vorlage,
f. , fürlage
oben th. 4, 1, 1,
sp. 763
ohne beleg, das wort erscheint im ältern nhd. auch ohne endung: für- und niderlag der munition Fronsperger
kriegsb. (1578) 1, h 5
b; setz dann ein ander fürlag für Gäbelkover
artzneyb. (1595) 1, 393; doch musz die vorlag oder der recipient im währenden destilliren ... ausgelährt werden Hohberg
georg. curiosa (1682) 2, 75. —
wörterbücher des 17.
jh. verzeichnen das wort nur in einer technischen bedeutung, und als wesentlich der technischen sprache angehörig erscheint es noch bei Adelung,
dann aber hat sich sein gebrauch nach andern seiten entfaltet. 11) vorlâge
in alter sprache bezeichnet wie lâge
das liegen im hinterhalt, das auflauern an der strasze, mnld. vorelage Verwijs-Verdam 9, 1012;
nd. förlage Dähnert 531
b;
vgl. vorlâgunge Jelinek 886;
in freundlichem sinne zur begrüszung eines erwarteten: ûch ist wêrlîche ein vorlâge gemachet dâr Berthold v. Holle
Demantin 4194. 22)
neben lâga,
das liegen, steht im ahd. ein laga,
das legen, das später mit dem anderen worte zusammenfallen muszte. vorlage
erscheint erst im jüngeren nhd. im sinne von vorlegung, Campe
verzeichnet diese anwendung noch nicht; andere zusammensetzungen dieser art nehmen örtliche bedeutung an; niederlage, kleiderablage: ich habe diese v. (
vorlegung von knochen, um besucher zu langweilen) bei ihnen erspart Göthe
gespräche 1, 84
B.; er soll nun den beweis seiner behauptungen durch v. des königlichen freibriefes erbringen J. Grimm
kl. schr. 5, 326; ob er nicht von dem jetzigen besitzer eine v. besagter fibula an das k. k. hofkabinet erwirken könne Stifter (1901) 14, 254; durch die wiederholte v. der gesetze Bismarck
polit. reden 4, 29
K. Schopenhauer 5, 564
Gr. verwirft mit recht diesen gebrauch. 33)
gewöhnlich aber wird v.
gegenständlich gebraucht, '
was vor ein anderes ding geleget wird, doch nur in einigen einzelnen fällen' Adelung,
der damit die einschränkung auf die fach- und technische sprache andeuten will. 3@aa)
das gefäsz, in das beim destillieren das destillat aus der retorte abläuft, oder eine ähnliche vorrichtung: receptaculum die vorlage Orsäus
nomencl. method. (1623) 245;
in gleichem sinne Stieler 1120; Kramer
teutsch-ital. dict. 1 (1700) 925
b; Jacobsson
technol. wb. 8, 112
b; die v. ist dem feuer näher als die retorte Lichtenberg
erkl. d. hogarth. kupferstiche (1794) 3, 323; wenn der bauch der retorte in Afrika liegt, so kann der hals sich über Europa erstrecken und die v. in Sibirien liegen Th. v. Schubert
verm. schr. (1823) 2, 110. — die
vorlaggläser oder geschirre an den röhren v. Hohberg
georg. curios. (1682) 2, 75.
vgl.fürlageglas, -gläslein
th. 4, 1, 1,
sp. 763; also das die geister wol in den fürlaggangen getrieben Thurneiszer
magna alchymia (1583) 142. 3@bb)
andere anwendungen in fachsprachen: uferbefestigung irgend welcher art, damit das wasser nicht unmittelbar das ufer angreifen kann Benzler
lex. d. beym deichbau vork. kunstwörter (1792) 2, 252;
auch von randbefestigungen beim straszenbau. — v.
oder vorgelege,
in der flöszerei teil der vorrichtung, die das durchschwimmen der hölzer verhindert Jacobsson
technol. wb. 8, 112
b. —
bei den buchbindern teil der heftlade 4, 555
a. —
ein teil der drehbank ebda. —
vorlegestange an einer eisentür Noel Chomel öcon. u. physical. lex. (1780) 8, 2223. —
bauteil, der aus der grundfläche hervortritt allgem. haushalt.-lex. (1749) 3, 20. —
und so kann das wort in der mannigfaltigsten weise verwendet werden: der geschoszkopf ... war mit einer v. aus ulmenholz ausgefüttert v. Alten
hdb. f. heer u. flotte (1909) 2, 446;
anatomisch: mangel des sternum und v. des herzens Sömmerring
vom baue d. menschl. körpers 8, 1, 465. — v.
vor räder, tonnen u. ä., dasz sie nicht fortrollen Adelung. 3@cc)
in älterer sprache ein relais von hunden bei groszen jagden: v.,
versche jagthonden Kramer-Moerbeek (1768) 400
b; nachdem der herr der jagt alle nachrichtungen und gute anstellungen der vorlagen vernommen Hohberg
georg. curiosa (1682) 2, 615.
ebenso auch von einem relais von pferden Adelung. 3@dd)
in moderner sprache wird das wort besonders von einer sache gebraucht, nach deren beschaffenheit etwas anderes hergestellt wird: v. einer zeichnung, einer stickerei, einer abschrift, einer übersetzung
u. s. w.; das wort kann dann in freierem sinne auf etwas bezogen werden, das bestimmende anregung giebt: erzählung eines heimischen stoffes gleichfalls nach einer lateinischen v. Gervinus
gesch. d. dtsch. dichtung (1853) 1, 364; er erklärte ihr mit hülfe geeigneter vorlagen zuerst den knochenbau des pferdes G. Keller (1889) 6, 209; handschriften abschreiben ... mit unverwandt auf die v. gerichteten augen W. Scherer
kl. schr. 1, 84; wie verhält sich also die poesie zu jenen vorlagen des wirklichen lebens? 2, 186. —
hierzu vorlagenwerk, n., sammlung von mustern zur nachbildung. 3@ee)
was einem beratenden körper zur beschluszfassung vorgelegt wird: eine v. begründen, annehmen, verwerfen, in einen ausschusz verweisen
u. ä.; die zweite kammer (
hatte keine sitzung) wegen mangel an vorlagen Varnhagen v. Ense
tageb. (1861) 6, 104; einmüthig wurden die vorlagen des königs verworfen Treitschke
hist. u. polit. aufsätze (1886) 1, 203; (
wir glaubten) ihnen eine rechte freude mit dieser v. zu machen Bismarck
ged. u. erinn. 2, 36
volksausgabe. 3@ff)
in der kaufmannssprache ist v.
vorgeschossenes, für andere ausgelegtes geld Schirmer
wb. d. dt. kaufmannsspr. 206;
es berührt sich in diesem sinne mit verlag,
s. verlag 1
th. 12,
sp. 711; v.
und verlag
werden deshalb von Gottsched (
sprachk. 146)
unter den '
zweifelhaften'
wörtern aufgeführt: in dehme wier herr Hannszen Friederichen von Minckwitz ... (
haben) eine grosze v. thuen ... müssen
verh. d. schles. fürsten u. stände 1, 36
Palm; vgl. Scherz-Oberlin 1892. —
auch für eine summe, die man selbst ausgiebt, um sie mit gewinn aus verkauf wieder einzubringen: vorlagekapital. 3@gg)
was einem berggipfel oder gebirge vorliegt, flächen oder höhen: von da verliesz er das gebirgsland und stieg zur plaine hinab ... die vorlagen bestehen aus rothem, salzhaltigem sand Ritter
erdk. (1822) 9, 535; die v. des Zugspitzstockes H. v. Barth
Kalkalpen (1874) 549.