) waschen H. Sachs 5, 263
K. das wort bleibt selten bis auf die klassiker, von denen es Göthe (IV 37, 114)
und Schiller (4, 78. 12, 29. 169)
gern brauchen. im 19.
jahrh. allgemein, nie mundartlich. weinfläsche
mit rhein. sch-
umlaut nur R. Lorichius
instr. u. bericht (1618) 269.
sing.-formen auf -en
nur vereinzelt in älterer sprache: dat. weinflaschen Mathesius
Sar. (
Nürnberg 1571) 193
a.
auch verkl.-formen sind selten: weinfläschchen G. Keller 5, 232. 22)
die alte flasche
ist von metall, holz oder leder: ain höllischer postbot, desz potten püchssen ain weinflasch ... gewesst Schwarzenberg
Cic. (1535) 82
b.
die gläserne w.
ist spät bezeugt: das grüne der weinflaschen entsteht ... durch eine unvollkommne verbindung des eisenkalks mit dem glase Göthe II 1, 218 (1808).
vom 17.
bis 19.
jahrh. war ihr name, wie landschaftlich noch, bouteille: H. Schulz
fremdwb. 1, 103; Kretschmer
wortgeogr. 255; die weinflasche ... eine flasche, wein darin zu hohlen oder aufzubewahren. zuweilen bekommt auch die wein-bouteille diesen nahmen Adelung 4 (1801) 1458; eine ordinäre weinflasche (bouteille) Prechtl
techn. enc. 23 (1861) 364.
noch jünger sind zeugnisse für den schlieszenden kork: die propfen, die aus seiner rinde geschnitten werden, um die weinflaschen damit zu verschlieszen Hegel 6, 379. Zobeltitz
urtheilt: der champagner konnte ja erst erfunden werden, als der korkpfropfen erfunden war und die glasflasche den krug verdrängt hatte; bis in das 18. jh. hinein aber war die w. ein selten ding, und anstatt des korkes benutzte man einen geölten hanfpfropfen
d. wein (1901) 97
a.
so war w.,
wie in Süddeutschland, der Schweiz und Österreich noch heute, die offene karaffe (
dies wort erst nach 1700
entlehnt aus it. caraffa: Schulz 1, 331; Kretschmer 256)
in die der wein aus dem fasz gezapft und in der er auf den tisch gestellt wird: machet eure weinflaschen, caraffinen und gläser hübsch rein, und setzt sie in ordnung Gottschedin
d. schaubühne 2 (1741) 298
f.; indesz dasz der freundliche wirth die weinflaschen wieder auffüllt S. Gessner 1 (1777) 135; geh, fülle deine w. Jung-Stilling 1 (1835) 162.
die gläsernen, im keller lagernden weinflaschen
der heute gewohnten art sind mit den französ. weinen aus Frankreich gekommen, ihnen gelten die zeugnisse des 19.
jahrh.s: der forstmeister ... war erschienen an der spitze einer vollständigen armee von weinflaschen, welche, in kompagnien abgeteilt, in körben herbeigeschleppt wurde Raabe
kinder v. Finkenr. (1859) 178; die w. hier auf dem tische ist auch noch nicht angebrochen Chph. v. Schmid 6, 243; kellner kommt mit weinflaschen Bauernfeld 1, 89; zwischen je zwei mann steht eine offene w. Auerbach 18, 130; (
der bahnwärter war dienstunfähig) einer w. wegen, die aus dem vorüberrasenden schnellzuge ... geflogen war Hauptmann
bahnw. Thiel (1892) 1. 33)
die th. 3, 1725
aus der Lutherbibel belegte flasche weins, flasche mit wein
ist eine art feldflasche zum umhängen, nicht aus glas; so auch: nun langt jeder wallfahrter nach seiner bierflasche oder w. Nicolai
reise 2 (1783)
beil. 35; (
deserteure) füllten ihre brodbeutel mit speck ... und weinflaschen Laukhard
leben 4, 419; so weint der faun ... löst nun von seiner seite die w. und trinkt maler Müller 1 (1811) 116.
in einfachen verhältnissen sind diese flaschen von leder: (
wein sei) so allgemein im gebrauch ... dasz jeder Kafer ... eine lederne w. um den hals hängen habe Ritter
erdk. 7, 213.
in Italien ist an die umflochtenen, langhalsigen korbflaschen zu denken: ein bettelmönch ... bietet ihm einen schluck aus der w., die er vorsorglich mit sich führt Göthe I 32, 197. 44)
neben der w.
ist das weinglas (
s. u.)
unwesentlich: je zuweilen setzte er die w. an Bastel v.
d. Sohle
Harnisch (1648) 92; (
ein herrschaftsdiener, der) so lange an den weinflaschen zu sutzlen pflegete, bisz er in eine volkommene sau verwandelt ware Lindenborn
Diogenes 1 (1742) 156; zugleich werden bier- und weinflaschen, brod, würstchen und andere erfrischungen herumgereicht Steub
drei sommer 1 (1895) 57.
erst neuere zeugnisse und solche aus höheren kreisen setzen den gebrauch von gläsern voraus: der mundschenk traversirte mit der w. von stuhl zu stuhl K. Fr. Becker
weltgesch. 5, 289; hier zeigt gleich das titelblatt einen bebrillten Wiener ... an einem trinktisch im prater ... die w. mit unsicherer hand verschüttend Böttiger
kl. schr. 3 (1838) 127; an einem tisch, auf welchem weinflaschen und halbgeleerte gläser ... standen Heyse
nov. 1, 248 (
im grafenschlosz).
die nicht seltenen präp. fügungen halten sich unmittelbar an die flasche: lasz uns zu unsern weinflaschen zurückkehren Bode
Montaigne 3, 32; ermahnt ihn ... sich mit der w. ... gütlich zu thun J. G. Jacobi 6, 215; bist du nicht vielleicht über die w. gerathen? Tieck 3, 361.
fest geworden ist bei der w.
mit wechselnden verben: der auch gern bey der w. sasz Miller
Siegw. 1 (1777) 192; fand man ihn schon bei der w. Bahrdt
gesch. s. lebens 2 (1790) 5; die zeit, wenn er nicht studierte ... brachte er bey der w. zu Laukhard
leben 5 (1802) 239; der alte verharrte leider bei der w. Heine 1, 489
Elster. 55)
attribute fragen erst nach dem inhalt, dann nach der grösze: voll Schwabe
belust. 1 (1741) 442;
Leipz. avent. 1 (1756) 126; Langbein 31, 134; halbvoll Grabbe 3, 204
Bl.; halb ausgeleert Forster 3, 280; leer Gaudy 17 (1844) 102; halbgeleert Holtei
erz. 10, 51; klein Bode
Tr. Schandi 4 (1774) 170; groszbäuchig Heine 3, 390
E.; mächtig G. Keller 6, 313. 66)
übertragen steht w. (
wie flasche
th. 3, 1726)
für eine person, die sie gern leert: wie die alte weinflasche Pyrrhia Wieland
Horazens briefe 1 (1782) 191.
allein von da Campe
und Sanders.
kerzen kann man, wie in leuchter, in eine geleerte w.
stecken, von da anzüglich: mit de weiflascha ka ma de baure vum hof zünde K. Reiser
sagen d. Allgäus 2, 565.