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vorlaut

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

vorlaut adj.

Bd. 26, Sp. 1269
vorlaut, adj. , in allgemeiner anwendung erst in neuerer sprache gebräuchlich (s. aber vorlautisch), älter dagegen als ausdruck der jägersprache; es wird erst in den wörterbüchern des 18. jh. verzeichnet: er ist v., non potest corvus tacitus pasci, nescit praeda tacite vesci Dentzler clavis ling. lat. (1716) 337b; Adelung; Campe. 11) in der jägersprache wird v. vom hunde gesagt, der zu früh das wild anspricht, dann sinngemäsz, aber freier auch vom jäger (in gleicher bedeutung freilaut th. 4, 1, 1, sp. 116), s. vorlauten 1; Jacobsson technol. wb. 1, 795b; Behlen forst- u. jagdk. (1840) 6, 207; 2, 661; und da er (der hund) vorlauts (oder subst. ?) ist, lauffen sie ihm nicht bald zu jägerb. (1590) 5a; wenn der jäger zu v. ist und ohne genugsames judiciren ... mit seinem anspruch herausplatzet v. Heppe aufricht. lehrprinz (1751) 84; dasz er (der jäger) nicht sogleich frey hinaus, oder, wie man es zu nennen pflegt, v. anspreche, wenn er nur eine fehrte siehet Döbel neueröffn. jägerpract. (1754) 1, 8. 22) von hier aus in den allgemeinen sprachgebrauch übernommen, zunächst von jemandem, der voreilig, vordringlich, unbefugt, ohne befragt zu sein, naseweis, taktlos spricht u. s. w., leicht in freiere anwendung übergehend: 2@aa) attributiv von personen, von mündlicher oder schriftlicher äuszerung, dann auch auf vordringliches wesen bezogen: eine lustige, etwas vorlaute brünette Miller Siegw. (1777) 595; dem vorlauten zeitungsschreiber und witzmacher Schubart br. 1, 236 Strausz; verwirrungen, die mehr durch vorlaute als bösartige menschen eingeleitet werden Göthe IV 37, 75 W.; es treten wol so etliche vorlaute bursch vor die front heraus Schiller kab. u. liebe 2, 2; wie man sich von einem thörigt vorlauten kinde abkehrt Fouqué zauberring (1812) 1, 26; vorlauter, geschwätziger gelbschnabel Holtei erz. schr. 26, 227; vorlaute und unverständige weibsen G. Keller (1889) 3, 100. — von einem thier: der schäfer sah miszbilligend auf das vorlaute thier (es hatte gehustet) Freytag (1886) 5, 30; im bilde: (ein uhu spricht:) dasz doch des lichts vorlauter rotte, die immer was zu krähen hat, gedämpft der schnabel sei vom staat Voss ged. (1802) 6, 231. 2@bb) alleinstehend: nannte irgend ein vorlauter einen candidaten Bode Montaigne (1793) 5, 443; es herrscht bei vielen wohlmeinenden wie bei vorlauten die vollkommenste unwissenheit darüber Solger nachgel. schr. (1826) 1, 644; das sind immer die hitzigen, die vorlauten Bauernfeld (1871) 6, 69. — als subst.: ich, damals junger v. Fr. Ziegler ges. novellen (1872) 3, 61. 2@cc) prädicativ: ich war ... gesprächig, lustig, geistreich, v. Göthe 18, 21 W.; seid etwas zu v. und übermüthig, junger mensch Tieck (1828) 3, 46; sei oder scheine stets in gesellschaft lieber dumm als v. Bettine Cl. Brentanos frühlingskr. (1844) 169; sie zeigte sich weder v. noch verzagt Holtei erz. schr. 5, 103; seien sie witzig und v. G. Keller (1889) 7, 25. — freier: ich bin etwas v. gewesen (bezieht sich auf eine tat) Schiller räuber 4, 5; (der februar spricht:) und weil ich merke, dasz ich vorlaut bin, zu prangen mit den freuden dieser erde, beug ich mein haupt dem aschenkruge hin Brentano (1852) 2, 602. 33) auf unpersönliches bezogen. 3@aa) attributiv zunächst in eigentlichem sinne auf stimme, rede, klang, ton oder stimmorgane bezogen, dann aber in reich entwickeltem freiem gebrauch. 3@a@aα) keinem fällt es ein, sich bei dem solo eines andern durch vorlautes accompagniren ehre zu machen Göthe 22, 21 W.; (er) hätte gern des grafen vorlaute zunge bestraft Holtei erz. schr. 18, 182; ich äuszerte diesen eindruck in vorlauten worten G. Keller (1889) 1, 383; dabei war mir der sonst vorlaute mund wie zugehext Carossa verwandl. e. jugend (1928) 101; eine vorlaute frage. 3@a@bβ) auf schriftliche äuszerung bezogen: das vorlaute büchlein des sonst so tüchtigen Holsteiners Hebbel w. 12, 218 W.; die vorlauten zeitungsnachrichten quälen mich briefw. zw. J. u. W. Grimm, Dahlmann u. Gervinus 2, 37. 3@a@gγ) in freier anwendung auf abstracta bezogen: vorlautes, widersprechendes wesen Göthe 42, 2, 193 W.; weisz ich mich einer vorlauten neugier zu enthalten Schiller 14, 260 G.; dasz ein kaminfeuer die phantasie erhebt und den vorlauten verstand etwas zum schweigen bringt Tieck (1828) 14, 128; sie redet nicht mit vorlauten sinnen Caroline 1, 198 Waitz; in einem vorlauten anflug von kapitalistengefühl Nestroy (1890) 2, 294; dasz der vorlaute neid sich zurückzieht fürst Pückler briefw. u. tageb. (1873) 6, 19; da ich von dem feurigen extraweine ... etwas vorlauter laune geworden G. Keller (1889) 3, 236; die vorlaute zudringlichkeit eines betriebsamen strebers Treitschke dt. gesch. im 19. jh. 4, 540. 3@a@dδ) in poetischer wendung: (sie) hörten des vorlauten bergbächleins geflüster Holtei erz. schr. 7, 119; kühner: wo auch kein vorlauter sonnenstral sie ausspionieren soll Schiller Fiesko 3, 4. 3@bb) alleinstehend: ich habe aus ihrem munde niemals etwas vorlautes ... gehört Bode Thomas Jones (1786) 6, 168; einen arzt ..., der wie alle getauften juden etwas vorlautes, widriges hat J. u. W. Grimm briefw. (1881) 359. 3@cc) prädicativ: wenn die mode ein bischen v. ist Iffland theatr. w. (1827) 10, 161; aber sie (die hoffnung) war auch zu vorlaut Tieck bei Wackenroder (1910) 2, 4. 44) als adv.: denen, die so ... v. verdammen, antworte ich blosz durchs beispiel aller benachbarten nationen Herder 25, 7 S.; eine dirne, die sich zu v. in den freigelassenen raum gedrängt hatte Hauff (1890) 1, 9; dem v. kindischen geschwätz war er nicht hold G. H. v. Schubert selbstbiogr. (1854) 1, 59; da ich mich v. benommen hatte Laube (1875) 1, 9; mich vorlaut zu meistern masz niemand sich an Gotter ged. 3 (1802) lxxvi. nun wird albernheit ihr vorlaut nicht die schönste feier stören Grillparzer 4, 141 Cotta; nicht ehrbar ist, des scheuen weibes weg vorlaut zu kreuzen Freytag (1886) 3, 219. frei: auch der ginster ... hat seine gelbe v. duftende blüthe A. v. Warsberg odysseische landschaften 1, 127. 55) Adelung stellt auch eine mildere bedeutung auf: 'jemand wird in einer gesellschaft v., wenn man seine stimme vor allen anderen höret'.
6186 Zeichen · 142 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Vorlaut

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Vorlaut , adj. et adv. 1. Vor der gehörigen Zeit laut. So sagt man in der Jägerey, ein Hund sey vorlaut, wenn er zu hitz…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    vorlaut

    Goethe-Wörterbuch

    vorlaut [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    vorlautAdj.

    Pfälzisches Wb.

    vor-laut Adj. : ' frech, ungezogen '. Die Kinner sin voʳlaut [Pirmas, verbr.].

  4. Spezial
    vorlaut

    Russ.-Dt. Übers. (de-ru)

    vorlaut übertr. (kein Bezug zu "громкий") дерзкий, наглый ~e Naseweisheit - дерзкое самодовольство; дерзкая, наглая само…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit vorlaut

5 Bildungen · 5 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von vorlaut 2 Komponenten

vor+laut

vorlaut setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

vorlaut‑ als Erstglied (5 von 5)

vorlauten

DWB

vor·lauten

vorlauten , verb. , zuerst von Campe verzeichnet, s. aber Adelung unter vorlaut, adj. 1 1) vom jagdhund, der zu früh das wild anspricht, s. …

vorlauter

DWB

vor·lauter

vorlauter , m. , vgl. vorlauten 5: jenen dünnstimmigen selbstlauter ( das e), den wieder die Franzosen überall bald als haremstummen den wei…

vorlautheit

DWB

vorlaut·heit

vorlautheit , f. , ungewöhnlich: nichts von seiner v. war mehr an ihm Zahn 9, 239 .

vorlautigkeit

DWB

vorlautigkeit , f. , jetzt nicht mehr gebräuchlich ( das adj. vorlautig scheint überhaupt nicht vorzukommen ), vorlautes wesen: über ihre v.…

vorlautisch

DWB

vorlaut·isch

vorlautisch , adj. , nur in älterer sprache fürlautisch ( fehlt th. 4, 1, 1, sp. 766): nach seinem, wie wol etwas fürlautischen und zuviel h…