vorschmack,
m. ,
vgl. vorgeschmack oben sp. 1106;
mhd. vür-, vorsmac
mhd. wb. 2, 2, 417
a; Lexer 3, 609,
nachtr. 397; vorgeschmack,
et melius vorschmack Stieler 1871; vorschmack, vorgeschmack,
vangusto, pregusto Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702) 600
a;
praegustus ein vorschmack und vermuthung, abmerckung Sperander (1727) 493
a; Steinbach 2, 458; Campe. 11)
die bemerkung Stielers, dasz vorschmack
vor vorgeschmack
den vorzug verdiene, wird durch den sprachgebrauch, mindestens der neueren zeit, nicht gestützt, beide wörter erscheinen in den gleichen anwendungen, vielleicht könnte man sagen, dasz im physiologischen sinne vorgeschmack
häufiger gebraucht wird, als vorschmack.
die übertragene anwendung ist von anfang an in geistlicher dichtung und prosa mystischer richtung reichlich bezeugt und hat hier ihren ursprung. 1@aa)
mit beziehung auf das leben nach dem tode, zunächst im engeren geistlichen sinne, dann aber auch davon gelöst in freierer auffassung, vorläufige und vorausdeutende empfindung der künftigen seligkeit oder verdammnis: mit einem fürsmacke des êwigen lebendes
myst. 1, 298
Pfeiffer; in einem wunderlichen vorsmack gotlich niessens Heinrich v. Nördlingen
an Margar. Ebner xiii, 60; ein stilles ruowen, ein blozes schovwen, ein ungewonliches niessen, ein vorsmac ewiger szikeit Seuse
dt. schr. 297
B.; disen vorschmack von der grossen waren hochtzeit hetten vil leut gerne Tauler
sermones (1508) 39
c; (
dasz die seele) thu ein anplick yn die ewigkeyt und da entphach ein vorsmack ewiges lebens
theologia deutsch 18
Mandel; wie die seele des menschen, dieweil sie in dem leibe ist, entpfinden mag einen vorschmack ewiger seligkeit J. Arndt
Thomas a Kempis (1631) 10; (
die seele) genüszt bey diesen heiligen empfindungen einen vorschmack der künftigen seeligkeit Gottschedin
br. (1771) 1, 69; einen vorschmack von jenen zeiten, wo keyn mangel seyn wird Miller
pred. fürs landvolk (1776) 1, 157; swer des liehtes niht enweiz unde des vorsmacs nie enbeiz, der von himelrîche vliuzet Lamprecht v. Regensburg
tochter Syon 1089
W.; den vorschmack gönnt er (
gott) uns in dem so engen leben, die wahre freud im reich A. Gryphius (1698) 2, 168; das höchste gut giebt selbst sich dir ... du hast, wie mir gesaget ist, eh als du abgeschieden bist, den vorschmack dessen schon empfunden S.
Dach 113
Ö.; so mag auch deine weise brust im gottesdienst und bey der lust nur das vollkommenste, des himmels vorschmack hören Gottsched
ged. (1751) 1, 44; o hofnung, hofnung, dem himmel nah, vorschmack der künftigen welt Klopstock
oden 1, 141
M.-P.; selbst dem kelch des marterthums kannst du des Elysiums vorschmack geben Pfeffel
poet. versuche (1812) 1, 10. 1@bb)
ebenso auf hölle und höllenpein bezogen: und disz ist eyn tropffe odder vorschmack der hellischen peyn Luther 18, 481
W.; welchen sein gewissen plaget, ..., der hat schon einen vorschmack der hellen und der ewigen pein
Reinicke fuchs (1650) 280; das herz musz ... den vorschmack der hölle kosten, der die lust der sünde verbittert Göthe 22, 306
W.; und scheint mir gleich die last der erden ein vorschmack jener pein
zu werden: vergnügliche zufriedenheit! du bist die halbe seligkeit Stoppe
Parnasz (1735) 203. 1@cc)
von diesem gebrauch im geistlichen sinne aus dann in freierer auffassung, so dasz z. b. auch rein weltliche lust als vorschmack
des himmels und der seligkeit bezeichnet werden kann: (
das vergnügen an der musik,) welches der seele selbst zu einem göttlichen vorschmacke der ewigen zufriedenheit dienet Scheibe
d. crit. musicus (1745) 48; aus wollüsten und bedürfnissen dieser erde besteht unser ganzer vorschmack des himmels Hamann 6, 74
R.; (
soll ich) versichern, dasz ich in deinen armen schon einen vorschmack des himmels gehabt habe
theater d. Deutschen (1768) 4, 163; studiren ist eine art von geisterseherey, eine empfindung höherer kräfte, ein vorschmack des himmels Hippel
lebensläufe (1778) 3, 1, 308; schon das anschauen meines wieder auferstandenen (
kindes) hat mir einen vorschmack der himmlischen freude gegeben Göthe 23, 280
W.; der heutige nachmittag will mir etwas gewähren, so wie ein vorschmack himmlischer seligkeit duftet Holtei
erz. schr. (1861) 14, 174; o wie seelig ist die stunde, da man, angenehmes kind, auf dem rosenvollen munde deines herzens huld gewinnt und den vorschmack jener welt selbst mit dir in armen hält Günther 1, 16
Kr.; die wollust, die uns hier ein irdisch gut gewährt, soll nur ein vorschmack seyn Wieland I 1, 75
ak. ausg.; o wiedersehen! vorschmack ewiger freuden nach letzter trennung grafen zu Stolberg (1820) 1, 115; wenn der tropfe wein, den ihre sterbende zunge kostet, zum siedenden pech wird, ein vorschmack der hölle Schiller
Fiesko 3, 5; das leben ist eine wahre qual und ein vorschmack der hölle fürst Pückler
briefw. u. tageb. (1873) 5, 178. 1@dd)
vorempfindung irdischer lust oder unlust: die warme lentzenluft und die frülingssonne einen vorschmack der bald angehenden hirtenlust zeigete Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. (1641) 5, )( )( )( )( )( 3
b; ob sie denn noch keinen vorschmack von der so süszen liebe geschmäckt hätte? Lohenstein
Armin. (1689) 2, 45
b; unser baron konnte ... nicht glücklicher seyn, als er durch diesen vorschmack der zukunft (
eine erbschaft) geworden war Hippel
kreuz- u. querzüge (1793) 1, 128; (
ein park) gab uns einen angenehmen vorschmack des vergnügens, welches wir in England ... zu genieszen hoffen G. Forster (1843) 3, 238; alles gab uns den vorschmack glücklicher paradiesischer stunden Göthe 25, 41
W.; was ich schon genossen habe, dünkt mich nur ein vorschmack von der fülle ihrer seeligkeit Heinse 4, 212
Sch.; vorschmack der ehe Grillparzer 17, 62
Cotta; ein bloszer kusz, der vorschmack wahrer lust Lohenstein
Agrippina (1701) 26; schenke mir nur in der stille deiner liebe vorschmack ein Günther 1, 23
Kr.; (
den friedensnectar,) wovon der himmel uns durch Friedrichs vaterhand bereits den ersten trunk zum vorschmack zugewandt Amthor
bei Weichmann
poesie d. Niedersachsen (1721) 1, 66; ein guter vorschmack für künftige zeiten ... wir haben die nacht sitzen müssen Gutzkow
ritter v. geiste (1850) 8, 11; im jahre 1526 läszt er den pabst einen kleinen vorschmack dessen kosten, was ihm in Rom bevorstände, falls er nicht ruhe hielte Herm. Grimm
Michelangelo (1890) 2, 11; man stöszt und schlägt und nennt ihn (
den hund) toll, zum vorschmack härtrer züchtigungen Hagedorn (1769) 2, 47; (
du) müssest sein von ahnungen durchzittert und einer niederlage vorschmack
schmecken Rückert (1867) 1, 33. 1@ee)
vorempfindung des todes: dieser schlaf war wie ein vorschmack des todesschlafs, so süsz Hippel
lebensl. (1778) 3, 1, 122; jede trennung giebt einen vorschmack des todes Schopenhauer 5, 618
Gr. 1@ff)
die eigentliche bedeutung des wortes wird bei der übertragung abgeschwächt; natürlich kann die vorstellung einer lust oder unlust erhalten bleiben, anderseits ist besonders in älterer sprache abschwächung bis zur neutralen bedeutung zu beobachten: vorläufige wahrnehmung, anschauung, probe, vorläufiger begriff u. ä., vgl. vorgeschmack 6,
sp. 1107,
s. zu anfang vor 1 Sperander; jemandem einen vorschmack von etwas geben Adelung; einen vorschmack von etwas bekommen Campe; aus einem groszen vorraht gleichsam zum vorschmack vorgetragen Morhof
unterricht von d. dt. spr. (1682) 1, 149; es solte disz nur ein kleiner vorschmack seyn des willkommens in ihrem lande Ad. Olearius
pers. reisebeschr. (1696) 200; einen vorschmack dessen, worinnen sie unterrichtet werden sollten Abr. a
s. Clara
etwas f. alle (1699) 2, 186; es sind die alten schriften der Hebreer ... schwer zu verstehen, wenn man nicht von ihren sitten, gebräuchen ... einen guten vorschmack hat Leibniz
dt. schr. (1838) 2, 496; in forst- und jagdsachen einen kleinen vorschmack zu geben Göchhausen
notabilia venatoris (1741) 273; nach diesem allgemeinen vorschmacke von der tragödie Gottsched
crit. dichtkunst (1751) 608; (
die Schweizer schickten der Manessischen samml.) zum vorschmack einen band alter fabeln voraus Lessing 15, 92
Petersen; man bemühte sich, uns einen kleinen vorschmack von den rechten eines jeden reichs ... beyzubringen Rabener (1777) 2, 6; ein vorschmack von naturgeschichte G. Forster (1843) 7, 349; davon denn das büchlein selbst, nach dem vorschmack der wenigen bogen, ein treuliches zeugnisz ablegen soll Göthe IV 31, 3
W.; am Garda erhält man den ersten vorschmack von italienischem volkscharakter Laube (1875) 8, 247; zum vorschmack eures botenlohns nehmt diese kleinigkeit Göthe 10, 293
W. Jean Paul
wagt den plural: da dieser (
aufsatz) schon vollständig hier steht, und man daran statt bloszer vorschmäcke schon geschmack findet 44, 115
H. 1@gg)
ahnung, vermutung: was ich nicht klärlich hab mügen finden, findestu doch hie ein coniectur und vorschmack S. Franck
chron., zeytbuch (1531) 246
b; (
brachte) sie der Pomponia Gräcina ins haus, ehe sie den geringsten vorschmack davon bekommen A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 871;
eigentümlich in folgender stelle: verstehe, da es sich eher das facit machen lässet, ausm vorschmacke der natur (sintemal der autor ohne dem nicht eher zur unnatürligkeit mag greiffen, als mangel an der natur obhanden ist), dasz ein so schwerer vogel sicherer in der nähe verbleibe Prätorius
winterflucht d. sommervögel (1678) 434;
gemeint ist wohl das natürliche ahnungsvermögen des vogels; dieser vorschmack (
eine erhaltene, vordeutende nachricht) führte sie ohne ferneres befragen vor des priesters hausz Riemer
d. polit. stockfisch (1681) 340. 22)
selten in sinnlicher, physiologischer anwendung, von Adelung
und Campe
überhaupt nicht erwähnt: diese mahlzeit ... gab mir einen traurigen vorschmack von der kost, die mich bei dem priester des Apollo erwartete Pfeffel
pros. versuche (1810) 1, 200; starker, duftender wein, der seine sinne im bloszen vorschmack schwindeln machte W. v. Polenz
Grabenhäger (1897) 1, 265. —
auf den geruch bezogen (
vgl.schmecken I
th. 9,
sp. 962): er hielte zuvor die nase an das schlüsselloch, von dem gestanck des cörpers einen vorschmack zu gewinnen Riemer
polit. stockfisch (1681) 180. —
dagegen findet die sinnliche bedeutung in bildern ihren ausdruck: ich werd einen vorschmack drin von dem himmlischen manna finden Hippel
lebensl. (1778) 2, 416; lasz unsre seele gar der äpffel vorschmack fühln, die zweyfach nach dem bruch im paradise blühen Lohenstein
Ibrahim sultan (1680) 1, 31; der nachschmack dieser speise (
des abendmahls) soll mir ein vorschmack seyn auf meiner lebensreise vom himmelbrod und wein Schmolcke
trost- u. geistr. schr. (1740) 1, 367. 33)
veraltet in der bedeutung eines vorwiegenden, hervorstechenden geschmacks: '
ein geschmack, welcher deutlicher als der wahre oder rechte geschmack eines dinges empfunden wird. der kaffeh hat einen vorschmack,
wenn z. b. aloe in demselben vorschmeckt' Adelung. 44)
dinglich, was man vor anderem genieszt, vorkost, aufbisz, zubisz, auch frühstück Sallmann
lex. beitr. z. dt. mundart in Estland 49
b. —
ähnlich: auch gibt man einen vorschmack nicht mit der ganzen schüssel Lessing 22, 203
Petersen. 55)
als erster theil in zusammensetzungen: welches doch nur ein
πρόγευσις oder