vorbote,
m. ,
ahd. forapoto,
praecursor, praeco Graff 3, 82;
alts. forabodo (
Hel.)
; mhd. vorbote
mhd. wb. 1, 184
a; Lexer 3, 462;
preambulus vorbotte Diefenbach
gl. 451
b;
prenunciator vor-, vurbot 455
b;
suppeta forbote 568
a; vorbott, der,
praecursor Maaler 475
a;
antecessor vorgenger, vorleuffer, vorbott Calepinus
XI ling. (1598) 95
a; ein vorbott, der vorhin etwas verkündet 1137
a; vorbott,
m., un auantcoureur Hulsius-Ravellus (1616) 388
a; vorbot,
m., prenuntio, precorritore, prodromo Kramer 2 (1702), 1215
c; vorbothe,
praenuncius, prodromus Steinbach 1, 164;
auch Adelung
und Campe
schreiben noch vorbothe;
nd. förbade Richey 7; Dähnert 530
b; Strodtmann 60; vorbôe Schambach 276
a. —
die apokopierte form hält sich ungewöhnlich lange: der weiber welscher schmuck ist ein vorbott zur unzucht Lehman
floril. polit. (1662) 2, 888; der unfehlbare vorbot einer rühmlichen regierung A. v. Haller
Usong (1771) 85; vorboth, der,
s. both, der, der briefe bringt Braun
dtsch. orthogr.-gramm. wb. (1793) 291
b; ein vorboth eines bevorstehenden glücks Hafner
lustsp. (1812) 2, 192; das alter ist des todes vorboth Schellhorn
sprichw. (1797) 31; der vorbot ist von fernen erschienen aus den sternen Fischer-Tümpel
d. evangel. kirchenlied 3, 94; Sardinien war ihr ein vorbot andrer kronen Heräus
ged. (1721) 37.
im mhd. ist vürbote
von vorbote
dem sinne nach geschieden, ersteres bezeichnet den unterhändler, s. mhd. wb. 1, 184
a; Lexer 3, 592
und nachtr. 399;
in späterer zeit aber wird fur-, fürbote,
wofür unten belege gegeben sind, in gleichem sinne wie vorbote
gebraucht. 11) Adelung
giebt als eigentliche bedeutung an: '
ein bothe, welcher vor dem eigentlichen bothen oder bothschafter hergehet, eine sache vorläufig verkündiget; an den höfen bey wichtigen begebenheiten der erste courier' (
übernommen von Campe);
das ist reine construction, von anfang an ist v.
im gegensatz zu bote
derjenige, der dem absender vorausgeht und dessen kommen ankündigt; die vorstellung des absendens schwindet dann leicht; von vorgänger, vorläufer
kann es sich immer noch durch den begriff des ankündigens unterscheiden, doch verblaszt auch diese vorstellung, nur eine gewisse nothwendigkeit der folge wird festgehalten: ik bium forabodo frâon mînes
Heliand 931; der gotes erwelte vorbote mê dan ein prophête was
passional 349, 32
Hahn; Johannes wirt es genant und sy von got mir gesant, das er sy sin vorbott, der da ist ain ewiger got Mone
schauspiele d. mittelalters 1, 157;
mit vorbild
verbunden (
vgl. vorbotlich unter 5): das lamb dort gebrathen war ein recht förbild und vorbothe Wackernagel
kirchenlied 4, 31; vor den lüten solt du dich htten und sy fliehen als vorbotten des Endchristes
d. ew. wiszheit betbüchlin (1518) 187
b; du (
Johannes) bist allein eyn furbote Luther 17, 1, 315
W.; also ist gott mit Israel weit hinder sich gangen, in vorpropheten, wie der trew Eckart vorbotten geschickt, ehe er sein sprung gethon S. Franck
sprüchw. (1541) 2, 179
b; dasz der ein vorbott und vorläufer des Antichrists ... seie Fischart
bienenkorb (1588) 37
a; wird kurtz vor dem jüngstentage wieder kommen, und des teuffels vorbothe und auszruffer seyn A. Olearius
persian. rosenthal (1696) 92
b; wie jener, der nur ein v. von dem war, der kommen sollte Herder 1, 221
S.; die Flatianer und zeloten seint des teufels vorboten Ziegler
geschützinschriften 52 (
von 1570).
übertragen auf thiere: (
die alleruntersten thiere) als erste vorboten und quartiermacher der kommenden thiergeschlechter Schopenhauer
w. 5, 168
Gr. 22)
schon Adelung
bemerkt, dasz der eigentliche sinn des wortes zurücktritt: '
man gebraucht es nur noch figürlich von zeichen, merkmahlen einer darauf folgenden begebenheit'.
zu beachten ist, dasz in gehobener und in poetischer sprache die persönliche bedeutung des wortes empfunden werden kann, während sie auf der anderen seite auch ganz verblaszt; selbst die vorstellung des voraussendens kann in poetischer sprache festgehalten werden. immer aber wird nicht nur ein einfaches vorausgehen bezeichnet, sondern angegeben, dasz man aus dem vorausgehenden auf ein nachkommendes schlieszen kann. 2@aa)
oft von vorgängen in der natur, sowohl auf lebende wesen wie auf erscheinungen bezogen: ain vorbott oder fürlauffer der morgenröte Schaidenreiszer
Odyssea (1537) 55
b; (
im bilde:) gleichsam ain vorbott des frülings aufgehender und plühender könst Fischart
dicht. 2, 279
Kurz; (
der morgenstern) als der morgenröthe vorbotte Opitz (1690) 3, 204; der donner hat sein vorbotten Lehman
florileg. polit. (1662) 2, 933; wann auch ein regenwetter kommen solle; seyen dieses nicht ungewisse vorboten: wann das gemäuer in den gemächern anfingt zu schwitzen Hohberg
georg. curiosa 1 (1682), 103; (
die dohle) wird meist ein vorbotte des schnees seyn Göchhausen
notabilia venatoris (1741) 158; so bringet im ersten frühling die lebenreiche erde wenigstens einige geruchlose blümchen hervor, vorboten, was sie in andern jahrszeiten zu thun vermöchte Herder 13, 326
S.; völlige stille zur see wird ... für einen vorboten des sturms geachtet Bode
Thomas Jones (1786
ff.) 1, 154; die heiterkeit der nebel war ein v. der sonne Göthe III 2, 166
W.; mit vergnügen sehe ich ... die vorboten des herbstes allmählich erscheinen Schiller
br. 1, 207
J.; fische taumelten wie leichen auf der wasserfläche als vorboten des donners Jean Paul 7/10, 563
R.; vorboten des nordlichtes Humboldt
kosmos (1845
ff.) 1, 198; das unwetter, dessen vorboten sich in den lüften ergingen Steub
drei sommer in Tirol (1895) 1, 266; winter hât vorboten ûz gesendet
minnes. 2, 292
a Hagen (
vgl.: der winter schickte seine vorboten Holtei
erz. schr. 10, 154). 2@bb)
oft auf tod oder krankheit bezogen; auch hier kann natürlich die persönliche bedeutung wieder hervortreten, anderseits auch ganz verblassen: prodromus ... ein vorbott oder vorläuffer ist ein zufall oder kranckheit, so anzeiget, dasz bald eine andere nachkommen werde Blancard
med. wb. (1710) 466; erinnerst des bösen lebens ..., auch des todes durch seine fürboten und schmertzen Luther 10, 2, 479
W.; vorbedeutliche und warhafftige vorbotten der zufällen Ruoff
hebammenb. (1580) 190; ob der tod gewisse vorbotten nach Wienn geschickt und seiner ankunfft erinnert Abr. a
s. Clara
mercks Wien (1680) 20; der tod aber kommt öffters, ehe er sich durch einige kranckheit, als seinen vorboten, die herberge bestellen lassen Lohenstein
Armin. 2, 1542
a; niemand hat mehr ursache, täglich des todes zu gedenken, als ich, der ich seine vorboten seit so vielen jahren ... näher sehe Gellert
schr. (1839) 9, 270; wann die vorbothen des todes oft so unsanft an unsre hütte klopfen Schubart
br. 2, 157
Str.; die freiheit, die ich gebe, ist wie der letzte lichte augenblick des schwer erkrankten, v. des tods Göthe 39, 357
W.; gewisse vorboten der wassersucht Immermann 2, 90
B.; merken sie vorboten (
der cholera), nehmen sie ... bikarbonat Schopenhauer
br. 308
Gr.; ohne auch nur einen seiner vorboten geschickt zu haben, trat der tod an ihn heran
M. v. Ebner-Eschenbach
schr. 3, 21. —
in der folgenden stelle ist der ursprüngliche sinn ganz verblaszt und in die bedeutung von anzeichen
übergegangen: dieser nennet ... gute farb ins menschen angesicht, ein vorbotten der gesundheit Zinkgref
apophthegmata (1628) 274. 2@cc)
der eigentlichen bedeutung nahe bleibt der gebrauch, wenn es sich um sinnliches, gegenständliches handelt: das sy (
fische) in dem flusz Nilo, zuo vor dem dasz der flusz überlaufft ... voran schwümmend ... als vorbotten des ... überlauffs Herold-Forer
Geszners thierb. (1563) 3, 25
a; die 'jüdischen dichtungen und fabeln', vorboten des neuen werkes Herder 12, 389
S.; in dem augenblicke krachten die vorboten eines feuerwerks auf dem gegenüberstehenden berge Göthe III 8, 100
W.; (
der) brunnen hatte der v. eines neuen hauses sein sollen G. Keller (1889
ff.) 8, 322;
dagegen räumlich: cactushecken — die jedesmaligen vorboten einer stadt Gaudy
w. (1844) 5, 144. 2@dd)
in kaum zu erschöpfender freier anwendung; auf zeitvorstellungen bezogen: der heilig Paulus ... anzeigt, was zeichen und vorbotten dem jüngsten tag vorgon werdend Wickram 3, 152
B.; (
der heilige abend) der v. der festlichen tage, die auf ihn folgten Pfeffel
pros. versuche (1810) 6, 160; furchen und bleichendes haar die vorboten des nahen greisenalters Gutzkow (1872
ff.) 6, 407. —
ereignisse, vorgänge, zustände: lang verzihen in der liebe das ist ein vorbot der verlorn mynn Hartlieb
d. buch Ovidii von d. liebe (1482) 28
b; den gewissen vorpotten eyner mercklichen zuokünftigen veränderung Sleidanus
reden 81
B.; unerschwinglicher luxus, welcher ein vorbot alles unheils
verh. d. schles. fürsten u. stände 5, 10; ihr bloszer anblick war schon ein v. ihrer traurigen zeitung Lohenstein
Armin. 1, 278
a; mit schamröthe vor sich selbst, dem vorboten der wiederkehrenden tugend Wieland
Agathon 1 (1766), 239; vorboten desjenigen, was wir zu leisten im stande sein werden Göthe 27, 276
W.; die erste trennung ist zuweilen nichts anderes als der v. einer längeren zweiten Hebbel
br. 1, 34
W.; örtlich beschränkte aufstände, vorboten des bauernkrieges Freytag 19, 6; wie? oder fühlt mein hertz vorboten neuer angst? A. Gryphius
trauersp. 156
P. statt des gen. verbindung mit einer präpos.: die anlagen und vorboten zu einer höheren verfeinerung G. Forster
schr. (1843) 2, 278. 2@ee)
besonders auch in älterer sprache von den vorzeichen des volksglaubens: praescita ... weissagungen künfftiger ding, vorbotten Corvinus
fons lat. (1646) 747;
praesagium, eine weissagung, ein v. Spanutius (1720) 379;
prognosticum, vorhersagung, v. Kinderling
reinigk. d. deutschen spr. (1795) 202;
nd. vorbôe,
vorspuk Schambach 276
a; das sie meinten, wan das fewer auszgelescht würd, solt ein fürbott sein viler übel S. Münster
cosmographey (1550) 224; so ein ungehörts seltzams ding beschehen soll, so lauffen vorbotten, die dem volck solchs zuerkennen geben Paracelsus
op. (1616) 2, 15 a; wie dasz sie vermercket ein groszes zittern der erden, ein ungewöhnliches heulen bey der nacht, abscheuliche gespenster, abentheuer; seye demnach dieses ein vermuthlicher vorbott eines groszen bevorstehenden übels Abr. a
s. Clara
Judas 1 (1686), 614; das land ist voll schrecklicher vorboten und voll strafe der götter gewesen Herder
w. 3, 337
S.; die kometen sind üble vorbothen Mayr
päckchen satiren (1769) 104; disz ist nun gwisser vorbott, dasz mit uns gar sehr zürnet gott W. Spangenberg
dicht. 209
M. 33) vorboten (
nd. vörbaden)
heiszen nach Dähnert 530
b die leute, die zuerst aus der kirche gehen. — de vorbaden willt de nabaden halen,
wenn erst einer kommt, werden mehrere nachkommen Strodtmann 60;
übertragen: de förbaden willt de nabaden nich inlaten,
wenn jemand sich schon an den ersten gerichten gesättigt hat Richey 7. 44)
aus der technischen sprache: erderhöhungen über verfaulten baumstümpfen und wurzeln werden wulzen
oder auch vorboten
genannt Hartig
forstl. convers.-lex. 951. —
name eines kleineren geschützes Eggers 2, 1266. 55)
ein von vorbote
abgeleitetes verbum vorboten ist im ahd. bezeugt: forabodôn
mehrfach in der Isidorübersetzung im sinne von prophetare, praenuntiare. —
nd. vorboden
bedeutet durch boten vorladen: dat iglik deken sine geilde vorbode
quelle von 1434
bei Bauer-Collitz;
dies verbum gehört aber zu vorbot,
n.; ebenda vorbodinghe;
ebenso hochd.: (
dasz ihr) die ganze gemeinde zusamen vorbotet Eschenloer
gesch. d. stadt Breslau 1, 85. —