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vulkan

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

vulkan m.

Bd. 26, Sp. 2022
vulkan, m. (in älterer schreibung gelegentlich noch vulcan, s. Göthe I 25, 1, 27 W.); aus spätmlat. Vulcānus 'feuerspeiender berg' (auf den namen des feuer- und schmiedegottes Vulcānus zurückgehend, der zunächst auf den Ätna, als 'werkstätte Vulkans' übertragen, dann auch auf andere feuerspeiende berge angewandt wurde. als geographischer terminus wurde v. — nach Brockhaus 19 (1934) 708 — 1650 durch Varenius eingeführt, s. auch dessen bemerkg.: dicuntur autem hodie tales montes [ardentes] Vulcani geographia generalis (1671) 100). im dt. findet sich vulcanus als mythologische bezeichnung bereits bei Notker 1, 711 Piper, in der Zimmer. chron. 22, 550 Barack, bei Wickram 7, 59 Bolte und Paracelsus bücher u. schr. 9 (1590) 54 Huser (hier im sinne von 'feuergeist'), während vulkan in der bedeutung 'feuerspeiender berg' frühestens im 17. jh. aufkommt (s. Seiler entwicklg. d. dt. kultur i. spiegel d. dt. lehnworts 3 (1910) 366) undwie krater und lava — erst im 18. jh. üblich wird; noch Adelung 4 (1801) 1316 verwirft vulkan für 'feuerspeiender berg' und empfiehlt die bereits von Zesen denkw. gesandtsch. (1670) 405 vorgeschlagene verdeutschung feuerberg. aus dem dt. gelangte vulkan 'feuerspeiender berg' ins schwed. (vulkan) undn. (vulkan); das ndl. (vulkaan) jedoch, sowie das engl. (volcano) und frz. (volcan) erhielten es bedeutend früher durch ital. vermittlung. AA. 'feuerspeiender berg'. A@11) eigentlich. A@1@aa) in literarischem sprachgebrauch: doch eben dieses glück ... versenkt ein stolzes land mit reichen unterthanen in wilder ströme fluth, in schlünde der vulkanen (mit unorg., durch d. reim hervorgerufenem n) (1758) Lichtwer schr. 172 v. Pott; die Philippinen, Molukken und die andern hin und wieder zerstreueten inseln sind alle nur vulkanischer art und viele derselben haben noch bis jetzt vulkane Herder 13, 41 S.; wenn ein vulcan sich aufthut und sein sprühendes getös ganze gegenden mit untergang bedroht Göthe I 25, 24 W.; aus dem Vesuv oder vielmehr einem untermeerischen vulkane Volger erde und ewigkeit (1857) 288; ich glaube, dasz die vulkane die schlote der hölle sind Josef Winckler der tolle Bomberg (1924) 135. oft im vergleich: erst wie er (Wilhelm) wieder besser wurde, ... sah er mit entsetzen in den qualvollen abgrund eines dürren elendes hinab, eine empfindung, als wenn man in den ausgebrannten hohlen becher eines vulkans hinuntersieht Göthe I 51, 100 W.; unter dem jauchzenden männergeschrei, das die luft erschütterte wie ein vulkan, ritt er seinem vater nach E. v. Handel-Mazzetti Stephana Schwertner (1927) 1, 106. in poetischer einzelanwendung auch vom eruptiven ausbruch eines brandes (explosion eines minenschiffes): von dem schlage des entzündeten vulkans war die Schelde bis in ihre untersten tiefen gespalten Schiller 9, 60 G., ebda öfter; vom aufflammen des geschützfeuers: im westen über Rees (der belagerten stadt) hatte sich, begleitet von einem donnerartigen krachen, der dunkle nachthimmel blutig rot gefärbt. alle geschütze auf den wällen, alle geschütze in den angriffslinien brüllten los ... und als peitsche der satan sie vorwärts, seiner hölle zu, hatte sich plötzlich diese ganze masse (des reichsheeres) ... in bewegung gesetzt, dem flammenden vulkan im westen entgegen W. Raabe s. w. I 4, 398 Klemm; durch Vergils 'volcano ecsuperante' Aeneis 2, 311 angeregt, auch zur bezeichnung des feuers schlechthin: schon liegt, besiegt vom prasselnden vulkan Deiphobus majestätsche burg im staube ... vom flammenrothen wiederscheine brennt des meeres spiegel und das firmament Schiller 6, 362 G. A@1@bb) in geologisch-geographischer fachsprache: 'eine stelle der erdoberfläche, an der magmatische stoffe aus dem erdinnern zutage gefördert werden, im engern sinne ein durch derartige stoffanhäufung entstandener berg (feuerberg, feuerspeiender berg)' Brockhaus 19 (1934) 708 s. v. vulkan (ebda auch weitere einzelheiten sowie lit.-angaben z. sachkunde); ähnlich bereits bei Richter berg- u. hüttenlex. 2 (1805) 597 und Hartmann hwb. d. mineralogie (1825) 2, 787; s. auch Schmidt geolog.-mineralog. wb. (1921) 181 und Kende geogr. wb. (1928) 215, sowie unter vulkanberg. A@22) übertragen. A@2@aa) von eruptiven vorgängen im leben der gesellschaft, besonders von der revolution: die ersten ausbrüche des tosenden vulkans (d. frz. revolution) störten diesen lehrreichen zeitvertreib (lektüre Montesquieus u. Rousseaus) Pfeffel pros. vers. 3 (1811) 16; in Rom wirbelt inzwischen der kreisende vulkan der revolution seine rauchwolken sinnbetäubend empor Mommsen m. gesch. 3 (61875) 352. auch von einem verborgenen gefahrenherd sozialer, zum ausbruch drängender gärung: freilich steht man überall jetzt in Deutschland auf politischen vulkanen (2. 5. 1807) Chr. G. Schütz an Jakobs 1, 277 f.; hieran knüpft eine reihe fester wendungen auf einem vulkan tanzen, stehen, schlafen u. ä., die vermutlich durch frz. schlagwörter der revolutionszeit wie 'nous marchons sur un volcan; les trônes sont sur un volcan' (s. zs. f. dt. wortforschg. 12, 86) oder 'vous êtes sur un volcan' (s. zs. f. dt. wortforschg. 10, 231) angeregt wurden (s. auch Wander sprichw. 4 (1876) 710): der könig von Neapel bewundert selbst das fest, womit man seine gegenwart honorirt; aber eine ahnung schwebt durch die erleuchteten prachtgemächer, und man erlaubt sich zu gestehen, dass man auf einem vulcan jubele Göthe I 41, 2, 373 W.; sie tanzten, ohne, wie die französische gesellschaft, zu wissen, dasz sie auf einem vulkan tanzten W. Raabe s. w. I 5, 262 Klemm; freier: ... wuszte auch nichts von der gefahr, sasz ahnungslos auf dem vulkan und fühlte sich unendlich wohl Kluge Kortüm (1940) 311; er (der in die hauptstadt Montezumas vorgestoszene Cortez) wuszte, dasz er am kraterrand eines vulkans lebte, der jeden augenblick ausbrechen konnte; bedenken wir, welche chance der kleine trupp der Spanier in dieser riesenstadt hatte C. W. Ceram götter, gräber u. gelehrte (1949) 350. A@2@bb) metaphorisch von seelischer glut, flammender leidenschaft und affektausbrüchen: so hat er ausgesprühet der unauslöschliche vulkan, der meine brust durchglühet Pfeffel poet. vers. 3 (1790) 175; (ich) bin ja nur ein zunder und die liebe ein vulkan Daumer Hafis (1846) 1, 58; jetzt erscheint sie mir ... ganz anders, nun ich sehe, dasz die arbeitshast nur einen vulkan sinnenlust verbirgt Carl Hauptmann Einhart d. lächler 1 (1907) 200; niemand konnte eine lange zeit hindurch ... alle seine vulkane brennen haben, niemand konnte mehr als eine kurze zeit lang tag und nacht in flammen stehen ... von mal zu mal (war) das ende einer glutzeit schlimmer geworden ... (jedoch immer wieder) neuer brand, neuer ausbruch der unterirdischen feuer, neue glühendere werke, neuer glänzender lebensrausch Hesse Klingsors letzter sommer (1920) 154; in don Domenicos brust begann (nach dieser antwort seines sohnes) der vulkan (des zorns) seine gewohnte tätigkeit Werfel geschwister v. Neapel (1931) 120. vom menschen selbst, als herd innerer glut: und was bist du denn jetzt? fragte Hermann. was die meisten jungen männer meinesgleichen sind: ein ausgebrannter vulkan Holtei erz. schr. 7 (1861) 185; Bacon (war) kein abgrundtiefer vulkan wie (Giordano) Bruno Friedell kulturgesch. d. neuzeit (1929) 370; täglich muszte ich nun der klapprigen baronin Löwe einstige liebesabenteuer anhören und des professor Düttelius lächerliche klage, dasz er ein erloschener vulkan sei Ernst Penzoldt kleiner erdenwurm (1934) 32; er ... hörte das gefährliche unterirdische rollen des vulkanes mensch Kluge Kortüm (1940) 559. A@2@cc) gelegentlich als metaphorische bezeichnung der tabakspfeife: es dauerte aber doch gar nicht lange, so ging mir die stimme aus, und bald hernach auch die pfeife; ich schob den portativ-vulkan ... verstimmt in die rocktasche zurück Gaudy s. w. 18 (1844) 40. BB. komposita zu vulkan A 1. B@11) in geographischer fachsprache, von da (z. t.) auch in den allg. sprachgebrauch übernommen (z. t. auch zum eigennamen erstarrt, s. Meyers konv.-lex. 20 (1908) 277 s. v. vulkangebirge, -pasz u. -insel): vulkanausbruch, m., 'explosionsartiger ausbruch von gasen aus einem vulkanischen herd bzw. eruption des magmas': vulkanausbrüche befördern feurige lava und gasmassen aus dem schosze der erde herauf Knaurs weltatlas (1936) 19; auch in literarischem sprachgebrauch: nicht vulkanausbrüche oder springfluten können die seele des menschen lähmen mit dem gefühl der sinnlosigkeit des daseins, wohl aber der anblick einer endlosen menschenleeren vorortstrasze Kluge Kortüm (1938) 538. metaphorisch: zum erstenmal sah Ferdinand die kurzaufspringenden vulkanausbrüche des granateneinschlags Werfel Barbara (1929) 271. —
8729 Zeichen · 175 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Vulkān

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Vulkān , genit. -s, plur. -e, in der Mythologie, der bekannte Gott des Feuers und der Schmiede. Sehr unschicklich ist es…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Vulkan

    Goethe-Wörterbuch

    Vulkan [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Vulkan

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +2 Parallelbelege

    Vulkan , südwestlichster Gebirgspaß aus Siebenbürgen in die Walachei; Fund ort von Granaten.

  4. modern
    Dialekt
    Vulkanm.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Vulkan m. : wie schd., Vulkan (fulˈgān, -gn) [verbr.]. Südhess. II 998 .

  5. Sprichwörter
    Vulkan

    Wander (Sprichwörter)

    Vulkan 1. Auf einem Vulkan tanzen. Sämmtliche Erdbewohner tanzen zwar mit Hinsicht auf das Innere der Erde auf einem Vul…

  6. Spezial
    Vulkan

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    Vul|kan m. (-s,-e) 1 ‹geol› vulcan (-s) m. 2 ‹mitol› Vulcan (-s) m. ▬ tätiger Vulkan vulcan atif m.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit vulkan

34 Bildungen · 33 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

Zerlegung von vulkan 2 Komponenten

vul+kan

vulkan setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

vulkan‑ als Erstglied (30 von 33)

vulkanberg

DWB

vulkan·berg

-berg , m. , ' durch einen eruptionskanal mit einem vulkanischen herd verbundener ( meist erst durch eruptive anhäufung magmatischer stoffe …

vulkanbogen

DWB

vulkan·bogen

-bogen , m. , ' bogenförmige reihung vulkanischer erhebungen ': Maron ..., der letzte ausläufer des groszen vulkanbogens, der sich von Neugu…

vulkanfiber

DWB

vulkan·fiber

-fiber , f. , ' ein kunststoff, bestehend aus hydratisierter zellulose ' Brockhaus 19 (1934) 709 ( s. fiber teil 3, 1612), ähnlich bei Karma…

Vulkangebirge

Meyers

vulkan·gebirge

Vulkangebirge , ein Zweig der Transsylvanischen Alpen, der sich an der rumänischen Grenze zwischen dem Retyezát- und dem Paringulgebirge süd…

vulkanglas

DWB

vulkan·glas

-glas , n. , ' die bei vulkanen gefundenen glasartigen schlacken, die ... meistens schwarze farbe ... und mitunter eine solche härte haben, …

vulkangruppe

DWB

vulkan·gruppe

-gruppe , f. , ' gruppenförmige häufung vulkanischer erhebungen ': eine vulcangruppe bildet z. b. die insel Island Thiel landwirtschaftl. ko…

Vulkaninsel

Meyers

vulkan·insel

Vulkaninsel , Insel an der Küste des deutschen Kaiser Wilhelms-Landes (Neuguinea), 60 km südöstlich von der Mündung des Kaiserin Augusta-Flu…

Vulkaninseln

Meyers

Vulkaninseln ( Volcanoinseln ), Inselgruppe im Großen Ozean, südlich der Bonininseln (s. d.), mit denen sie zum Magalhães-Archipel (s. d.) g…

vulkanisch

DWB

vulkan·isch

vulkanisch , adj. ( in älterer schreibung gelegentlich noch vulcanisch, s. Göthe unter 1 ). ndl. vulkanisch Akveld-Sicherer nederl.-hoogd. 1…

Vulkanische Gesteine

Meyers

vulkanisch·e·gesteine

Vulkanische Gesteine , im engern Sinne gleichbedeutend mit Laven (s. Lava ) und mit den zu diesen gehörigen klastischen Gebilden, die in los…

vulkanisieren

Pfeifer_etym

Vulkan m. ‘durch aus dem Erdinnern an die Oberfläche dringendes Magma entstandener, feuerspeiender Berg’. Der Name des römischen Gottes des …

Vulkanisierung

LDWB2

Vul|ka|ni|sie|rung f. (-) vulcanisaziun (-s) f.

Vulkanisiren

Herder

Vulkanisiren , heißt Kautschuk mit geschmolzenem od. aufgelöstem Schwefel verbinden, wodurch der Kautschuk elastischer wird und auch in der …

Vulkanismus

Meyers

Vulkanismus , der Inbegriff der gesamten vulkanischen Erscheinungen; auch soviel wie Plutonismus (s. d.). Vulkanisten , Anhänger des B.

Vulkanisten

Herder

Vulkanisten , heißen die Geologen, welche die Bildung der jetzigen Erdoberfläche der Wirkung des Feuers zuschreiben.

Vulkanīt

Meyers

Vulkanīt , Isolationsmaterial von nicht bekannt gegebener Zusammensetzung, das namentlich von der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft in B…

Vulkanität

GWB

Vulkanität [bisher nicht publizierter Wortartikel]

vulkankegel

DWB

vulkan·kegel

-kegel , m. , ' kegelförmige aufschüttung magmatischer stoffe rings um die kratermündung ': parasitische vulkankegel ... ( heiszen ) die auf…

vulkanlandschaft

DWB

vulkan·landschaft

-landschaft , f. , ' durch vulkanische erscheinungen beherrschte landschaft ': es ist dies ( Neupommern im Stillen Ozean ) eine der groszart…

Vulkanname

FiloSlov

vulkan·name

Vulkanname , m имя , ср вулкана → FiloSlov Vulkanonym, n

vulkanöl

DWB

vulkan·oel

-öl , n. , ' ein rückstandöl aus stein- oder braunkohlenteer ' Brockhaus 19 (1934) 709; ähnlich bei Sanders fremdwb. (1871) 605 , Karmarsch-…

Vulkanologie

LDWB2

Vul|ka|no|lo|gie f. (-) vulcanologia f.

vulkanologisch

LDWB2

vul|ka|no|lo|gisch adj. vulcanologich (-cs, -ca).

Vulkanonym

FiloSlov

Vulkanonym , n вулканоним , м → FiloSlov Vulkanname, m

Ableitungen von vulkan (1 von 1)

Vulkāne

Meyers

Vulkāne ( Feuerberge, feuerspeiende Berge , hierzu Tafel »Vulkane I u. II« mit Text), Berge, die durch einen Kanal mit dem Erdinnern in Verb…