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vorbote

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

vorbote m.

Bd. 26, Sp. 926
vorbote, m. , ahd. forapoto, praecursor, praeco Graff 3, 82; alts. forabodo (Hel.); mhd. vorbote mhd. wb. 1, 184a; Lexer 3, 462; preambulus vorbotte Diefenbach gl. 451b; prenunciator vor-, vurbot 455b; suppeta forbote 568a; vorbott, der, praecursor Maaler 475a; antecessor vorgenger, vorleuffer, vorbott Calepinus XI ling. (1598) 95a; ein vorbott, der vorhin etwas verkündet 1137a; vorbott, m., un auantcoureur Hulsius-Ravellus (1616) 388a; vorbot, m., prenuntio, precorritore, prodromo Kramer 2 (1702), 1215c; vorbothe, praenuncius, prodromus Steinbach 1, 164; auch Adelung und Campe schreiben noch vorbothe; nd. förbade Richey 7; Dähnert 530b; Strodtmann 60; vorbôe Schambach 276a. — die apokopierte form hält sich ungewöhnlich lange: der weiber welscher schmuck ist ein vorbott zur unzucht Lehman floril. polit. (1662) 2, 888; der unfehlbare vorbot einer rühmlichen regierung A. v. Haller Usong (1771) 85; vorboth, der, s. both, der, der briefe bringt Braun dtsch. orthogr.-gramm. wb. (1793) 291b; ein vorboth eines bevorstehenden glücks Hafner lustsp. (1812) 2, 192; das alter ist des todes vorboth Schellhorn sprichw. (1797) 31; der vorbot ist von fernen erschienen aus den sternen Fischer-Tümpel d. evangel. kirchenlied 3, 94; Sardinien war ihr ein vorbot andrer kronen Heräus ged. (1721) 37. im mhd. ist vürbote von vorbote dem sinne nach geschieden, ersteres bezeichnet den unterhändler, s. mhd. wb. 1, 184a; Lexer 3, 592 und nachtr. 399; in späterer zeit aber wird fur-, fürbote, wofür unten belege gegeben sind, in gleichem sinne wie vorbote gebraucht. 11) Adelung giebt als eigentliche bedeutung an: 'ein bothe, welcher vor dem eigentlichen bothen oder bothschafter hergehet, eine sache vorläufig verkündiget; an den höfen bey wichtigen begebenheiten der erste courier' (übernommen von Campe); das ist reine construction, von anfang an ist v. im gegensatz zu bote derjenige, der dem absender vorausgeht und dessen kommen ankündigt; die vorstellung des absendens schwindet dann leicht; von vorgänger, vorläufer kann es sich immer noch durch den begriff des ankündigens unterscheiden, doch verblaszt auch diese vorstellung, nur eine gewisse nothwendigkeit der folge wird festgehalten: ik bium forabodo frâon mînes Heliand 931; der gotes erwelte vorbote mê dan ein prophête was passional 349, 32 Hahn; Johannes wirt es genant und sy von got mir gesant, das er sy sin vorbott, der da ist ain ewiger got Mone schauspiele d. mittelalters 1, 157; mit vorbild verbunden (vgl. vorbotlich unter 5): das lamb dort gebrathen war ein recht förbild und vorbothe Wackernagel kirchenlied 4, 31; vor den lüten solt du dich htten und sy fliehen als vorbotten des Endchristes d. ew. wiszheit betbüchlin (1518) 187b; du (Johannes) bist allein eyn furbote Luther 17, 1, 315 W.; also ist gott mit Israel weit hinder sich gangen, in vorpropheten, wie der trew Eckart vorbotten geschickt, ehe er sein sprung gethon S. Franck sprüchw. (1541) 2, 179b; dasz der ein vorbott und vorläufer des Antichrists ... seie Fischart bienenkorb (1588) 37a; wird kurtz vor dem jüngstentage wieder kommen, und des teuffels vorbothe und auszruffer seyn A. Olearius persian. rosenthal (1696) 92b; wie jener, der nur ein v. von dem war, der kommen sollte Herder 1, 221 S.; die Flatianer und zeloten seint des teufels vorboten Ziegler geschützinschriften 52 (von 1570). übertragen auf thiere: (die alleruntersten thiere) als erste vorboten und quartiermacher der kommenden thiergeschlechter Schopenhauer w. 5, 168 Gr. 22) schon Adelung bemerkt, dasz der eigentliche sinn des wortes zurücktritt: 'man gebraucht es nur noch figürlich von zeichen, merkmahlen einer darauf folgenden begebenheit'. zu beachten ist, dasz in gehobener und in poetischer sprache die persönliche bedeutung des wortes empfunden werden kann, während sie auf der anderen seite auch ganz verblaszt; selbst die vorstellung des voraussendens kann in poetischer sprache festgehalten werden. immer aber wird nicht nur ein einfaches vorausgehen bezeichnet, sondern angegeben, dasz man aus dem vorausgehenden auf ein nachkommendes schlieszen kann. 2@aa) oft von vorgängen in der natur, sowohl auf lebende wesen wie auf erscheinungen bezogen: ain vorbott oder fürlauffer der morgenröte Schaidenreiszer Odyssea (1537) 55b; (im bilde:) gleichsam ain vorbott des frülings aufgehender und plühender könst Fischart dicht. 2, 279 Kurz; (der morgenstern) als der morgenröthe vorbotte Opitz (1690) 3, 204; der donner hat sein vorbotten Lehman florileg. polit. (1662) 2, 933; wann auch ein regenwetter kommen solle; seyen dieses nicht ungewisse vorboten: wann das gemäuer in den gemächern anfingt zu schwitzen Hohberg georg. curiosa 1 (1682), 103; (die dohle) wird meist ein vorbotte des schnees seyn Göchhausen notabilia venatoris (1741) 158; so bringet im ersten frühling die lebenreiche erde wenigstens einige geruchlose blümchen hervor, vorboten, was sie in andern jahrszeiten zu thun vermöchte Herder 13, 326 S.; völlige stille zur see wird ... für einen vorboten des sturms geachtet Bode Thomas Jones (1786 ff.) 1, 154; die heiterkeit der nebel war ein v. der sonne Göthe III 2, 166 W.; mit vergnügen sehe ich ... die vorboten des herbstes allmählich erscheinen Schiller br. 1, 207 J.; fische taumelten wie leichen auf der wasserfläche als vorboten des donners Jean Paul 7/10, 563 R.; vorboten des nordlichtes Humboldt kosmos (1845 ff.) 1, 198; das unwetter, dessen vorboten sich in den lüften ergingen Steub drei sommer in Tirol (1895) 1, 266; winter hât vorboten ûz gesendet minnes. 2, 292a Hagen (vgl.: der winter schickte seine vorboten Holtei erz. schr. 10, 154). 2@bb) oft auf tod oder krankheit bezogen; auch hier kann natürlich die persönliche bedeutung wieder hervortreten, anderseits auch ganz verblassen: prodromus ... ein vorbott oder vorläuffer ist ein zufall oder kranckheit, so anzeiget, dasz bald eine andere nachkommen werde Blancard med. wb. (1710) 466; erinnerst des bösen lebens ..., auch des todes durch seine fürboten und schmertzen Luther 10, 2, 479 W.; vorbedeutliche und warhafftige vorbotten der zufällen Ruoff hebammenb. (1580) 190; ob der tod gewisse vorbotten nach Wienn geschickt und seiner ankunfft erinnert Abr. a s. Clara mercks Wien (1680) 20; der tod aber kommt öffters, ehe er sich durch einige kranckheit, als seinen vorboten, die herberge bestellen lassen Lohenstein Armin. 2, 1542a; niemand hat mehr ursache, täglich des todes zu gedenken, als ich, der ich seine vorboten seit so vielen jahren ... näher sehe Gellert schr. (1839) 9, 270; wann die vorbothen des todes oft so unsanft an unsre hütte klopfen Schubart br. 2, 157 Str.; die freiheit, die ich gebe, ist wie der letzte lichte augenblick des schwer erkrankten, v. des tods Göthe 39, 357 W.; gewisse vorboten der wassersucht Immermann 2, 90 B.; merken sie vorboten (der cholera), nehmen sie ... bikarbonat Schopenhauer br. 308 Gr.; ohne auch nur einen seiner vorboten geschickt zu haben, trat der tod an ihn heran M. v. Ebner-Eschenbach schr. 3, 21. — in der folgenden stelle ist der ursprüngliche sinn ganz verblaszt und in die bedeutung von anzeichen übergegangen: dieser nennet ... gute farb ins menschen angesicht, ein vorbotten der gesundheit Zinkgref apophthegmata (1628) 274. 2@cc) der eigentlichen bedeutung nahe bleibt der gebrauch, wenn es sich um sinnliches, gegenständliches handelt: das sy (fische) in dem flusz Nilo, zuo vor dem dasz der flusz überlaufft ... voran schwümmend ... als vorbotten des ... überlauffs Herold-Forer Geszners thierb. (1563) 3, 25a; die 'jüdischen dichtungen und fabeln', vorboten des neuen werkes Herder 12, 389 S.; in dem augenblicke krachten die vorboten eines feuerwerks auf dem gegenüberstehenden berge Göthe III 8, 100 W.; (der) brunnen hatte der v. eines neuen hauses sein sollen G. Keller (1889 ff.) 8, 322; dagegen räumlich: cactushecken — die jedesmaligen vorboten einer stadt Gaudy w. (1844) 5, 144. 2@dd) in kaum zu erschöpfender freier anwendung; auf zeitvorstellungen bezogen: der heilig Paulus ... anzeigt, was zeichen und vorbotten dem jüngsten tag vorgon werdend Wickram 3, 152 B.; (der heilige abend) der v. der festlichen tage, die auf ihn folgten Pfeffel pros. versuche (1810) 6, 160; furchen und bleichendes haar die vorboten des nahen greisenalters Gutzkow (1872 ff.) 6, 407. — ereignisse, vorgänge, zustände: lang verzihen in der liebe das ist ein vorbot der verlorn mynn Hartlieb d. buch Ovidii von d. liebe (1482) 28b; den gewissen vorpotten eyner mercklichen zuokünftigen veränderung Sleidanus reden 81 B.; unerschwinglicher luxus, welcher ein vorbot alles unheils verh. d. schles. fürsten u. stände 5, 10; ihr bloszer anblick war schon ein v. ihrer traurigen zeitung Lohenstein Armin. 1, 278a; mit schamröthe vor sich selbst, dem vorboten der wiederkehrenden tugend Wieland Agathon 1 (1766), 239; vorboten desjenigen, was wir zu leisten im stande sein werden Göthe 27, 276 W.; die erste trennung ist zuweilen nichts anderes als der v. einer längeren zweiten Hebbel br. 1, 34 W.; örtlich beschränkte aufstände, vorboten des bauernkrieges Freytag 19, 6; wie? oder fühlt mein hertz vorboten neuer angst? A. Gryphius trauersp. 156 P. statt des gen. verbindung mit einer präpos.: die anlagen und vorboten zu einer höheren verfeinerung G. Forster schr. (1843) 2, 278. 2@ee) besonders auch in älterer sprache von den vorzeichen des volksglaubens: praescita ... weissagungen künfftiger ding, vorbotten Corvinus fons lat. (1646) 747; praesagium, eine weissagung, ein v. Spanutius (1720) 379; prognosticum, vorhersagung, v. Kinderling reinigk. d. deutschen spr. (1795) 202; nd. vorbôe, vorspuk Schambach 276a; das sie meinten, wan das fewer auszgelescht würd, solt ein fürbott sein viler übel S. Münster cosmographey (1550) 224; so ein ungehörts seltzams ding beschehen soll, so lauffen vorbotten, die dem volck solchs zuerkennen geben Paracelsus op. (1616) 2, 15 a; wie dasz sie vermercket ein groszes zittern der erden, ein ungewöhnliches heulen bey der nacht, abscheuliche gespenster, abentheuer; seye demnach dieses ein vermuthlicher vorbott eines groszen bevorstehenden übels Abr. a s. Clara Judas 1 (1686), 614; das land ist voll schrecklicher vorboten und voll strafe der götter gewesen Herder w. 3, 337 S.; die kometen sind üble vorbothen Mayr päckchen satiren (1769) 104; disz ist nun gwisser vorbott, dasz mit uns gar sehr zürnet gott W. Spangenberg dicht. 209 M. 33) vorboten (nd. vörbaden) heiszen nach Dähnert 530b die leute, die zuerst aus der kirche gehen. — de vorbaden willt de nabaden halen, wenn erst einer kommt, werden mehrere nachkommen Strodtmann 60; übertragen: de förbaden willt de nabaden nich inlaten, wenn jemand sich schon an den ersten gerichten gesättigt hat Richey 7. 44) aus der technischen sprache: erderhöhungen über verfaulten baumstümpfen und wurzeln werden wulzen oder auch vorboten genannt Hartig forstl. convers.-lex. 951. — name eines kleineren geschützes Eggers 2, 1266. 55) ein von vorbote abgeleitetes verbum vorboten ist im ahd. bezeugt: forabodôn mehrfach in der Isidorübersetzung im sinne von prophetare, praenuntiare.nd. vorboden bedeutet durch boten vorladen: dat iglik deken sine geilde vorbode quelle von 1434 bei Bauer-Collitz; dies verbum gehört aber zu vorbot, n.; ebenda vorbodinghe; ebenso hochd.: (dasz ihr) die ganze gemeinde zusamen vorbotet Eschenloer gesch. d. stadt Breslau 1, 85. —
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    vorboteswm.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +4 Parallelbelege

    vorbote swm. vorbote. winter hât vorboten ûʒ gesendet MS. 2,193. b. vgl. Graff 3,82.

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    vorbote

    Mnd. Handwb. (Lübben/Walther) · +1 Parallelbeleg

    vorbote, f. Busse, Strafe, Ersatz, Entschädigung; dôn, leisten.

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    vorbotem.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +1 Parallelbeleg

    vorbote , m. , ahd. forapoto, praecursor, praeco Graff 3, 82 ; alts. forabodo ( Hel. ) ; mhd. vorbote mhd. wb. 1, 184 a …

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Vorbote

    Goethe-Wörterbuch

    Vorbote [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  5. Sprichwörter
    Vorbote

    Wander (Sprichwörter)

    Vorbote De Förbaden willt de Nabaden nich inlaten. – Richey, 7. Entschuldigung derjenigen, die nicht mehr essen können, …

  6. Spezial
    Vorbote

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Vor|bo|te m. (-n,-n) 1 (Vorläufer) precursur (-s) m. 2 ‹fig› (Anzeichen) sëgn (-s) m. , anunziadú (-dus) m. 3 (Vorzeiche…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit vorbote

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Zerlegung von vorbote 2 Komponenten

vor+bote

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Cotta, M. (2026). „vorbote". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/vorbote/dwb?formid=V12212
MLA
Cotta, Marcel. „vorbote". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/vorbote/dwb?formid=V12212. Abgerufen 12. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „vorbote". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/vorbote/dwb?formid=V12212.
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