vorgeschmack,
m. ,
neben vorschmack; fürgeschmack
fehlt th. 4, 1, 1,
sp. 736; vorgeschmack,
et melius vorschmack,
praegustus Stieler 1871; einen vorgeschmack von etwas haben,
haver il pregusto di qualche cosa Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702) 600
a; einen v. eines dings geben,
salivum movere alicui Dentzler
clavis ling. lat. (1716) 337
a; Adelung
unter vorschmack
meint, dasz der gebrauch von vorgeschmack
auf '
einige gegenden'
beschränkt sei. vorgeschmack
ist im entwickelten nhd. mindestens ebenso gebräuchlich wie vorschmack
und wird besonders durch nachgeschmack
gestützt, denn nachschmack (
th. 7,
sp. 116)
ist der sprache der gegenwart verloren gegangen. mnld. voregesmaec Verwijs-Verdam 9, 988. 11)
im eigentlichen, physiologischen sinne: ich mag mir keinen stockfischgeruch in den v. aufdampfen lassen, den ich von dem blumenduft draus auf der wies schon in gedanken geniesz Bettine
d. buch geh. d. könig (1843) 1, 8. 22)
auszerordentlich oft übertragen; der gegenstand der vorläufigen, versprechenden, vordeutenden lust oder unlust steht im genit.: wann es ist ain warer v. des ewigen lebens Tauler
sermones (1508) 39
a; hie hast du einen v. des köstlichen buochs, ich mein die decret (
ironisch) Seb. Franck
chron., zeytbuch (1531) 512
b; ein fürgeschmack und versuchen der künfftigen und vollen ehren Gretter
epistel Pauli an d. Römer (1566) 499; gefragt: wie der mensch in diesem leben einen v. desz ewigen empfinden künne Zinkgref
apophth. (1628) 313; sie den v. der hölle empfinden zulassen Grimmelshausen
Simpl. 485
ndr.; worinn er gar offt schon einen v. der ewigen freuden verkostet Abr. a
s. Clara
mercks Wien (1680) 44; (
aufmerksamkeit,) die selbst einen v. des ... letzten schlummers mit sich führet Herder 15, 332
S.; um dir den v. des grabes im ekeln moder zu bereiten Göthe 8, 282
W.; nach eifriger betrachtung so vieler erhabener plastischer werke sollte es mir auch an einem v. antiker architektur nicht fehlen 28, 87; die beiden vorgeschmäcke wirklicher, 'lebendiger' bühnenkunst (
zwei dramen) Gutzkow (1872) 1, 166; ein v. der Schweiz Görres
br. (1858) 1, 156; landschaften, die einen v. der wüste gaben Dörfler
abenteuer d. Peter Farde (1929) 40; desz himmels vorgeschmack des lebens lust vertrücket Zinkgref
auserl. ged. 63
ndr.; es war ein vorgeschmack der ewigkeit, in welcher stille steht die zeit Rückert (1867) 7, 321. 33)
oder der gegenstand ist mit von
verbunden: (
einen) süszen v. von der attischen grazie zu geben Wieland
Lucian (1788) 4, 74; ich schmecke den v. von himmlischer seligkeit Nestroy (1890) 7, 180; einen ganz artigen v. von höllenqualen Holtei
erz. schr. (1861) 28, 59; was für ein v. von der einstigen ausgleichung Seb. Brunner
erz. u. schr. (1864) 2, 154. 44)
mit nachfolgendem satze: bei ihnen bekommt man einen v., wie der satan in der hölle seine gäste tractirt Gutzkow (1872) 3, 393. 55)
wenn das wort allein steht, erscheint es gelegentlich emphatisch gebraucht: warum sollten wir sie (
die schale des todes) uns, ehe wir sie trinken müssen, im v. verderben? Herder 5, 656
S.; die sparsamkeit hat vor- und nachgeschmack und genusz, der verschwender höchstens genusz Hippel
lebensl. (1778) 1, 414; lächelte in dem frohsten vorgeschmacke meinem frühstücke zu Thümmel
reise (1791) 7, 122; so oft sie dein namen höret; vorgschmack, trost, freud sich mehret Dannhawer
catechism.-milch (1657) 5, 767.
in der folgenden stelle bezeichnet der genit. nicht den gegenstand: aber mit solcher summe reiche einer in der verlassenheit dieses landes nach dem vorgeschmacke der bahnfahrt nur eine ganz kurze strecke Hans Grimm
volk ohne raum 1, 351. 66)
die vorstellung der lust oder unlust kann ganz verblassen, so dasz v.
den sinn von ahnung, ungefähre, vorhergehende vorstellung annimmt: welche aber nur teutsch allein (
nicht latein) verstehen und dieser sache keinen v. haben Harsdörffer
poet. trichter (1647) 1,
einl. 7
a; (
naturwissenschaft, erdkunde u. a.) und wovon sonst einiger vorgeschmack anwachsenden knaben zum bürgerlichen bedarfe dienen mag Voss
antisymb. 2 (1826) 262; sie (
die stadtsoldaten) haben keinen v.,
ahnen von nichts quelle bei Fischer
schwäb. wb. 2, 1655. 77)
demin.: dieweil doch durch ein lieblich
vorgeschmäcklin deroselben inbrünstig verlangen in uns erweckt werden musz
Calvin institutio christian. relig. (1572) 634. — Jean Paul
bildet vorgeschmacklehre, wo aber das vor
zu lehre
gehört: kurz die gegenwärtige vorschule, oder v. sollte nicht sowohl den philosophen ... als den künstlern ... schwache dienste leisten (1826) 41, 12.