vorschub,
m. ,
älter fürschub
th. 4, 1, 1,
sp. 803;
mhd. vürschup Lexer 3, 608;
aura meton. ein trost, vorschub, behelff Corvinus
fons lat. (1646) 97; vorschub, der,
adjutorium, adminiculum, subsidium Stieler 1785; Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702) 515
c; Spannutius (1720) 458; Steinbach 2, 485; Frisch 2, 230
b; Adelung; Campe. 11)
die handlung des vorschiebens oder der vorgang des vorgeschoben werdens, so öfters in technischer sprache, vgl. vorschubnetz, -schlitten, -tisch, -walze: der automatische vorschub soll (
beim tunnelbau) dann erfolgen, wenn die maschine die grenze des hubes erreicht hat Karmarsch-Heeren
techn. wb. (1876) 9, 724;
vgl. 4, 355; 1, 701. —
beim spiel: (
es kommt) auf den geschickten und kraftvollen wurf oder vorschub an Rosegger I 4, 201. — den vorschub haben,
beim kegeln, das recht, vor einem andern zu kegeln Adelung. 22)
etwas, das bestimmt ist, vorgeschoben, besonders vor etwas geschoben oder angebracht zu werden, um zu sperren, zu verschlieszen: vorschub (vorschieber),
chiavostello, stango da stangare Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702) 515
c; vorschub, zapffen, stöpffel Rädlein (1711) 1015
b; soll man die feuermäuer mit blechernen vorschüben und die ofenlöcher mit thüren verwahren
Noel Chomel öcon. u. physical. lex. (1750) 3, 1578;
vgl. vorschubthürlein. 33)
der aus rasen, lumpen u. ä. gebildete pfropfen, der in der älteren artillerie vor die ladung gesetzt wurde Adelung,
s. vorschlag 7 g. 44)
bei schneidern und kürschnern der vorstosz an einem gewand Campe. 55)
etwas vorgeschobenes, vorspringendes: '
der auslauf des vorderstevens im schiffsbaue, d. i. dessen vorwärtsgehende richtung' Adelung. —
eigentümlich für felsvorsprung: die windungen und vorschübe, die den schlund (
des kraters) verengen Gutzkow (1872) 11, 249. 66)
gewöhnlich aber in übertragener bedeutung, die einer anwendung von vorschieben in älterer sprache entspricht, s. vorschieben 9
und 10. vorschub
bezeichnet die förderung durch beihelfende thätigkeit oder hergabe von mitteln. die ältere sprache bewegt sich in der anwendung des wortes freier als die heutige, die geneigt ist, das wort auf einige verbalverbindungen einzuschränken. auch scheint es, als ob das wort in der sprache der gegenwart gern einen ungünstigen sinn annimmt und mit vorliebe eine von irgend einem standpuncte aus nicht gebilligte förderung bezeichnet; vgl. vorschubleistung. —
dieser ungünstige sinn kann auch in älterer sprache hervortreten (
vgl. vorschieben 9): als dabey der calvinismus, atheismus, unterschleiff und vorschub gnugsam zum besten hat Prätorius
winterflucht d. sommervögel (1678) 440. —
in diesem sinn wird der plur. nicht gebraucht Braun
dt. orthograph.-gramm. wb. (1793) 293
a; Adelung
bemerkt, dasz es '
in der ersten und vierten endung'
am üblichsten sei, vgl. aber: wa wir deinen feinden etwas gonstes oder vorschubes beweisen Fischart
geschichtklitt. 342
ndr.; endlich aber muste er sich ... an dem seinen abgebrennten massen verwilligtem vorschube begnügen Lohenstein
Armin. (1689) 2, 1006
a; bedarf darinn weiter keines auszerordentlichen vorschubs Lessing 13, 396
M.; des vorschubs guter gelegenheiten Gellert (1839) 6, 101; zum äuszeren vorschube gehört hauptsächlich die anschaffung der nöthigen bücher A. v. Haller
tageb. u. beobacht. 1, 30. 6@aa)
mit sinnverwandten oder unterstützenden wörtern verbunden: an geneigtem willen und allem vorschube P. Fleming
dt. ged. 1, 73
L.; mit hülf und vorschub
Reinicke fuchs (1650) 133; an contribution und anderm vorschub Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 304; hülff, befördernusz und vorschub Lehman
floril. polit. (1662) 1, 408; durch rath, einleitung, lenkung, vorschub und glücklichen abschlusz Göthe IV 40, 321
W.; die zu der missethat des fürsten je gedient mit vorschub, muth und rath A. Gryphius
trauersp. 577
Palm; er sucht der allgemeinen noth mit rath und vorschub zu begegnen Günther
ged. (1735) 140. 6@bb)
mit angabe dessen, der den vorschub leistet, im genit., sehr häufig im älteren nhd.: dem potentaten gunst und vorschub Sleidanus
reden 60
Böhmer; durch hülff und vorschub desz teuffels Prätorius
Blockesberges verrichtung (1668) 283; durch vorschub etlicher ihm daselbst bekannt gewordenen hohen Zinzendorf in:
ztschr. f. brüdergesch. 6, 96; durch vorschub seines landesherren
allg. dt. bibl. 51, 221; auf des redlichen predigers vorschub
Holston u. Augusta (1780) 114; ohne vorschub einer partei G. Forster (1843) 9, 83; durch vorschub seiner landsleute Göthe IV 8, 137
W.; durch vorschub des oheims E. Th. A. Hoffmann 10, 94
Gr.; (
ein könig hat) mit vorschub des pabsts verwanten all seine macht gethan zusammen Fischart
dicht. 3, 368
Kurz. freier, unpersönliches im genit.: durch vorschub der waffen Birken
Teutonie (1652) 6; ohne einigen vorschub der hände auf die pferde springen Happel
hist. modernae Europae (1692) 135
a; damit niemand von dem kreuz einen körper stehlen möchte und, durch vorschub dunkler nacht, heimlich zu der erde brächte Triller
poet. betr. (1750) 2, 228. 6@cc)
herkunftart der förderung durch andere mittel ausgedrückt: nach göttlichem rath und nicht durch menschlichen vorschub Arnold
kirchen- u. ketzerhist. (1699) 136
b; durch fremden vorschub Besser (1732) 1, 97; durch ihren (
der fürsten) mildthätigen vorschub Gottsched
beytr. z. crit. hist. (1732) 2, 426; durch milden vorschub die sache befördern
d. neueste aus d. anm. gelehrs. (1751) 9, 469; wenn ich auf ihren freundschaftlichen vorschub, das merkwürdigste daselbst mit musze sehen zu können, rechnung machen dürfte Lessing 17, 278
M.; eure nachsicht musz ihn in seinen liederlichkeiten bevestigen, euer vorschub ihnen rechtmäszigkeit geben Schiller
räuber 1, 1; und gleichwohl wird der held gestehn, dein (
der gelegenheit) vorschub hab ihm glanz gegeben Günther
ged. 2, 244
Kr. 6@dd)
durch den abhängigen genitiv kann auch bezeichnet werden, was gefördert wird, solche verbindungen sind selten: vorschub der laster,
vitiorum alimenta Steinbach 2, 485; mehr und mehr empfand ich ... diese schaustellungen als einen vorschub der langeweile L. v. François
d. letzte Reckenburgerin (1871) 2, 171; was forderst du von mir den vorschub deiner thaten? J. E. Schlegel (1761) 1, 187; dasz ihr bey uns hier eine weile zubringt, zu unsrer hoffnung vorschub und gewinn (
for the supply and profit of our hope)
Shakespeare Hamlet 2, 2. 6@ee)
andere wendungen, besonders solche, die eine gröszere beweglichkeit der älteren sprache zeigen: da ist weder vetter noch bäsel, weder vorzug noch vorschub Moscherosch
ges. 1 (1650) 19; da sich dennoch wenig vorschub für ihm ... fand Er. Francisci
d. hohe traursaal (1665) 1, 1011; vorschub gegen Rom und dessen heerführer ... zur erlangung ihrer pannonischen siege Lohenstein
Armin. (1689) 2, 5; (
das fohlen kann) also den ersten antritt seines wachstums mit mehrerm vorschub ausführen
allg. haushaltlex. (1749) 1, 200
a; damit ich also meinen kollegen ... manches kopfbrechen über meinen helden erspare, musz ich ihnen hier zum vorschub sagen, dasz ... Lenz 3, 94
Tieck; mitwissenschaft ist vorschub, hehlen that Immermann 15, 334
B. 6@ff)
schon oben wurde bemerkt, dasz in der sprache der gegenwart eine neigung hervortritt, die mit vorschub
gebildeten verbalverbindungen, in denen vorschub
das object ist, zu beschränken. die häufigste verbindung ist jetzt wohl vorschub leisten,
die aber bei Adelung
und Campe
fehlt, obgleich sie seit dem 17.
jh. zu belegen ist: hingegen aber allen vorschub zu löblichen tugenden euszersten vermögens zu leisten Harsdörffer
frauenz.-gesprächspiele (1641) 1, n 6
a; (
hatte) ihm versprochen allen möglichen vorschub zu leisten
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 1, 485; einem so ehrlosen gewerbe vorschub zu leisten Nicolai
reise (1783) 11, 171; ich bin nicht willens, der schauspielereitelkeit vorschub zu leisten Göthe IV 13, 292
W.; klöster schienen ... zu den wissenschaften vielen vorschub zu leisten K. L. v. Haller
restaur. d. staatswiss. (1816) 4, xi; leichtigkeit der form und sprache, die dem nachahmen und nachsingen allen vorschub leistete J. Grimm
kl. schr. 3, 38; wie erklecklich durch solche schenkung dem heil der seele vorschub geleistet sei Scheffel (1907) 2, 42; (
staatsform,) die seinen (
Deutschlands) schlimmsten eigenschaften geradezu vorschub leistet Dwinger
wir rufen Deutschland 515. 6@gg)
in der sprache der gegenwart seltener, um so häufiger früher gebraucht ist vorschub thun,
als einzige wendung dieser art bei Adelung
und Campe
angeführt: einem allen vorschub thun Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702) 515
c; einem im kriege groszen vorschub thun Steinbach 2, 485. 6@g@aα)
personen oder collectiva als subject: (
dasz) keiner des andern find adder beschediger henfurder meher hawssen, herbringen, nach keinen vorschop thuen sellten
lehns- u. besitzurkunden Schlesiens 1, 238 (
von 1482); seinen kinden zu ewigen tagen kein hülff, vorschub noch steure zuthun
Aymon (1535) d 3
a; (
die stadt Nürnberg) that zu der belagerung allen vorschub an schweren stücken, munition und proviant Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 157; alle so sich wieder ihn verbunden und vorschub gethan, seynd gestrafft worden Schupp (1663) 386; weswegen auch Tiberius ... den Marcus Atetus in Asien schickte, denen beschädigten zur wiederaufbauung vorschub zu thun Lohenstein
Armin. (1689) 2, 1161
b; (
dasz) witzige köpfe unter uns ihre federn nicht so erniedrigt hätten, der unfläterey vorschub zu thun Gottsched
crit. dichtk. (1751) 445; dasz ihr inskünftige meinen feinden weder öffentlich noch heimlich vorschub thun wollt Göthe 8, 44
W., vgl. 39, 387; IV 13, 361; 38, 28; ich habe ihm vorschub in allen wissenschaften gethan Tieck (1828) 10, 123; hätten alle andern dem wörterbuch solchen vorschub gethan wie sie J. Grimm in:
Germania 26, 127; der graf ... tat ihr hierin allen möglichen vorschub Mörike 3, 27
Göschen; deszgleichen auch die andern all, die im thun vorschub und beyfall Dedekind
papista conversus (1596) c 8
b; auff dasz man sehen soll, dasz er (
gott) uns vorschub thu, wo menschen rettung fehlt Opitz (1690) 3, 278; darum erwartet sie von den drey landen, dasz sie den mördern nimmer vorschub thun Schiller
Tell 5, 1.
in besonderer wendung: er that sich, glaub ich, wieder vorschub bei der kaplanin und noch mehr schaden bei Klotilden Jean Paul 7/10, 201
H. 6@g@bβ)
freier mit unpersönlichem subject: so ihr (
der kirche) die decreten ein vorschub thun Fischart
bienenkorb (1588) 51
a; ein schlechter vorthel, den man nit meistert, der kan zu groszen sachen vorschub thun Lehman
floril. polit. (1662) 2, 869; verarmung thut, wie dem einzelwesen, so noch mehr den völkern so viel abbruch, als armuth vorschub Jean Paul 34, 21
H.; meiner vermutung ... thun auch einige hierher gehörige eigennamen vorschub J. Grimm
kl. schr. 7, 145; tuts ihm keinen vorschub in deinem herzchen? Bauernfeld (1871) 2, 169; nennet kein vergnügen eitel, dem wein und liebe vorschub thut Hagedorn (1769) 3, 17; gelehrtheit ist stets schön, nicht immer gut; gut ist sie, wenn sie gutem vorschub thut Herder 23, 97
S. 6@hh)
veraltet ist auch vorschub geben,
früher häufig: darzuo sie gedachten die gefänknis Reguli nicht wenig vorschub geben würde Kirchhof
wendunm. 1, 34
Ö.; die gelegend des landes gabe meinem vornehmen nicht geringen vorschub Zend. a Zendoriis
teutsche winternächte (1682) 194; ihnen oder den ihrigen einigen vorschub oder unterschleif geben v. Fleming
t. soldat (1726) 91; so würdet ihr diesem unfeinen lebenswandel keinen vorschub geben (
you would not give means for this uncivil rule)
Shakespeare was ihr wollt 2, 3; und ein herz, das alles liebet, was der tugend vorschub giebet Gottsched
ged. (1751) 181; wer von den meinen nahrung, unterstützung und irgend vorschub diesem knaben giebt Immermann 16, 326
B. 6@ii)
ebenso ist die verbindung mit haben
oder mit geschehen
auszer gebrauch gekommen: das der feind ... mit proviant und ander hulf mehr vorschub gehabt
verh. d. schles. fürsten u. stände 2, 19
Palm.; überall, wo unermeszliche länderstrecken vom wink eines einzigen abhängen, hat die revolution leichtern vorschub Gutzkow (1872) 9, 94. — denen in der besatzung vorschub und förderung geschehe Kirchhof
milit. discipl. (1602) 37; geschieht mir nur halb so viel freundlicher hilfreicher vorschub als voriges jahr bei ihnen Jac. Grimm
an Benecke (1889) 31; wenn ihnen dadurch ein gefallen und ein vorschub geschieht Stifter 17 (1916) 142. 6@kk)
natürlich sind auch in der sprache der gegenwart die mannigfaltigsten verbindungen mit verben möglich, doch ist die ältere sprache beweglicher: Nerons reiche hand umb vorschub anzuflehn Lohenstein
Epicharis (1685) 25. (
hopfenkulturen,) welche der vertheidigung groszen vorschub boten Moltke (1892) 3, 15; da dir der himmel doch itzt rath und vorschub beut J. E. Schlegel (1761) 1, 44. durch
dieses erhält jenes nicht den geringsten vorschub Lessing 8, 27
M. — wenn er hierin guter patronen vorschub erlanget Leibniz
dt. schr. (1838) 2, 390. das bewohnt und öde land will euch allen vorschub schaffen P. Fleming
dt. ged. 1, 360
L.; das heiszt, ihr wollet selbst den lastern vorschub schenken Gottsched
dt. schaubühne 4, 385. sie waren so gütig, ... mir in meinen literarischen bedürfnissen vorschub zu versprechen Schiller
br. 1, 85
J. — jene hingegen hätten sich auch in den eusersten unglücksfällen von dem landvolcke alles vorschubs zu verstehen Lohenstein
Armin. (1689) 2, 728
a. — (
habe) mich derwegen bey vielen vornemen gelehrten leuten ... umb vorschub zubelanget Binhardus
thüring. chron. (1613)
vorrede. 77)
einzelnes. 7@aa)
wie aufschub: ohne vorschub,
statim Frisch 2, 230
b;
für verschub,
s. dieses th. 12,
sp. 1169. 7@bb)
im sinne von vorwand: durch den vorschub kirchlicher pönitenz Avé-Lallemant
d. dt. gaunerthum 2, 16;
vgl. vorschusz 9. 7@cc)
mit verengung der unter 6
behandelten bedeutung, darlehen, vorschusz: maszen wir denn auch bey zukommenden besten glück ihm den vorschub wiederumb gut zu machen ehrlich verhieszen Riemer
d. polit. maulaffe (1679) 328;
vgl.: fürschub an geld,
auxilium argentarium Aler
dict. (1727) 1, 816
b;
diese bedeutung fehlt th. 4, 1, 1,
sp. 803.