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verweigern

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

verweigern v.

Bd. 25, Sp. 2170
verweigern, v. , erheblich jünger als das seit spätahd. zeit belegte simplex (vgl. th. 14, 1, 635). die belege beginnen im 16., aufnahme in die wörterbücher erst im 17. jh.: Sattler phraseologey 373; 517; Hulsius (1618) 2, 119b; 331a; Schottel hauptspr. 751; Stieler stammbaum 2513; Kramer (1702) 2, 1295a; Dentzler (1716) 316a; Frisch, Steinbach, Adelung, Campe. mundartl. ungebräuchlich: kaum populär Fischer schwäb. wb. 2, 1407. die form verwegern bei Schottel und neben verweigern bei Stieler, Kramer, Ludwig teutsch-engl. lex. 2190; belege kommen bis in die ersten jahrzehnte des 18. jh. vor: Leibniz d. schr. 2, 302; Hagedorn poet. w. 2, 164; verwegere Ettner v. Eiteritz med. maulaffe (s. u. 5 b); verwegerst Pietsch (s. u. 4 g); verwegert Frisius (1573, s. u. 3 a); Ayrer hist. proc. juris 375 (verweigert 70; 273); Nigrinus von zäuberern 364; Sandrub hist. u. poet. kurzweil 7 ndr.; Lohenstein Arminius 2, 1501 (verweigern 1, 63); Hartnack Terenz (1711) 42; verwägert Harsdörfer frauenz.-gesprächsp. 2, 69; Heräus (s. u. 4 b); verwegerten Rätel Curäi chron. 349; Binhardus (s. u. 5 a). als sinnverwandt werden angeführt abschlagen Sattler, Hulsius, Ludwig, Krünitz, nit annehmen Hulsius, nicht geben, nicht erlauben wollen Krünitz, versagen Sattler, Hulsius, Ludwig, Schwan, verwerffen Hulsius, als übersetzungen negare, denegare Hulsius, recusare, renuere Dentzler, Steinbach. 11) ganz isoliert ist einen einer sache v.: ich gehe beschämt, gekränkt, aller rechte der gastfreyheit verweigert Lessing 3, 462 M. 22) infinitiv und part. präs. zuweilen in absoluter verwendung: vor ihm (dem nörgler) ist alles schlecht, belohnen unverdient, verweigern ungerecht Eschenburg beispielsammlung 2, 212; es war ein unaufhörliches fordern und verweigern Ranke 1, 132; man liebt, das mädchen stellt sich blöde und quält verweigernd sich und euch v. Cronegk schr. 2, 265. 33) reflexiver gebrauch: 3@aa) nur in älterer zeit sich v. wie sich weigern; selten ohne ergänzung: verwaiger dich nit also sehr Spreng Ilias 119a. mit dem genitiv: diser ... hat sich mit nichten des angebottenen todts verwegert Frisius narratio de furoribus Gallicis (1573) d 3b; die königin ... umb weiblicher scham und zucht willen sich desz ... verweigert Kirchhof wendunmuth 2, 71 lit. ver.; dass sich der hellische grossfürst ... nicht unzeitig eines solchen begehrens verweigert ... hat Ayrer hist. proc. juris 70. mit dem infinitiv: als derselbige sich solches zu verrichten verweygert (Büdingen 1597) Crecelius oberhess. wb. 880; weil dieselbe (die stadt Stralsund) keyserliche guarnison einzunehmen, sich verweigert Chemnitz schwed. krieg 1, 7; als nun der hausbau vollendet und beklagter solches ein jahr bewohnet, verweigert er sich ..., das versprochene salarium abzustatten Menantes allerneueste art 551. 3@bb) seit dem 18. jh. sich einer sache (dat.) v., sie ablehnen, sich ihr unzugänglich zeigen, nichts mit ihr zu thun haben wollen, besonders beliebt bei Lessing: er verweigert sich dem groszmüthigen anerbieten 9, 265 M.; sie verweigerte sich allen arzeneyen 9, 276 M.; er verweigert sich der gnade, die sie ihm angetragen, gänzlich 10, 68 M.; sich dem kampfe verweigern Bürger 215 B.; P., als ihm der stab gebrochen war, verweigerte sich hartnäckig der absolution H. v. Kleist 3, 375 Schm. mit persönlichem dativ: ich häng an dir wie der rost am eisen. — und hast dich dem Hutten doch verweigert! Bauernfeld ges. schr. 6, 214. mit sächlichem subject, für eine behandlungsweise unzugänglich sein: sie haben (im Ugolino) ein sujet gewählet, dessen contextur sich aller dramatischen form zu verweigern scheint Lessing 17, 245 M.; ebenso verweigert sich die kunst nicht durch regellose willkür der philosophischen betrachtung Hegel w. 10, 1, 19. ungewöhnlich ist statt dessen sich zu etwas v., sich nicht zu etwas hergeben: bei so viel verdrusz auch noch schande, dazu verweigere ich mich Göthe gespräche 3, 280 B. 44) in alter und neuer zeit am häufigsten etwas v.; sofern die person, der etwas verweigert wird, genannt ist, steht sie im dativ. 4@aa) eine handlung, ein verhalten, eine leistung v., die von einem verlangt, erbeten oder erwartet wird: wer auf gott allein sihet, der verwaigert niemandte die verzeihung Albertinus zeitkürzer 32b; weil Canutus ... die lehenspflichten verweygerte Micrälius altes Pommerland 2, 265; der commandant ... konnte die übergabe nicht länger verweigern Göthe 33, 37 W.; der jungen gebieterin gehorsam zu verweigern Holtei erz. schr. 10, 43; die steuern zu v. Dahlmann gesch. d. franz. revol. 24; die annahme v. O. Jahn Mozart 4, 690; wenn seine ältern ihre einwilligung (zur verheiratung) verweigerten M. Meyr erzählungen a. d. Ries 1, 47; welche die unterschrift verweigerten Ranke 17, 126; dasz die holsteinischen truppen in Kopenhagen den eid verweigert hätten Moltke schr. u. denkw. 6, 385; auch England verweigerte wirksame hilfe Treitschke d. gesch. im 19. jh. 1, 389; dasz ich mal jemand die gastfreundschaft verweigert hätte G. Hauptmann einsame menschen (1891) 113. 4@bb) einem v., um was er bittet, was er verlangt oder worauf er ein anrecht zu haben glaubt: warum mir eine gunst, ein recht verweigern, das man dem mörder nicht versagt? Schiller 12, 437 G. (Maria Stuart 1, 7). besonders von concreten gegenständen: wie mancher sich mit dem einvettert und verschwägert, dem er vorher den stuhl zum sitzen hat verwägert, bisz er vors blinde glück sieht alle tief geneigt Heräus ged. u. lat. inschriften 252; alles geb ich, nur verweigern musz ich dir den schlüssel blos Brentano ges. schr. 3, 414; da man uns die pässe verweigert jahrb. d. Grillparzerges. 1, 25; im falle man mir die pferde verweigert G. Freytag ges. schr. 4, 394; ob uns im jahre 1866 das geld zum kriege verweigert worden ist oder nicht Bismarck pol. reden 4, 39 K. häufig einem die hand v.: sie verweigerte ihm die hand, da er (der arzt) sie beprüfen wollte Hippel lebensl. n. aufsteig. linie 3, 2, 114; als ich das letzte mal bei dir war, verweigertst du mir die hand Arnim 21, 162 Gr. übertragen, einen eheantrag abweisen: hätte ihm mein onkel meine hand verweigert? Göthe 11, 176 W. (Stella); wann hätte sie je einem freier ihre hand verweigert? H. v. Kleist 2, 248 Schm. (Käthchen 3, 3). im selben sinne einem ein mädchen v.: einst soll er sich in ein schönes mädchen verliebt haben, die ihm auch anfangs zugesagt, hernach aber wieder verweigert worden war brüder Grimm deutsche sagen (1891) 1, 218. 4@cc) in freierem gebrauch einem etwas vorenthalten, auch ohne dasz es thatsächlich gefordert worden ist: wolten sie denen andern todten Römern die ruhe im grabe nicht gönnen, solten sie solche doch einem römischen bürgermeister und feldherrn nicht verweigern Lohenstein Arminius 1, 63b; aber man kann einem groszen verbrecher eine art achtung nicht verweigern Göthe 45, 102 W. einem etwas absprechen: dadurch bekam er (der erste mensch) die begriffe, die ihm der criticus verweigert, von schneidendem eisen, güldenen schilden, ährinen wagen Bodmer v. d. wunderbaren 188; er betrachtet das mitleid nach seinen primitiven regungen, er betrachtet es blos als affekt. ohne jene zu verkennen, verweigert er nur dem funke den namen der flamme Lessing 10, 107 M. 4@dd) etwas v., nicht erlauben: der senat verweigerte dem volk anfangs die wahl eines neuen königs Niebuhr m. gesch. 1, 164; sie verweigerten den Russen den eintritt in ihre mauern Moltke schr. u. denkw. 2, 99. 4@ee) etwas v., was einem angeboten wird, ausschlagen, verschmähen, nicht annehmen: hör, ob er ein geschenk wie dies verweigern kann theater d. Deutschen 4, 24; der mann, der mich jetzt mit allen reichthümern verweigert, wird mich der ganzen welt streitig machen, sobald er hört, dasz ich unglücklich und verlassen bin Lessing 2, 227 M. (Minna 4, 1); sie verweigerte die bezahlung (weigerte sich, geld anzunehmen) O. Ludwig 2, 205 Schm.-St. 4@ff) etwas v., was sowohl angeboten als auch gefordert wird: diese, als eine gottselige fürstin, hat dem herzog von Burgund die ehe verweigert Simrock volksbücher 2, 25; welch mächtiges bündnis er verweigert habe Hauff w. 1, 5; wenn der andere ehegatte die wiedervereinigung verweigert schweiz. zivilgesetzb. art. 148; diesen gegner, der die entscheidungsschlacht beharrlich verweigerte Mommsen m. gesch. 3, 20. 4@gg) zuweilen ist nicht das erbetene, gewünschte, vorgeschlagene, angebotene das object, sondern bitte, vorschlag usw. selbst: du ... hast mir meiner vorschläg drey verweigert Ayrer hist. proc. juris 273; du schenckest ihm, warum sein hertze bittet, und seinen wunsch verwegerst du ihm nicht Pietsch schr. (1740) 105; Häschekarl war der letzte, um solch eine bitte zu verweigern v. Polenz Büttnerbauer 3, 312. 55) v. mit dem infinitiv kommt bis in die neueste zeit vor, ist aber nicht sehr gebräuchlich; zuweilen mit anaphorischem es: die hausväter allesammt verweigerns, dir nachzuziehn Fouqué altsächs. bildersaal 1, 50; wenn sich der principal tätlichkeiten ... gegen den handlungsgehülfen zu schulden kommen läszt oder es verweigert, den handlungsgehülfen gegen solche handlungen ... zu schützen handelsgesetzbuch § 71. 5@aa) v. etwas zu thun: als aber die Ungern vernamen, dasz ihnen die Thüringer den zehenden zu geben verwegerten Binhardus thür. chronica 38; weil er aber kein gelehrter, hat dasselb (das kammergericht) den gesandten zur visitation zu lassen verweigert Lehman floril. polit. 2, 842; sie verweigere den eiertanz zu tanzen Göthe 21, 161 W.; auf einer versammlung, auf der von Sachsen her gegen die Quitzows eingelaufene klagen erörtert werden sollten, verweigerten diese zu erscheinen Ranke 25, 70. 5@bb) nicht zulassen, dasz ein anderer etwas thut: damit die erzörnte Luna mich nicht zur straffe ziehe und uns ihr helles gesichte weiter zu schauen verwegere v. Ettner u. Eiteritz mediz. maulaffe 158; als er ihm verweigert auszuruhen Aurbacher volksbüchlein 17.
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Verweigern

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Verweigern , verb. regul. act. sich weigern etwas zu bewilligen, oder einem andern zum Besten zu thun, mit der vierten E…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    verweigern

    Goethe-Wörterbuch

    verweigern [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    verweigern

    Mecklenburgisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    verweigern 1. verweigern: 'n Kuß heff ick em verweigert Ro Ribn ; unmöglich machen: ein oll Fru hett den Scharprichter d…

  4. Spezial
    verweigern

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    ver|wei|gern vb.tr. (ablehnen) refodé (-dëia), neghé (-ghëia), nia conzede.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit verweigern

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Ableitung von verweigern

ver- + weigern

verweigern leitet sich vom Lemma weigern ab mit Präfix ver-.

Zerlegung von verweigern 2 Komponenten

ver+weigern

verweigern setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

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APA
Cotta, M. (2026). „verweigern". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 13. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/verweigern/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „verweigern". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/verweigern/dwb. Abgerufen 13. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „verweigern". lautwandel.de. Zugegriffen 13. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/verweigern/dwb.
BibTeX
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  author       = {Cotta, Marcel},
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