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Visĭon

mhd. bis spez. · 8 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
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8 in 8 Wb.
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Visĭon

Bd. 20, Sp. 193
Visĭon (lat.), Sinnestäuschung im Bereich der Gesichtssphäre, wie sie bei vielen Geisteskrankheiten, z. B. der halluzinatorischen Verrücktheit, dem Alkoholdelirium etc. vorkommt. Ebenso neigen Hysterische und Epileptische zu bunten, farbenprächtigen, verzückten Visionen. Speziell nennt man Visionen die Sinnestäuschungen religiösen Inhalts, Erscheinungen von meist glänzenden Gestalten, die in das Übernatürliche und Übersinnliche hineinragen, wie sie z. B. oft von Gefangenen, die lange Zeit in Einzelhaft sitzen, geschildert, aber auch von ganzen Gruppen erlebt werden, und wo sich Gesichtshalluzinationen meist mit Gehörshalluzinationen verbinden. Die Häufigkeit der Visionen auf religiösem Gebiet erklärt sich einerseits daraus, daß zartbesaitete, reizbare Gemüter ein besonders günstiger Boden für religiöse Eindrücke sind, anderseits daraus, daß erhabene, außergewöhnliche seelische Erfahrungen, wie sie gerade die Religion bietet, das Nervenleben leicht aus den geregelten Bahnen zu treiben vermögen. Die geschichtlich bedeutsamsten Visionen sind die Erlebnisse der Jünger Jesu nach dessen Tode (s. Auferstehung Jesu) und des Apostels Paulus bei seiner Bekehrung. Aus dem Mittelalter sind die bekanntesten die des Franz von Assisi und der Katharina von Siena, in denen die Wundenmale Christi empfangen wurden, und die der Jungfrau von Orléans, aus der neuern Zeit die der Kamisarden, Swedenborgs, der durch J. Kerner bekannt gewordenen »Seherin von Prevorst«, der Katharina Emmerich, endlich die Madonnenerscheinung von Lourdes, an welch letzterer allerdings die nachträgliche Steigerung des ursprünglich Erlebten durch die mündliche Tradition besonders erkennbar ist. Aus der übrigen Religionsgeschichte verdienen die Visionen Mohammeds Erwähnung. Der Visionär kann selbst Gegenstand seiner V. werden, dann findet das Sichselbstsehen (Doppelgänger) statt. Die Phantasie kann aber auch beim Sichselbstsehen das falsche Objekt in das eigne Subjekt verlegen, so daß damit das Gefühl einer Trennung der eignen Persönlichkeit sich verbindet und man aus zwei verschiedenen Wesen zu bestehen glaubt, die von dem Einen Körper Besitz genommen haben, der dann mithin auch, beiden dienend, eine doppelte Rolle spielt. Vgl. Artikel »Zweites Gesicht« und Knauer, Die V. im Lichte der Kulturgeschichte (Leipz. 1899); Achelis, Die Ekstase in ihrer kulturellen Bedeutung (Berl. 1902), und das eine ausführliche Besprechung aller wichtigen religiösen Visionen, besonders aus der Kirchengeschichte, enthaltende Buch von A. Meyer, Die Auferstehung Christi (Tübing. 1905).
2567 Zeichen · 25 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    visiônstswf.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +1 Parallelbeleg

    visiôn , visiûn , visiûne stswf. traumgesicht, vision. allen visiônen ist niut wol zuo gloubende N. v. B. 330. in visiûn…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    visionf.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +2 Parallelbelege

    vision , f. Campe erg. wb. (gesicht, erscheinung), lat. visio. es begegnet schon in der sprache der mystiker Lexer mhd. …

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Vision

    Goethe-Wörterbuch

    Vision [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Visĭon

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Visĭon (lat.), Sinnestäuschung im Bereich der Gesichtssphäre, wie sie bei vielen Geisteskrankheiten, z. B. der halluzina…

  5. Spezial
    Vision

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Vi|si|on f. (-,-en) vijiun (-s) f.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit vision

8 Bildungen · 4 Erstglied · 4 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von vision 2 Komponenten

vis+ion

vision setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

vision‑ als Erstglied (4 von 4)

visionär

Pfeifer_etym

vision·aer

Vision f. ‘Erscheinung, Trugbild’, mhd. visiōn, visiūn(e) f. ‘Traumgesicht’, entlehnt aus lat. vīsio (Genitiv vīsiōnis) m. ‘das Sehen, Anseh…

visiones

DWBQVZ

visiones diversae s. Senckenberg, Heinr. Christian v.

vision als Zweitglied (4 von 4)

Provision

RDWB1

Provision f (nicht "провизия") вознаграждение за посредничество, комиссионные Das Immobilienbüro bekommt für die Wohnungssuche eine ~. - Риэ…

provision

DWB

pro·vision

provision , f. , aus franz. provision, mit spätmhd. provisie aus mlat. provisio. 1 1) nun veraltete bedeutungen: die verleihung eines kirche…

Revision

Pfeifer_etym

revidieren Vb. ‘auf seine Richtigkeit durchsehen, überprüfen’ (vor allem im Druckerei-, Verlagswesen), entlehnt (2. Hälfte 16. Jh.) aus lat.…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „vision". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 19. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/vision/meyers?formid=V02248
MLA
Cotta, Marcel. „vision". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/vision/meyers?formid=V02248. Abgerufen 19. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „vision". lautwandel.de. Zugegriffen 19. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/vision/meyers?formid=V02248.
BibTeX
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  author       = {Cotta, Marcel},
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